2. Spieltag 3.Liga 2009/10



FC Erzgebirge Aue - FC Ingolstadt 04 1:0 (1:0)
Dienstag, 28.07.2009 18:30 Uhr


Was für ein Kampf, was für ein verrücktes Spiel. Fast eine Halbzeit lang sah der FC Erzgebirge Aue gestern Abend wie der sichere Verlierer aus. Doch am Ende bejubelten die 8600 Zuschauer den ersten Saisonsieg der Veilchen in der 3. Fußball-Liga. Zweitliga-Absteiger FC Ingolstadt wurde dank eines Treffers von Neuzugang Braham mit 1:0 (1:0) besiegt. Doch der Tunesier, der vier Minuten vor dem Abpfiff unter dem Jubel der Fans das Spielfeld verließ, lobte das gesamte Team: "Ich bin glücklich, dass ich getroffen habe. Aber die gesamte Mannschaft hat hervorragend gekämpft. Das war ein ganz emotionaler Abend für mich", strahlte Braham.
Aue agierte fast eine Halbzeit lang in Unterzahl. Hensel ("Ich habe mich einfach losgerissen") sah nach einer Tätlichkeit gegen Fleßers in der 49. Minute die Rote Karte. Doch die Schmitt-Elf steigerte sich in einen wahren Rausch, bot dem Zweitliga-Absteiger einen großen Kampf und rettete mit viel Glück und Geschick den Sieg über die Zeit. Braham hatte in der 69. Minute sogar das 2:0 auf dem Fuß. Der Schuss des Tunesiers strich knapp am rechten Pfosten vorbei. In der 77. Minute wurde nach einem Freistoß von Ramaj zudem ein Tor von Paulus wegen Abseits aberkannt.
"Das sind die Spiele, an die sich viele noch in ein paar Jahren erinnern werden", freute sich Rico Schmitt über das gelungene Debüt in seiner Rolle als Cheftrainer: "Ingolstadt hat klarste Chancen weggelassen. Nach dem Platzverweis haben wir mit der Jetzt-erst-Recht-Mentalität die richtige Antwort gegeben. Nur mit dieser Einsatzfreude können wir in dieser Liga erfolgreich bestehen", ergänzte Schmitt. In der Anfangsphase musste man um die Veilchen bangen. Die Gäste störten früh, gingen aggressiv in die Zweikämpfe und erspielten sich Chancen im Minutentakt. Nach einer Kette von Fehlern in der Auer Hintermannschaft stand Wohlfarth drei Meter vor dem Tor, scheiterte aber am glänzend reagierenden Schlussmann Männel (4.). Die Erzgebirger überstanden diese Druckphase, kamen allerdings nur schwer ins Spiel. Als sie sich einigermaßen gefangen hatten, legte Ingolstadt wieder einen Gang zu. Nach Doppelpass mit Ruprecht stand Hartmann völlig frei vor Männel, schob das runde Leder jedoch am Kasten der Auer vorbei (34.).
Wohl nur die kühnsten Optimisten im Stadion glaubten zu diesem Zeitpunkt an einen Treffer der Gastgeber, die sich gegen das abgezockte Team von Trainer-Fuchs Horst Köppel kaum entscheidend durchsetzen konnten. So bedurfte es einiger Mitarbeit der Ingolstädter. Ruprecht verlor im Mittelfeld den Ball gegen Klotz. Der ging auf und davon und bediente Hochscheidt. Dessen Flanke von der rechten Seite nahm Ramaj direkt. Sein verunglückter Seitfallzieher landete im Zentrum bei Braham, der mit einem Fallrückzieher das 1:0 markierte und den Spielverlauf der ersten Halbzeit damit völlig auf den Kopf stellte.
Bericht von Freie Presse.de

