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2. Bundesliga 2007/08

Spielbericht

15. Spieltag - Freitag, 30.11.2007 - 18:00

FC Carl Zeiss Jena - FC Erzgebirge Aue 2:1 (0:1)

FC Carl Zeiss Jena: Daniel Kraus, Filip Tapalovic, George Oniani, Darlington Omodiagbe, Michael Stegmayer, Konstantinos Charalambidis, Stefan Kühne, Ilia Kandelaki, Torsten Ziegner, Jan Simak, Sebastian Helbig; Trainer: Valdas Ivanauskas

Eingewechselt: 41. Alexander Maul für Filip Tapalovic, 57. Sandor Torghelle für Torsten Ziegner, 72. Nils Petersen für Sebastian Helbig

Kader: Christian Person, Robert Müller, Christian Fröhlich, Niels Hansen

FC Erzgebirge Aue: Axel Keller - Carsten Sträßer, Norman Loose, Tomasz Kos, René Trehkopf - Jörg Emmerich, Nicolas Feldhahn, Hendrik Liebers, Skerdilaid Curri - Fiete Sykora, Tomas Klinka; Trainer: Gerd Schädlich

Eingewechselt: 76. Marco Kurth für Jörg Emmerich, 77. Jiri Kaufman für Tomas Klinka, 80. Tom Geißler für Skerdilaid Curri

Kader: Stephan Flauder, Thomas Paulus, Kevin Hampf, Ljubisa Strbac

Tore: 0:1 Jörg Emmerich (Foulelfmeter, 8.); 1:1 Nils Petersen (Kopfball, 74. / Konstantinos Charalambidis); 2:1 Jan Simak (Foulelfmeter, 89.)

Schiedsrichter: Peter Gagelmann (Bremen)

Zuschauer: 9587 auf dem Ernst-Abbe-Sportfeld

Gelbe Karte: Michael Stegmayer, Konstantinos Charalambidis, Alexander Maul, Torsten Ziegner, Darlington Omodiagbe / Tomasz Kos (5., gesperrt), Nicolas Feldhahn (4.)

 
 
     
   
     
     
     
     
     
     
     
 

