25. Spieltag 3.Liga 2009/10



1. FC Heidenheim - FC Erzgebirge Aue 0:0 (0:0)
Samstag, 20.02.2010 14:00 Uhr


Vorbericht

Die Revanche für das Hinspiel, als die Veilchen zu Hause vom Aufsteiger der Regionalliga Süd mit 0:1 geschlagen wurden, ist leider nicht ganz gelungen. Trotzdem kann man mit dem selbstbewussten Gesamtauftritt des FC Erzgebirge durchaus zufrieden sein. Nach fünf sieglosen Partien in fremden Gefilden nacheinander und dementsprechend 14 Gegentreffer gab es heuer in der Gagfah-Arena den ersehnten Punktgewinn, wenn auch keine erzielten Tore. Deshalb bleibt für Trainer Rico Schmitt nur die mangelnde Chancenverwertung der doch zahlreichen Möglichkeiten seiner Schützlinge vor allem in Durchgang eins zu beanstanden.
Ebenso brachte den Coach die miserable Schiedsrichterleistung vom erst 22-jährigen Stefan Glasmacher aus Alsdorf, der bisher in seiner Premierensaison in Liga drei ganze sieben Einsätze verbuchte, auf die Palme. Dabei übersah der Referee erst ein Handspiel von FCH-Keeper Sabanov, der bei einem Auer Angriff über links dem heraneilenden Nico Klotz den Ball zwar regulär von den Füssen spitzelte, sich aber im Anschluss samt Kugel aus dem Sechzehner abrollte (20.) und zweitens ein noch glasklareres Handspiel von Abwehrspieler Meier, der nach einer Hochscheidt-Ecke in Volleyballmanier oder wie es Maradona nennen würde, die Hand Gottes zur Hilfe nahm und so dem einköpfbereiten Najeh Braham im Fünfmeterraum quasi das Leder vorm Gesicht weg schlug (28.). Selbst der Strafraum-Handballer wunderte sich über die fehlenden Konsequenzen für sein Verhalten und sagte hinterher im Interview: "Ich kann mich nicht beschweren, wenn der Schiri pfeift." Dies tat der Unparteiische, selbst nach den Protesten der Auer, nicht wirklich.
Früher war der gute Mann doch auch nicht so nachlässig, wenn es ums Pfeifen ging. Er führt nämlich die Hitliste der Schiedsrichter mit den meisten Platzverweisen an. Bei den sechs Einsätzen zuvor, kam er auf ebenso viele Platzverweise. Auch beim Zeigen der gelben Karte ist er von der schnellen Sorte. Nach den Sieben im heutigen Spiel, dafür drei gegen Aue (René Klingbeil mit seiner fünften), stieg seine Bilanz auf stolze 39 gelbe Kartons, wie gesagt in sieben Begegnungen. Was ihn aber veranlasste bzw. nicht veranlasste, hier auf den Punkt zu zeigen, bleibt wohl sein Geheimnis.
Jedenfalls wäre eine Pausenführung für den FCE mit oder ohne Schiedsrichterunterstützung verdient gewesen. Ein engagiertes Auftreten der in orange spielende Herren versetzte auch die gut 450 mitgereisten Schlachtenbummler manchmal ins Grübeln, ob das wirklich ihre Jungs da auf dem Feld sind. Denn nach kurzer Eingewöhnung des gut bespielbaren Grüns übernahmen ihre Farben das Heft des Handelns sofort in die Hand und setzten die Vorgaben des Coachs optimal um. Dabei zog Jan Hochscheidt (Skerdilaid Curri musste vorerst auf der Reservebank Platz nehmen) erstmals die Fäden im zentralen Mittelfeld mit Bravour. Immer wieder wurde der flinke Nico Klotz auf Reisen geschickt, doch blieb der Youngster anfänglich an der noch stabilen Abwehrformation der Heidenheimer hängen. Dies wurde im weiteren Spielverlauf zwar besser, allerdings fehlte es nun am präzisen Abschluss. Auch Pierre le Beau schaltete sich öfters mit ins Angriffsspiel ein, dessen Flanke haute sich Sabanov fast ins eigene Tor (27.). Der anschließende Eckball führte wie oben geschrieben zur Fehlentscheidung des Schiedsrichters. Und als Belohnung für die Benachteiligung gelang Heidenheim im Gegenzug fast selbst die Führung: Der durchgebrochene Spann zog einfach mal ab, aber Martin Männel war auf dem Posten und klärte etwas brachialer zur Ecke. Ein Rückstand wäre die Krönung gewesen.
In der Folge hatten die spielstarken Veilchen weitere Möglichkeiten in Front zu gehen, allerdings segelte Marc Hensel im Fünfer an einer Freistoß-Flanke von Jan Hochscheidt vorbei (30.), dann köpfte Sebastian Glasner die Pille nicht hart genug gegen Sabanov (34.), der keine zwei Minuten später den Schuss von Najeh Braham mit den Fingerspitzen um den Pfosten lenkte. Trainer Rico Schmitt konnte es nicht fassen: "Wir waren die klar spielbestimmende Mannschaft. Wie wir aber mit unseren Chancen umgegangen sind, war schon fahrlässig." So verpuffte auch die nächste gute Gelegenheit. Nico Klotz wurde von Alban Ramaj mustergültig in Szene gesetzt, legte sich den Ball aber im Strafraum zu weit vor und scheiterte schlussendlich am herausstürmenden Sabanov (39.). Vorab hatte sich der Auer Stürmer bereits an der Leiste verletzt und musste kurze Zeit später ausgewechselt werden. Manuel Hiemer kam für ihn noch vor dem Pausentee in die unterhaltsame Partie, welche noch einmal unnötigerweise spannend wurde. Der FCH konnte sich in dieser Auer Drangperiode kurz befreien: Tomasz Kos legte unfreiwillig im Nachstochern für Bagceci auf, der das Leder zu Spann verlängerte. Doch dem Heidenheimer Stürmer, der im Hinspiel das goldene Tor schoss und nun völlig frei vor Martin Männel auftauchte, versagten die Nerven, schlenzte die Kugel genau in die Arme des Auer Schlussmanns.
