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FC Erzgebirge Aue: Stephan Flauder - Marc Hensel, Tomasz Kos, Thomas Paulus, Fabian Müller - Jan Hochscheidt, Skerdilaid Curri, Daniyel Cimen, Arne Feick - Kenny Schmidt, Sebastian Glasner; Trainer: Heiko Weber
Eingewechselt: 46. Mohammed El Berkani für Skerdilaid Curri, 74. Fatih Yigitusagi für Kenny Schmidt, 106. Steve Müller für Daniyel Cimen
FC St. Pauli: Mathias Hain - Carsten Rothenbach, Fabio Morena, Marcel Eger, Benjamin Weigelt - Fabian Boll, Florian Bruns, Rouwen Hennings, Alexander Ludwig, Filip Trojan - Morike Sako; Trainer: Holger Stanislawski
Eingewechselt: 40. Marius Ebbers für Morike Sako, 56. Marc Gouiffe á Goufan für Fabian Boll, 117. David Hoilett für Rouwen Hennings
Elfmeterschießen: 0:1 Florian Bruns; 1:1 Steve Müller; 1:2 Alexander Ludwig; 2:2 Fatih Yigitusagi; 2:3 Filip Trojan; 3:3 Sebastian Glasner; 3:4 Fabio Morena; 4:4 Tomasz Kos; Marius Ebbers vergibt (Flauder hält); 5:4 Thomas Paulus
Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)
Zuschauer: 8800
Gelbe Karte: Marc Hensel, Fatih Yigitusagi / Marc Gouiffe á Goufan, Morike Sako, Filip Trojan
Rote Karte: - / Marcel Eger (67., Tätlichkeit)
Spielbericht: Nachdem Aue den Start in die Dritte Liga verpatzt hatte und der Druck im Team, endlich einen Dreier einzufahren, größer geworden ist, ergab sich die Chance im DFB-Pokal, wieder neuen Schwung für den Ligaspielbetrieb zu holen. "Wir können gegen St. Pauli sehen, wie weit wir noch von der Zweiten Liga entfernt sind. Auch wenn wir als absoluter Außenseiter in die Partie gehen", sagte Teammanager Heiko Weber vor der Begegnung. Für den FC St. Pauli hingegen, der sich bereits seit Donnerstag im Hotel Osterlamm auf den Pokal vorbereitete, war Aue kein "Traumlos. Aber der DFB-Pokal ist ein Wettbewerb, der mir immer viel Spaß bereitet hat. Man kann sich mit starken Teams messen, und zudem kann es eine lukrative Angelegenheit werden", sagte Co-Trainer Trulsen. Lukrativ ist es am Ende nur für die Veilchen geworden. Der Einzug in die nächste Runde spülte 227.133 Euro in die Vereinskasse. Die Kiezkicker hatten sich auch Hoffnungen auf die Finanzspritze gemacht. Da nur mit der Einnahme für das Erreichen der nächsten Pokalrunde es dem chronisch klammen Klub möglich gewesen wäre, auf die Verletztenmisere in der Defensive zu reagieren und auf dem Transfermarkt tätig zu werden. Kurz nach dem Schlusspfiff folgte ein weiterer bitterer Moment für Trainer Holger Stanislawski und Sportchef Helmut Schulte, als FCE-Präsident Uwe Leonhardt das Wort ergriff: "Wir werden überlegen, ob wir in der nächsten Woche noch einen Spieler verpflichten werden." Diese Aussage wirkte für Schulte und Stanislawski wohl wie ein zweite Demütigung kurz nacheinander. Selbst Schuld. Denn die Mannschaft von der Reeperbahn war vor 8.800 Zuschauern nach einer kläglichen Leistung zu Recht mit 4:5 nach Elfmeterschießen aus dem Wettbewerb ausgeschieden. Die Gäste traten derart uninspiriert, leidenschaftslos und pomadig auf, als stelle die Aussicht auf weitere intensive Begegnungen im DFB-Pokal eher eine Bedrohung als einen Anlass zur Freude dar. Die Veilchen wirkten frischer, motivierter und ausgebuffter. Die Außenseiterrolle lag ihnen am Besten. Personelle Veränderungen gab es nur auf zwei Positionen. Sebastian Glasner durfte von Beginn an stürmen und im Tor, war wie angekündigt, Stephan Flauder tätig. "Ich bin froh, dass wir für Drittliga-Verhältnisse zwei talentierte und sehr gute Torhüter haben. Doch wir hatten vor der Saison abgesprochen, dass Männel in den Punktspielen und Flauder im Pokal im Tor stehen wird", erklärte Heiko Weber, der aus dem Vollen schöpfen konnte. Die Hamburger wiederum kämpften mit argen Verletzungsproblemen. Somit kam Stürmer Sako zu einem unerwarteten Einsatz. Geleistet hatte der 2,02m Hüne jedoch nicht viel. Deutlich geworden war nur, dass es in der Mannschaft von Holger Stanislwaski erhebliche Probleme mit der Einhaltung der Disziplin auf dem Spielfeld gibt. Sako hatte schon nach 90 Sekunden die Gelbe Karte wegen Meckerns gesehen. Da der übermotivierte Angreifer danach stets am Rande eines Platzverweises wandelte, sah sich Stanislawski in der 40. Minute dazu genötigt, ihn gegen den noch nicht vollständig genesenen Ebbers auszuwechseln. