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2. Bundesliga 2007/08

Spielbericht

17. Spieltag - Sonntag, 16.12.2007 - 14:00

TSV 1860 München - FC Erzgebirge Aue 5:0 (2:0)

TSV 1860 München: Michael Hofmann, Fabian Johnson, Markus Thorandt, Gregg Berhalter, Torben Hoffmann, Danny Schwarz, Sven Bender, Daniel Bierofka, Timo Gebhart, Jose Holebas, Mustafa Kucukovic; Trainer: Marco Kurz

Eingewechselt: 72. Josh Wolff für Jose Holebas, 85. Manuel Duhnke für Daniel Bierofka

Kader: Philipp Tschauner, Christoph Burkhard, Alexander Eberlein, Julian Baumgartlinger, Nikolas Ledgerwood

FC Erzgebirge Aue: Axel Keller - Norman Loose, Tomasz Kos, Thomas Paulus, Hendrik Liebers - Tom Geißler, René Trehkopf, Jörg Emmerich, Nicolas Feldhahn - Jiri Kaufman, Tomas Klinka; Trainer: Gerd Schädlich

Eingewechselt: 52. Kevin Hampf für Jiri Kaufman

Kader: Stephan Flauder, Pierre Le Beau, Christian Siemund, Daniel Rupf

Tore: 1:0 Daniel Bierofka (Rechtsschuß, 13. / Danny Schwarz); 2:0 Gregg Berhalter (Foulelfmeter, 42.); 3:0 Jose Holebas (Linksschuß, 63. / Danny Schwarz); 4:0 Mustafa Kucukovic (Rechtsschuß, 64. / Daniel Bierofka); 5:0 Daniel Bierofka (Rechtsschuß, 70. / Jose Holebas)

Schiedsrichter: Christian Dingert (Thallichtenberg)

Zuschauer: 22300 in der Allianz-Arena

Gelbe Karte: Sven Bender / Jörg Emmerich (3.), Nicolas Feldhahn (5., gesperrt), René Trehkopf (2.)

 
 
     
   
     
     
     
     
     
     
     
 

