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DFB Pokal 2005/06

Spielbericht

2. Hauptrunde - Mittwoch, 26.10.2005 - 20:30

FC Erzgebirge Aue - Bayern München 0:1 (0:0)


FC Erzgebirge Aue: Tomasz Bobel - Tomasz Kos, Jörg Emmerich, René Trehkopf - Sven Günther, Florian Heller, Christian Mikolajczak, Richard Dostalek - Tomas Klinka, Andrzej Juskowiak, Sebastian Helbig; Trainer: Gerd Schädlich

Eingewechselt: 59. Skerdilaid Curri für Tomas Klinka, 81. Marco Kurth für Christian Mikolajczak, 83. Ersin Demir für Sebastian Helbig

Kader: Jörg Hahnel, Daniel Jungwirth, Norman Loose, Tzvetomir Tchipev

Bayern München: Oliver Kahn - Willy Sagnol, Lucio, Martin Demichelis, Valerien Ismael - Bastian Schweinsteiger, Ali Karimi, Jens Jeremies, Michael Ballack - Roy Makaay, Roque Santa Cruz; Trainer: Felix Magath

Eingewechselt: 54. Mehmet Scholl für Ali Karimi, 73. Sebastian Deisler für Jens Jeremies

Kader: Bernd Dreher, Ze Roberto, Andreas Ottl, Claudio Pizarro, Jose Paolo Guerrero

Tore: 0:1 Michael Ballack (Kopfball, 80. / Willy Sagnol)

Schiedsrichter: Peter Gagelmann (Bremen)

Zuschauer: 16500 (ausverkauft)

Gelbe Karte: - / Valerien Ismael


Nach dem 1:1 in der Liga gegen Greuther Fürth stellte Erzgebirge-Coach Gerd Schädlich auf drei Positionen um: Im Mittelfeld rückte Dostalek für Liebers in die Startelf und Mikolajczak lief an Stelle von Jungwirth auf. Im Sturm ersetzte Klinka den zuletzt enttäuschenden Demir. Auf Seiten der Bayern gab es im Vergleich zum 4:0 gegen den Duisburg zwei Änderungen: Der in der Meisterschaft zuletzt gesperrte Demichelis stand ebenso wie Karimi in der Anfangsformation. Für sie mussten Deisler und Zé Roberto auf die Bank. Der FC Bayern, der diesmal mit einer Dreierkette agierte (Lucio, Demichelis, Ismael), hatte bereits nach drei Minuten die große Chance zur Führung, doch Makaay schoss frei vor Keeper Bobel aus 14 Metern über das Tor. Lucio prüfte Aues Nummer eins wenig später mit einem strammen 16-Meter-Schuss (7.), bevor Erzgebirge sich auf glitschigem Rasen erstmals Richtung gegnerisches Tor aufmachte: Nach Dostaleks Volleyschuss, der sein Ziel knapp verfehlte (12.), nahm die Schädlich-Elf zusehends Fahrt auf. Sie agierte mit hoher Laufbereitschaft und brachte die wenig sattelfeste Deckung der Münchner, in der Demichelis öfter Löcher stopfen musste, als ihm lieb war, das eine oder andere Mal in Bedrängnis. Zudem gelang es den "Veilchen" in der Folge zumeist, das wenig einfallsreiche Angriffsspiel des Rekordmeisters erfolgreich zu unterbinden. Torgefahr jedenfalls strahlte die Magath-Elf nach dem starken Auftakt lange nicht mehr aus (Ausnahme Ballack, 31.) und hatte sogar Glück, dass Juskowiak zwischenzeitlich nach einem Eckball aus fünf Metern vorbeiköpfte (29.). In der ausgeglichenen Partie prüfte Trehkopf Nationaltorwart Kahn mit einem Freistoß (36.), der letzte Aufreger vor der Pause gehörte dann den Bayern: Ballack nickte den Ball nach Flanke Sagnols und Kopfballverlängerung Karimis ins Netz - doch Schiedsrichter Gagelmann erkannte den Treffer wegen vermeintlicher Abseitsstellung irrtümlicherweise nicht an (38.). Ballack hatte auch nach dem Wechsel die erste Torchance, doch Kos blockte seine Volleyabnahme zur Ecke ab (50.). Fast im Gegenzug reklamierten die Sachsen zu Recht Strafstoß, als Karimi Helbig vor den Augen des Unparteiischen im Strafraum umgrätschte (51.), die Pfeife von Gagelmann aber stumm blieb. Schweinsteiger wiederum verfehlte nach einem Sololauf das Gehäuse der Sachsen nur knapp (53.) und hatte wenig später Glück, als sein Revanchefoul an Günther nicht geahndet wurde. Erzgebirge bot dem Favoriten, bei dem Scholl für den blassen Karimi eingewechselt wurde (54.), im "Spiel des Jahres" weiterhin gut Paroli. Die Magath-Elf dominierte zwar ab der 60. Minute die Partie deutlich, konnte sich aber gegen das nach wie vor mit Leidenschaft spielende Aue nur selten gefährlich in Szene setzen. Erst Lucio hatte wieder eine gute Möglichkeit, als er aus der Drehung am Fünfmeterraum über den Kasten zielte (71.). Spürbar war nun freilich der große Kräfteverschleiß des Underdogs, der kaum noch für Entlastung sorgen konnte. Heller verhinderte nach Ballacks Kopfball auf der Torlinie den drohenden Rückstand (77.), genau wie Schlussmann Bobel mit Glanzparade nach einem Volleyschuss von Scholl (78.). Zwei Minuten später freilich war der Pole machtlos: Dostalek konnte nach einem Freistoß von Sagnol Ballack in der Mitte nicht am platzierten Kopfball hindern, der unhaltbar für Bobel im linken unteren Eck einschlug (80.). Danach mobilisierte die Schädlich-Elf nochmals alle Kräfte, brachte mit Kurth und Demir zwei frische Leute. Fast wäre Demir ein Joker-Tor gelungen, doch Ismael verhinderte mit einem Tackling den Ausgleich und damit die drohende Verlängerung (85.). Gegen das kampfstarke und lauffreudige Aue erreichte der FC Bayern mit einem Arbeitssieg die nächste Runde. In der Schlussphase nutzte der Rekordmeister die nachlassenden Kräfte der Sachsen und kamen durch Ballacks Kopfballtor zum letztlich verdienten Sieg. (kicker)


