Oder anders gesagt: Der lange Weg zum neuen Stadion. Trotz die in der Saison 2010/11 abgeschlossenen Modernisierungs-Maßnahmen erfüllte das Auer Stadion gerade noch so die Mindestanforderungen der Deutschen Fußball Liga (DFL). Nur mit einigen Sondergenehmigungen durfte der Spielbetrieb fortgeführt werden. Doch für wie lange? Einen kompletten Neubau schloss FCE-Aufsichtsratchef und Landrat Frank Vogel auf der im Oktober 2011 stattgefundenen Mitgliederversammlung des Vereins definitiv aus, sprach sich aber später für den Erhalt des Stadions und den damit verbundenen Umbau aus. Diesbezüglich gründete sich bereits vor der Mitgliederversammlung aus der Fanszene heraus die Initiative "Neues Sparkassen-Erzgebirgsstadion", die in den Heimspielen gegen Eintracht Frankfurt (07. November 2011) und Dynamo Dresden (21. April 2012) von sich aufmerksam machen sollte.
Mit Erfolg! Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des Landkreises als Eigentümer der Stadionimmobilie sowie aller Vereinsgremien und Mitgliedern der Stadioninitiative besprachen verschiedene Konzepte zu Möglichkeiten einer Stadionmodernisierung und trieben die Planungen auf allen Gebieten erheblich voran. Nachdem gewisse Kernpunkte wie die Umgestaltung zu einem reinen, komplett überdachten Fußballstadion, welches ein Fassungsvermögen von 15.000 Zuschauern, die Integration der Gegentribüne sowie die Erfüllung aller von der Deutschen Fußball Liga (DFL) geforderten Standards beinhalten soll, besprochen wurde, initiierte der Erzgebirgskreis als Eigentümer des Stadions am 18. Oktober 2013 ein EU-weites VOF-Vergabeverfahren. An alle im Wettbewerb befindlichen Bieter bekamen daraufhin die kompletten Unterlagen inklusive Ausschreibung am 14. März 2014 zugesandt. Zielstellung war die Rücksendung der geforderten Unterlagen bis zum 05. Mai 2014. Doch schon am 18. März 2014 flatterte dem Landratsamt von allen drei Bietern de facto zeitgleich ein Antwortschreiben ins Haus, in denen die Bieter Forderungen aufstellten, wie die Ausschreibung tatsächlich auszusehen habe. Diesbezüglich wurde das Verfahren aufgrund mangelhafter Unterlagen vorerst ausgesetzt.
Beim zweiten Abgabetermin am 18. September 2014 hatte dann nur noch die Bietergemeinschaft unter Führung des Ingenieurbüros 'phase 10' aus Freiberg (unter Beteiligung von Beyer-Architekten, Assmann sowie Inros Lackner) Interesse am Projekt und demzufolge auch den Zuschlag bekommen. Im Nachhinein eine sehr gute Wahl.
Denn nur zwei Monate später stellte der Generalplaner am 10. November 2014 auf einer Pressekonferenz den ersten Entwurf samt Zeitschiene vor. Demnach könnte Ende 2015 mit dem Abriss der Westtribüne begonnen werden. Die Fertigstellung wäre in diesem Konzept für Oktober 2017 angedacht. Die beengten Raumverhältnisse im Lößnitztal seien eine besondere Herausforderung bei der Planung gewesen, erklärte Architekt Martin Beyer, der hoffte, dass mit dem aktuellen Entwurf der Wiedererkennungswert des Stadions erhalten bleibt: "Wir wollen versuchen, die Traditionen des Bergbaus visuell umzusetzen." Variante 1 sah ein dreiviertel geschlossenes Stadion vor, bei dem die alte Gegentribüne erhalten blieb. Die große Treppe am Hauptzugang wurde mit ins Modell integriert, damit den Fans schon beim Weg zum Stadion ein Blick ins Innere gewährt werden soll. Neben ausgebautem VIP-Bereich und vielen Funktions-, Versorgungs- und Erlebnisräumen sollten in der neuen Haupttribüne ein Vereinsmuseum sowie eine Möglichkeit, Kinder zu betreuen, integriert werden.
Vor allem sollte der Umbau des Erzgebirgsstadion "die Wettbewerbsfähigkeit sichern", unterstrich FCE-Präsident Helge Leonhardt die Wichtigkeit für den Verein und scherzte: "Hier kannst du schon den zweiten Teil von Goodbye Lenin drehen." Die Sportstätte sei deutlich überaltert und es müsse dringend gehandelt werden. Für den Umbau waren damals 17,3 Millionen Euro einkalkuliert. Davon sollte der Landkreis 15 Millionen tragen, der Rest würde zwischen Stadt und Verein aufgeteilt. Der Verein selbst strebte ein flexibles Mietmodell mit dem Landkreis an, der die Kosten für den FCE je nach Liga-Zugehörigkeit anpassen sollte. Das würde "ruhiges Fahrwasser für den Club" bedeuten. Damit das Budget einfach überwacht werden kann, müssen die Kosten möglichst detailliert aufgeschlüsselt werden, versprachen die Planer. Andreas Stark, zuständiger Beigeordneter im Landkreis, betonte, dass es sich um einen vorläufigen Entwurf handle.