Vorbericht - Rückrundenspiel - Fotos vom Spiel

Spielbericht: Seit dem 1:0 am 2. September gegen den SC Paderborn haben die Veilchen auswärts nicht mehr gewonnen. Dem Höhenflug mit Platz fünf am vierten Spieltag folgte nun der Absturz bis auf den 15. Rang. Das Maximum dieser sportlichen Talfahrt des Jahres 2007 fand in einem Debakel gegen die Löwen ihren Abschluss. Der ehemalige Bundesligist gewann nach zuletzt fünf Partien ohne Sieg mit 5:0 gegen ein ganz schwaches Erzgebirge Aue. "Wir sind natürlich enttäuscht über den bisherigen Verlauf der ersten Halbserie", so Coach Gerd Schädlich und die letzten Hoffnungen, "dass wir im letzten Spiel vor der Winterpause noch mal straffen können" blieben unerfüllt. Sicherlich standen die Auftritte der Lila-Weißen in der Allianz Arena nie unter einem guten Stern, in drei Auftritten in München erreichten die Gäste bisher lediglich ein Remis, vor einem Jahr unterlag man hier mit 0:4, doch wie man sich so abschlachten lassen kann, ist unbegreiflich. Dabei stellte sich die Mannschaft von Löwen-Coach Kurz fast von alleine auf. Neben den bereits Verletzten Di Salvo, Göktan und Schroth, waren Ledgerwood, Eberlein und Szukala noch nicht soweit. Ziegenbein und Ghivinianidze fehlten, wie auch der gelbgesperrte Lars Bender.
Gerd Schädlich konnte ebenfalls nicht aus dem Vollen schöpfen - besonders ärgerlich der Ausfall von Adam Nemec, der sich anscheinend immer noch mit einer Sprunggelenksverletzung plagte. Mit einer Oberschenkelzerrung fehlte Fabian Müller und die Herren Marco Kurth sowie Skerdilaid Curri hatten so ihrer eigenen Wehwehchen. Von den langzeitverletzten Kevin Hansen, Florian Heller und Tomasz Bobel ganz zu schweigen. Nunja. Tomasz Kos war nach seiner Gelbsperre wieder im Einsatz und ackerte neben Thomas Paulus in der Innenverteidigung. Unterstützt wurden beide von Hendrik Liebers und Norman Loose auf den Außenpositionen. Das Mittelfeld stellte sich demnach fast von alleine auf. Tom Geißler, Jörg Emmerich, Nicolas Feldhahn und René Trehkopf sollten ihre Akzente setzen und die noch verbliebenen Stürmer, Tomas Klinka und Jiri Kaufman, der zu seinem vierten Einsatz von Beginn an kam, mit Flanken füttern.
Leider blieben die offensiven Bemühen der Lila-Weißen im gesamten Spielverlauf enorm überschaubar, am Ende 16:6 Torschüsse für die Hausherren. Die etwa 22.300 Zuschauer in der Münchner Arena sahen seit dem Anpfiff von Schiedsrichter Christian Dingert eine dominierende Heimmannschaft, die Ball und Gegner geschickt laufen ließ. Selbst nach deren 1:0 Führung durch Bierofka, der nach einem Ausrutscher von Jörg Emmerich am Mittelkreis und nach Zuspiel von Schwarz das Leder aus relativ spitzem Winkel, aber auch nicht ganz unhaltbar für Axel Keller, einnetzten konnte, spielten die Löwen ihre spielerischen Vorteile aus. Ein Aufbäumen unsererseits gab es nicht.
Zu keinem Zeitpunkt hatte der gemeine Auefan das Gefühl, dass ihre vollkommen verunsicherte Elf den Löwen jemals gefährlich werden könnte und dass sich das Ergebnis bis kurz vor der Pause nicht noch positiver für die Löwen gestaltete, lag zum einen an der Abschlussschwäche von Kucukovic, der aus elf Metern knapp über das Tor schoss (16.) und zum anderen am Aluminium. Bierofka scheiterte erst an Axel Keller, der Pressschlag zwischen Kucukovic und Thomas Paulus landete wie gesagt am Pfosten und im Anschluss in die Arme von Aues Schlussmann. Da waren bereits 36 Minuten gespielt und auf Auerseite blieben der Spielwitz sowie ein beherztes Auftreten vollends aus, was sich bei einigen Spielern in Frust wiederspiegelte. Jörg Emmerich foulte Gebhart, sah die Gelbe Karte, die nur zwei Minuten später ebenfalls Nicolas Feldhahn - seine Fünfte in der Saison - zu Gesicht bekam, nachdem er Holebas im Mittelkreis stoppte. Drei Minuten vor der Pause waren die Sache mit dem 2:0 eigentlich schon gegessen. Tomasz Kos hatte Gebhart an der Schulter festgehalten, der fiel clever und Schiedsrichter Dingert zögerte keine Sekunde mit seinem Elfmeterpfiff. Berhalter behielt die Nervenstärke, verlud Axel Keller und versenkte das Leder sicher zum 2:0.
