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Aue - Offenbach 'Vorschau'
Donnerstag, 10. Dezember 2009
Mit den Kickers aus Offenbach empfangen die Veilchen zum
Rückrundenauftakt den gestürzten Tabellenführer. Nach nur einem Sieg aus
den vergangenen fünf Partien musste nicht nur der am 13. Spieltag
bestiegene Thron sondern auch die Herbstmeisterschaft an
Zweitligaabsteiger Ingolstadt abgegeben werden. Trotz der gut gelaufenen
Hinrunde mit 33 Punkten sind die Offenbacher Anhänger darüber mehr als
unzufrieden und machten ihren Ärger nach der 1:2-Niederlage gegen die
Amateure des FC Bayern München ordentlich Luft.
"Wir haben in dieser Saison bisher guten Fußball gezeigt, da kann
ich es nicht verstehen, dass man nach einem schlechten Spiel
ausgepfiffen wird. Das hat mich schon ein bisschen enttäuscht", äußerte
Mittelfeldspieler Christian Pospischil sein Unverständnis über die
Reaktionen einiger Fans. Zumal es offenbar nicht nur Pfiffe gab, sondern
die Spieler teilweise übel beleidigt wurden. "Wir haben sicher mit die
besten Fans der 3. Liga. Aber so was hilft uns nicht weiter", klagte
ebenfalls Offensivspieler Stefan Zinnow. Schon kurios, denn manch ein
anderer Verein würde sich über acht nicht verlorene Spiele in Folge
freuen, doch die OFC-Fans würdigen so eine Leistung mit Beschimpfungen
und vergessen das davor einfach zu schnell. "Gute Fans stehen immer
hinter ihrer Mannschaft. Was hier passiert ist, ist sehr schlecht",
ärgerte sich auch Kapitän Martin Hysky, der sich indes auch
selbstkritisch zeigte: "Wir haben es selbst verbockt."
Die
Situation im Umfeld des Vereins ist jedenfalls angespannt. Dabei mussten
die Kickers schon früh in der Saison mit einer schwierigen Situation
zurecht kommen. Anfang Oktober trat überraschend Trainer Hans-Jürgen
Boysen von seinem Posten zurück und wechselte zum FSV Frankfurt. Doch
mit der noch am selben Tag erfolgten Ernennung von Steffen Menze als
Nachfolger konnten die Verantwortlichen beim OFC einer möglichen Krise
vorbeugen. Mit nur einer Niederlage aus sieben Spielen legte Menze eine
erfolgreiche Anfangsphase hin. "Steffen macht einen guten Job", so
Sport-Manager Möller, der den Fußballlehrer aber vor harten
Bewährungsproben sieht: "In der Rückrunde wird öfters nur das reine
Ergebnis zählen und der Druck wird wachsen. Dann muss er sich beweisen."
Personelle
Verstärkung zur Winterpause stehen für Möller jedoch nicht zur Debatte,
obwohl es besonders in der Hintermannschaft der Hessen mit acht
Gegentreffer in den letzten drei Spielen gewaltig klemmt. In der
Defensive ist der verletzte Steffen Haas (Schulterverletzung) nicht zu
ersetzen. Er hatte durch seine Zweikampf- und Laufstärke im zentralen
Mittelfeld dafür gesorgt, dass die Abwehrspieler kaum in 1:1-Situationen
gegen Stürmer kamen. Da sich auch Marko Kopilas (Oberschenkelprellung)
verletzte, wird die Personaldecke immer dünner. Marc Heitmeier wäre die
ersehnte Alternative im Abwehrzentrum, doch der 24-Jährige steht noch
nicht zur Verfügung. Aber auch Torwart Robert Wulnikowski ließ sich von
der allgemeinen Verunsicherung anstecken und patzte beim Siegtor der
kleinen Bayern. Dennoch bleibt der OFC mit nur 19 Gegentoren der
Ligaprimus und kann auch mit 33 geschossenen Toren glänzen. Beste
Kickers-Knipser der aktuellen Saison sind mit jeweils sechs Buden Mirnes
Mesic und David Ulm, gefolgt von Stefan Zinnow (5), Christian Pospischil
(4) und Stefan Hass (3). Doch gegen Wuppertal (1:1), Sandhausen (3:3)
und zuletzt gegen die Bayern-Bubis konnten die Offenbacher eine Führung
nicht über die Zeit retten.
