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2. Bundesliga 2007/08

Spielbericht

32. Spieltag - Dienstag, 06.05.2008 - 17:30

FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 5:0 (2:0)

FC Erzgebirge Aue: Tomasz Bobel - Fabian Müller, Tomasz Kos, Thomas Paulus, Carsten Sträßer - Jörg Emmerich, Florian Heller, Tom Geißler, Skerdilaid Curri - Fiete Sykora, Sanibal Orahovac; Trainer: Heiko Weber

Eingewechselt: 46. Leandro Grech für Sanibal Orahovac, 67. Jiri Kaufman für Skerdilaid Curri, 78. Marco Kurth für Florian Heller

Kader: Steffen Süßner, Pierre Le Beau, Norman Loose, Adam Nemec

FC Carl Zeiss Jena: Vasili Khamutouski, Alexander Maul, Robert Müller, Michael Stegmayer, Sven Günther, Niels Hansen, George Oniani, Tobias Werner, Ilia Kandelaki, Marcel Schied, Sami Allagui; Trainer: Henning Bürger

Eingewechselt: 34. Kosi Saka für George Oniani, 65. Nils Petersen für Sami Allagui

Kader: Daniel Kraus, Darlington Omodiagbe, George Seturidze, Stefan Kühne, Felix Holzner

Tore: 1:0 Fiete Sykora (Kopfball, 21. / Tom Geißler); 2:0 Tom Geißler (Linksschuß, 37. / Fiete Sykora); 3:0 Florian Heller (Rechtsschuß, 66. / Jörg Emmerich); 4:0 Jiri Kaufman (Rechtsschuß, 68. / Leandro Grech); 5:0 Jiri Kaufman (Linksschuß, 88. / Leandro Grech)

Schiedsrichter: Wolfgang Stark (Ergolding)

Zuschauer: 10500 im Erzgebirgsstadion

Gelbe Karte: - / Sami Allagui, Tobias Werner

 
 
     
   
     
     
     
     
     
     
     
 