Nach diesem Schreck ging es ab in die Kabinen, aus denen der Aufsteiger irgendwie besser zurückkam. Heidenheim legt los wie die Feuerwehr und die mangelnde Chancenauswertung der Schmitt-Elf aus Hälfte eins hätte sich beinahe gerächt. "Meine Mannschaft hat sich da zu viele einfache Ballverluste geleistet. Wir hatten Glück, in dieser Phase nicht in Rückstand zu geraten.", so der 41-jährige Fussballlehrer. Sein Gegenpart Frank Schmidt, der Gül für Beisel zur Halbzeit brachte, traf wohl den richtigen Ton zur Pausenpredigt. Seine Jungs drückten nun auf die Führung. Nach einem Eckstoß und der zu kurzen Faustabwehr von Martin Männel, zog Klarer von der Strafraumlinie ab. Der Aufsetzer war für den Keeper unerreichbar, jedoch stand René Klingbeil am langen Pfosten goldrichtig und klärte die Situation souverän (52.). Dies war der einzigste Patzer von Männel, der noch Sekunden zuvor gegen Schnatterer sein Können unter Beweis stellte.
Es begann nun für den gemeinen (Auswärts)-Fan die Zeit des Leidens. Viel war nicht mehr übrig geblieben von der Auer Dominanz. Der Gastgeber erhöhte stetig den Druck, zwang seinen Kontrahenten zu unnötigen Ballverluste. Einzig Standards entlastete die Veilchen: Nach Jan Hochscheidts Eckball stieg Tomasz Kos am höchsten, brachte das Leder zwar auf die Kiste, aber direkt in die Arme von Heidenheims Keeper (61.). Ansonsten hatten die Lila-Weißen in dieser Phase kein probates Mittel gegen die immer stärker werdenden Hausherren gefunden. Zudem merkte man, dass die erste temporeiche Halbzeit viel Kraft gekostet hat. Marc Hensel und Jan Hochscheidt spielten eine Superpartie, mussten dem aber nun Tribut zollen. Trainer Rico Schmitt sorgte daher mit der Einwechslung von Skerdilaid Curri für frischen Wind im Mittelfeld. "Er hat durch seine Kreativität für Furore gesorgt", lobte Schmitt den kleinen Albaner.
Im weiteren Verlauf hatte Heidenheim mehr vom Spiel, doch bis auf einen 16-Meter-Schuß von Gül (68.) und Bagcecis Versuch den Ball an Martin Männel vorbeizuspitzeln (78.) fehlte es den Schwaben an gefährlichen Torszenen. Mit ihren letzten offensiven Wechsel-Jokern läuteten beide Trainer den Endspurt ein, der es ohnegleichen in sich hatte. In der 80. Minute landete ein Kopfball von Sebastian Glasner auf dem Tor und auf der Gegenseite traf Gül nach einem Konter nur das Außennetz. Die letzte strittige Szene gab es zwei Minuten vor Ultimo: Skerdilaid Curri setzte sich über rechts mit einer Dribbeleinlage durch, wird von Feistle im Strafraum von den Beinen geholt. Doch die Pfeife des Unparteiischen blieb erneut stumm. Rico Schmitt äußerte sich zu dieser Situation sehr diplomatisch: "Es gibt sicherlich bessere Leistungen der Männer in Schwarz als heute. Man kämpft dadurch nicht nur gegen Gegner, sondern auch mit fragwürdigen Entscheidungen. Aber wir wollen nicht lamentieren." Najeh Braham hingegen redete sogar von Betrug.
Ein Punkt geholt oder zwei verloren?!? Jedenfalls hat sich der FC Erzgebirge Aue nach langer Durststrecke endlich auch mal Auswärts besser präsentiert. Das lässt zumindest hoffen...


Aufstellung 1. FC Heidenheim

1 Sabanov
15 Krebs 25 Beisel
24 Meier 2 Feistle
19 Klarer 20 Bagceci
17 Weil 7 Schnatterer
21 Spann 11 Mayer

Einwechslungen:
46. Gül für Beisel
72. Heidenfelder für Schnatterer
81. Jarosch für Mayer

Aufstellung FC Erzgebirge Aue

1 Männel
3 Kos 4 Paulus
2 Le Beau 15 Klingbeil
22 Hensel
16 Klotz17 Hochscheidt28 Ramaj
8 Glasner 9 Braham

Einwechslungen:
40. Hiemer für Klotz
66. Curri für Ramaj
79. Agyemang für Braham


Tore:
Fehlanzeige


Gelb: Krebs, Mayer, Klarer, Heidenfelder - Hensel (6), Männel (1), Klingbeil (5)
Gelb-Rot:
Rot:


Schiedsrichter: Stefan Glasmacher (Alsdorf)Zuschauer: 5.080
Assistenten: Sascha Stegemann, Nikolaus Athanassiadis

Fotos vom Spiel


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