Da hatte es sich schon angedeutet,
dass die Mannschaft nicht mehr die Stabilität des Saisonauftaktes
erreicht. Die erste Niederlage für Menze, die Vierte für den OFC in
dieser Saison, kam somit nicht einmal überraschend und es könnte schon
bald die Nächste folgen. "In Aue haben wir uns in den letzten Jahren
immer schwer getan", weiß auch Vizepräsident Thomas Kalt über die
glasklare Bilanz: Vier Spiele - Vier Niederlagen. "Gerade dort ist
deshalb jegliche Unterstützung wichtig. Ich hoffe, dass so viele
Kickers-Fans wie möglich ins Stadion kommen und die eigene Mannschaft
stimmgewaltig unterstützen. Aber auch wenn wir dort verlieren sollten,
müssen wir alle wissen, wie wir damit umzugehen haben", versucht Kalt
schon im Vorfeld die Wogen bei einer eventuellen Niederlage zu glätten.
Die
Reise ins Erzgebirge wird wohl Toptorjäger Mesic nicht mit antreten. Der
Ex-Hoffenheimer Stürmer zog sich gegen Bayern II eine
Adduktorenverletzung zu. Nutznießer könnte demnach Suat Türker sein, der
seit Mesics Erfolgsserie (sechs Tore in acht Spielen) nicht mehr zum
Zuge kam. Weiterhin fallen Christian Fröhlich (grippaler Infekt),
Sebastian Rode, Benjamin Baier, Tufan Tosunoglu (alle Kreuzbandriss) und
Alexander Huber (Oberschenkelprobleme) aus. "Wechsel sind durchaus
denkbar. Wir werden auch in Aue wieder eine schlagkräftige Mannschaft
aufs Feld schicken", gibt sich Menze zuversichtlich, der erstmals nach
18 Spielen im 4-2-3-1-System wohl auch taktische Änderungen vornehmen
wird.
Trainer Rico Schmitt hingegen kann fast wieder aus dem Vollen
schöpfen und hat gegen die erfolgreichste Auswärtself der 3. Liga bis
auf den rot-gesperrten Eric Agyemang seinen kompletten Kader zur
Verfügung. Das zweitbeste Heimteam möchte daher auch am Samstag im
achten Heimspiel in Folge ohne Niederlage bleiben und fleißig weiter
Punkte sammeln. Für Vereinspräsident Bernd Keller jedenfalls liegen die
31 Hinrunden-Punkte über seinen Erwartungen, aber bleibt wie die gesamte
Vereinsführung auf dem Boden: "Wir setzen ganz auf die
Eichhörnchen-Methode und sammeln weiterhin Woche für Woche Punkte."
Neuverpflichtungen
zur Winterpause schließt Keller nicht nur wegen Geldmangels kategorisch
aus: "Fast jede Position ist mit einem zweiten guten Mann besetzt. Es
gilt, das vorhandene Potenzial auszureizen." Das geht besonders gut mit
der Unterstützung der Fans, "das motiviert enorm und setzt gerade in
engen Spielphasen zusätzliche Kräfte frei", erhofft sich Rico Schmitt
einen regen Ansturm zum letzen Heimspiel 2009. Außerdem gilt der
Grundsatz: Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur unpassende
Kleidung...also, auf gehts. Schiedsrichter der Partie wird Martin
Petersen aus Stuttgart sein, der es mit dem FC Erzgebirge zum
allerersten Mal aufnehmen wird.
So gingen die letzten fünf
Aufeinandertreffen aus:
09/10 3.Li 01.Spieltag 25.07.2009 OFC vs. FCE
0:0
(7.786 Zuschauer, Schiedsrichter: Aytekin)
08/09 3.Li 35.Spieltag
09.05.2009 OFC vs. FCE 0:0
(5.105 Zuschauer, Schiedsrichter: Benedum)
08/09 3.Li 16.Spieltag
02.12.2008 FCE vs. OFC 2:1
(6.100 Zuschauer, Schiedsrichter: Zwayer)
07/08 2.Bl 19.Spieltag
08.02.2008 FCE vs. OFC 3:1
(9.800 Zuschauer, Schiedsrichter: Grudzinski)
07/08 2.Bl 02.Spieltag
19.08.2007 OFC vs. FCE 3:2
(11.792 Zuschauer, Schiedsrichter: Stark)