Vorbericht - Hinrundenspiel - Fotos vom Spiel

Spielbericht: Seit zehn Spielen wartete Aue auf einen Sieg, welcher nun mit 5:0 etwas üppig ausfiel und den FC Carl Zeiss Jena damit in die dritte Liga katapultierte. Der letzte Sieg im Erzgebirge gelang den Thüringern in der Regionalliga-Saison 99/00 mit einem 2:1-Erfolg. Zu diesem Zeitpunkt lief Jena Gefahr im Sumpf der unteren Ligen zu verschwinden. 1998 noch Zweitklassig, folgte 2001 der Abstieg in die Fußball-Oberliga Nordost (Staffel Süd). Erst 2005, im vierten Amateuroberligajahr, gelang dem FC Carl Zeiss erstmals der Staffelsieg. Mit zwei Siegen in den Relegationsspielen gegen den Nordstaffel-Zweiten MSV Neuruppin wurde der Aufstieg in die Regionalliga Nord schließlich perfekt gemacht. In der darauf folgenden Saison 05/06 erkämpfte sich Jena den Aufstieg in die Zweite Bundesliga. Ein sensationeller Durchmarsch von der Oberliga in die Kultliga. Trainer war damals Heiko Weber, der nun auf Seiten der Veilchen die Zügel in der Hand hat. Fast paradox, dass nach zwei Jahren Profiliga und zig anderen 'Möchtegern'-Trainern, die Gäste von den Kernbergen wieder den Weg nach unten antreten müssen.
Doch der nun Tabellenletzte hat nicht nur eine sportliche Misere, sondern auch Probleme im Umfeld. Geschäftsführer Matthias Härzschel trat wegen Differenzen mit Präsident Rainer Zipfel zurück. "Wir haben keine Krise im Verein", stellte der Vereinschef klar und kündigte eine Aufstockung des Etats für die dritte Liga (bisher 3,7 Millionen Euro) an: "Wir werden jeden verfügbaren Euro in Fußballerbeine stecken." Doch das Team droht auseinander zufallen, hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Nur fünf Akteure des aktuellen Kaders haben Verträge für die dritte Liga. Die Jenaer Vereinsspitze gab aber sofort den direkten Wiederaufstieg als Ziel aus. "Wir haben einen großen Spielraum und werden sehen, dass wir dafür eine schlagkräftige Mannschaft zusammenbekommen", kündigte Zipfel an. Bemühungen gibt es auch um Carsten Sträßer, der in Jena 1986 das Fußball-Einmaleins lernte und nun vom FC Erzgebirge Aue losgeeist werden soll. Sachen gibt's.
Nunja, für Aue selbst glimmt der allerletzte Hoffnungsfunke noch, wenn auch minimal. Die Forderung Heiko Weber's "Wir haben die Pflicht, für unsere Fans und den Verein zu siegen", wurde mehr als nur gut umgesetzt. Die Heimbilanz stimmt eigentlich mit 26 Punkten, allerdings liegen die Schwächen ja auswärts. Personell gab es nur zwei Veränderungen dem Pauli-Spiel gegenüber. Jörg Emmerich zog die Fäden im defensiven Mittelfeld und Fabian Müller übernahm die rechte Verteidigung, während Tom Geißler ins linke Mittelfeld 'verdonnert' wurde. Norman Loose und Marco Kurth blieben daher vorerst auf der Bank. Während die Veilchen wenig Schwierigkeiten beim Aufgebot hatten, litten die Thüringer vor allem unter dem Ausfall von Jan Simak. Darlington Omodiagbe war immer noch grippegeschwächt und zu allem Überfluss sahen gegen Osnabrück Ziegner die Rote und Torghelle die fünfte gelbe Karte, womit auch sie fehlten.
Eingeleitet von einer sehenswerten Choreo der Ultras Aue gab Schiedsrichter Wolfgang Stark (Ergolding) das vorletzte Heimspiel der Veilchen frei. Beide Seiten begannen sehr verhalten und sichtlich nervös, sodass die wenigen Angriffe mit Foulspiel und vor allem Fehlpässe gestoppt wurden. Man sollte meinen, Abstiegskampf sieht anders aus. Den ersten Torschuss für die Statistik bekam Florian Heller zugesprochen. Der Blondschopf probierte es mit einer Volleyabnahme, welche aber weit über das Tor von Khomutovski ging. Da waren bereits 15 Minuten vorbei. Nach und nach erspielten sich die Hausherren ein Übergewicht und in der 21. Minute erzielte der aus Jena nach Aue gekommene Fiete Sykora den wichtigen Führungstreffer. Tom Geißler zirkelte dabei einen Freistoß scharf aufs Tor, Fiete Sykora schaltete am schnellsten und köpfte den Ball halbhoch ins linke Eck. Nur einer Zeigerumdrehung später hätte der Torschütze nachlegen können. Nach feinem Zuspiel von Skerdilaid Curri war der 'Schlacks' auf und davon, ließ den Ex-Auer Günther im Strafraum aussteigen, scheiterte dann aber an Khomutovski. Der mitgelaufene und besser postierte Passgeber beschwerte sich zu Recht auf die uneigennützige Verschwendung dieser Großchance. Dem späteren Ergebnis gegenüber, konnte man das jedoch verschmerzen. Denn das 2:0 schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Carl Zeiss fand offensiv praktisch nicht statt.
