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2. Bundesliga 2007/08

Spielbericht

23. Spieltag - Sonntag, 09.03.2008 - 14:00

FC Erzgebirge Aue - VfL Osnabrück 0:1 (0:0)

FC Erzgebirge Aue: Axel Keller - Carsten Sträßer, Norman Loose, Adam Petrous, Fabian Müller - Marco Kurth, Jörg Emmerich, Skerdilaid Curri, Leandro Grech - Sanibal Orahovac, Adam Nemec; Trainer: Roland Seitz

Eingewechselt: 42. Tomasz Kos für Adam Nemec, 67. Florian Heller für Jörg Emmerich, 80. Tom Geißler für Fabian Müller

Kader: Steffen Süßner, Thomas Paulus, Nicolas Feldhahn, Fiete Sykora

VfL Osnabrück: Frederic Gößling, Marcel Schuon, Thomas Cichon, Jan Schanda, Andreas Schäfer, Paul Thomik, Mathias Surmann, Matthias Heidrich, Bilal Aziz, Thomas Reichenberger, Rouwen Hennings; Trainer: Claus-Dieter Wollitz

Eingewechselt: 80. Alexander Nouri für Bilal Aziz, 82. Henning Grieneisen für Marcel Schuon, 89. Dominique Ndjeng für Thomas Reichenberger

Kader: Tino Berbig, Joe Enochs, Pierre de Wit, Nico Frommer

Tore: 0:1 Paul Thomik (Rechtsschuß, 55. / Bilal Aziz)

Schiedsrichter: Tobias Welz (Wiesbaden)

Zuschauer: 10500 im Erzgebirgsstadion

Gelbe Karte: Jörg Emmerich (4.) / Marcel Schuon

Gelb/Rote Karte: Carsten Sträßer (38., wiederholtes Foulspiel) / -

 
 
     
   
     
     
     
     
     
     
     
 