Vorbericht - Rückrundenspiel - Fotos vom Spiel

Spielbericht: "Wir sind Auer und ihr nicht." So schallte es im Ernst-Abbe-Sportfeld nach dem Schlusspfiff in Richtung eigene Mannschaft. Mit so einer desolaten Leistung - ohne Herz, ohne Kampf und ohne Selbstbewusstsein - ist man halt immer ein gern gesehener Gast. Dieses Mal konnte sich der FC Carl Zeiss Jena auf unsere Geschenke freuen, die nun wieder auf den Klassenerhalt hoffen können. Dabei sahen die 9.587 Zuschauer ein schwaches Spiel, in dem Aue beim verunsicherten und zuvor acht Spiele sieglosen Schlusslicht seinen zweiten Auswärtssieg mehr als nur wegwarf. Gerd Schädlich's Bemühungen vor dem Ostderby, dass es "für beide Mannschaften ein sehr wichtiges Spiel sei und auch auswärts mal einen erfolgreichen Fußball zu spielen", stieß wie eh und je auf taube Ohren. Das war schon im Frühjahr so. Damals gelang dem FCC im ersten Spiel unter Frank Neubarth ebenfalls mit einem 2:1 ein echter Befreiungsschlag im Abstiegskampf.
"Ich bin in den letzten Wochen oft gefragt worden, warum wir auswärts nichts holen. Das haben wir heute wieder eindrucksvoll gezeigt. Besser kann das Spiel eigentlich nicht beginnen und wir machen das frühe 1:0", so der Chefcoach. Und in der Tat, bereits in der achten Minute die erste Möglichkeit, ein Elfmeter. Tapalovic holte Tomas Klinka im Strafraum klar von den Beinen und Kapitän Jörg Emmerich verwandelte vom ominösen Punkt aus souverän zur 1:0-Führung für die Veilchen.
Aber wer nun annahm, dass die Lila-Weißen nach diesem ersten Genickschlag für den Gastgeber gleich nachsetzen würden, der blieb erneut in seinen Erwartungen unerfüllt. Dabei legten die Hausherren gerade in der ersten Hälfte eine Laschheit zu Tage, dass man sich fragen muss, wie Jena überhaupt die sieben Punkte zusammenbekommen hat. Aue haushoch überlegen und trotzdem schaffte man es sage und schreibe genau zwei Mal in den ersten 45 Minuten aufs Tor zu schießen, gegen eine Abwehr, die gegen jede Oberligamannschaft ihre Probleme gehabt hätte, allen voran Kraus im Tor und Tapalovic, der wohl erstmals einen Ball gesehen hat und nach 41 Minuten völlig überfordert ausgewechselte wurde. Aber wir gefallen uns ja darin, den Gegner schön auszuspielen, um dann vor dem Strafraum das Wichtigste zu vergessen, das Tor zu machen. Egal, man führte trotzdem und gut!?
Nein, nichts war gut. Das Spiel war sehr zerfahren. Jena wollte unbedingt, wirkte dabei extrem hilflos. "So ängstlich haben wir zu Hause noch nie gespielt", haderte FCC-Coach Ivanauskas besonders mit der ersten Halbzeit, was die Veilchen nicht zu nutzen wussten. Mit dem 1:0 im Rücken stellte Aue beinahe das Fußballspielen ein, agierte offensiv zu ungenau und ohne den letzten erkennbaren Willen, allen voran Fiete Sykora, der erst im Sommer von Jena nach Aue gewechselt ist und nun von der Verletzung des Slowaken Adam Nemec profitierte. "Ich habe in Aue eine bessere Perspektive gesehen. Die sportliche Situation in Jena verwundert mich nicht. Wir müssen von der ersten Minute an aggressiv in die Zweikämpfe kommen. In den letzten Begegnungen haben wir gezeigt, dass wir guten Fußball spielen können. Wenn beides zusammen passt, dann werden wir dort auch gewinnen. Ich rechne mit einem Auer Sieg", sagte der 25-jährige Angreifer ganz unverfroren vor der hitzigen Partie. Dass er dazu aber auch was beitragen muss, hat ihm bestimmt keiner gesagt. Einzig in der 24. Minute stand der zierliche Stürmer im Mittelpunkt, als er eine Flanke aus dem rechten Halbfeld per Kopf in das Tor von Kraus unterbringen konnte. Schiedsrichter Peter Gagelmann aus Bremen entschied allerdings auf Abseits. Hätte der Treffer gezählt, wäre Fiete Sykora sein Nimbos als "Mädchen" vorerst losgewesen, aber so bleibt er die sanfte Taube und zugleich der Sündenbock.
Im Gegenzug hatten die Veilchen Glück. Kandelaki traf zwei Meter vor der Torlinie das verwaiste Tor nicht und köpfte das Leder meilenweit am Kasten vorbei. Bis zum Pausentee gab es kaum Torraumszenen und das Spiel war geprägt von Kampf und Krampf als von Kreativität. "Wir haben gemerkt, dass Jena sehr verunsichert ist und wir hatten das Spiel eigentlich unter Kontrolle. Danach haben wir sehr nachlässig gespielt. Das haben wir in der Halbzeit angesprochen und wir wollten mit etwas mehr Genauigkeit und Präzision auf das zweite Tor spielen", so die Pausenerkenntnis von Gerd Schädlich.
Auch nach dem Seitenwechsel geriet der zweite Auer Auswärtssieg zunächst kaum in Gefahr. Wieder berannte Carl Zeiss das Tor der Gäste und wieder standen sich die Thüringer dabei in den entscheidenden Momenten selbst im Weg. Die Veilchen beschränkten sich allein darauf, das Spiel der Gastgeber zu unterbinden und das Tempo aus dem Spiel zu nehmen. Nach 57 Minuten reagierte Jenas Trainer Ivanauskas und brachte mit Torghelle einen zweiten Stürmer, da Helbig alleine begonnen hatte, um der löchrigsten Abwehr der 2. Liga mehr Halt zu verleihen. Gut 20 Minuten vor Schluss wurde auch der Ex-Auer von Jenas Junioren-Nationalspieler Petersen ersetzt. Dieser war keine zwei Minuten auf dem Platz, da erzielte der 18-Jährige nach einer Charalambides Flanke den nun leider verdienten Ausgleich. Tomasz Kos agierte hierbei zu halbherzig und konnte den Youngster mit seiner Routine nicht am Toreschiessen hindern. Aber auch Gerd Schädlich haftet eine kleine Aktie am Ausgleich. Der dienstälteste Trainer der zweiten Liga verschlief es, die eigenen Auswechslungen spiel- und situationsbedingt zu bringen. Allen voran der Wechsel von Jörg Emmerich, der zu diesem Zeitpunkt verletzt neben dem Spielfeld behandelt werden musste und Jiri Kaufman eigentlich schon bereit stand. Doch ließ er zunächst zu zehnt weiterspielen. Nach dem Ausgleichstor folgte der Wechsel - Marco Kurth für den angeschlagenen Jörg Emmerich, im Anschluss Jiri Kaufman für Tomas Klinka und drei Minuten später Tom Geißler für den Wirbelwind Skerdilaid Curri. Einfach bitter.
Jena wollte mehr und drückte nun auf den Siegtreffer. Die Partie hatte blitzartig an Spannung zugenommen. Aue schien sich nach der Halbzeit dem Erfolg schon sicher zu sein und beschränkte sich völlig auf die Defensivarbeit. Bekanntlich ging diese Taktik nicht auf, denn kurz vor Ultimo foulte Tomasz Kos, nach dem Schlussmann Axel Keller einen strammen Schuss aus 16 Metern nur nach vorne abprallen konnte, den einschussbereiten Torghelle im Strafraum und Schiedsrichter Gagelmann deutete zum zweiten Mal in dieser Partei auf den Punkt. Den Elfmeter verwandelte Simak zum umjubelten Jenaer Siegtreffer. Obendrein sah der schon ausgewechselte Ziegner durch seinen "Platzsturm" Gelb, wie auch Tomasz Kos nach dem Foul an Torghelle, allerdings mit größeren Folgen - es war seine Fünfte.
Schluss - Aus - Vorbei? Der Abstand nach oben ist minimal, so dass sich reichlich Teams um den Abstieg streiten. Wenn man aber selbst gegen solche Mannschaften keine Punkte holt, geht es ganz schnell abwärts, womit man mit dem vor allem auswärts Gezeigtem derzeitig auch hin gehört. Dennoch sollte man in Ruhe weiter arbeiten und nicht die Nerven verlieren. Zu Saisonbeginn war klar, dass Aue in dieser starken 2. Liga und zudem in einem Umbruchsjahr der Mannschaft nur um Platz 14 spielen wird und wenn weiterhin auf Kontinuität gesetzt wird, schafft es das kleine gallische Dorf auch. Eine Entlassung vom Gerd Schädlich wäre sicher einer der bittersten Momente in der Vereinsgeschichte. Anhaltende Erfolglosigkeit hat aber nun einmal zur Folge, dass gehandelt werden muss. Doch was sind die richtigen Schritte und wer wäre ein idealer Nachfolger? Gesprächstoff gibt es derzeit genug. (arn)


