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Zwischenbilanz des Vorstands

Thomas Schlesinger (Wirtschaft und Finanzen) und Robert Scholz (Medien und Kommunikation) mit einem Einblick in die bisher geleistete Arbeit. (Quelle: FC Erzgebirge Aue)
Thomas Schlesinger (Wirtschaft und Finanzen) und Robert Scholz (Medien und Kommunikation) mit einem Einblick in die bisher geleistete Arbeit. (Quelle: FC Erzgebirge Aue)
Mit dem Mandat der großen Mehrheit auf der FCE-Mitgliederversammlung am 12. November 2022 berief der Aufsichtsrat einen komplett neuen Vorstand. Im von Präsident Roland Frötschner geleiteten Führungsquartett arbeiten Thomas Schlesinger, der sich vorrangig um Wirtschaft und Finanzen kümmert, und der mit den Feldern Medien und Kommunikation betraute Robert Scholz mit. Im Interview mit Veilchenecho-Redakteur Olaf Seifert sprechen beide darüber, was seit der Wahl geleistet wurde und über die zeitnahen Herausforderungen.

Wie war die Situation im Verein beim Amtsantritt des neuen Vorstands?
Robert Scholz: Es gab keinen Cheftrainer und krankheitsbedingt drei Monate lang keinen Geschäftsführer. Der Interimsvorstand hatte in den Wochen vor der Mitgliederversammlung eine anerkennenswerte Arbeit geleistet und sah sich dabei zu einer Haushaltssperre gezwungen. Denn schnell stand fest, dass der FC Erzgebirge die Saison 2022/2023 mit einem Minus von mindestens 1,4 Millionen Euro abschließen würde.
Thomas Schlesinger: Die Planung im März 2022 für die Saison 2022/2023 hatte ein Plus vorgesehen und wurde damals so vom Aufsichtsrat genehmigt. Durch ungedeckte und ungenehmigte Ausgaben in den Profikader zum Start der Saison wurden wissentlich durch den damaligen Vorstand ein Verlust von 1,4 Millionen Euro in Kauf genommen und Verträge geschlossen, die es so ohne entsprechende Gegenfinanzierung niemals hätte geben dürfen. Leider stellte sich ja im Nachgang heraus, dass die Investitionen viel zu hoch waren und zudem ohne Erfolg blieben. In Kombination führten diese Dinge zur Bedrohung der Existenz des Vereins.

Welche Schritte wurden zuerst getan?
Robert Scholz: Der neue Vorstand trat Ende 2022 ein-, manchmal zweimal pro Woche zusammen. Wir brauchten schnell den ungeschönten Überblick, mussten uns ins neue Metier einarbeiten, Liegengebliebenes aufarbeiten, teils die Arbeit des Geschäftsführers leisten und dabei täglich in der Geschäftsstelle vor Ort sein. Vorrangig war, den sportlichen Fall zu stoppen und sofort Weichen zu stellen, um den Absturz in die Regionalliga zu verhindern. Deshalb mussten die Haushaltssperre gelöst und ein Chefcoach gewonnen werden. Es gab vier Trainerkandidaten, zum Glück stand mit Pavel Dotchev der aus unserer Sicht beste und geeignetste Anwärter schnell bereit. Danke, Pavel!
Thomas Schlesinger: Wir waren jetzt in der Verantwortung und gleichzeitig gezwungen, keinerlei Ausgaben mehr ohne hundertprozentige Gegenfinanzierung zuzulassen. Unsere Berechnung ergab, dass sofort ein mittlerer sechsstelliger Betrag zusätzlich auf den Tisch musste, um das Schiff flott zu kriegen. Das wurde am 30. November bei einer Aufsichtsratssitzung, zu der Vorstand und Ehrenrat eingeladen waren, ganz schnell geschafft. Und zwar dank des Einsatzes von Sponsoren, die bereits in früheren Krisen in dieser Weise geholfen hatten.

