34.Spieltag 2.Bundesliga 2007/08

FC Erzgebirge Aue - TSV 1860 München 1:1 (0:0)
Sonntag, 18.05.2008 14:00 Uhr


In dem bedeutungslosen Spiel gegen den TSV 1860 München reichte es am Ende nur zu einem 1:1-Unentschieden. "Es war ein sehr schwacher Gegner", behauptete Trainer Heiko Weber und übte Kritik an seiner Mannschaft: "Wir sind schwer ins Spiel gekommen, führen dann trotzdem 1:0 und dann war es wie im ganzen Jahr: Wir nehmen den einen Zweikampf nicht so wichtig und der Ball ist drin." Aue war zuhause seit fünf Spielen ungeschlagen, die Löwen seit vier Spielen sieglos. Egal, ob eine Serie zu Ende ging oder nicht, auf die Tabelle hatte das nur noch minimale Auswirkungen. Mit einem großen Fußballfest wollte sich der FC Erzgebirge Aue aus der 2. Fußball-Bundesliga verabschieden. "Unser Publikum hat das Recht, dass wir in unserem vorläufig letzten Spiel in der 2. Liga kämpfen und auf Sieg spielen. Das versprechen wir unseren Fans", sagte Cheftrainer Heiko Weber vor dem letzten Duell als Zweitligist. Dass Aue nach fünf Jahren absteigt, steht seit dem vorletzten Spieltag fest. "Ich bin enttäuscht, dass unserem letzten Spiel nun die Brisanz und die Dramatik fehlen, die es gehabt hätte, wenn der Klassenverbleib noch möglich gewesen wäre", bedauerte der 42-Jährige. 1860 München hat das Saisonziel ebenfalls nicht erreicht und musste bis vor wenigen Tagen sogar noch um den Klassenerhalt bangen. Denn eigentlich wollten die Löwen um den Aufstieg in die erste Liga mitspielen, von diesem Ziel war die Truppe am Ende aber weit entfernt.
Im Spiel um die goldene Ananas, wie es so schön heißt, konnte Weber noch einmal aus dem Vollen schöpfen und damit vielleicht die Schmach im Hinspiel wettmachen. Am letzten Spieltag vor der Winterpause, blamierte man sich nämlich mit 0:5 in der Allianz-Arena, was den Rücktritt von Trainer Gerd Schädlich nach sich zog. Leider bot Aue insgesamt mehr Magerkost als Fußballfest: Trainer Heiko Weber bot zunächst elf Spieler auf, mit denen er auch in der kommenden Saison in der neuen 3. Liga bestehen will. Allerdings ist noch offen, auf welchen Kader er bauen kann. Erst am Dienstagabend läuft die Frist an die Spieler aus, sich zu ihren Vertragsangeboten zu äußern. Das prominenteste Opfer von Webers Aufstellungsformel war Tomasz Bobel, den der Trainer nach seinen zuletzt dürftigen Leistungen als Torwart aussortierte. Für ihn kam Stephan Flauder zu seiner Premiere in der 1. Mannschaft. "Er ist eins unserer größten Talente und ich bin sehr zufrieden mit seiner Leistung heute", sagte Weber. Im Angriff tauchten erstmals unter seiner Leitung drei Stürmer auf. Zum Mittelfeld hin klaffte jedoch ein Loch. Die Veilchen kamen so nicht ins Spiel und hatten bis zur Pause nur wenige Chancen durch Schüsse von Florian Heller (18.), Jiri Kaufman (35.) und Skerdilaid Curri (38.), bei denen Gäste-Torwart Michael Hofmann nicht einzugreifen brauchte. Chancenlos war der Keeper bei einer Hereingabe von Skerdilaid Curri (42.), die Berhalter bei einer verunglückten Abwehraktion an die Latte schoss. Die Münchner verbreiteten ihrerseits auch kaum Torgefahr und so war neben den fehlenden Torszenen auch das Tempo bald raus. Die Partie, in der es um nichts mehr ging, plätscherte auf niedrigem Niveau dahin. Zur Pause stand es 0:0 und der Versuch beider Teams zum Saisonabschluss noch einmal was zu zeigen, war nur in Ansätzen zu sehen.
Zur zweiten Halbzeit kamen auf beiden Seiten frische Offensivkräfte, di Salvo kam bei den Löwen für Göktan und Heiko Weber schickte mit Adam Nemec (Tom Geißler blieb in der Kabine) den vierten Stürmer aufs Feld. Der Slowake belebte das Angriffsspiel sofort: In der 55. Minute setzte er sich beim Kopfball gegen zwei Verteidiger durch, doch Hofmann parierte. Die nächste gute Möglichkeit ließ nicht lange auf sich warten. Der Ball kam von der rechten Seite über Florian Heller zu Adam Nemec, der am kurzen Pfosten per Kopf auf den Fuß von Jiri Kaufman ablegte, doch dessen Direktabnahme etwas mehr Gefühl vertragen hätte - drüber. Aue, mit den besseren Möglichkeiten, drängte auf den ersten Treffer. Adam Nemec hat einiges an Gefährlichkeit für das Spiel der stärker werdenden Hausherren gebracht und hatte in der 65. Minute eine weitere Einschussmöglichkeit. Hierbei sei anzumerken, dass Skerdilaid Curri der auffälligster Spieler in Reihen der Auer war. Mit seinen Dribblings konnte er immer wieder mal für Raum sorgen. Die Gäste hatten mit dem quirligen Albaner so ihre Schwierigkeiten und kamen nur noch selten vor das Tor von Stephan Flauder. Eher zufällig ergaben sich doch brenzlige Situationen für den Youngster. Kucukovic hatte mit einem Latten- (68.) und einem Pfostentreffer (72.) die besten Chancen der Gäste.
