21. Spieltag 2. Bundesliga 2010/11



MSV Duisburg - FC Erzgebirge Aue 3:1 (1:0)
Sonntag, 06.02.2011 13:30 Uhr


Vorbericht

Hinrundenspiel

Am Mittwoch landete Goran Sukalo seinen größten Volltreffer: Sohn Liam kam zur Welt. Gestern legte der Slowene zwei Treffer nach. Mit seinen beiden Kopfball-Toren gegen Erzgebirge Aue im heimischen Stadion lässt er die Fans des MSV Duisburg weiter von der Fußball-Bundesliga träumen. Falls dies im Umfeld der Lila-Veilchen auch jemand zu tun gedachte, so wurde er beim 1:3 in der Wedau wieder in den munteren Alltag zurückgeholt: Und der heißt: Auf fremdem Platz können die Veilchen nicht über ihren Schatten springen, fehlt es in der Offensive an Qualität und in der Abwehr passieren einfache Fehler: "Die Spieler müssen auch selbst mitdenken und das umsetzen, was ich ihnen vor der Partie sage. Das ist eine Kopffrage. Es gab bei Standards eine klare Zuteilung", kritisierte Trainer Rico Schmitt ohne konkrete Namen nennen zu wollen. Damit zielte er auf die ersten beiden Gegentore, die Schütze Sukalo anschließend seinem Sohn und seiner Frau widmete. Beim ersten Treffer zirkelte Trojan per Freistoß das Leder auf den Kopf des 29-Jährigen, um den sich kein Abwehrspieler kümmerte. Der herauslaufende Schlussmann Martin Männel hechtete am Ball vorbei. Beim zweiten Gegentor (74.) besorgte Benjamin Kern den Freistoß, FCE-Verteidiger Thomas Paulus verlor das Kopfballduell, und Männel reckte sich vergebens nach der Kugel. "Klar sehe ich da dumm aus. Aber wenn der Ball 40 Meter in der Luft ist und drei Gegenspieler sind vor mir frei, kann ich auch nichts mehr machen", klagte Aues Keeper. Danach, so meinte FCE-Kapitän René Klingbeil, befand sich sein Team im Schockzustand. Zwar keimte mit Tobias Kempes Aufsetzerball zum 1:2 (88.) nochmal Hoffnung im Auer Fanblock, doch mit dem Schlusspfiff sorgte der eingewechselte Schäffler, einer von drei deutschen Profis im MSV-Team, für die Entscheidung.
Null Punkte und 1:13 Tore in den vergangenen vier Auswärtspartien stimmten Trainer Schmitt nachdenklich. Letztlich spielen die Veilchen zwar immer noch eine sensationelle Saison, und Traditionsmannschaften wie Arminia Bielefeld würden wahrscheinlich ihre Alm hergeben, um mit Aues Tabellenplatz zu tauschen. Auch die "Zebras" aus Duisburg galoppierten erst im direkten Duell am Aufsteiger vorbei. Dies allerdings mit fleißiger Unterstützung des Gegners. Denn Aue hätte gewarnt sein müssen. Bereits gegen Fürth traf Sukalo zweimal per Kopf nach Ecke, und das gleiche Schema funktionierte auch mit einem Tor beim Pokalsieg gegen Kaiserslautern. Da half es auch nichts, dass der ehemalige Aue-Keeper Sven Beuckert seinem Ex-Verein half, einen Rasenplatz in der Wedau für das Abschlusstraining zu finden. Im Stadion war in der Woche ein nagelneuer Rollrasen für 100.000 Euro verlegt worden. Duisburg hatte sich für diese Investition entschieden, dafür kein Geld für neue Spieler ausgegeben. Gegen Aue fehlte zudem Dortmund-Leihgabe Julian Koch (Magen-Darm-Infekt), ein Leistungsträger des MSV. Dennoch reichte es für die offensiv aufgestellten Erzgebirger bei 60 Prozent Ballbesitz nur zu einer echten Torchance (Curri/27.). "Wir schaffen es nicht, gefährliche Eingaben in den Strafraum zu schlagen", erklärte Trainer Rico Schmitt. Deshalb würde ihm selbst ein frisch gebackener Vater à la Sukalo nichts nützen. Den hätte Rico Schmitt ja sogar zu bieten: Najeh Braham, vor gut drei Wochen Vater von Sohn Adam geworden, wirkte jedoch gestern - Steigerungsraten offenbarend - beim 1:0-Testsieg der Auer U23 bei FK Teplice mit: Das Siegtor gelang Franco Stopp.
Bericht von Freie Presse.de


