38.Spieltag 3.Liga 2008/09

FC Erzgebirge Aue - SG Dynamo Dresden 1:1 (0:0)
Samstag, 23.05.2009 14:15 Uhr


Vorbericht

Das war sie, die dritte Liga im Premierenjahr. Die Veilchen gehen aus ihr mit dem zwölften Rang hervor, was eigentlich mit der vom FCE-Präsident Uwe Leonhardt herausgebrüllten Zielsetzung, ein einstelligen Tabellenplatz am Ende inne zu haben, nun ganz und gar nicht harmoniert, über das katastrophale Ausscheiden aus dem Sachsenpokal legt man lieber gleich den Mantel des Schweigens. Auch die Krone der besten sächsischen Mannschaft konnte sich der FC Erzgebirge abschminken. Mit einem Sieg im letzten Heimspiel wäre dieser einzige Triumph noch geblieben, aber so wanderte trotzt bester Torchancen der imaginäre Pott nach elf Jahren an die Elbestädter.
Wenigstens präsentierten sich die Veilchen nach vier sieg- und torlosen Spielen vor der Saisonrekordkulisse mit 12.500 Zuschauern auf relativ gutem Niveau und man hatte die dreiviertelstündige Zwangspause vor Spielbeginn, weil knapp 1.000 Anhänger der Gelb-Schwarzen nach einer verkorksten Bahnreise erst kurz vor 14:15 Uhr das Erzgebirgsstadion erreichten, besser weggesteckt als die Gäste. Die Verspätung nutzte außerdem das Fanprojekt Aue um den diesjährigen FCE-Fußballer zu ehren. Sieger wurde hierbei Mannschaftskapitän Tomasz Kos mit 1.530 Punkten vor seinen Teamkameraden, dem Vorjahresgewinner Skerdilaid Curri mit 1.312 Punkten sowie Aues bester Torschütze Arne Feick mit 1.214 Punkten.
Schiedsrichter Dr. Helmut Fleischer hatte dann aber genug vom Sonnenbaden und pfiff das Ding endlich an. Doch gab es zunächst zwiespältige Ansichten aufgrund der vielleicht letzten Aufstellung von Teammanager Heiko Weber. Als alleinige Spitze stand der seit drei Wochen kränkelnde Eric Agyemang auf dem Platz. Gerade im letzten Spiel vor heimischer Kulisse braucht man doch eigentlich keine Mauertaktik, dennoch fand man Allrounder Marc Hensel neben Marco Stark vor der unveränderten Abwehrkette wieder. Auf der Position des zentralen Mittelfeldregisseurs versuchte Sven Müller die Bälle an den Mann zu bringen, es blieb in der Anfangsviertelstunde leider nur bei den Versuchen. Gefährlich für die bis dato blütenweise Weste des Ex-Veilchenkeeper Axel Keller waren einzig die Standards. Vor allem Kapitän Tomasz Kos wollte mit aller Macht sein erstes Tor in der dritten Liga erzwingen. Sein Kopfball aus acht Metern platzierte er in der fünften Minute jedoch zu ungenau, verpasste so die frühe Führung herzustellen. Überdies wartet der 35-jährige Pole seit dem 10. Spieltag der Zweitligasaison 2007/08 auf einen weiteren Torerfolg. Der 1,91 Meter große Abwehrrecke, der für den 1. FC Nürnberg 53 Bundesligaspiele bestritt und seit 2004 in Aue ist, traf im Trikot der Veilchen bereits viermal, das Letzte jedoch ging ins Eigene. Und heuer versuchte die personifizierte Kampfmaschine den Gästen aus Dresden vorzeitig einen reinzuwürgen.
Doch auch sein zweiter Versuch brachte nicht den gewünschten Erfolg, sodass das Leder nach einem Eckball statt in über das Tor flog (24.). Zuvor wäre Eric Agyemang als begnadeter Imker zugelassen worden, doch blockte die Biene Willi, achneeee Oppitz wars, im letzten Moment sein Drehschuss aus Nahdistanz zur Ecke (19.). Auf der Gegenseite ging Keeper Martin Männel zum ersten Mal der Tätigkeit nach, wofür er auch bezahlt wird. Savrans Fallrückzieher stellte den ehemaligen U20-Nationaltorhüter allerdings vor nicht all zu große Probleme (16.). Nach den kurzweiligen Aktionen verflachte die Partie, nein nicht verflachte, sie wurde, ähm, ausgeglichener und die 22 Akteure beackerten größtenteils den Raum zwischen den Sechzehnern. Erst in der 38. Minute war Tomasz Kos erneut per Kopf zur Stelle, doch diesmal ging der Ball links vorbei. So blieb es aus Sicht der Auer beim unglaubwürdigen 0:0-Pausenstand. Selbst SGD-Trainer Ruud Kaiser bescheinigte den Veilchen, dass "sie richtig heiß waren" und im Gegensatz zu seinen Schützlingen "mehr kämpften". "Wir haben jedes Kopfballduell verloren, standen zu weit weg vom Gegner und kamen nicht in die Zweikämpfe", hörte man ebenfalls aus seinem Mund, welcher sich kurz nach Wiederanpfiff wohl bis zu den Ohren verlängerte.
