3.Spieltag 3.Liga 2008/09

FC Erzgebirge Aue - VfR Aalen 0:0 (0:0)
Samstag, 16.08.2008 14:00 Uhr


"Muss, muss, muss", so die ersten Worte von Teammanager Heiko Weber nach dem torlosen Unentschieden gegen den VfR Aalen. Die Frage die er beantworteten sollte, ist den 7.500 Zuschauern mehr als nur anschaulich vorgeführt worden. Fast 90 Minuten lang gab es ein Spiel auf ein Tor, doch am Ende reichte es erneut nicht zu einem Sieg. Einige gute Möglichkeiten wurden gegen den VfR Aalen zu überhastet vergeben, oftmals kam dabei der finale Pass zu ungenau. Doch die Tore müssen eben dennoch fallen. Aber besonders gegen so einen defensiv eingestellten Gegner, wie Aalen das souverän praktizierte, ist dieses Unterfangen leichter gesagt als getan. Die Gäste traten sehr passiv auf, taten fast nichts für die eigene Offensive. "Wir wollten hinten sicher stehen und gelegentlich kontern. Das ist uns auch ganz gut gelungen. Deshalb ist unser Punktgewinn hier letztlich auch verdient", sagte VfR-Stürmer Mayer, der fünf Minuten vor dem Schlusspfiff sogar fast noch den Siegtreffer erzielt hätte. Martin Männel, der wie abgemacht im Auer Tor stand, zeigte eine glänzende Reaktion und sicherte so den Punkt.
Das wär's noch gewesen. 10:3 Ecken, minutenlanges Powerplay am gegnerischen Strafraum, ein Chancenverhältnis von 15:2, 30 Minuten in Überzahl und dann geht der zweite Schuss von Aalen fast noch rein. Neenee, völlig suspekt, allerdings nicht ganz abwegig, wie man es leider Gottes beobachten konnte. Zwar wirbelten Skerdilaid Curri und Mohamed El Berkani mit ihren Dribblings die Abwehrreihe des VfR so manches Mal durcheinander, der zielgerichtete Pass kam aber oft zu ungenau oder Gästekeeper Linse erwies sich als Meister seines Fachs. So auch in der 4. Minute, als Jan Hochscheidt nach guter Vorarbeit von Mohamed El Berkani abzog. Selbst Daniyel Cimen überwand Aalens Schlussmann mit seinem 24-Meter-Kracher nicht. Zwar ließ Linse diesen nur prallen, aber Sebastian Glasner kam nur wenige Zentimeter zu spät, sodass der Keeper das Leder im Nachfassen sicher behauptete.
Mehrmals hatte der 'Fast-Abstauber' selbst die Führung auf dem Fuß. Allerdings brachte der 23-jährige Neuzugang aus Darmstadt das Runde nicht ins Eckige. "Aufwand und Leidenschaft waren riesig, doch der letzte Ball ist leider nicht durchgerutscht", ärgerte sich der Mittelstürmer, der im Vorjahr in der Oberliga immerhin 21 Mal für die Lilien getroffen hatte. "Ich mache mich deswegen jetzt nicht verrückt. Ich bin gerade mal zwei Wochen hier in Aue. Es wird besser werden", versprach Sebastian Glasner, der ebenfalls als Vorbereiter zu gefallen wusste. Nach einem Konter setzte er Skerdilaid Curri mit einen überlegten Pass in den Rücken der Abwehr in Szene. Doch der Wirbelwind erwischte die Hereingabe nur mit dem schwachen linken Fuß, sodass der Ball eher kraftlos am Pfosten vorbei strich (35.). Aue blieb weiterhin ohne Ideen den Abwehrriegel zu knacken. Aalen, ohne jegliches zu tun für die eigene Offensive, blockte jede Angriffswelle rigoros ab. So verpufften reihenweise gute Möglichkeiten: Marc Hensel mit einem Schuß aus der zweiten Reihe - drüber, Mohamed El Berkani auf den kurzen Pfosten - gehalten oder der überraschte Thomas Paulus nach einem von Tomasz Kos verlängerten Eckball - vorbei. So ging es aus Sicht der Gäste mit einem schmeichelhaften torlosen Remis in die dunklen Katakoben des 'Old Otto'.
Nach dem Seitenwechsel traute sich das Team von der Ostalb mehr zu. Teinert setzte kurz nach Wiederanpfiff den ersten Warnschuss, indem er ansatzlos aus spitzem Winkel abzog. Zum Glück genau in die Arme von Martin Männel. Nach dieser Schrecksekunde sah man schließlich das gleiche Bild wie in Hälfte eins. Chancen wurden von den Lila-Weißen zu Hauf herausgespielt, aber effizient in Tore umgemünzt, wurden sie nicht. Selbst nachdem der Aalener Sailer in der 64. Spielminute wegen einem Schubser an Thomas Paulus die Rote Karte sah, konnten die Veilchen kein Kapital aus ihrer Überzahl schlagen und scheiterten erneut an der eigenen schlechten Chancenverwertung.
