« Älterer Beitrag | Newsarchiv | Neuerer Beitrag »


Dresden - Aue 'Vorschau'

Donnerstag, 20. August 2009

Am Samstag ist es wieder mal soweit. Das brisante Derby gegen den Erzrivalen Dynamo Dresden steht an und wie immer reisen die Veilchen mit großem Selbstbewusstsein in die sächsische Landeshauptstadt. Vor allem die Abwehrleistung gibt Grund zum vorsichtigen Optimismus und zur Zielstellung zumindest einen Punkt mitzunehmen. "Wir haben bisher nur zwei Gegentore kassiert, das ist Ligarekord", stellt Trainer Rico Schmitt fest: "Auch deshalb fahren wir mit gestärktem Selbstbewusstsein nach Dresden. Wir wollen punkten und unsere Serie damit weiter ausbauen." Und das könnte sogar klappen, denn die Schwarz-Gelben haben alle drei Pflichtspiele zuhause, inklusive DFB-Pokal gegen Nürnberg, in den Sand gesetzt. Aue dagegen ist in der 3. Liga noch ungeschlagen. Die Veilchen sind mit drei Remis in vier Partien bei 3:2 Toren als Minimalisten gestartet.
Das neue Rudolf-Harbig-Stadion brachte der SG Dynamo Dresden indes noch kein Glück. "Wir müssen zu Hause einfach besser und geordneter stehen", gibt Dynamos Trainer Ruud Kaiser die Marschroute vor, gerät allerdings selbst immer mehr unter Druck, als er die Punkte aus der Rückrunde 2008/09 hochrechnete und vom Aufstieg sprach und so die hohen Erwartungen selbst schürte. Stattdessen gab es wie im Vorjahr einen Fehlstart. Ernüchternd das Torverhältnis: Kein eigener und sieben Gegentreffer in drei Heimspielen sind eine grauenvolle Bilanz. Zwar verlor Dynamo mit Thomas Bröcker (RW Ahlen) und Jens Truckenbrod (CZ Jena) zwei Stammspieler aus der letzten Saison. Dagegen konnte man mit dem Ex-Auer Rene Trehkopf (VfL Osnabrück) und Ibad Muhamadu (Willem Tilburg II) sehr guten Ersatz präsentieren, wonach sich die Mannschaft im Vergleich zum letzten Jahr nicht groß veränderte. Allerdings begann Kaiser mit Experimenten. Während der Niederländer in den sieben Spielen der Vorbereitung eine Viererkette und zwei defensive Mittelfeldspieler aufstellte, praktiziert er jetzt (s)ein neues System. Cataldo Cozza auf rechts und Ronny Nikol auf links sollen die Dreierkette bei Ballbesitz des Gegners verstärken. Die Folge: Maik Wagefeld ist im defensiven Mittelfeld plötzlich auf sich allein gestellt. Halil Savran soll sich fallen lassen, um die nun klaffenden Lücken zu schließen - ein zumindest außergewöhnlicher Auftrag für den Mittelstürmer.
Dies sieht auf dem Papier vielleicht recht modern aus, aber für Dynamo passt diese Taktik zurzeit überhaupt nicht. Warum er das alte Konzept mit dem seit der Winterpause erprobten 4-4-2-System nun wieder über den Haufen geworfen hat, bleibt ein Rätsel, auch weil zurzeit mit Lars Jungnickel, Sascha Pfeffer und David Solga (Wacker Burghausen) drei Spieler für das "neue" zentrale Mittelfeld fehlen. "Wir können alles spielen und auch schnell umstellen", bleibt sich Ruud Kaiser treu. Dreier- oder Vierer-Abwehrkette, zwei oder drei Stürmer, eine hängende Spitze oder eine Raute - der 48-Jährige ließ schon in der Vorsaison alles spielen. Allerdings wirkten seine Schützlinge dabei hin und wieder überfordert. Daher muss Kaiser die Balance zwischen seinen teilweise hohen taktischen Anforderungen und der Umsetzbarkeit durch seine Spieler finden. Wenn er das schafft, könnte sein Traum - 2011 bereits wieder Bundesligaluft zu schnuppern - in Erfüllung gehen.
