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DFB-Pokal 2008/09

Spielbericht

2. Hauptrunde - Dienstag, 23.09.2008 - 19:00

FC Erzgebirge Aue - Werder Bremen 1:2 (1:1)


FC Erzgebirge Aue: Stephan Flauder - Marc Hensel, Tomasz Kos, Thomas Paulus, René Klingbeil - Daniyel Cimen, Fabian Müller, Skerdilaid Curri, Arne Feick - Mohammed El Berkani, Kenny Schmidt; Trainer: Heiko Weber

Eingewechselt: 60. Sebastian Glasner für Kenny Schmidt, 64. Jan Hochscheidt für Mohammed El Berkani

Werder Bremen: Tim Wiese - Petri Pasanen, Sebastian Prödl, Naldo , Sebastian Boenisch, Frank Baumann - Jurica Vranjes, Mesut Özil - Diego , Claudio Pizarro, Markus Rosenberg; Trainer: Thomas Schaaf

Eingewechselt: 46. Aaron Hunt für Jurica Vranjes, 61. Clemens Fritz für Petri Pasanen, 80. Peter Niemeyer für Mesut Özil

Tore: 1:0 Fabian Müller (Rechtsschuss, 7. / Skerdilaid Curri); 1:1 Claudio Pizarro (26.); 1:2 Markus Rosenberg (54.)

Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Oberasbach)

Zuschauer: 12000

Gelbe Karte: Tomasz Kos, Thomas Paulus, Kenny Schmidt / Petri Pasanen, Naldo


Spielbericht:
Das Normale ist eingetreten, die Sensation ausgeblieben. Mit 1:2 (1:1) verlor der FC Erzgebirge Aue am Dienstagabend in der zweiten Hauptrunde des DFB-Pokals gegen den haushohen Favoriten Werder Bremen, da nützte auch die beste Saisonleistung nichts. Mit Applaus wurden die Gastgeber nach dem Schlusspfiff in die Kabine geschickt. FCE-Regisseur Curri sicherte sich noch das Trikot von Bremens Star Diego. Die Norddeutschen, die am Wochenende noch Rekordchampion Bayern München in der dessen Allianz-Arena mit 5:2 vom Platz gefegt hatte, erfüllten zuvor mehr oder minder ihre Pflicht. Auch wenn der Vergleich etwas hinkt: Die sich teuer verkaufenden Auer unterlagen mit zwei Toren weniger Unterschied als das Starensemble von der Isar. Werder begann mit fast der gleichen Aufstellung wie drei Tage zuvor beim FC Bayern. Nur Pasanen rückte für Innenverteidiger Mertesacker in die Startelf. Beim FCE wartete Teammanager Heiko Weber mit einer taktischen Veränderung auf. So rückte der gelernte Stürmer Hensel wieder auf die rechte Bahn der Viererabwehrkette. Dafür spielte Fabian Müller davor im rechten Mittelfeld. El Berkani stürmte für den verletzten Lukunku. Und die Umstellung machte sich bemerkbar. Gerade einmal sieben Minuten waren im Erzgebirgsstadion gespielt, da zappelte das Leder in den Maschen, und zwar im Gehäuse von Bremens Torhüter Wiese. Fabian Müller hatte per Sonntagsschuss aus gut 20 Metern den Ball versenkt. Und wer weiß, wie die Partie gelaufen wäre, hätte El Berkani eine Minute später - frei auf Wiese zulaufend - nicht gezögert und so eine hundertprozentige Chance versiebt. Aber deshalb kickt der 25-jährige Marokkaner mit niederländischem Pass eben in der 3. Liga, die spielerisch besseren und körperlich überlegenen Bremer in der Champions League. Nach der Veilchen-Führung sahen die 12.000 Zuschauer 25 Minuten lang ein Spiel auf ein Tor. Der FC Erzgebirge verteidigte mit Mann und Maus. Aues Keeper Flauder bewahrte seine Elf mehrfach mit glänzenden Paraden vor einem Gegentor. Beim 1:1 sah der lange Schlussmann allerdings unglücklich aus. Werder-Regisseur Diego hatte einen Freistoß, den Pizarro mit dem Haupt noch streifte, ins Toreck gezirkelt. Nach dem Pausentee wären die Erzgebirger beinahe erneut in Führung gegangen. Doch Keeper Wiese hielt zweimal gegen Feick und Kos glänzend. Im Gegenzug spielten die Hanseaten ihre ganze Cleverness aus. Torjäger Rosenberg schob aus Nahdistanz überlegt zum 2:1 ein.
Bericht von Freie Presse.de


