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Sachsen-Pokal 2001/02

Spielbericht

Finale - Freitag, 31.05.2002 - 19:30

FSV Zwickau - FC Erzgebirge Aue 6:7 (0:0, 1:1, 1:1) n.E.

FSV Zwickau: Mark Mewes, Steffen Vogel, Tino Findeisen, Holger Krauß, Khvicha Shubitidze, Alexander Köcher, Uwe Kramer, Mark Gerloff, Björn Düring, Sebastian Arzt, Jörg Schmidt; Trainer: Konrad Weise

Eingewechselt: 119. Ronny Drechsel für Mark Gerloff

FC Erzgebirge Aue: Russi Petkov - Nikolce Noveski, Holger Hasse, Petr Grund - Maik Kunze, Borislav Tomoski, Radek Sionko, Roman Müller, Marco Kurth, Matthias Heidrich - Rostislav Broum; Trainer: Gerd Schädlich

Eingewechselt: 72. Murat Jasarevic für Marco Kurth, 72. Sascha Kadow für Roman Müller, 102. Ronny Jank für Matthias Heidrich

Tore: 1:0 Jörg Schmidt (74.); 1:1 Maik Kunze (Kopfball, 77. / Borislav Tomoski)

Elfmeterschießen: 1:0 Holger Krauß; 1:1 Holger Hasse; 2:1 Jörg Schmidt; 2:2 Nikolce Noveski; Khvicha Shubitidze vergibt (trifft nur den Pfosten); 2:3 Petr Grund; 3:3 Alexander Köcher; 3:4 Sascha Kadow; 4:4 Uwe Kramer; 4:5 Ronny Jank

Schiedsrichter: Jens Oehme (Witzschdorf)

Zuschauer: 7519 im Westsachsenstadion

Gelbe Karte: - / Maik Kunze, Radek Sionko, Holger Hasse

Gelb/Rote Karte: Tino Findeisen (97., wiederholtes Foulspiel) / -

Spielberichte:
FC Erzgebirge Aue schreibt Pokalgeschichte
Veilchen holen in Zwickau durch 6:5-Sieg nach Elfmeterschießen zum dritten Mal in Folge den sächsischen Cup. Ob er die Trophäe mit ins Bett genommen hat? Am Freitagabend im Zwickauer Westsachsenstadion jedenfalls wollte Russi Petkov den Sachsenpokal nicht mehr hergeben. "Einfach ein Superspaß", fasste der Torhüter seine Gefühlslage zusammen, und - schwupps - erstickte die Schampusdusche seiner Mannschaftskameraden alle weiteren Redeversuche. Ganz klar: Es war Zeit zu feiern und zu jubeln. 120 Spielminuten und ein Elfmeterschießen lang hatten die Veilchen und ihre vielen Fans auf den Pokal-Hattrick gehofft und genauso um ihn gebangt. Denn ein "Superspaß" war dieser Endspielabend zuvor für die Auer nur ganz selten. Es fing schon bei der Anreise an: "Wenn Bierflaschen gegen den Bus krachen und ein Mensch die Frontscheibe zerschlägt, dann sollten wir uns Gedanken machen", stand Trainer Gerd Schädlich selbst nach dem Sieg noch unter dem Eindruck des Angriffs auf den Mannschaftsbus der Veilchen. Müßig, darüber zu spekulieren, ob dieses Erlebnis dazu beitrug, dass der FC Erzgebirge besonders in der ersten Hälfte überhaupt nicht in Tritt kam. Die erwartungsgemäß defensiv eingestellten Zwickauer wurden durch schlampige Abspiele sogar zu Kontern eingeladen. Auch die später immer deutlicher werdende Feldüberlegenheit änderte nichts an der Chancenarmut einer Partie, die eigentlich nur von der Spannung des 0:0 lebte. Das änderte sich, als der Zwickauer Jörg Schmidt dem einige Male verunsichert wirkenden Holger Hasse enteilte und den FSV in Führung schoss (74.). "Irgendwie ein komisches Gefühl. Ich wollte mich ordentlich verabschieden, alles geben und gewinnen. Aber da waren einige Fehler dabei", sagte der Kapitän später. Glück für ihn und seine Mannschaft, dass das Gegentor einige Blockaden zu lösen schien. Nach dem Ausgleich durch Maik Kunze (77.) hätte der FCE den Sieg eigentlich in der regulären Spielzeit einfahren müssen. So aber folgten Verlängerung und Elfmeterschießen. Dass dabei mit Khvicha Shubitidze ausgerechnet einer der besten Zwickauer am Pfosten scheiterte, fanden viele irgendwie gerecht. Hätte der dribbelstarke Offensivmann, an dem auch der FCE sehr interessiert ist, doch in der Verlängerung wegen Nachtretens eindeutig Rot sehen müssen. So blieb es mit Ronny Jank einem früheren FSV-Spieler vorbehalten, den entscheidenden Ball zum 5:4-Sieg der Auer im Elfmeterschießen und zum 6:5-Erfolg insgesamt in die Maschen zu setzen. "Ich bin gefragt worden, ob ich den schießen will, und hab' gesagt, ich mach's. Es ist natürlich ein ganz großes Gefühl, ihn versenkt zu haben", freute sich der Angreifer. Keinen glücklicheren Abschied konnten sich Radek Sionko, Roman Müller und Maik Kunze vorstellen. "Einfach Klasse. Genau der richtige Abschluss der Saison und meiner Zeit in Aue", so Sionko. Und während die Zwickauer Anhänger unter den gut 7500 Zuschauern hinter ihm enttäuscht das Stadion verließen, schaute der Tscheche optimistisch voraus: "Jetzt will ich zuhause einen Stammplatz in der ersten Liga und dann im Uefa-Pokal weiterkommen." Maik Kunze nutzte die Gelegenheit dagegen für einen Blick zurück: "Im Nachhinein war es ein Riesenwechsel, zum FCE zu gehen. Ich habe mich hier ordentlich entwickelt und komme nun in die zweite Liga. Aue wünsche für die Zukunft einfach alles Gute." Während die Spieler so kurz nach dem historischen dritten Pokalsieg schon wieder in der Lage waren, sich solcherlei Gedanken zu machen, rang Gunter Leichsenring vor Freude mit den Tränen. Während des Spiels ließ sich der Mannschaftsarzt nach seiner "roten Karte" aus dem Braunschweigspiel in Zwickau zwar von seinem Kollegen Eberhard Winkler vertreten, aber zum Feiern durfte er natürlich mit auf den Rasen.

Kommentar: Ausgeblendet - Zu unwichtig fürs Fernsehen?
Einmal mehr saßen die sächsischen Fußball-Fans am Freitag beim MDR-Fernsehen in der letzten Reihe. Auf eine Live-Ausstrahlung des brisanten Pokalfinals zwischen Zwickau und Aue hofften sie vergeblich. Klar, es gibt ja wichtigere Partien: Das Hinspiel um den Regionalliga-Aufstieg von Dynamo Dresden zum Beispiel. Das wurde am Sonntag direkt übertragen. Anscheinend haben die TV-Verantwortlichen noch immer nicht gemerkt, dass Dresden längst nicht mehr der Nabel der Fußballwelt im Freistaat ist. So gesehen kann man echt nur hoffen, dass die Dresdner den Aufstieg in die Regionalliga verpassen. Sonst steht zu befürchten, dass in der MDR-Sendung "Sport im Osten" künftig von Aue und Chemnitz nur noch die Ergebnisse vermeldet werden, weil den Rest der Sendezeit Dynamo die Hauptrolle spielt. (Freie Presse)