Achtelfinale Sachsen-Pokal 2009/10



1. FC Lokomotive Leipzig - FC Erzgebirge Aue 0:1 (0:0) n.V.
Samstag, 14.11.2009 13:30 Uhr


Bericht aus Lok-Sicht von Leipziger Internet Zeitung:
Im Landespokal-Achtelfinal des Sachsenpokals hat der 1. FC Lok vor 3.947 Zuschauern eine bittere 0:1-Niederlage gegen den Drittligisten Erzgebirge Aue einstecken müssen. Die Leipziger waren, gemessen am Leistungsvermögen beider Teams, die klar bessere Mannschaft und verloren durch ein Tor von Pierre le Beau in der 116. Minute mit 0:1. Wenn man das atemberaubende Pokalspiel FC Lok gegen Aue mit einem Satz zusammenfassen sollte, böte sich das Fazit: "Jörg Seydler braucht ein Megaphon" an. Was wenig sportlich anmutet, hat einen ernsten Hintergrund. In der 116. Minute nämlich schaufelte der Auer Jan Hochscheidt einen Freistoß an den langen Pfosten des Leipziger Tores wo Pierre le Beau einnicken konnte. Anton Köllner, der bis dahin zusammen mit Krug über dem Leipziger Luftraum regierte stand derweil in der Mauer. Lok-Coach Seydler gab in der Pressekonferenz zu, dass er über das Feld gebrüllt hatte, das Köllner raus aus der Mauer soll. Er war aber nicht zu verstehen, seine Stimme schon zu sehr geschwächt. Kein Wunder nach diesen bis dahin spannenden 116 Minuten. Der Gastgeber mit zwei Änderungen: Erol Gugna, Neuzugang von Blau-Weiß Leipzig spielte zum ersten Mal von Anbeginn für den grippekranken führenden der Lok-Torschützenliste René Heusel. Außerdem machte bereits erwähnter Anton Köllner ebenfalls sein erstes Spiel in dieser Saison von Anfang an. Etwas überraschend, da Köllner bisher nur einmal in der II. Mannschaft spielte und zehn Minuten in Gera, aber ein richtig guter Schachzug. Köllner nahm zusammen mit Krug Aues Toptorjäger Najeh Braham komplett aus dem Spiel. Von Lok konnte man eigentlich nach den dürftigen Leistungen gegen Jena und Gera nicht viel erwarten, umso erstaunlicher wie sich die Leipziger vom Anstoß weg präsentierten. Präsent in jedem Zweikampf, Bällen nachjagend, mit wenig Fouls auskommend. Spätestens ab der 3. Minute wurde die Mannschaft auch von den Zuschauern getragen. Folgendes war passiert: Nachdem Mittelfeldspieler Alexander Kunert im Strafraum auf Haufe quergelegt hatte, jagte dieser ein Geschoss Richtung Tor. Eine unglaubliche Szene nahm ihren Lauf: Aues Torwart Martin Männel, immerhin 6 Mal für die deutsche U19 aktiv, lenkte das Leder aus Nahdistanz an den Pfosten von dort sprang der Ball zurück aufs Feld, an Männels Kopf, von da wieder zurück an den Pfosten und in Männels Arme. Die Dramatik nahm also bereits nach drei Minuten ihren Lauf. Die Lok-Fans schüttelten ungläubig ihre Häupter. Die "Veilchen" waren sichtlich beeindruckt und fanden in der ersten halben Stunde gar nicht statt. Marcus Brodkorb verpasste mit der zweiten dicken Möglichkeit ebenfalls die Leipziger Führung. Sein Kopfball