Duisburgs Azubi und Publikumsliebling Tobias Willi war sich bereits vor dem Anpfiff sicher: "Aue ist ekelhaft zu bespielen, deshalb wird es sicherlich kein schönes Match." Die Vorzeichen waren jedenfalls nicht gut, denn kurzfristig musste Milan Sasic verletzungsbedingt auf Shootingstar Julian Koch verzichten. Dafür stand aber Kapitän Srdjan Baljak erstmals im Sportjahr 2011 wieder in der Startelf.
Doch zu Sasics Verwunderung entwickelte sich auf dem neuverlegten Rasen eine lebhafte Partie, in der die Duisburger ihre spielerische Überlegenheit unter Beweis stellte und die Gäste vor allem im ersten Durchgang immer wieder vor große Probleme stellten. Die Begegnung lief gerade einmal 75 Sekunden, als die Weiß-Blauen ihre erste Chance hatten. Nach einer Ecke von Filip Trojan bediente Goran Sukalo seinen Kollegen Stefan Maierhofer per Kopfball. Doch zwei Meter vor dem Kasten konnte der Angreifer keinen Druck mehr hinter den Ball bekommen, sodass sein Kopfballversuch über das Gehäuse von Martin Männel ging. In der zwölften Minute sorgte die gleiche Situation für die nächsten drei Großchancen der Hausherren. Ecke Trojan, Aue kriegte den Ball nicht aus dem Sechzehner. Ivica Banovic nahm dem Abpraller aus zwölf Metern volley, doch Männel klärte erst das Geschoss und dann auch noch den Nachschuss mit sensationellen Reflexen. Bei der darauf folgenden Ecke, die erneut Trojan schoss, hatte dann Goran Sukalo das 1:0 auf dem Kopf, aber dieser Ball sollte noch drüber gehen. Drei Minuten später war es dann aber so weit. Trojan zirkelte erneut einen Freistoß genau auf die Rübe von Sukalo und der 'Sechser' ließ Männel dieses Mal keine Chance. Es war das hochverdiente 1:0 für den MSV (15.). Und die Zebras bewiesen beim anschließenden Jubel erneut ihren Zusammenhalt, denn die Jubelchoreographie zeigte eine Baby-Schaukel. Hintergrund: Der Torschütze ist am Dienstag zum ersten Mal Vater geworden. In der 27. Minute hatte der MSV dann auch das nötige Glück. Bruno Soares und Benjamin Kern waren sich bei einem Abwehrversuch nicht einig und plötzlich bot sich Skerdilaid Curri die Chance, frei aus elf Metern zum Schuss zu kommen, doch er verfehlte das Ziel. Es war das erste und einzige Lebenszeichen der Ostdeutschen in den ersten 45 Minuten.
Auch nach dem Seitenwechsel änderte sich das Kräfteverhältnis vorerst nicht. Die Zebras dominierten das Spiel und blieben dabei stets gefährlich. Von Aue war bis auf gelegentliche Konterversuch bis zur 60.Minute rein gar nichts zu sehen. Doch dann nahmen sie plötzlich das Heft in die Hand, ohne aber echte Torgefahr auszustrahlen. Ganz anders der MSV. Die Duisburger zogen die Zügel nach zehn Minuten wieder an. Und das wurde auch sofort belohnt. In der 74. Minute ließ Sukalo Männel erneut keine Chance, als er den Ball aus elf Metern gekonnt zum 2:0 in die Maschen köpfte. Die 17.667 Zuschauer standen Kopf. Das galt in der 87. Minute dann auch für die Abwehr der Weiß-Blauen, die erstmalig unsortiert war. Den plötzlichen Freiraum nutzte Tobias Kempe zum 2:1-Anschlusstreffer. Doch die Zebras ließen sich nicht mehr aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil. Die eingewechselten Sefa Yilmaz und Manuel Schäffler sorgten in der 90. Minute für die Entscheidung. Yilmaz passte auf Schäffler und der drosch die Kugel zum 3:1-Endstand über die Linie. Und wie zuletzt in München hieß es: Ausgerechnet Schäffler. Denn der Stürmer feierte am Sonntag seinen 22. Geburtstag und machte sich selbst das schönste Geschenk.
Bericht von Reviersport.de

Spieldaten
Heimmannschaft Was Gästemannschaft
5 Ecken 4
23 Fouls 10
0 Abseits 1
40.1% Ballbesitz 59.9%
18 Torschüsse 11
142 Zweikämpfe 142
49% - davon gewonnen 51%
21 lange Bälle 30
14 - davon nicht angekommen 24


Aufstellung MSV Duisburg

18 Yelldell
14 Soares 25 Bajic
6 Kern 28 Veigneau
4 Banovic 15 Sukalo
11 Sahan 10 Trojan
9 Baljak
19 Maierhofer

Einwechslungen:
71. Yilmaz für Trojan
84. Schäffler für Maierhofer
88. Grlic für Baljak

Aufstellung FC Erzgebirge Aue

1 Männel
5 Lachheb 4 Paulus
6 Schlitte 15 Klingbeil
22 Hensel
17 Hochscheidt 14 Curri
30 Müller 27 Kempe
18 Kern

Einwechslungen:
62. Strauß für Curri
62. Milchraum für Müller
78. Glasner für Hochscheidt


Tore:
1:0 Sukalo (15.), 2:0 Sukalo (74.), 2:1 Kempe (88.), 3:1 Schäffler (90.+1)


Gelb: Bajic (2), Sukalo (5), Maierhofer (5), Sahan (1) - Hensel (7)
Gelb-Rot:
Rot:


Schiedsrichter: Tobias Stieler (Obertshausen)
Assistenten: Thorsten Schiffner, Arno Blos


Zuschauer: 17.667


Fotos vom Spiel


zurück