Ein halbes Jahr später wurde auch eine zweite Umbauvariante vorgestellt. Die dazugehörige Informationsveranstaltung zum geplanten Umbau des Erzgebirgsstadion wurde von rund 800 Gästen und Fans wahrgenommen. Gut 30 Minuten lang erzählten die Verantwortlichen der Firma Beyer Architekten (b+p projekt GmbH) aus Rostock im Zusammenwirken mit dem Generalplaner 'phase 10' vom bisherigen Stand der Dinge und präsentierten zugleich eine geschlossene Variante des Vorhabens, welches von der interessierten Menge mit Beifall quittiert wurde. Und ehrlich gesagt, wenn man solch eine Investition nicht gleich richtig umsetzt, so wird man im Nachhinein nie zufrieden sein. Logischerweise waren für dieses Vorhaben noch einige Millionen mehr nötig, doch ist dieses zweite Gesamtkonzept mehr als stimmig. "Das geschlossene Stadion sieht natürlich optisch viel besser aus, das ist klar. Wir müssen sehen, was machbar ist", war auch FCE-Präsident Helge Leonhardt angetan von diesem Entwurf, der auch dem Kreistag zur Abstimmung vorgelegt wurde. Denn schlussendlich habe man sich für die Komplettlösung entschieden, weil im Bereich der Südtribüne ohnehin größere Modernisierungsmaßnahmen anstünden. Die fünf rund 40 cm starken Stützpfeiler behinderten massivst die Sicht und die Sitzschalen waren falsch bzw. zu niedrig angebracht. Miserable Bedingungen gab es auch für die Plätze der Rollstuhlfahrer sowie den TV-Leuten. Da aber bei dem Abriss der 2010 gebauten Südtribüne eine Rückforderung von bis zu 1,5 Millionen Euro Fördermitteln fällig werden, hatte man vorsorglich Rückstellungen im Kreishaushalt gebildet.
Alles hing nun vom 17. Juni 2015 ab. An diesem Tag sollten die Kreisräte in Ihrer Sitzung eine abschließende Entscheidung zum geplanten Bauprojekt und den damit im Zusammenhang stehenden Problemstellungen treffen. Im Ergebnis der Vorberatungen im Lenkungskreis Stadion sowie im Kreis- und Finanzausschuss und Technischen Ausschuss des Kreistages Erzgebirgskreis enthielt die Beschlussvorlage für die Kreistagssitzung folgende Schwerpunkte:
- Das Sparkassen-Erzgebirgsstadion soll auf Grundlage der von der ARGE Phase 10 vorgelegten Entwurfsplanung und einer Kostenberechnung in einem Umfang von 19,86 Mio. € netto (einschließlich Südtribüne) vollständig umgebaut und erneuert werden.
- Die Bauleistungen für den Umbau sollen im Wege der losweisen Vergabe ausgeschrieben werden, wobei die Aufgliederung der Lose im Benehmen mit dem Lenkungskreis Stadion erfolgt.
- Der Technische Ausschuss soll die Vergabeentscheidungen zu allen Bauleistungen auch über die in § 5 Abs. 2 der Hauptsatzung des Erzgebirgskreises genannte Wertgrenze hinaus treffen.
- Zur Sicherung der Gesamtfinanzierung des Umbaus sollen über die bisherigen Planansätze von 17,36 Mio. € hinaus weitere überplanmäßige Auszahlungen in Höhe von 2,50 Mio. € bereitgestellt werden.
- Die zur Finanzierung erforderliche Liquidität ist durch positiv zu erwartende Jahresabschlüsse 2013 und 2014 des Landkreises gegeben.
- Der zur anteiligen Finanzierung erforderliche und genehmigte Kredit in Höhe von 15,0 Mio. € soll in Form eines Ratendarlehens mit einer Laufzeit von 20 Jahren und fester Zinsbindung über die gesamte Laufzeit ausgeschrieben werden.
- Der vom Stadtrat der Großen Kreisstadt Aue bereits beschlossene öffentlich-rechtliche Vertrag zur Finanzierungsbeteiligung der Großen Kreisstadt Aue an der grundlegenden Sanierung des Sparkassen-Erzgebirgsstadions in Aue soll vom Kreistag bestätigt werden.
- Der Pachtvertrag mit dem FC Erzgebirge Aue e.V. soll auf die zu gründende FC Erzgebirge Aue Betriebsgesellschaft mbH übergeleitet und um eine Regelung zu Sonderzahlungen des FCE bzw. der FCE Betriebsgesellschaft (5,8 % der Umbaukosten analog zum Anteil der Großen Kreisstadt Aue) ergänzt werden. Außerdem verpflichtet sich der FCE mit der Pachtvertragsänderung für den Zeitraum ab der Übergabe des umgebauten Stadions je einen neuen Pachtvertrag für das Stadion selbst und einen neuen Nutzungsvertrag für das Restgelände abzuschließen. Die Pachthöhe soll nach Stadionfertigstellung bei Zugehörigkeit zur 3. Liga 250.000 € jährlich betragen; im Gegenzug soll der Erzgebirgskreis dann jährliche Betriebskostenzuschüsse von 100.000 € leisten.
All das musste nur noch befürwortet werden.
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Fotos von der Präsentation