Ich komme beim Nachdenken über Aue ´07 immer wieder zu dem Schluss, dass unser Problem in der Frage des sportlichen Übungsleiters gar nicht so sehr ein personelles ist, also Gerd ja / nein, sondern ein strukturelles und damit viel komplexer und schwieriger zu handeln: Es geht eigentlich damit los, dass wir zwar in vorauseilendem Gehorsam jeden Pups nachmachen, den die DFL vorgibt, bis hin zu beheizten Klos für das Schiedsrichterquartett von mir aus. Darüber hinaus wurde aber in den Jahren der 2. Liga jedwede Investition in personelle, sportliche Führungskompetenzen als Unterstützung für den Trainer glatt weg vergessen oder bewusst weggelassen. Seit Lutz Lindemann weg ist, haben wir im Bereich der sportlichen Leitung nur Gerd und sonst gar niemanden. Das Präsidium besteht aus sportlichen Amateuren (kein Vorwurf), es gibt keinen Manager oder Sportdirektor mit einer einigermaßen strategischen Ausrichtung und Kontakten zu Spielerberatern usw., es gibt keinen Scout, der sich hauptamtlich und systematisch (!!!) mit den für uns als Reservoir für künftige Neuzugänge interessanten Ligen beschäftigt, potentielle Neuzugänge bekommt Gerd aktuell viel mehr auf die Tour vorgesetzt "3 Tage Probetraining und dann friss oder stirb", so sind meines Erachtens dann auch Ad-hoc-Entscheidungen á la Strbac zu erklären, der nächste Trainee hätte ja noch mieser sein können... Gerd wiederum wird durch das Tagesgeschäft 100% gefordert, und wenn er wie in der jetzigen Situation parallel sich mit neuen Gesichtern für das Wintertransferfenster befassen muss, ohne da den Rücken freigehalten zu bekommen und sich auf qualifizierte (!) Zuarbeiten verlassen zu können, wird sowohl klar, dass er mehr und mehr ausbrennt, als auch, dass wir sicher nicht der trainingsintensivste Profiverein in Deutschland sind. Hier hätte sich das Präsidium schon vor Jahren mit Gerd zusammen Gedanken machen müssen, jetzt ist es dafür eigentlich schon zu spät, da man sicher 1/2 Jahr oder länger braucht um die geeigneten Personen zu finden und loszueisen, ich könnte mir z.B. als Manager Mirko Reichel vorstellen, der aus Fürth zurückzuholen wäre, und als Scout Petr Grund.
Fazit: Wir arbeiten im Moment bzgl. der Struktur der sportlichen Führung eher auf einem Niveau mit dem FCK oder dem HFC denn auf dem Niveau eines "gestandenen" Zweitligisten, selbst Dynamo dürfte da besser aufgestellt sein. Also sollte man eher darüber nachdenken, Gerd durch Delegierung von Aufgaben zu entlasten, statt ihn zu entlassen. Letzteres wäre nüscht als Flickenschusterei und Scheinhandlung und mittelfristig -spätestens- geht das Elend weiter. (cockney violet)
weitere Spielberichte Heimmannschaft Spieldaten Gastmannschaft
  10 Ecken 3
  14 Freistöße 20
  60% Ballbesitz 40%
  14 Torschüsse 3
  42 Zweikämpfe 51
  54.84% - davon verloren 45.16%
  31 lange Bälle 22
  42% - davon nicht angekommen 58%