Genau dazwischen erzielte Adam Nemec sein zehntes Saisontor. Wieder war es Florian Heller, der Schwarz stehen gelassen hatte und aus dem Lauf heraus zu Adam Nemec passte, der mit wenig Mühe zur Führung einköpfte. Drei Mal hatten die beiden es versucht, beim dritten klappte es endlich. Aue in dieser Schlussphase mit einem optischen Übergewicht, doch nur fünf Sekunden vor Ablauf der Spielzeit entriss Johnson mit seinem Last-Minute-Tor den sicher geglaubten siebten Heimsieg der Saison und damit einen versöhnlichen Abschluss. Abwehrrecke Tomasz Kos bekannte: "Das war spiegelbildlich für die ganze Saison." Ähnlich urteilte auch Marco Kurth. "Es tut weh. Dass es heute nicht für den Sieg gereicht hat, ist eine Qualitätsfrage", sagte der Mittelfeldspieler. Für Aue ist dieses Remis etwas unglücklich, bei den Löwen hätte eine Niederlage fast besser zur Rückrunde gepasst, als schlechteste Mannschaft der zweiten Liga nach der Winterpause beenden sie die Saison im grauen Mittelfeld auf dem elften Tabellenrang und für den FC Erzgebirge Aue ist das letzte Kapitel 2. Bundesliga abgeschlossen.
Wie titelte damals 'die Zeit': Das Wunder von Aue. Allein es fehlt im Augenblick der rechte Glaube an den deutschen Fußball. Ihm geht es wie dem Aufbau Ost. Große Transfersummen und Sonderkommissionen schaffen noch keine Global Player. Abstiegsangst beherrscht die Fußballnation wie das richtige Leben. Die Verlierer im Osten hängen der torlosen Sicherheit des Sozialismus nach. Die im Westen trösteten sich im Fritz-Walter-Wetter dieses Sommers mit dem Wunder von Bern. Wir waren das Volk, endlich wieder, 1954. Doch wer vollbringt heute noch Wunder? Aue, zum Beispiel, und sein FC. Aue wo? Aue im sächsischen Erzgebirge, Aue im Winkel zwischen Thüringen, Bayern und Tschechien. Seine 18.500 Einwohner passen gerade ins Stadion. Das ist oft ausverkauft, weil die ganze Region hinter ihren Sportlern steht. Fußballer und Fußballerinnen, Handballer und Ringer haben sich in der 2. Bundesliga etabliert. Aues beste Betriebe, geführt von Erzgebirglern, exportieren in alle Welt. Die alte Silberstadt hat ihre Schulden deutlich unter den Landesdurchschnitt abtragen können. Der FC mit dem einheimischen Unternehmer Uwe Leonhardt an der Spitze und Klaus Toppmöllers Sohn Dino im Sturm ist gänzlich schuldenfrei. Der Etat beträgt 5,6 Millionen Euro - weniger als einer der Stars vom börsennotierten Schuldenmacher Dortmund allein kostet. Dennoch führen Traditionsvereine wie Dresden, Leipzig, Magdeburg ein Kümmerdasein im Schatten der lila "Veilchen" aus Aue, 2003.
Und was ist heute. Fünf Jahre scheinen in der 2. Bundesliga eine Zeit zu sein, in der Fußballmannschaften überaltern und Probleme mit dem Klassenerhalt bekommen, siehe Aue diese Saison und Burghausen letztes Jahr. Der Verein stand in der Saison 2007/08 vor der schwierigen Situation, die Mannschaft zu verjüngen und gleichzeitig die Qualität zu erhöhen, da die Konkurrenz im Vergleich zu den früheren Jahren wesentlich stärker geworden war. Diese zwei Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen, war anscheinend eine Nummer zu groß für das begrenzte Budget. Rückblickend muss man auch sagen, dass die Vertragsverlängerung von Gerd Schädlich als Trainer vor einem Jahr der Anfang vom Ende war. Ein neuer Trainer hätte aber in der breiten Öffentlichkeit für gewaltigen Aufruhr gesorgt! Doch es geht hier aber nicht um Personen, sondern um den Verein, der durch den Abstieg letztendlich eine komplette Mannschaft verliert und auf Jahre hinaus die 2. Liga aus den Augen verloren hat. Da nicht mehr Geld da war und das Denkmal G.S. nicht antastbar war, startete man also in die neue Saison 2007/08 mit einer der Papierform nach stärksten Mannschaft aller Zeiten. Nach einem für Auer Verhältnisse gutem Start (außer dem Pokal) stellten sich bald die Misserfolge ein, neben individuellen Fehlern der Abwehr kamen sportliche Ausfälle (Paulus, Sykora) sowie Verletzungspech (Sträßer, Geißler, Kaufman, Heller, Nemec) hinzu, der absolute Tiefpunkt war die 0:5-Niederlage bei 1860, der ausschlaggebend für den Rücktritt von Gerd Schädlich war. Zu diesem Zeitpunkt hatte man 2 Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz.
Dann folgte der entscheidende und letztendlich tödliche Fehler: die Verpflichtung von Roland Seitz und Mirko Reichel. Ein Trainerteam, was zwar trainingstechnisch top aktuell war und die Mannschaft bis aus Ausnahmen (Osnabrück, FCK) in den Heimspielen durchaus zu sehr guten Leistungen animieren konnte, die schlechte Auswärtsbilanz blieb allerdings bestehen. Zweifelhafte Schiedsrichterentscheidungen zu Gunsten von Kaiserslautern (in Mönchengladbach, Freiburg, Mainz) verhinderten eine bessere Punktausbeute. Mit einer Serie von mehreren sieglosen Spielen sank auch die Autorität des Trainerteams, dazu kamen taktische Fehler (Wehen, Osnabrück), kleinere Skandale (MDR-Interview von Jörg Emmerich, Baby-Affäre um Axel Keller) und zum Schluss hatte man das Gefühl, der Cheftrainer hieß nicht Seitz sondern Uwe Leonhardt. Nach dem Unentschieden gegen Kaiserslautern und der Niederlage in Aachen stand die Mannschaft vor dem Abstieg. Mirko Reichel wurde die Cheftrainerrolle angeboten, dies lehnte er ab und so wurden Roland Seitz und Mirko Reichel entlassen.
Für die restlichen 5 Spiele sowie vor allem für den Neuaufbau in der 3. Liga wurde Heiko Weber verpflichtet. Der Klassenerhalt war zu diesem Zeitpunkt nur noch rechnerisch möglich, die über die gesamte Saison vorhandenen Defensiv- und Auswärtsschwächen konnten auch in den letzten Spielen nicht beseitigt werden. Sodass man sich am Ende von fünf Zweitliga-Jahren mit einer weiteren Enttäuschung aus dem Fußball-Unterhaus verabschiedete.