FCC-Trainer Bürger reagierte auf das schwache Spiel seiner Mannschaft und brachte nach gut einer halben Stunde Saka für Oniani. Geholfen hat es nichts, denn nur sieben Minuten später lag der Ball zum zweiten Mal im Netz der Gäste. Fiete Sykora bediente mit einem Fallrückzieher den im Fünfmeterraum wartenden Tom Geißler, der den Ball ohne Mühe über die Linie beförderte. Dies war zugleich die hochverdiente Pausenführung für Aue. Die Mannen von Heiko Weber waren absolut gewillt ihre letzte Chance im Kampf um den Klassenerhalt am Leben zu erhalten und spielten die Gäste aus Jena teilweise an die Wand. Jena wirkte komplett lethargisch und kam zu keiner einzigen Torchance, schon komisch.
Auch nach dem Seitenwechsel dasselbe Bild. Aue dominierend, nur der Abschluss war zu fahrlässig. So vergab Florian Heller das scheinbar sichere 3:0. Fünf Meter vor dem Tor war er völlig frei, jedoch kam die Hereingabe von Carsten Sträßer etwas in den Rücken Heller's, der das Leder dann über das Tor hob (51.). Die vorzeitige Entscheidung ließ auch in der 57. Minute auf sich warten. Dieses Mal passte Leandro Grech, der für den angeschlagenen Sanibal Orahovac zur Pause ins Spiel kam, über links in den Strafraum. Der Kullerball gelang nach Irrwegen in der Jenaer Abwehr zu Skerdilaid Curri, der fünf Meter vor dem Kasten den Treffer quasi auf den Fuß hatte, jedoch drüber semmelte. Der hinter ihm stehende Fiete Sykora traf auch nur das Außennetz.
Nach einer Stunde Spielzeit war Aue hoch überlegen und man konnte sich nicht vorstellen, dass Jena noch ein Tor gelänge und die Wende schaffen könnte. Für den quasi nicht mitspielenden Allagui, der ohne Torschuss blieb, war nun Petersen, der im Hinspiel diese Wende eben einleitete, dabei. Aber nicht heuer. Über Tom Geißler und Kapitän Jörg Emmerich kam der Ball zu Florian Heller in den Strafraum. Gegen den herauseilenden Khomutovski behielt der 26-Jährige die Nerven, setzte noch ein Haken, ehe er zum 3:0 vollendete (66.). Die Jubelszenarien waren noch voll im Gange und der eben für Skerdilaid Curri eingewechselte Jiri Kaufman ließ diese nochmals verlängern. Nach einem Traumpass von Tom Geißler eilte der Tscheche alleine aufs Tor der Gäste zu, zog aus gut 20 Metern ab und Khomutovski war einmal mehr ohne Chance (68.). 4:0 - Wahnsinn.
Der Jenaer Kandelaki wollte den schlimmen Eindruck etwas mindern und wagte einen Fernschuss. Der bis dahin arbeitslose Tomasz Bobel hatte keine Schwierigkeiten, auch wenn er zweimal zugreifen musste. Die erste gute Torchance für die Gäste. Nur dummerweise sahen das die Anhänger der Blau-Gelben nicht, da die mitgereisten Fans ihrer Mannschaft den Rücken zukehrten. Aue zog sich verständlicherweise zurück und überlies Jena das Spiel. Ok, anderes gesagt, die Sache war gegessen. Aue mehr als zufrieden, sparte Kräfte für das Koblenzspiel und die Gäste blieben im Schlafwagen des Abstiegs. Die Weckrufe ihrer Fans verhallten ungehört und Jiri Kaufman setzte in der 88. Minute den letzten Sargnagel für den Jenaer Abstieg. Nach einer scharfen Hereingabe von Leandro Grech, hielt er einfach den Schlappen dran und traf mit seinem siebten Saisontor zum 5:0-Endstand.
Die Veilchen siegten leicht und locker gegen harmlose Thüringer. "Das war einer der schlimmsten Tage meiner Amtszeit", sagte Jenas Präsident Rainer Zipfel nach diesem Debakel. FCC-Trainer Bürger bezeichnete die Partie als "eine Katastrophe. Man kann verlieren und absteigen, aber nicht so." Jena versagte im Spiel der letzten Chance und ist nach zwei Jahren in Liga zwei wieder drittklassig. Die Hoffnungen der Auer hingegen leben weiter. FCE-Präsident Uwe Leonhardt blieb realistisch, was die Chancen auf den Ligaverbleib angeht: "Wir müssen gewinnen - und die anderen müssen patzen." Aue fährt nun nach Koblenz. Auch dort benötigt man einen Sieg und am besten noch einen hohen. Denn das Torverhältnis könnte noch wichtig werden. Einen Blick wird man aber auch nach Jena werfen, da dort Kaiserslautern antritt. Doch Schützenhilfe kann in Anbetracht des heutigen Spieles kaum erwartet werden. Zu trostlos präsentierten sich die Gäste, die als erster von insgesamt vier Absteigern feststehen. Für den VfL Osnabrück geht das Zittern nach einem torlosen Remis im Heimspiel gegen Greuther Fürth bei nunmehr 36 Punkten ebenfalls weiter. Raus aus dem Abstiegskampf sind die Offenbacher Kickers, die sich im Breisgau mit einem 1:0 aus der Affäre gezogen haben. (arn)
weitere Spielberichte Heimmannschaft Spieldaten Gastmannschaft
  6 Ecken 2
  21 Freistöße 12
  54% Ballbesitz 46%
  21 Torschüsse 7
  58 Zweikämpfe 57
  49.57% - davon verloren 50.43%
  41 lange Bälle 19
  32% - davon nicht angekommen 68%