Was passierte bei diesem Treffen?
Thomas Schlesinger: Die Antwort klingt simpel, ist aber keineswegs selbstverständlich. Ohne groß zu reden erklärten sich die Unternehmen Chemieanlagenbau Chemnitz, Elektrowerkzeuge Eibenstock, Erzgebirgssparkasse, MBR Bad Schlema, Nickelhütte Aue, Strüder GmbH Schneeberg sowie UTC Crimmitschau bereit, den erwähnten sechsstelligen Betrag gemeinsam aufzubringen - zusätzlich zum bereits bestehenden Sponsoring. Innerhalb einer Stunde war die Sache geklärt und wenige Tage später lag das Geld auf dem Konto des FC Erzgebirge Aue. Danke, Freunde! Die meisten der erwähnten Großsponsoren hatten schon 2011, in einer ähnlich existenziell bedrohlichen Situation, geholfen und mit ihrem Sofort-Geld damals das Überleben des Vereins gesichert.
Robert Scholz: Mit der Hilfe vom 30. November 2022 war der Verein handlungsfähig und konnte ruhigen Gewissens in die Trainergespräche gehen. Seit Ende Dezember steht der neue Interimsgeschäftsführer Olaf Albrecht zur Verfügung, er ist das Bindeglied zwischen Vorstand und FCE-Geschäftsstelle. Matthias Heidrich wurde zum Sportgeschäftsführer berufen. Die Unterlagen zum Zulassungsverfahren des DFB für die neue Saison 2023/2024 wurden fristgemäß zum 1. März realisiert.
Thomas Schlesinger: Zeit, sich in den unbekannten Strukturen mit fast ausschließlich neuen handelnden Personen zurechtzufinden, blieb also kaum. Ich finde, dass wir uns schnell auf einen gemeinsamen Nenner geeinigt haben. Dieser hieß Kommunikation zwischen den verantwortlichen Gremien Aufsichtsrat, Vorstand und Geschäftsführung - und das immer im Sinne des Vereins und keiner Einzelpersonen. Wichtig ist, dass dabei Entscheidungswege, die seit langem in der Satzung verankert sind, auch eingehalten werden. Nur so ist es möglich, dass sich die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Eine Garantie für den sportlichen Erfolg haben auch wir nicht – aber die Lösung der strukturellen und daraus resultierenden finanziellen Probleme. Dafür sind wir angetreten.

Welche Probleme sind das?
Thomas Schlesinger: Das Eigenkapital ist aufgebraucht, denn speziell in den erfolgreichen Zweitligajahren 2016 bis 2021 wurde kein Geld für schlechte Zeiten zurückgelegt. 2015 betrug das Eigenkapital 500.000 Euro und in 2021 waren es immer noch 500.000 Euro; Substanz oder Vermögen ist de facto nicht vorhanden. Die jährlichen Investitionen in den Kader inklusive Abfindungen für Spieler und Trainer waren demgegenüber enorm. Wie diese Entscheidungen damals getroffen wurden, war oft nicht transparent, da es faktisch keinerlei Beschlüsse gibt. Hinzu kommt, dass Verbindlichkeiten gegenüber dem Erzgebirgskreis aus dem Stadionbau in Zweitligazeiten viel leichter hätten abgebaut werden können, als in wirtschaftlich schwierigen Phasen. Der fünfprozentige Eigenanteil wurde bis heute aber immer noch nicht vollständig bezahlt. Dabei hatte der Vorstand um Präsident Lothar Lässig bereits 2014 diese Summe angespart.

