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1. FC Saarbrücken - FC Erzgebirge Aue '1.200 Kilometer für Nichts'

Während die mitgereisten Fans wieder alles gaben, patzten die Spieler auf dem Grün umso mehr.
Während die mitgereisten Fans wieder alles gaben, patzten die Spieler auf dem Grün umso mehr.
Einfach erschreckend schwach, was die Veilchen vor allem in der 1. Hälfte des Spiels beim DFB-Viertelfinalteilnehmer 1. FC Saarbrücken gezeigt hatten - die daraus resultierende 0:2-Niederlage mehr als verdient. Schreiber, seines Zeichens Torwart beim FCS, brauchte keinen einzigen Ball halten, weil einfach keiner auf seinen Kasten kam. Sein Gegenüber hatte da schon mehr zu tun, musste sich bei zwei Versuchen dann auch geschlagen geben. So traf erst der ehemalige Auer Calogero Rizzuto vom Elfmeterpunkt aus (23.) und Kerber spitzelte in der 37. Minute per Hacke die Kugel ein zweites Mal vorbei an Martin Männel in die Maschen.

Gegenwehr von Aue? Fehlanzeige. Ein Geburtstagsgeschenk in Form von Punkten blieb dem heute 50 Jahre alt gewordenen Jörg Emmerich somit verwehrt. Die dafür verantwortlichen Protagonisten zeigten sich nach Spielschluss zumindest selbstkritisch. “Wir saßen wohl in der 1. Halbzeit noch alle im Bus”, konnte sich Erik Majetschak die desolate Vorstellung nur so erklären. Pavel Dotchev wurde hingegen noch deutlicher: “Wir haben wie ein Absteiger gespielt! So habe ich meine Mannschaft eigentlich noch nie gesehen, wir waren emotionslos.” Dass auch der kurzfristige Ausfall von Tim Danhof (Schulterprellung) und Dauerläufer Marcel Bär (grippaler Infekt) dafür sorgen sollte, dass weder hinten noch vorne irgendetwas auf die Reihe gebracht wurde, ist wohl nur für FCE-Sportgeschäftsführer Mathias Heidrich eine wichtige Erkenntnis bei den anstehenden Vertragsgesprächen. Was er sah, dürfte ihn jedenfalls nicht gefallen haben.
 
Nach der desolaten Leistung gab es beim Abklatschen nicht nur Lobeshymnen zu hören. Nicht schön, aber das waren die 90 Minuten zuvor auch nicht (Quelle: Menne)
Nach der desolaten Leistung gab es beim Abklatschen nicht nur Lobeshymnen zu hören. Nicht schön, aber das waren die 90 Minuten zuvor auch nicht (Quelle: Menne)


Und das gegen einen Gegner, der zuvor in nur vier der bisherigen 13 Heimspielen als Sieger vom Platz gegangen war. Klar steht der FCS im Viertelfinale des DFB-Pokals und hat schon namhafte Gegner wie Bayern München oder Eintracht Frankfurt aus dem Ludwigspark geschossen. Dennoch wäre mit etwas mehr Mut und Willen gegen die ebenfalls auf dem Zahnfleisch dahinkriechenden Hausherren durchaus was Zählbares drin gewesen. Doch so stolperte man von einer Trostlosigkeit in die nächste. Die Niederlage gegen Münster und der verpassten Möglichkeit, doch noch oben mit angreifen zu können, stecken wohl tiefer drin als vermutet. Jedenfalls waren die Gedanken überall, nur nicht auf den immer noch diskutablen Saarländer Rasen. Allein Günther-Schmidt hätte in den Anfangsminuten bereits für klare Verhältnisse sorgen können. Dem immer noch in dieser Saison torlosen Mittelstürmer stand in der vierten Minute der Pfosten und in der 19. Minute sein Unvermögen, als er Martin Männel zwar umkurvte, jedoch aus Spitzem Winkel nur das Außennetz traf, im Weg.

Kurz darauf sorgte Franco Schädlichs unabsichtliche Hand-Abwehr für den zweiten Strafstoß gegen die Veilchen in dieser Saison und dem 16. Rückstand, denn Rizzuto nahm sich der Sache an und verwandelte sicher zur Saarbrücker Führung. Und während Aue mit der Möglichkeit von Borys Tashchy, der heute auf Marcel Bärs Solo-Sturmposition agierte, den ersten Torschuss (übers Gebälk) in der Statistik verbuchen konnte, legte Saarbrücken durch eine Vorlage von Rizzuto und anschließendem Kunstschuss mit der Hacke von Kerber noch das 2:0 vor der Pause nach. Über einen 0:3 oder 0:4-Rückstand hätte sich der Kumpelverein allerdings auch nicht beschweren können.

Nach dem Pausentee hat sich leider nicht viel geändert. Sportlich wie auch personell, obwohl Pavel Dotchev “bis auf zwei, drei Spieler hätte alle auswechseln können.” Seiner Elf gelang gegen die nun mit Bedacht aufs anstehende Pokalspiel gemächlicher angehenden Hausherren nach wie vor offensiv einfach zu wenig. Zu behäbig im Spielaufbau, zu viele Fehlpässe und zu wenig Durchschlagskraft in den entscheidenden Momenten. Die Sache war durch und Aues Trainer entschied sich, den Drittliga-Debütanten Finn Hetzsch (19) und William Kallenbach (18) etwas Spielpraxis zu geben. “Wir haben das Spiel in der ersten Hälfte verloren”, wusste auch der Trainer, hatte aber dennoch gehofft, “dass der Anschlusstreffer fällt und vielleicht nochmal ein bisschen Hoffnung aufkommt.” Leider kratzte Saarbrücken eher am dritten Tor als Aue am 1:2. So verhinderte Martin Männel, der sich noch einmal gegen den durchgebrochenen Rabihic auszeichnen konnte und im Eins-zu-Eins Sieger blieb (82.), eine höhere Niederlage. Jedoch unlängst ein schwacher Trost bei der zuvor dargebotenen Nichtleistung.
 
Selbst der Gästeblock war mit einer Polonaise rastloser als die Auer Mannschaft auf dem Grün (Quelle: Menne)
Selbst der Gästeblock war mit einer Polonaise rastloser als die Auer Mannschaft auf dem Grün (Quelle: Menne)

Die Saison ist durch, die goldene Ananas steht im Vordergrund. Pavel Dotchev sieht die Sache sogar noch düsterer, in dem eher jetzt nach unten als nach oben in der Tabelle schaut: “Mit dem Aufstiegsgerede belügen wir uns selber. Die Wahrheit liegt doch auf dem Platz: So wie wir uns in der ersten Halbzeit präsentiert haben, brauchen wir dringend Punkte, um den Sack nach unten zuzumachen.” Demnach darf man von der Mannschaft schon verlangen, dass sie zumindest wie eine auftritt, dass jeder für jeden kämpft, rennt und bereit ist, das Bestmögliche herauszuholen - auch im Interesse der mitgereisten Fans. Gut 290 Schlachtenbummler hatten sich dieses Mal auf den Weg gemacht und mussten miterleben, wie man sich fast wehrlos eine Pleite einfing. Dass dabei nach Schlusspfiff nicht jeder Anhänger mit den 90 Minuten zufrieden sein dürfte, sollte den Spielern klar sein. Wir feiern zusammen, wir verlieren zusammen! Aber etwas mehr Ehre zum Beruf darf schon drin sein, denn so waren es 1.200 Kilometer für Nichts.

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