Thomas Schaaf weiß, zu was seine Mannschaft im Stande ist. Sie kann dieses Ensemble sein, das sich an dem eigenen Spiel berauscht, sie kann sich aber auch in diese Elf verwandeln, die sich verspielt, nicht wahrhaben will, dass Talent an manchen Tagen nicht genügt. Am Dienstagabend, in der 2. Hauptrunde des DFB-Pokals, die den Bundesligisten nach Aue gebracht hatte, muss sich Schaaf wie bei einem Maskenball vorgekommen sein. Beim 2:1 (1:1) gegen den Drittligisten vor 12 000 Zuschauern9 im ausverkauften Stadion im Lößnitztal bekam der Cheftrainer im aufziehenden Herbstnebel jedenfalls beide Gesichter seiner Mannschaft zu sehen, sagte nach dem Einzug ins Achtelfinale erleichtert: "Es war ein schweres Spiel für uns, was wir auch irgendwo erwartet hatten. Aue hat gut gespielt und uns alles abverlangt. Wir sind froh, dass wir die nächste Runde erreicht haben." Sein Pendant Ricco Schmidt schwärmte: "Aue hat einen großen Fußball-Abend erlebt. Das Spiel ging grandios los für uns und in der zweiten Halbzeit waren wir nahe an der Sensation dran." Dem Drittligisten war eben gelungen, womit sich auch ein Spitzenklub wie Werder Bremen am besten aus der Fassung bringen lässt - ein frühes Tor. Beim ersten Offensivwagnis der Gastgeber spielte Skerdilaid Curri in der siebten Spielminute Fabian Müller frei, dessen wuchtiger Schuss aus etwas 20 Metern Torentfernung an Tim Wiese vorbei Richtung Tordreieck rauschte. Ein Treffer mit der allseits bekannten Wirkung: der Außenseiter atmet frei, spielt über seinen Verhältnissen und der Favorit versucht sich an einer Ordnung der Dinge. Werder brauchte mehr als eine Viertelstunde für diese Aufgabe. In dieser Viertelstunde allerdings taumelten die Hanseaten wie in der Champions League gegen Anorthosis Famagusta, waren weit von der spielerischen Leichtigkeit des 5:2 bei Bayern München vom Sonnabend entfernt. Erst Claudio Pizarros Ausgleich in der 26. Minute, den der Angreifer nach einem Freistoß von Diego mit dem Hinterkopf erzielte, beruhigte die Bremer. Allerdings konnten die Bremer der Partie in dieser Phase nicht in letzter Konsequenz den Pokalcharakter nehmen. Zweifellos auch ein Verdienst der großen Kampfkraft, die ein unterklassiger Klub an so einem Abend schon mal entwickeln kann. Kampf raubt bekanntermaßen aber auch Kraft und letztlich auch Konzentration. Ein Prozess, den die tapferen Veilchen jedoch erstaunlich lange hinauszögern konnten. Über Zweikämpfe, die an entscheidender Stelle gewonnen werden konnten, kamen sie in der 51. Minute durch Arne Feik zu einer aussichtsreichen Chance. Nur eine Minute später köpfte Kapitän Tomasz Kos nach einer Ecke mit Wucht aufs Werder-Tor. Doch Tim Wiese parierte in beiden Situationen souverän, schimpfte dann mit seiner Abwehr, die nach dem Ausfall von Nationalspieler Per Mertesacker, der wegen eines grippalen Infekts erst gar nicht mit ins Lößnitztal gereist war, erneut in veränderter Formation vor ihm stand. Und vielleicht auch deswegen immer wieder Abstimmungsprobleme offenbarte. Die allerdings kennt auch Aues Keeper Stephan Flauder von seinen Vorderleuten zu Genüge. Am vergangenen Wochenende hatte er sich im Ligaspiel, beim 0:1 gegen Fortuna Düsseldorf, schon mächtig ärgern müssen. Dieses Mal durften Pizarro und Markus Rosenberg in der 54. Minute weitgehend ungehindert sich im Doppelpass üben. Der Peruaner ließ prallen, der Schwede ließ mit einem Flachschuss Flauder keine Chance. Weitere Konterchancen verspielten die Bremer leichtfertig, Schaaf kommentierte dementsprechend die durchaus bedrohliche Schlussphase für den Favoriten: "So kann ein Spiel laufen, wenn man seine Chancen nicht zu Ende spielt."
Bericht von Berliner Zeitung.de

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