Daniyel Cimen, der nach einem Zusammenprall mit Schöckel angeschlagen weiterkämpfte und zweifellos überzeugte, wusste um die fehlende Kaltschnäuzigkeit und deren groben Versagen vor dem Tor: "Wir haben uns dieses Remis selbst zuzuschreiben. Wir müssen in der Chancenverwertung einfach cooler werden. Zwar ist es uns gelungen, hinten die Null zu halten, doch vorne haben wir unsere Möglichkeiten nicht konsequent genug genutzt."
Zu allem Überfluss vermisste man die Souveränität bei der Unparteiischen. Bibiana Steinhaus aus Hannover stand zu dieser Zeit völlig neben sich. So gab sie bei einem Foul an Arne Feick statt dem eigentlichen Übeltäter Sickel, der in der ersten Halbzeit bereits verwarnt wurde, nun Haller den gelben Karton und wenige Augenblicke später, übersah die Polizeibeamtin wieder ein fieses Foul von Sickel, der gewissermaßen schon beim Duschen hätte sein müssen. Der Platzverweis von Sailer machte dies zwar wieder wett, jedoch auf eine völlig andere Art.
Die Wechselorgie von VfR-Trainer Edgar Schmitt oder auch 'Euro-Eddie' genannt, ging hierbei ebenfalls fast unter. Einzig am Spielgeschehen änderte sich nichts. Immer wieder versuchte Aue die 'Betonanrührer' aufs Glatteis zu führen. Doch fast vorhersagbar war der Ablauf des Ganzen. Zum Beispiel in der 68. Minute: Nach Jan Hochscheidts guten Pressing im Mittelfeld, bediente er mit einem langen Ball Skerdilaid Curri, dessen scharfe Hereingabe verpasste Sebastian Glasner im Fünfmeterraum nur knapp und der heranstürmende Arne Feick probierte es mit einer Direktabnahme. Endstation war meistens irgendein Aalener Fuß.
Heiko Weber wechselte nun auch endlich. Für die Veilchen kam Fatih Yigitusagi als zweite nominelle Sturmspitze. Aber auch Innenverteidiger Tomas Kos versuchte sich als Angreifer. Hinten hielt den Kapitän schon lange nichts mehr. Warum auch. Aalen verschanzte sich in der eigene Hälfte und hatte sichtlich Spaß am Belagerungszustand gefunden. Nach drei Kopfballeinlagen von Marc Hensel (70.), Tomasz Kos (78.) und Sebastian Glasner (82.), versuchte es Arne Feick nach einem Solo mit einem Gewaltschuss aus 14 Metern, der Ball ging, wie sollte es an diesem Tag auch anders sein, weit über das Aalener Tor. Letzten Endes erreichte Markus Müller, der für den heuer erfolglosen Sebastian Glasner ins Spiel kam, auch nichts mehr, wobei man diesen Schachzug hätte eigentlich früher machen müssen. So wurde das Spiel unter Rudelbildung beendet.
Fazit: einen Punkt geholt und zwei verloren. Der FC Erzgebirge Aue konnte auch im zweiten Heimspiel kein Tor erzielen und wartet nun mehr nach drei Saisonspielen immer noch auf den ersten Sieg. "Natürlich sind wir enttäuscht. Wir haben jetzt in vier Pflichtspielen dreimal nicht getroffen, aber das liegt nicht allein an unseren Stürmern", resümierte Teammanager Heiko Weber. Torwart Martin Männel ging da schon härter ins Gericht mit seinen Vorderleuten: "Der eine oder andere hat heute bloß 90 statt 100 Prozent gebracht. Wenn der gegnerische Torhüter schon den Ball prallen lässt - dann muss auch mal ein Spieler nachsetzen." Routinier Thomas Paulus wollte der Offensive keinen Vorwurf machen: "Wir gewinnen und verlieren als Mannschaft."


Aufstellung FC Erzgebirge Aue

1 Männel
3 Kos 4 Paulus
22 Hensel 30 F. Müller
17 Hochscheidt 6 Cimen
10 El Berkani 21 Feick
14 Curri
9 Glasner

Einwechslungen:
72. Yigitusagi für Curri
87. M. Müller für Glasner


Aufstellung VfR Aalen

1 Linse
22 Alder 4 Bader
2 Schöckel 17 Traub
77 Mayer 6 Stickel 7 Haller
10 Okic
18 Sailer 11 Teinert

Einwechslungen:
60. Stahl für Okic
60. Shynder für Teinert
90. Wingerter für Mayer


Tore:
Fehlanzeige


Gelb: Cimen (1) - Stickel, Mayer, Haller
Gelb-Rot:
Rot:
Sailer (64. Tätlichkeit)


Schiedsrichter: Bibiana Steinhaus (Hannover)
Assistenten: Tino Wenkel, Marek Preuß


Zuschauer: 7.500


Fotos vom Spiel


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