nach Haufe-Ecke ging haarscharf am Tor vorbei. Nach 35 Minuten patschte der gelangweilte blau-gelbe Torwart Jan Evers zwei Auer Schüsse nach vorn und wenig später war Halbzeit. Die Zuschauer feierten ihre Mannschaft mit standing ovation für ihre engagierte, respektlose Leistung. Die 250 lila-weißen Fans aus dem Erzgebirge waren gar nicht zu vernehmen. Trotz zwei Böllern aus dem Aue-Block blieb es übrigens das gesamte Spiel ruhig auf den Rängen. Allerdings nicht auf dem Platz. Jörg Seydler wirbelte von der Bank wie selten zuvor und trieb seine hervorragend eingestellte Mannschaft immer wieder an. In den zweiten 45 Minuten war Aue etwas mehr mit Fußball spielen beschäftigt und kam durch Braham zu einer passablen Chance, aber der ehemalige tunesische Nationalspieler schoss aus 14 Metern drüber. Lok stand weiterhin für einen 5. Ligisten sehr gut und hatte die Taktik der Gäste schnell durchschaut. Diese suchten immer wieder mit weiten und hohen Bällen Braham, der dann ablegen sollte. Das Problem war nur, dass Braham 70% seiner Zweikämpfe verlor. Die Gastgeber fabrizierten allerdings auch nur noch eine Chance. In der 91. verpasste Starke einen Eckball von Haufe knapp und den Nachschuss jagte Krug über das Tor. Verlängerung und wieder stehende Ovationen für das blau-gelbe Team. Das Unentschieden wurde jetzt schon wie ein Sieg gefeiert. Aue enttäuschte nach wie vor und konnte auch zwischen den Minuten 90 und 105 die Lok-Mannschaft nicht in Gefahr bringen. Dumm nur, dass dieser eine Kopfball von le Beau saß. Lok rannte noch mal an, jedoch sorgte nur ein Linkert-Freistoß eine Minute vor dem Ende für Torgefahr. Der Rest war Auer Jubel und Leipziger Enttäuschung. Die glücklicheren Gäste müssen nun im Pokal-Viertelfinale bei Einheit Kamenz antreten.
Stimmen zum Spiel:
Aue-Trainer Rico Schmitt:
"Wir haben einen richtig guten Pokalfight gesehen, mit dem glücklicheren Ausgang für uns. Wir hatten am Angang etwas Sorge, ins Spiel zu finden und hatten gut 20 Minuten damit zu tun, das Spiel einigermaßen in Griff zu kriegen. Allerdings haben wir unsere Möglichkeiten nicht genutzt, um in unserer besten Phase die kleine Vorentscheidung herbei zu führen. Lok hat aufopferungsvoll nach vorn gespielt, mit kreuzgefährlichen Kontern. Ich habe kein anderes Spiel erwartet. Lok ist eine gute Mannschaft, die in so einem Spiel alles abrufen kann. Respekt an den Gastgeber, es war eine tolle Atmosphäre und ein großer Kampf."
Lok-Trainer Jörg Seydler:
"Heute konnte man sehen, dass Vieles gepasst hat. Man konnte auch sehen, dass wir uns weiter entwickelt haben. Wie sich meine Mannschaft heute präsentiert hat, war absolute Spitze. Darauf bin ich stolz. Leider bin ich akustisch nicht so gut über den Platz zu hören, denn sonst hätte die Mauer beim Gegentor anders ausgesehen. Aber die Zuschauer haben gesehen, dass es vorwärts geht!"

