14. Spieltag 3.Liga 2009/10



VfL Osnabrück - FC Erzgebirge Aue 3:1 (0:0)
Samstag, 24.10.2009 14:00 Uhr


Die Veilchen waren beim Zweitligaabsteiger VfL Osnabrück über die gesamte Spielzeit betrachtet die bessere Mannschaft, mussten aber dennoch die Reise zurück ins Erzgebirge ohne Punkte antreten. Damit endete zugleich die Serie von vier erfolgreichen Partien in Folge, obwohl die Leistung durchaus stimmte, allenfalls das Ergebnis nicht. "Wir waren am Schluss einfach nicht mehr konsequent in den Zweikämpfen, sind dann in Konter geraten und haben es einfach versäumt, vorne das Tor zu machen", so ein enttäuschter Alban Ramaj. "Der VfL ist sehr heimstark, hat das auch im DFB-Pokal schon eindrucksvoll bewiesen", wußte Trainer Rico Schmitt um die Stärke von Osnabrück bereits im Vorfeld der Partie.
Noch mit verdammt viel Selbstbewusstsein war Aue am Freitag nach Niedersachsen aufgebrochen und bekam einen Tag später in der mit 10.400 Zuschauern komplett lila-weiß gefüllten Osnatel-Arena trotz guter, kämpferischer Leistung einen leichten und obendrein unnötigen Dämpfer. Dabei setzte Schmitt auf die Erfolgself vom 2:0-Heimsieg gegen Erfurt und konnte sich ohne Weiteres auch auf seine Jungs verlassen. Zwar gehörte die erste dicke Möglichkeit den 'falschen' Lila-Weißen, als der Ex-Auer Matze Heidrich einen fulminanten 20-Meter-Hammer knapp über das Gebälk katapultierte, doch im Laufe der Begegnung übernahm die in orange-braun aufspielenden Auer das H.d.H.i.d.H. (Heft des Handels in die Hand), wenn auch mit rabiater Art und Weise: So sah René Klingbeil nach rüdem Einsteigen gegen Siegert schon früh die gelbe Karte (3.), auch Pierre le Beau steckte seinen Claim ab und wurde fünf Minuten später ebenfalls verwarnt.
Doch danach beherrschten die zweikampf- und laufstarken Veilchen über weite Strecken den grünen Schauplatz und legten wie eine Spitzenmannschaft offensiv nach. Skerdilaid Curri setzte dabei die ersten Auer Meilensteine. Der Albaner besaß drei gute Chancen (10., 13., 14.), doch VfL-Keeper Berbig war so noch nicht zu überlisten. Im Anschluss traute sich Pierre le Beau wie so oft über die rechte Seite nach vorne, sein Schussversuch kam über Umwegen zu Najeh Braham, der solche Einladungen eigentlich blind verwandelt, doch hier verzog der Tunesier mit einem Drehschuss aus fünf Metern (14.). Kurze Zeit später rastete der mit gut 400 Auer Schlachtenbummler gefüllte Gästeblock das erste Mal völlig aus, als die Lederkugel im Tor der Osnabrücker lag. Leider machte der kleinlich pfeifende Schiedsrichter Marco Achmüller der grölenden Menge einen satten Strich durch die Rechnung. Nach einem Hochscheidt-Freistoß von der rechten Seite verlängerte Marc Hensel auf den einköpfenden, aber im abseitsbefindlichen Najeh Braham. Das Gespann hatte alles korrekt gesehen und es blieb beim lausigen 0:0.
Völlig unbeeindruckt spulte der FC Erzgebirge sein Programm weiter runter. Von den Hausherren sah man lange nichts, bis sich Lindemann mal ein Herz fasste und von der Strafraumgrenze einfach abzog. Martin Männel parierte den nicht ganz ungefährlichen Schuss souverän sicher (37.). Ansonsten war das Spiel des VfL schlecht gestaffelt, die Defensivarbeit vor allem der Offensivabteilung war unzureichend. Dazu kamen einige abenteuerliche Quer- und Fehlpässe von den Außenbahnen. Diese nutzten die Auer, um sich wie zwei Minuten vor der Pause in Szene zu setzen. Alban Ramaj ließ Krük stehen und schlenzte die Kugel in den Fünfmeterraum, wo Jan Hochscheidt mit einem Volley-Kracher nur VfL-Keeper Berbig abschoss. Eine Führung wäre jetzt mehr als verdient. Doch torlos ging es in die Kabinen.
