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Aue - Heidenheim 'Vorschau'

Freitag, 28. August 2009

Zum ersten Mal werden die Gäste aus der 50.000 Seelen-Stadt Heidenheim im schönen Erzgebirge verweilen. Die Mannschaft von Trainer Frank Schmidt, der für Alemannia Aachen und den SV Waldhof Mannheim in der 2. Bundesliga spielte, hatte sich noch vor Topfavorit KSV Hessen Kassel die Meisterschaft gesichert und mit dem Aufstieg in die 3. Liga den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte perfekt gemacht. Das merkte man auch auf deren Internetseite, die seit dem entscheidenden 2:0-Auswärtssieg beim Karlsruher SC II am 33. Spieltag in der Regionalliga Süd lange unangetastet blieb. Feiern hatte eben Vorrang. Das war vor einem Jahr auch nicht anders, als der FCH mit einem vierten Tabellenplatz der Oberliga Baden-Württemberg den Aufstieg in die Regionalliga Süd schaffte. Für den Trainer war dies keine Sensation, denn Schmidt, der bis 2007 noch selbst für den FCH am Ball war und danach den Trainerjob übernahm, kann auf professionelle Strukturen zurückgreifen: "Der Vorstand arbeitet bereits seit 15 Jahren in beinahe unveränderter Besetzung zusammen. Die Leute stehen zu dem Klub und sind bereit, für den Erfolg auch etwas zu investieren." Der Lohn: In den letzten elf Jahren stieg Heidenheim gleich viermal auf.
Als weitere Gründe für den Erfolg nennt der 35-Jährige den Zusammenhalt seiner Spieler untereinander und die Identifikation mit ihrem Verein. Doch auch die Aufstiegshelden werden nicht jünger: "Wir waren in der Regionalliga Süd mit einem Durchschnittsalter von fast 27 Jahren die älteste Mannschaft. Wir wollen den Großteil des Kaders zwar zusammenhalten, doch das Gerüst noch mit zwei oder drei jüngeren Akteuren verstärken", erklärte Schmidt, der mit Torhüter Erol Sabanov (35), Cassio da Silva (30), Christian Endler (29), Bernd Maier (34), Ünal Demirkiran (29) oder Christian Gmünder (29) auf eine ganze Reihe erfahrener Routiniers zurückgreifen kann. Mit den Offensivspielern Faruk Gül (20/SC Pfullendorf), Lucas Oppermann (22/Viktoria Aschaffenburg) und Patrick Mayer (20/Eintracht Frankfurt II) sowie Innenverteidiger Florian Krebs (20/Karlsruher SC II) und Defensiv-Allrounder Richard Weil (21/Eintracht Frankfurt II) wurden durchweg junge, aber vielversprechende Spieler geholt.
Doch auch abseits des Platzes wird kräftig investiert. Bereits zwei Tage nach dem letzten Saisonspiel in der Regionalliga rollten die Bagger an, um das 35 Jahre alte Albstadion (demnächst Gagfah-Arena) drittligatauglich zu machen. "Das wird ein reines Fußballstadion, in dem eine angenehme Fußball-Stimmung herrschen wird", freut sich Frank Schmidt bereits auf die neue Heimstätte, die schwäbisch bescheiden ausgestaltet wird. Insgesamt wird eine Summe von 14,1 Millionen Euro, von der der Verein 2,8 Millionen Euro selbst stemmen muss, in die neue Arena investiert. Die Zuschauer-Kapazität wird von 8.000 auf 10.000 Plätze angehoben und für verbesserte Trainingsbedingungen bekommt der Verein, der von Fußball-Hochburgen München, Stuttgart und Nürnberg umringt ist, noch einen beheizten Kunstrasenplatz sowie einen zusätzlichen Naturrasen.
Sportlich läufts derzeit ziemlich ernüchternd. Nach fünf Spielen stehen beim Aufsteiger aus Baden-Württemberg zwei Remis (Wuppertal und Stuttgart II), zwei Niederlagen (Wiesbaden und Sandhausen) und zuletzt ein 4:2-Heimsieg gegen München II zu Buche. Aber die kleinen Bayern schlägt zurzeit fast jeder. Der Trainer, der konsequent auf das 4-4-2 mit Mittelfeldraute setzt, sieht seine Jungs dennoch auf einem guten Weg, ?wenn die wenigen Chancen noch eiskalt verwertet werden?. Dieses Manko zieht sich durch die bisherigen Auftritte, die von Schmidt geforderte Kaltschnäuzigkeit hat sich eben noch nicht eingestellt. Außerdem macht sich die extrem kurze Vorbereitungsphase bemerkbar, einige Spieler haben muskuläre Probleme. Zehn Gegentreffer sind auch nicht so berauschend. Obwohl die Heidenheimer mit Meier, Göhlert, Feistle und Beisel, der jedoch bereits seine vierte Karte vorzuweisen hat, eine eingespielte Abwehrkette besitzt, kassierten sie in jedem Spiel mindestens ein Gegentor. Bester Torschütze ist mit zwei Treffern Mittelfeldspieler Christian Essig - gefolgt von Feistle, Göhlert, Mayer, Spann und Schnatterer, die allesamt einmal trafen. Auf fremden Gefilden erwies sich der Drittliganeuling mit nur einem geklauten Zähler als gern gesehener Gast. Ob es nun in Aue zu mehr reicht, wird man am Samstag um 15:45 Uhr endgültig wissen.
Für die Veilchen jedenfalls sind die drei Punkte nach dem verkorksten Auftreten in Dresden mehr als nur Pflicht. Dass nur 4.000 Karten im Vorverkauf weg sind, spricht ebenfalls für die Enttäuschung der Fans, die sich gerade im Prestigeduell mehr erhofft haben. Trainer Rico Schmitt hat mit dieser Schmach bereits abgeschlossen: "Wir schauen nach vorn. Wir sind nach vier ungeschlagenen Spielen weggeknickt und haben nun die Möglichkeit, es besser zu machen" aber warnte zugleich wieder vor Überheblichkeit seiner Jungs: "Heidenheim ist ein Team der Namenlosen. Darin liegt auch eine Gefahr. Das vergangene Wochenende hat gezeigt, dass in der dritten Liga jeder jeden schlagen kann. Oftmals entscheidet die Tagesform." Dass die Tagesform stimmt und der zweite Heimsieg eingefahren wird, dazu will auch Marc Hensel nach abgesessener Rot-Sperre beitragen: "Ich freue mich, dass ich wieder dabei bin und der Mannschaft helfen kann." Ob Jan Hochscheidt nach seiner Mandel-Op - wie auch Alban Ramaj (Bauchmuskelzerrung) - fit genug für die Startelf ist, ließ der Coach offen. Nicht mit dabei sind definitiv Thomas Birk, Bashiru Gambo und Jörn Wemmer.
Schiedsrichter der Partie wird Thomas Gorniak aus Bremen sein, der in der letzten Saison die beiden Auswärtsspiele in Wuppertal (1:0) und in Burghausen (0:4) leitete.

geschrieben von OrganicArt um 8:41