Denn trotz der Auer Überlegenheit durften die 3.000 Gästefans zuerst jubeln. Ein schnellausgeführter Freistoß von Truckenbrod reichte aus, um die Abseitsfalle der bis dato sattelfesten Hintermannschaft auszuschalten. Die weite Diagonaleingabe gelangte zum völlig alleingelassenen Dobry, der im Anschluss viel Zeit hatte, um den Ball an Martin Männel vorbeizuschlenzen (48.). "Das war definitiv Abseits", schimpfte Marc Hensel, doch Referee Helmut Fleischer und seinen Assistenten sahen es anders. Mit dem elften Saisontor hatte Dobry seine Mannen in Führung gebracht und zugleich für noch mehr Begehrlichkeiten bei Teammanager Heiko Weber gesorgt: "Dobry hat heute aus einer Chance eiskalt ein Riesentor geschossen, ist seit Jahr und Tag ein Torjäger, und die sind begehrt. Alle die in dieser Liga über zehn Tore schießen, die haben Angebote, können sich das Beste raussuchen." Wie gut das Angebot aus Aue war, wird sich spätestens zum Trainingsauftakt am 25. Juni 2009 zeigen.
Ob da auch noch Mohamed El Berkani mittrainiert, wird nach seinem jetzigen Auftritt sicherlich immer unwahrscheinlicher. In der 50. Minute für den wie beschrieben angeschlagenen Eric Agyemang ins Spiel gekommen, war der Niederländer eine Minute vor Ultimo im Tausch gegen Roy Blankenburg wieder runter vom Grün. Kurz vorher hatte nämlich der im Sommer von den Sportfreunden Siegen ins Erzgebirge gewechselte Stürmer völlig überhastet das leere Tor meilenweit verfehlt und einen sicheren Sieg für Aue fahrlässig verspielt, da es zu diesem Zeitpunkt bereits 1:1 durch Arne Feick stand: Der 21-Jährige konnte die Hereingabe von Marco Stark anfangs nicht unter Kontrolle bringen, schaffte es dennoch im zweiten Versuch sich gegen Girke, Oppitz und Keller durchzusetzen und mit einem voluminanten Linksschuss sein zehntes Saisontor zu markieren (64.). Zwar verpassten Marc Hensel, bei einem Lattenkracher aus 30 Metern (69.), und Thomas Paulus, setzte einen Freistoßhammer wenige Zentimeter neben das Tor (80.), ebenfalls das 2:1 zu erzielen, doch waren diese Möglichkeiten nicht so glasklar herausgespielt, wie die von Mohamed El Berkani.
Zudem sorgte der ebenfalls eingewechselte Patrick Sonntag, Nummero 33 der eingesetzten Spieler in dieser Saison, in den restlichen vier Minuten, die der Youngster aus der Reservemannschaft auf dem Platz stand, für ein anständiges Durcheinander in der Dresdner Hintermannschaft. Mit viel Kampfgeist sowie Hartnäckigkeit machte der 19-Jährige in den Schlussminuten deutlich von sich reden. Dass er nachdem er zwei Dresdner ausspielte noch uneigennütziger Weise für 'Mo' auflegte, spricht außerdem für seinen Teamgeist. Sich als Knipser zu beweisen, da fehlte ihm einfach die Zeit, obwohl er den Abschluss wohl selbst so bescheiden hinbekommen hätte.
Am Ende blieb es also beim eher ungerechten 1:1-Unentschieden und die Dresdner können aufgrund der überlegen geführten zweiten Halbzeit von Aue mit dem Punkt hoch zufrieden sein. Kaufen kann sich der FC Erzgebirge davon jedoch nix und es bleibt eben ein fast versöhnlicher Saisonabschluss. "Meine Mannschaft hat heute vieles besser gemacht als zuletzt. Wir waren dem Sieg sehr nahe. Dresden hat einen guten Angriff, wir eine gute Abwehr - somit ist das Unentschieden gerecht. Der viertbeste Zuschauerschnitt in der dritten Liga ist für Aue sensationell. Wir werden nun in den nächsten Tagen diese Saison kritisch auswerten.", meinte Heiko Weber, der sich erstmal in den Urlaub stürzte und sich immer mehr auf seinen Abschied einstellen dürfte.


Aufstellung FC Erzgebirge Aue

1 Männel
3 Kos 4 Paulus
15 Klingbeil 18 Schaffrath
22 Hensel 23 Stark
17 Hochsch.13 S. Müller21 Feick
20 Agyemang

Einwechslungen:
50. El Berkani für Agyemang
86. Sonntag für S. Müller
90. Blankenburg für El Berkani

Aufstellung SG Dynamo Dresden

1 Keller
3 Oppitz 6 Palionis
37 Pergl 27 Nikol
19 Truckenbrod 26 Wagefeld
23 Pfeffer 9 Bröker
33 Dobry 21 Savran

Einwechslungen:
50. Girke für Palionis
64. G. Müller für Nikol



Tore:
0:1 Dobry (48.), 1:1 Feick (64.)


Gelb: Hensel (10), Stark (11) - Savran, Wagefeld
Gelb-Rot:
Rot:

Schiedsrichter: Dr. Helmut Fleischer (Sigmertshausen)Zuschauer: 12.500
Assistenten: Sönke Glindemann, Guido Kleve

Fotos vom Spiel


zurück