Nach dem Seitenwechsel brachte Osnabrück-Coach Baumann Schmidt für den schwachen VfL-Kapitän Reichenberger. Die nächste Gelegenheit besaß zunächst aber Siegert, der vier Meter vor dem Kasten trotzdem drüber schoss (48.). Auf der Gegenseite prüfte Jan Hochscheidt mit einem Mordspfund Osnabrücks Schlussmann, der heuer fast unüberwindbar schien (59.). Doch keine Minute später wurde diese Theorie wiederlegt und die von den Auer Ultras vorgetragene Choreo 'Wismut spielt auf wie nie, zwingt jeden Gegner in die Knie' umgesetzt. Skerdilaid Curri hatte einen Gedankenblitz und ließ mit einem simplen Lupfer die VfL Abwehrkette alt aussehen. Der völlig freistehende Sebastian Glasner bedankte sich auf seine Weise und schob mit seinem zweiten Saisontor zur verdienten Auer Führung ein.
Doch diese hatte nicht lange Bestand. Kapitän Tomasz Kos soll den 21-Jährigen Schmidt im Strafraum und aus Sicht des Schiedsrichter elfmeterreif zu Fall gebracht haben - äußerst umstritten. Trainer Rico Schmitt sprach von Ausgepufft- und Schlitzohrigkeit des jungen (Schau)Spielers. Tomasz Kos hingegen ärgerte sich selbst über dieses blöde Ding: "Ich könnte in dieser Situation einfach zum Kopfball gehen und nicht irgendwie hoffen, das Martin rauskommt. Es war mein Fehler, aber im Prinzip kein Elfmeter." "Es war keiner!!!", sagte ebenfalls Torwart Martin Männel, der gleich daneben stand und sich im Anschluss gegen den Strafstoßschützen Heidrich nicht auszeichnen konnte (64.). So wurde die kürzlich verdiente Führung blöderweise mehr als nur hergeschenkt.
Und sei dies nicht schon schlimm genug, verletzte sich Innenverteidiger Thomas Paulus am Oberschenkel so sehr, dass er in der 72. Minute für Thomas Birk vom Platz musste. René Klingbeil rückte nun in die Mitte des Abwehrverbundes, welche fünf Minuten später noch arg unsortiert war. Theaterdarsteller Schmidt verstolpert zum Glück die dicke Möglichkeit für Osnabrück, Thomas Birk konnte noch zur Ecke klären. Nichtsdestoweniger war diese nicht ungefährlicher: Lindemann flankte nach innen, wo Barletta seinen Meister in Martin Männel fand (77.). Aue schwamm nun ein wenig und der VfL ist ja dafür bekannt, Spiele in der Schlussphase noch zu drehen. Und zum fünften Mal in dieser Saison stemmten sich die Niedersachsen erfolgreich gegen so eine Niederlage.
Der nominierte Bühnenkünstler in der Kicker-Elf des Tages machte es sieben Minuten später nämlich besser. Nach einem Eckball von Lindemann schraubte sich Schmidt am höchsten und köpfte zum 2:1 für die Hausherren ein - wieder mit fadem Beigeschmack. Keeper Martin Männel sah zuvor ein Foul an Thomas Birk, aber alles Reklamieren half nichts und keine zwei Minuten später machte Lindemann, nachdem Krük ein Duell gegen den am Boden liegengebliebenen Jan Hochscheidt gewann, mit dem 3:1 auch noch alles klar. Welch eine Tragik.
Das berühmte Aufbäumen war in den verbleibenden Minuten trotz der Auflösung der Vierer-Abwehrkette mit der Hereinnahme von Manuel Hiemer sowie Eric Agyemang nicht mehr machbar. "Am Ende fehlte leider die Gerechtigkeit und der absolute Killerinstinkt", so Trainer Rico Schmitt, der dennoch die beste Auswärtsleistung seiner Jungs gesehen hatte und demzufolge darin keinen Rückschlag sieht: "Die Punkte, die wir heute verloren haben, werden wir uns in anderen Spielen aber wieder holen."


Aufstellung VfL Osnabrück

1 Berbig
24 Barletta 4 Nickenig
25 Engel 6 Krük
12 Heidrich 10 Lindemann
14 Siegert 11 Lejan
8 Bencik 9 Reichenberger

Einwechslungen:
46. Schmidt für Reichenberger
88. Stang für Lindemann


Aufstellung FC Erzgebirge Aue

1 Männel
3 Kos 4 Paulus
2 Le Beau 15 Klingbeil
22 Hensel
28 Ramaj14 Curri17 Hochscheidt
8 Glasner 9 Braham

Einwechslungen:
72. Birk für Paulus
87. Hiemer für le Beau
88. Agyemang für Klingbeil


Tore:
0:1 Glasner (60.), 1:1 Heidrich (64. Foulelfmeter), 2:1 Schmidt (84.), 3:1 Lindemann (86.)


Gelb: Nickenig, Engel - le Beau (3), Kos (3), Klingbeil (4)
Gelb-Rot:
Rot:


Schiedsrichter: Marco Achmüller (Bad Füssing)Zuschauer: 10.400
Assistenten: Marcel Göpferich, Jonas Weickenmeier

Fotos vom Spiel


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