Spielanalyse von Bundesliga.de:

Heimmannschaft Was Gästemannschaft
7 Ecken 8
15 Freistöße 6
55% Ballbesitz 45%
15 Torschüsse 16
48 Zweikämpfe 47
49.47% - davon verloren 50.53%
22 lange Bälle 26
54% - davon nicht angekommen 46%

Aufstellung FC Erzgebirge Aue

Tor:
Flauder

Abwehr:
Müller, Kos, Paulus, Sträßer

Mittelfeld:
Heller, Kurth, Geißler

Angriff:
Curri, Sykora, Kaufman


Einwechslungen:
46. Nemec für Geißler
56. Orahovac für Sykora
74. Emmerich für Kaufman

Aufstellung TSV 1860 München

Tor:
Hofmann

Abwehr:
Ledgerwood, Thorandt, Szukala, Berhalter

Mittelfeld:
Göktan, D. Schwarz, B. Schwarz, Holebas

Angriff:
Bierofka, Kucukovic


Einwechslungen:
46. di Salvo für Göktan




Tore:
1:0 Nemec (71.), 1:1 Johnson (90.)


Gelb: - Thorandt, Berhalter
Gelb-Rot:
Rot:


Schiedsrichter: Frank Willenborg (Osnabrück)


Zuschauer: 12.100

Fotos vom Spiel


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