Mit welchem Etat plant der FCE für 2023/2024?
Thomas Schlesinger: Aktuell etwas über vier Millionen für den Profibereich. Das entspricht in etwa dem ursprünglichen Plan für die laufende Saison, allerdings wuchsen die Ausgaben im Spätsommer und Herbst 2022 auf rund 5,6 Millionen (ohne Trainerentlassung), daher jetzt das erwartete Minus von 1,4 Millionen. Das Gesamtbudget des FC Erzgebirge mit Geschäftsstelle, Nachwuchsleistungszentrum Porsche Kumpelschmiede, allen Abteilungen und so weiter liegt bei knapp zwölf Millionen Euro.
Robert Scholz: Am Ende soll die Kostensenkung in der neuen Saison rund eine halbe Million Euro betragen, mehr ist kaum drin. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass in den kommenden Monaten unbedingt weitere zusätzliche Einnahmen generiert werden müssen. Dabei mitzuhelfen sind alle Freunde unseres Vereins aufgerufen: Wirtschaft, Mitglieder, Fans und Stadionbesucher, Landkreis und Kommunen. Ziel ist, mindestens weitere zwei, drei zusätzliche Großsponsoren zu gewinnen, wobei wir da schon Erfolge erzielen konnten, die in den kommenden Wochen entsprechend kommuniziert werden.
Thomas Schlesinger: Mut macht, dass es mit dem Schwung des Neuanfangs beim FC Erzgebirge in den letzten vier Monaten gelang, die Vermarktungserlöse im Bereich der Haupt- und Premiumsponsoren zu steigern. Ein neuer Brustsponsor wurde gefunden, da schon vor der Saison feststand, dass der Vertrag mit Wätas auslaufen würde. Wir freuen uns aber, dass der langjährige Hauptsponsor Wätas als Co-Sponsor dem FCE mit einem ordentlichen Betrag erhalten bleibt, auch dafür ein Danke! Da die Leonhardt-Gruppe für den Verein nicht mehr erreichbar war, wurde ohne diese Sponsoringerlöse geplant. Einer der Co-Sponsoren hat daraufhin sein Engagement aufgestockt und diese Lücke mehr als geschlossen. Nichtsdestotrotz steht die Tür im Verein immer offen für jeden, der gewillt ist den Verein zu unterstützen. Einmal Wismut Aue, immer Wismut Aue! Es kommt bei den Sponsoren somit wie jedes Jahr zu Verschiebungen, aber in Summe steht derzeit ein ordentliches Plus, welches in der heutigen Zeit wirtschaftlicher Ungewissheit und der ausbleibenden sportlichen Erfolge nach dem Abstieg 2022 nicht selbstverständlich ist. Auch gegenüber der letzten Zweitligasaison sind die Sponsoringerlöse damit beträchtlich höher! Trotzdem haben wir uns weitere wirtschaftliche Ziele als Vorstand und Aufsichtsrat auf die Fahnen geschrieben. Das bisher Erreichte im Sponsoring mag eine Grundlage sein, wir brauchen aber alle Beteiligten - in und um den Verein.

Umso ärgerlicher ist das Ausscheiden im Sachsenpokal…
Thomas Schlesinger: Ja, damit wurde die Chance, im DFB-Pokal nächstes Jahr außerplanmäßige Einnahmen zu generieren, äußerst leichtfertig verspielt. Dafür stehen die sportliche Leitung und die Mannschaft in der Verantwortung. Neben dem Wie und Warum der Pleite beim CFC geht es um den Ruf des Vereins, das Renommee unserer Sponsoren und natürlich um den in den letzten Wochen zurückgewonnenen Kredit bei den Fans. Der Vorstand war “angefressen”, viel Zeit für Diskussionen bleibt aber im Profisport bei wöchentlichem Spielbetrieb nicht. Wichtig dabei ist, dass wir intern die Ursachen ausmachen, darüber reden und korrigieren, was möglich ist. Zur sportlichen Situation äußern sich aber ausschließlich der Sportgeschäftsführer und das Trainerteam. Das mag neu sein, ist aber konsequent, wenn man als Verein wahrgenommen werden will, in dem Fachleute bewerten und entscheiden.
Robert Scholz: Trotz der Niederlage sollte man hier noch mal die Fans benennen und deren kritikwürdiges Verhalten in der Hinrunde. Natürlich ist einem Sponsor und seiner Belegschaft kaum zu erklären, warum sie hart erarbeitetes Geld für den Sport geben, das dann teilweise in Strafen des DFB - aufgrund von Vergehen weniger – fließt. Im Sachsenpokalspiel in Chemnitz haben sich die Auer Zuschauer in dieser Hinsicht verantwortungsbewusst verhalten, das ist lobend zu erwähnen. Ich meine, je stärker die Fans in und von ihrem Verein ernstgenommen werden, desto verantwortungsbewusster gehen sie mit diesem Thema um. Dass erstmals ein Fanvertreter im FCE-Vorstand sitzt, bestärkt uns in der Hoffnung, dass wir diesbezüglich auf dem richtigen Weg sind.

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