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SSV Ulm - FC Erzgebirge Aue 'Wie verhext'

Den einen Punkt hätte zuvor jeder unterschrieben - doch es war viel mehr drin.
Den einen Punkt hätte zuvor jeder unterschrieben - doch es war viel mehr drin.
Marcel Bär hat es in der Nachbetrachtung des Spiels beim Aufsteiger SSV Ulm auf den Punkt gebracht: “Wenn du in der 88. Minute den Führungstreffer machst, musst du das Ding nach Hause holen. Das haben wir zum wiederholten Male in dieser Saison nicht geschafft.” So trauerte die 31-jährige Lebensversicherung der Veilchen den gut und gerne zwölf verschenkten Punkten hinterher. “Deswegen stehen wir da, wo wir stehen.”

Die Partie des 31. Spieltages war ein Abbild des Auswärtsspiels bei Viktoria Köln im Oktober 2023, als Aue ebenfalls einen Rückstand zu seinen Gunsten drehen konnte, sich aber in der Nachspielzeit hat die Butter vom Brot nehmen lassen. Damals gab es Kritik an die späten Wechsel, die das Mannschaftgefüge beeinflusst haben sollen. Gestern verzichtete Pavel Dotchev aufs Zeitspielen, musste dennoch in der sechsminütigen Extratime den gefühlten Knockout hinnehmen.

Bis dahin ging der Matchplan von Aue auf. Mit frühem Anlaufen überzeugten die mit 900 Gästefans angereisten Veilchen, womit die Hausherren Probleme hatten und immer wieder früh die Bälle verloren. Zudem wurde ohne Umschweife der Abschluss gesucht. Bei Kilian Jakobs Distanzschuss nach drei Minuten musste Ortag im Ulmer Tor bereits früh agieren. Seine Pendant gegenüber war in der 17. Minute ebenfalls auf Betriebstemperatur, parierte gegen Chessa und Higl großartig. Vorausgegangen war ein Ballverlust im Mittelfeld von Marvin Stefaniak, der im weiteren Spielverlauf noch eine tragische Rolle einnehmen wird.

Aber zunächst blieb es beim ausgeglichenen und intensiven Spiel, beide Mannschaften präsentierten sich in den Zweikämpfen äußerst willensstark. Hüben wie drüben gab es die berühmten Nadelstiche. Bei Anthony Baryllas wuchtigen Distanzschuss fehlten nicht viel, um die Auer Führung zu markieren (26.). Besser machte es allerdings der Spitzenreiter. Martin Männel konnte einen scharf getretenen Freistoß von Scienza nur abklatschen lassen, Brandt nutzte das große Durcheinander im FCE-Strafraum für sich und schob das Leder aus sechs Metern zur Führung der Ulmer ein (40.).

Nach dem Seitenwechsel hatte Ulms Chessa dann auch direkt die Möglichkeit, die knappe Führung auszubauen, im Eins-gegen-eins behielt Martin Männel seine Farben aber im Rennen (46.) und konnte vier Minuten später selbst jubeln. Nach einem stark vorgetragenen Angriff über Mirnes Pepic, Marvin Stefaniak und Borys Tashchy war es schlussendlich der wiedergenesene Tim Danhof, der den Ball über die Linie drückte. Der dieses Mal auf der rechten Außenbahn eingesetzte Auer Spieler beendete damit eine beeindruckende Serie des SSV, der bis zu diesem Zeitpunkt 565 Spielminuten lang keinen Gegentreffer kassiert hatte.

Und der Ausgleich zeigte Wirkung. Denn der SSV war in dieser Phase des Spiels defensiv ziemlich von der Rolle. Aue wusste das zu nutzen, spielte stark auf, bekam dazu dutzende Gelegenheiten, die teils fahrlässig vergeben wurden. Die beste Möglichkeit zur Führung besaß Marvin Stefaniak, der aus vier Metern Entfernung das Spielgerät völlig freistehend nicht im leeren Tor der Ulmer unterbringen konnte (63.). Als Ortag noch eine misslungene Abwehraktion seines Mitspielers Strompf aus dem Winkel fischte (69.) und schließlich die Latte bei Marcel Bärs Kopfball im Wege stand (75.), war das 1:1 mehr als schmeichelhaft für den Drittliganeuling.

Zwei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit belohnte sich der Kumpelverein aber endlich für den starken Auftritt. Nach Steckpass von Mirnes Pepic war Aues bisheriger Zwölf-Tore-Mann zur Stelle, spitzelte die Kugel am herauseilenden Ortag vorbei ins Tor. Trotzdem reichte Marcel Bärs 13. Saison- bzw. Aues 100. Drittliga-Auswärtstreffer nicht für die ganz große Partie. Nach Einwurf sowie dem verzweifelten und eher missratenen Schussversuch von Yarbrough lenkte Kastanaras den Ball zum 2:2-Endstand in die Maschen (90.+4). Bitter, ganz bitter und wie verhext. “Am Ende haben zwei Standartsituation dazu geführt, dass wir dieses Spiel nicht gewonnen haben. Das müssen wir uns selber ankreiden, weil wir in beiden Situationen nicht gut verteidigt haben”, sagte Aues Keeper Martin Männel. Der Last-Minute-Ausgleich wurmt ihn und seine Mannschaftskameraden mächtig: “Gerade in der Nachspielzeit hätte ein Ulmer Spieler nicht mehr so frei stehen dürfen!”
 
Aufgrund des Last-Minute-Ausgleichs ist die Enttäuschung bei beiden Torschützen groß (Quelle: Menne)
Aufgrund des Last-Minute-Ausgleichs ist die Enttäuschung bei beiden Torschützen groß (Quelle: Menne)

Und so endete das dritte Pflichtspiel-Aufeinandertreffen mit einem 2:2-Unentschieden, was für die Veilchen wie eine Niederlage daherkommt. “Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht und alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Wir hätten noch mehr Tore machen können und waren nah an den drei Punkten dran”, ärgerte sich Pavel Dotchev zudem auch um die letzte verpasste Chance, im Aufstiegsrennen noch einmal einzugreifen. So baute Ulm seine Ungeschlagen-Serie auf elf Partien aus, verlor aber die Tabellenführung an Jahn Regensburg. Der FC Erzgebirge bleibt im Niemandsland der Tabelle, empfängt am kommenden Samstag dann Kellerkind Freiburg II.

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