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Veilchen das Spiel unter Kontrolle. Nur am Anfang setzten die Hamburger einige Duftmarken, doch zeigte Stephan Flauder eindrucksvoll seine Torhüterqualitäten. Die beste Möglichkeit für die Gäste vergab daher Bruns, als er aus 14 Metern am Schlussmann scheiterte (22.). Den Veilchen fehlte es eigentlich nur am konsequenten Abschluss. Nach einer zu kurzen Klärung der Paulianer Innenverteidigung durch Morena kam Skerdilaid Curri frei zum Schuss. Die Hamburger hatten im Sommer mit Hain einen neuen Keeper verpflichtet und dieser nutzte gleich einmal die Chance, um sich auszuzeichnen bei dem Geschoß in die linke untere Ecke. Bei dem 20-Meter-Knaller von Fabian Müller wäre er aber machtlos gewesen. Nach einem Doppelpass mit Arne Feick verpasste der Verteidiger das Ziel nur um wenige Zentimeter (24.). Als Daniyel Cimen, der durch Jan Hochscheidt gut in Szene gesetzt wurde, im Strafraum freistehend vor dem Tor auftachte, war der Gäste-Schlussmann wieder auf dem Posten (44.). Nach der Kabinenpredigt vorerst dasselbe Bild: Pauli mit Fehlern im Spielaufbau und Aue zeigte Nachholbedarf in der Chancenverwertung. Einziger Unterschied zu Hälfte eins war der Spielerwechsel von Mohamed El Berkani für den angeschlagenen Skerdilaid Curri, der nach einem Zusammenstoß mit Marc Hensel kurz vor der Pause mit einer Platzwunde am Hinterkopf verletzt aufgeben musste. Dem Spielverlauf tat dies jedoch keine Veränderung ab. Mit dem Platzverweis in der 64. Minute bekamen die Veilchen zusätzlichen Rückenwind. Nach einer vermeintlichen Tätlichkeit sah Eger die Rote Karte. Der Hamburger ließ sich von Sebastian Glasner provozieren, holte mit der Hand aus und traf (oder auch nicht) den Stürmerneuzugang aus Darmstadt harmlos an der Schulter. Schiedsrichter Manuel Gräfe sah das anders und zog die Arschkarte. Paulis Trainer Stanislawski sprach von einem 'Bärendienst', den Eger der Mannschaft erwiesen habe. "Mit elf Leuten hätten wir sicherlich nicht verloren", mutmaßte er. Das allerdings darf bezweifelt werden. St. Pauli war geringschätzig aufgetreten und auch nie in der Lage, das Spiel zu kontrollieren. In Unterzahl überließ der Kiezclub nun den Veilchen weitestgehend die Spielgestaltung und Heiko Weber brachte mit Fatih Yigitusagi nochmals neuen Schwung in die Offensive. Jedoch gelang nur nach Standards den Abwehrriegel der Gäste zu knacken. Tomasz Kos hatte dazu die beste Gelegenheit nach eine Ecke die Führung herbeizuköpfen (82). Und auch Thomas Paulus hatte den Siegtreffer kurz vor Ende der regulären Spielzeit knapp versäumt (88.). An Hain kam man heuer aus dem Spiel heraus eben nicht vorbei. So ging es in die Verlängerung, die wieder geprägt war von mangelnder Chancenverwertung im Minutentakt: Mohamed El Berkani's scharfe Reingabe vom Strafraumeck hätte Morena fast zum Selbsttor verleitet (95.), Fatih Yigitusagi vertändelte völlig unbedrängt auf dem Weg zum Tor den Ball (96.) und bei Arne Feicks Schuss, ließ Hain zwar nur abprallen, jedoch kam Sebastian Glasner einen Schritt zu spät um abzustauben (114.). Man gab nie auf und sorgte m it einer kämpferischen Einstellung für gute Stimmung im 'Old Otto'. Das Elfmeterschießen sollte die Entscheidung bringen. Genau die beste Gelegenheit für Stephan Flauder sein Können unter Beweis zu stellen. Nachdem alle Schützen bis zum 4:4 verwandelten, legte Ebbers den Ball auf den ominösen Punkt und vergab. "Einer muss ja der Depp sein. Diesmal war ich es", sagte Ebbers. Stephan Flauder hingegen, war nach dem gehaltenen Elfemter der Held des Abends und ließ, als Thomas Paulus den fünften Elfer im Tor von Hain unterbrachte, seinen Gefühlen freien Lauf. Mit dem Selbstvertrauen der Pokalüberraschung im Rücken kann Aue nun am nächsten Samstag gegen den VfR Aalen in der Liga antreten. "Ich denke, wir haben mit diesem Erfolg genug Selbstvertrauen getankt. Gegen den VfR Aalen muss am Samstag endlich der erste Drittligasieg her", blickte der 22-jährige Elfmeterkiller voraus. Und wer weiß, vielleicht sind die 10 Glücksbringer a la Schornsteinfeger auch wieder vor Ort und bringen den Veilchen den gewünschten Erfolg. Auf jeden Fall ist man auf dem richtigen Weg, da dieses mal die Abwehr einen sicheren Stand hatte und über den gesamten 120 Minuten beherzt gekämpft wurde. Weiter so.
>> Fotos vom Spiel <<
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