Auch nach dem Seitenwechsel behielt München die Kontrolle im Spiel. Die Veilchen präsentierten sich weiterhin desolat, waren in der Abwehr vollkommen ungeordnet und bei den wenigen Angriffsbemühungen hilflos. Bereits sieben Minuten nach Wiederanpfiff durfte der enttäuschende Jiri Kaufman wieder runter vom Grün. Gerd Schädlich brachte Kevin Hampf, was zudem auch der erste und einzigste Wechsel auf Auerseite sein sollte. Man kam danach zwar etwas besser ins Spiel, zeigte mehr Biss, aber das reichte nicht gegen die souveränere Spielanlage der Löwen, die nach gut einer Stunde alles klar machten. Wie im Trainingsspiel wurde die Abwehr einfach überlaufen und mit wenigen Spielzügen ausgeschaltet. Schwarz nahm die letzte Hürde mit einem hohen Pass auf Holebas, der in seinem ersten Spiel! von Beginn an gleich aus spitzem Winkel sein erstes Profitor für die Löwen erzielte (63.). Keine 60 Sekunden später war es erneut Bierofka, der die Auer Slalomstangen austanzte. Nicht einmal mit vier Mann war man in der Lage, Bierofka am Pass zu hindern. Der alleingelassene Empfänger Kucukovic schob den Ball aus sieben Metern per Außenrist ins Tor. Das 4:0 reichte nun auch einem Großteil der gut 2.000 angereisten Schlachtenbummler, die nun schlagartig den Gästeblock und sogar die Allianz Arena verließen. Demnach bekamen Einige das 5:0 schon gar nicht mehr mit, wobei es auch hier ganz schnell ging. Holebas legte den Ball von links vor das Gehäuse von Axel Keller, wo dann Bierofka seinen zweiten Treffer seelenruhig vollstrecken konnte. Der Stiefel wurde nun nur noch heruntergespielt - den Auer Spielern sowie den wenigen noch dageblieben Anhängern ist die Hoffnung verloren gegangen. Der nie gefährdete Sieg war am Ende auch in dieser Höhe verdient. Zu viel Gewicht sollte man diesem Kantersieg jedoch auch nicht beimessen. Die BSG hatte heute maximal Oberliga-Niveau und im beschaulichen Erzgebirge ist nach dieser Blamage der Weihnachtsfrieden heuer mehr als nur gestört.
Die Macht aus dem Schacht, die zuletzt 19 von 21 Auswärtsspielen verloren hatte, präsentierte sich bei den Löwen mutlos und ließ sich ohne Gegenwehr düpieren. Ein neuer Tiefpunkt - erstmals wird auf einen Abstiegsplatz überwintert. Abzuwarten bleibt, wie Präsident Uwe Leonhardt den Verein im Winter auf Links drehen wird. Schlimmer noch. Gerd Schädlich, dienstältester Zweitliga-Trainer, eine Institution des ostdeutschen Fußballs, hat aufgegeben, obwohl Uwe Leonhardt nach dieser Pleite doch lieber fünf Profis feuern wollte, anstatt noch eine Baustelle aufzumachen. Aber Schädlich verspürte nicht mehr die Kraft, einen Abstiegskandidaten durch das unruhige Fahrwasser der zweiten Liga zu lenken. Trotz Rückendeckung des Präsidenten, zog er jetzt den Schlussstrich und beendete die langjährige Zusammenarbeit. Der 54-Jährige, Unikum und Kultfigur, ist nicht irgendwer: Er war seit Juli 1999 Cheftrainer in Aue. Der Mann, der einst Motor Scharfenstein, Aufbau Krumhermersdorf oder Aktivist Schwarze Pumpe trainierte, hat eine der schwierigsten Entscheidungen seines Lebens getroffen. Die Analyse, wer wann wo welche Fehler begangen hat, erfordert eine Doktorarbeit.
Wieder ist einer die Gratwanderung leid, die alle Vereine in den neuen Bundesländern durchmachen. Hansa Rostock und Energie Cottbus hängen in der ersten Liga zwischen Baum und Borke, Carl-Zeiss Jena strampelt sich auf einem Abstiegsplatz in Liga zwei ab. Und noch eine Etage tiefer? Rot-Weiß Erfurt steht auf einem Aufstiegsplatz, doch Dynamo Dresden, der Verein mit dem größten "Potenzial", ist nur Regionalliga-Achter, und Ex-Europapokalsieger 1. FC Magdeburg gelingt wohl nicht mal die Qualifikation für die eingleisige dritte Profiliga. Sachsen Leipzig wiederum, eigentlich auserkoren, das teure WM-Stadion zu nutzen, schafft es aus der NOFV-Oberliga Süd nach derzeitigem Stand nicht in die dreigleisige Regionalliga. Und wo Lok Leipzig eigentlich spielt, geht in Berichten über gewaltbereite Fans unter. (arn)
weitere Spielberichte Heimmannschaft Spieldaten Gastmannschaft
  10 Ecken 4
  22 Freistöße 17
  51.7% Ballbesitz 48.3%
  16 Torschüsse 6
  52 Zweikämpfe 47
  47.47% - davon verloren 52.53%
  23 lange Bälle 22
  49% - davon nicht angekommen 51%