Michael Ballack hat Cupverteidiger Bayern München ins Achtelfinale des DFB-Pokals geführt. Der Nationalmannschaftskapitän erzielte zehn Minuten vor Schluss den Siegtreffer zum 1:0 beim Zweitligisten Erzgebirge Aue. Der 29-Jährige traf mit einem Kopfball, nachdem in der ersten Halbzeit ein reguläres Tor wegen angeblicher Abseitsstellung nicht anerkannt worden war. Der Bundesliga-Spitzenreiter tanzt damit weiter auf drei Hochzeiten. Der vom überragenden Ballack angetriebene deutsche Rekordmeister hatte gegen die kampfstarken Gastgeber aber lange Zeit Probleme. Die wohl größte Chance zur frühen Führung hatte der seit zwei Monaten mit Ladehemmung kämpfende Stürmerstar Roy Makaay. Der Niederländer tauchte bereits in der dritten Minute nach Vorlage von Lucio allein vor Keeper Tomasz Bobel auf, schoss aber von der Strafraumgrenze über den Kasten. Beide Teams versteckten sich auf dem rutschigen Boden im "Hexenkessel" nicht, die kampfstarken Gastgeber drängten die Bayern dabei im ersten Abschnitt sogar phasenweise in ihre Hälfte. Der Zweitliga-Tabellenzwölfte hatte seine beste Gelegenheit, als ein Freistoß von Rene Trehkopf (36.) abgefälscht wurde, Oliver Kahn konnte abwehren. Andrzej Juskowiak kam nach einer Stunde mit dem Kopf nicht richtig an den Ball heran. Regisseur Ballack wurde vom Tschechen Richard Dostalek eine knappe halbe Stunde gut abgemeldet. Dann schwang der Sachse aber das Zepter und wurde selbst torgefährlich. Einem Treffer in der 37. Minute verweigerte Schiedsrichter Peter Gagelmann (Bremen) wegen Abseits die Anerkennung - nach den Fernsehbildern zu Unrecht. In der 31. Minute hatte Bobel einen Ballack-Kopfball pariert, kurz darauf auch gegen Santa Cruz (36.) abwehren können. Auch kurz nach der Pause war es Ballack, der an Bobel scheiterte. Felix Magath hatte in der Anfangsformation im Mittelfeld auf Sebastian Deisler und Ze Roberto wegen leichter muskulärer Probleme verzichtet. Dafür rückten Ali Karimi, in der 54. Minute durch Mehmet Scholl ersetzt wurde, und Jens Jeremies in die Startelf des deutschen Rekordmeisters. Aue blieb der erste Einzug in die dritte DFB-Pokal-Runde in der Vereinsgeschichte versagt. Sechsmal war für den DDR-Pokalsieger von 1955 bisher bereits in Runde eins Endstation gewesen. Die Bayern sind seit dem 4. Februar 2004 im nationalen Cup-Wettbewerb ungeschlagen. Damals schied das Team im Viertelfinale bei Alemannia Aachen (1:2) aus. Für den sächsischen Zweitligisten lohnte sich das Gastspiel des deutschen Rekordmeisters allein schon aus finanziellen Gründen. Rund 750.000 Euro spülte die Partie in die Kassen. Präsident Uwe Leonhardt denkt bereits über eine Verstärkung in der Winterpause nach. Allein TV-Einnahmen von 470.000 Euro gingen an den Gastgeber, ebenso rund 100.000 Euro aus dem Ticketverkauf sowie zusätzliche Sponsorengelder. Am Dienstag geht es im Ostderby bei Dynamo Dresden wieder um das Überleben im Profigeschäft. Neben Ballack zeigte bei den Bayern vor allem Lucio ein starke Leistung. Beim tapferen Außenseiter zeichnete sich Keeper Bobel mehrfach aus, auch Dostalek verdiente sich eine besondere Erwähnung. (dpa)