Spielbericht aus Sicht der Gäste:
Erstes Auswärtsspiel, erster Dämpfer. Der Rückschlag nach dem lockeren 2:0-Sieg gegen Bayern München II ließ für den FC Ingolstadt nicht lange auf sich warten. Gestern Abend wurden die zunächst klar überlegenen Schanzer beim 0:1 (0:1) bei Erzgebirge Aue schnell auf den Boden der Tatsachen geholt.
Entsprechend bedient war FC-Sportdirektor Harald Gärtner nach dem Schlusspfiff. "Wir haben die Partie in der ersten Halbzeit verloren. Da sind manche Spieler sehr arrogant aufgetreten, als ob sie nicht wüssten, was sie erwartet. Wir vergeben drei bis vier hundertprozentige Chancen und Aue geht mit dem ersten Torschuss in Führung. Das kann nicht sein", kritisierte Gärtner und war auf seine Stürmer nicht gut zu sprechen. "Wenn sie dahin wollen, wo sie meinen hinzugehören, müssen sie eben mit einer oder zwei Chancen ein Tor machen und nicht mit fünf oder sechs. Sonst spielt man in der 3. Liga."
Dabei hatte der stimmungsvolle Einlauf der Akteure im sonnendurchfluteten Aue-Stadion noch auf ein Fußballfest hoffen lassen. Denn als die Hymne der Gastgeber ertönte, standen die 8600 Aue-Anhänger geschlossen auf, hielten ihre lilaweißen Schals in die Höhe und sangen mit. "Willkommen aus der Tiefe, willkommen aus dem Schacht, Wismut Aue, die neue Fußballmacht", tönte es im Rund. Die Verbundenheit der Fans mit der Bergbau-Tradition war spürbar. Allerdings sollte dieser verheißungsvolle Auftakt lange Zeit der einzige Höhepunkt dieser Partie sein.
Der gegenüber dem 2:0-Auftaktsieg über den FC Bayern II unveränderte FC 04 hätte dies nutzen können. Denn während von den Platzherren kaum etwas zu sehen war, beherrschten die Ingolstädter weitgehend das Geschehen, verpassten es aber, ihre Chancen zu verwerten. So blieb der abermals unglücklich agierende Steffen Wohlfarth einmal mit einem Nachschuss in der Abwehr hängen (4.) und setzte ein weiteres Mal völlig frei stehend eine Flanke von Stefan Leitl schwach am Gehäuse vorbei (12.). Noch bessere Möglichkeiten verbuchten Moritz Hartmann und Leitl. Doch nach einem sehenswerten Doppelpass mit Wohlfarth setzte der FC-Neuzugang das Leder links vorbei (34.), und der FC-Kapitän scheiterte nach einem schönen Spielzug über Markus Karl und "Zecke" Neuendorf an Schlussmann Martin Männel (40.). Den Ingolstädtern, die in der Abwehr weitgehend sicher standen und mit Karl einen guten Abräumer vor der Hintermannschaft hatten, fehlte im Abschluss einfach die letzte Konsequenz.
Die Quittung dafür erhielten die Gäste noch vor der Pause. Die bis dahin ungefährlichen Sachsen entdeckten die linke Seite mit Robert Fleßers und Steve Ruprecht als Schwachstelle des Zweitligaabsteigers und stießen gegen Ende der ersten Halbzeit mit ihrer Doppelsechs immer wieder dort hinein. In der 44. Minute war es dann soweit: Alban Ramaj traf eine Flanke von Jan Hochscheidt zwar nicht voll, doch in der Mitte kam die einzige Sturmspitze, Najeh Braham, unbedrängt zum Schuss und vollendete zur Auer Führung.
Plötzlich war Feuer in der Partie, und die Anhänger standen nun lautstark hinter ihrem Team. Zumal kurz nach Wiederbeginn Marc Hensel (offenbar nach einem Schlag gegen Fleßers) die Rote Karte sah und die Gastgeber mit einem Mann weniger über die Runden kommen mussten.
FC-Trainer Horst Köppel reagierte mit einem Doppelwechsel und stärkte die Offensive mit Robert Braber und Fabian Gerber. Dafür musste Ruprecht weichen, und Fleßers übernahm dessen Position in der Abwehrkette.
Die Maßnahmen verpufften jedoch weitgehend. Vielmehr ließen sich die Gäste immer mehr den Schneid abkaufen und gerieten trotz Überzahl - Aue verbuchte 11:1-Ecken - weiter in die Defensive. Und bei den wenigen Offensivaktionen scheiterten die Ingolstädter an den eigenen Nerven. So traf Hartmann nach einer Leitl-Flanke alleine vor Männel den Ball nicht voll (75.), und auch Emin Ismaili zog das Leder knapp am Gehäuse vorbei (80.). Am Ende erhoben sich die 8600 Aue-Fans erneut und bejubelten ihr Team – für die Gastgeber wurde es doch noch ein Fußballfest.

Aufstellung FC Erzgebirge Aue

1 Männel
3 Kos 4 Paulus
15 Klingbeil 18 Schaffrath
23 Stark 22 Hensel
16 Klotz 17 Hochscheidt
9 Braham 28 Ramaj

Einwechslungen:
57. le Beau für Schaffrath
80. Cimen für Klotz
86. Glasner für Braham

Aufstellung FC Ingolstadt 04

1 Lutz
4 Pisot 13 Wenczel
18 Bambara 3 Ruprecht
8 Karl
6 Leitl11 Neuendorf17 Fleßers
23 Wohlfarth 9 Hartmann

Einwechslungen:
57. F. Gerber für Ruprecht
57. Braber für Wohlfarth
76. Ismaili für Neuendorf


Tore:
1:0 Braham (44.)


Gelb: Hochscheidt (1), Stark (1), Klingbeil (2) - Hartmann, Wohlfarth, Leitl, Bambara
Gelb-Rot:
Rot:
Hensel (49. Tätlichkeit)


Schiedsrichter: Christian Fischer (Hemer)
Assistenten: René Kunsleben, Cetin Sevinc


Zuschauer: 8.600


Fotos vom Spiel


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