Auch mit der neuen Arena soll endlich eine neue Zeit für den Dresdner Fußball beginnen: sportlich und wirtschaftlich. 5.000 verkaufte Dauerkarten und ein kalkulierter Zuschauerschnitt zwischen 13.000 bis 15.000 spült Bares in die leeren Kassen des Geschäftsführer Stefan Bohne, der sich sicher ist, dass sich mit Logen, verbessertem Service und entsprechender Infrastruktur die Einnahmen noch einmal erheblich steigern lassen. Mit Sportfive wurde ein Vermarkter frisch engagiert. Am 15. September wird die Arena, die auch Spielort der Frauen-WM 2011 ist, gegen Schalke offiziell eröffnet, dann wird auch erstmals die Kapazität von 32.300 Zuschauern erreicht werden. Der Klub ist nach wie vor hoch verschuldet und dementsprechend "nicht auf Rosen gebettet", wie Bohne sagt. Aber natürlich geht es bei Dynamo immer noch um etwas anderes, seit randalierende Fans den Ruf des Klubs nach Kräften ruiniert haben.
Dabei scheint Besserung in Sicht. Zwar gebe es immer noch rund 600 plus die Zahl X an Problemfans, doch die würden aber nicht mehr so geballt in Erscheinung treten wie früher. "Die Zeichen stehen so gut wie lange nicht", glaubt Thomas Geithner, Sprecher der Dresdner Polizei. Von einem "guten Miteinander" spricht auch Torsten Rudolph, der Leiter des Dresdner Fanprojekts. Alle Seiten würden eher die Kommunikation als die Konfrontation suchen - was sich etwa in der Anstellung eines hauptamtlichen Fanbetreuers oder der gemeinschaftlich erarbeiteten Fancharta zeige. Gewaltfreiheit und das Eintreten gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit stehen ganz oben. Umso ärgerlicher ist es, wenn dann der eigene Kader für schlechte Presse sorgt. Dass drei Nachwuchsspieler kürzlich ein paar Flaschen Bier an einer Tankstelle mitgehen ließen, mag da eine Bagatelle sein. Eine Spur zu brenzlig dagegen war, wie Torwart Benjamin Kirsten den Sieg der zweiten Mannschaft im Sachsenpokal feierte: mit einem Bengalo in der Hand. Wie mühsam die Arbeit am eigenen Image ist, wissen der Klub und seine Fans schließlich nur zu gut.
Dass es am Samstag erneut zu Ausschreitungen kommen könnte, hofft zumindest auf Auer Seite niemand. "Die Lokalrivalität zwischen Aue und Dresden ist groß. Ich hoffe, dass alles im Rahmen bleibt", wünscht sich Abwehrspieler Sven Schaffrath. "Es wird heiß hergehen keine Frage, aber wir wollen diesen Derby-Charakter nicht überstrapazieren", fordert Rico Schmitt, der wegen der schlechten Dresdner Heimbilanz nochmals Zündstoff von den Rängen erwartet: "Diese ganze Wucht der Wut wird auf uns einprasseln. Um dagegenzuhalten, brauchen wir am Samstag unser Herz und vor allem unseren Kopf." Im Derby kann Schmitt auf die Rückkehr von Kapitän und Abwehrchef Tomasz Kos setzen, den Rückenbeschwerden ausbremsten. Auf keinen Fall dabei ist der ehemalige Dresdner Marc Hensel. Der Mittelfeldspieler ist nach seiner Roten Karte wegen einer Tätlichkeit aus dem Ingolstadt-Spiel für das Spiel gegen Dresden noch gesperrt. Für Jan Hochscheidt, der sich im Aufbautraining befindet, kommt ein Einsatz aber auch noch zu früh. Schiedsrichter der Partie wird Babak Rafati aus Hannover sein, der bereits zehn Partien mit Auer Beteiligung leitete - sechs Siege, zwei Remis und zwei Niederlagen stehen hierbei zu Buche.
So gingen die letzten fünf Aufeinanderteffen aus:
08/09 3.Li 38.Spieltag 23.05.09 FCE vs. SGD 1:1 (12.500 Zuschauer, Schiedsrichter: Dr. Fleischer)
08/09 3.Li 19.Spieltag 31.01.09 SGD vs. FCE 3:1 (14.400 Zuschauer, Schiedsrichter: Trautmann)
05/06 2.Bl 28.Spieltag 02.04.06 FCE vs. SGD 2:0 (15.000 Zuschauer, Schiedsrichter: Schriever)
05/06 2.Bl 11.Spieltag 01.11.05 SGD vs. FCE 1:4 (19.396 Zuschauer, Schiedsrichter: Kinhöfer)
04/05 2.Bl 32.Spieltag 06.05.05 SGD vs. FCE 1:0 (23.940 Zuschauer, Schiedsrichter: Perl)

geschrieben von OrganicArt um 18:43