Bericht von Burg aus Vogtland-Sport:
Mit einem Veilchen erreichte Drittligist Erzgebirge Aue das Viertelfinale des diesjährigen Sachsenpokals. 116 lange Minuten dauerte es, ehe Pierre Le Beau für den Treffer des Tages und die knappe Entscheidung für die Auer Veilchen sorgte. Lange Gesichter dagegen beim Leipziger Traditionsverein Lok Leipzig. Der Fünftligist war lange Zeit mindestens ebenbürtig. Gastgeber Lok machte sofort mächtigen Druck. Mit ihren einfachen und geradlinigen Fußball stürzten sie den Favoriten anfangs von eine Verlegenheit in die andere. Schon nach vier Minuten hatten die fast 4000 Zuschauer den Torschrei auf den Lippen, aber gleich zwei Mal stand der linke Pfosten den Gästen hilfreich zur Seite. Ein Schuss von Haufe konnte FCE-Torwart Männel mit den Fingerspitzen an den Pfosten lenken. Der zurückspringende Ball fiel genau auf die Schulter von Männel und von dort wiederum an den Pfosten. Nicht nur Lok-Trainer Jörg Seydler haderte nach dem Spiel: "Wenn wir hier 1:0 in Führung gehen, wird es schwierig für Aue." Die Leipziger blieben am Drücker. Brodkorb (13.) verfehlte nur um Zentimeter das Gästetor per Kopf. Nach einer Viertelstunde hatten die Gäste sich gefangen und übernahmen zumindest optisch das Kommando. Agyemang (14.) verzog in aussichtsreicher Schussposition, weitere gefährliche Aktionen vor dem Tor der Leipziger blieben aber Mangelware. Lok-Torwart Evers wurde bis zur Halbzeit nur noch zweimal gefordert. Doch weder Gambo (35.) per Kopf, noch Hiemer in der gleichen Minute, konnten ihn überwinden. Zur Pause viel Beifall vom Publikum. Nach dem Seitenwechsel wollten die Fußballer aus Aue endlich zeigen warum sie in der 3. Liga spielen und Lok zwei Klassen tiefer. Dies gelang auch 25 Minuten, als sie Ball und Gegner laufen ließen und ihre technische Überlegenheit demonstrierten. Nur das Tor trafen sie nicht. Gambo (54./57.) und Braham (64./69.) hatten beste Gelegenheiten dazu. In der Schlussphase der regulären Spielzeit waren sie dann wieder mit ihrem Latein am Ende. Auch vom eingewechselten Ramaj gingen keine zündenden Ideen aus. Aus dem Publikum musste man sich zudem manch höhnischen Kommentar anhören. 35 Sekunden vor Abpfiff der 90 Minuten hätte Krug für die Sensation sorgen können, doch bei seinem Schuss geriet er in Rücklage. In der Verlängerung zogen die Gäste das Tempo an, kamen aber nur zu zwei Chancen von Ramaj (93.) und Glasner (109.). Vier Minuten vor dem Ende rechneten viele schon mit einem Elfmeterschießen. Aues Abwehrspieler Le Beau sorgte dann doch noch für ein glückliches Happy-End bei den Gästen und sorgte beim Gastgeber für sichtbare Enttäuschung. Hochscheidt zirkelte einen Freistoß an den zweiten Pfosten und Le Beau drückte den Ball mit dem Kopf, noch behindert von Krug, über die Linie. "Bei so einem Spiel konnte Lok nur gewinnen und wir nur verlieren. Ich freue mich, dass Pierre in der entscheidenden Szene den Kopf nicht zurück-, sondern voll durchzog", so Aues Trainer Rico Schmitt über den glücklichen Ausgang für sein Team. Für Le Beau bedeutete dies sein erstes Pflichtspieltor für den FCE. In der nächsten Runde (Viertelfinale) spielen die Auer beim Landesligisten SV Einheit Kamenz.

Aufstellung 1. FC Lokomotive Leipzig: Evers - Jülich, Krug, Köllner, Brodkorb - Sommer, Kunert (105. Aßmann), Starke, Schreiber (102. Linkert) - Gugna (79. Engler), Haufe

Aufstellung FC Erzgebirge Aue: Männel - le Beau, Paulus, Klingbeil, Birk - Müller (74. Hochscheidt), Hensel, Gambo (97. Glasner), Hiemer - Braham, Agyemang (61. Ramaj)

Tore:
0:1 le Beau (116.)

Gelb: Starke - Hensel, Paulus, Hiemer
Gelb-Rot:
Rot:

Zuschauer: 3.967

Schiedsrichter: Daniel Hartig (Freital)


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