Vorbericht - Hinrundenspiel - Fotos vom Spiel

Spielbericht: "Das ist unser drittes Sechs-Punkte-Spiel zu Hause in Serie", sagte Roland Seitz am Freitag vor der Begegnung gegen den Tabellennachbar VfL Osnabrück, "die ersten beiden sind ganz gut gelungen. Wir wollen an die guten Heimauftritte anknüpfen und auch diese Partie gewinnen. Doch müsse man Geduld haben und nicht blind ins offene Messer laufen, auch wenn es für uns psychologisch ein großer Schritt wäre, die Abstiegsränge verlassen zu können." Das bittere Ende ist bekannt und der Wunsch auf einen Nichtabstiegsplatz zu klettern, blieb nur ein Hoffnungsschimmer. Der Trainer erwartete einen defensiv eingestellten VfL Osnabrück mit nur einem Stürmer. Da stellt sich aber die Frage, warum man zu Hause vor eigenem Publikum selbst eine Mauertaktik bringt und sich von vornherein mit einem Punkt zufrieden gibt. Bedenklich auch die Marschroute von Roland Seitz: "Wir wollen gewinnen, aber auch danach gibt es noch elf Spieltage und so ist bei einer Niederlage noch keiner abgestiegen. Ich möchte den Druck von der Mannschaft etwas nehmen". Doch dieser scheint gefehlt zu haben, denn statt des möglichen Sprung auf einen Nichtabstiegsplatz vergrößerte sich der Abstand zum rettenden Ufer auf vier Punkte.
Der VfL ist nun auswärts seit vier Begegnungen ohne Niederlage und liegt als elfter mit sechs Punkten Vorsprung auf dem ominösen Strich. Unterstützt wurde das ganze Trauerspiel von Schiedsrichter Tobias Welz, der mit fragwürdigen Entscheidungen zugunsten der Gäste Hektik ins Spiel brachte. VfL-Trainer Claus-Dieter Wollitz sah das natürlich ganz anders. "Er hat super gepfiffen", meinte er. Seine Mannschaft hatte vor 10.500 Zuschauern im Erzgebirgsstadion leichtes Spiel, weil die Veilchen gegen die tiefstehenden Osnabrücker zunächst nicht viel riskierten.
Beide Teams tasteten sich ab und waren vorrangig auf Sicherheit bedacht. Nur durch gute Standards und Flanken sorgte Aue für Gefahr vor dem Gästetor. Dabei köpfte Adam Nemec (3./5.) den Ball jedoch weit vorbei. Im Mittelfeld rang man verbissen um das Spielgerät - Ausflüge nach vorne waren im weiteren Spielverlauf seltener geworden. Erst nach gut einer halben Stunde erwachte die Offensive der Auer wieder. Pech für Sanibal Orahovac, der von Leandro Grech mit einem feinen Pass gefüttert worden war - der Stürmer brauchte nur einen Augenblick zu lange, um das Leder unter Kontrolle zu bekommen. Eine Direktabnahme wäre wohl schwieriger aber besser gewesen. Der FCE blieb zwar optisch überlegen, etwas Zählbares war außer einer gelben Karte für Carsten Sträßer nach Foul an Aziz dabei nicht heraus gekommen.
Die Gäste suchten ihre Möglichkeiten übers Kontern, so musste Torhüter Axel Keller bei einem Distanzschuss von Hennings (28.) sein ganzes Können aufbieten. Kellers Gegenpart Gößling hätte bei der wohl besten Chance im Spiel von Adam Nemec weniger entgegensetzen können. Bei einem langen Pass von Marco Kurth aus dem Mittelfeld heraus, traf der Slowake die Kugel nicht richtig und schoss etwas verunglückt links am langen Pfosten vorbei. Knappe Sache. Für Verwirrung sorgte dann der Buhmann des Tages Tobias Welz, der den gelb-belasteten und überforderten Carsten Sträßer in der 38. Minute für ein Foul zunächst erst ermahnte, dann aber nach Rücksprache mit dem dritten imaginären Linienrichter und der Trainerbank von Osnabrück die Gelb-Rote Karte zeigte. Der Unparteiische sorgte so für zusätzliche Hetze in einem ohnehin von großer Anspannung geprägten Kampfspiel. Die Wut der Auer entlud sich dann auch an Welz. "Seine Entscheidungen waren nicht die eines Zweitliga-, sondern eines Jugendspiels", schimpfte Aues Trainer Roland Seitz. "Er hat von der ersten Minute an jede Kleinigkeit gegen uns gepfiffen. Das geht schon an die Nerven", sagte der Coach, der mit Tomasz Kos den freigeworden Platz in der Abwehr 'auffüllte'.
Opferlamm war Stürmer Adam Nemec, das eigentlich beste Rezept gegen kopfballanfällige Gäste wurde hierbei vom Platz genommen. Wieder so eine Ungereimtheit in der Taktik des Trainergespanns. Die letzten paar Minuten hätte man erstmal so weiter spielen sollen, Kapitän Jörg Emmerich dabei in die Abwehr als Libero integrieren und zur Pause klar und nicht überstürzt handeln. Doch Seitz entschied sich anders, wodurch Aue unter noch mehr Druck geriet. Adam Petrous konnte sich nur noch mit einem Foul an Reichenberger helfen, was erneut zur Rudelbildung führte. Hätte der Ex-Auer Heidrich den fälligen Freistoß im Tor untergebracht, so wäre es auf dem Grün eskaliert. Selbst nach dem Pausenpfiff kam es zu handfesten Rangeleien im Spielertunnel. Eine kalte Dusche sollte allen Akteuren zum abkühlen verhelfen.
Die Teams schienen sich beruhigt zu haben. Doch auf den Rängen steckte der Frust immer noch sehr tief. Daher nicht verwunderlich, dass die Gäste mit Pfiffen begrüßt wurden. Wohl beeindruckt von diesem Buhkonzert scheiterte der beste Osnabrücker Torjäger Reichenberger (47.) freistehend und aus kurzer Entfernung an Axel Keller, der die Volleyablage souverän klären konnte. Die Veilchen wirkten weiterhin sehr entschlossen, das Spiel hier nicht aus der Hand zu geben. Doch bekam man die Quittung für die auf Ergebnissicherung ausgelegte Taktik in der 55. Minute. Ein schneller Angriff über links von Aziz - seine Flanke segelte an drei, vier Spielern vorbei an den langen Pfosten, wo Thomik die Kugel gar nicht richtig traf und dennoch Axel Keller aus kurzer Distanz überwand. "Dieses Tor bedeutet einen großen Rückschlag für uns", so ein verärgerter Seitz, der selbst mit dem eingewechselten Florian Heller für Kapitän Jörg Emmerich nicht mehr all zu viel in der Hinterhand hatte.
Während der VfL Osnabrück die knappe Führung verwaltete und nur noch bei günstigsten Voraussetzungen den Angriff wagte, kam von Aue zu wenig, um noch in den letzten 20 Minuten die Wende zu schaffen. Wie gut bzw. schlecht der Gegner war, zeigten auch die beiden vergeben Chancen. Hennings köpfte, nach einer sehenswerten Außenristflanke von Aziz, unbedrängt aus wenigen Metern am Gehäuse vorbei. Bei der zweiten Möglichkeit war Hennings der Passgeber, der quer auf den mitgelaufenen Thomik legte, aber ebenfalls das verwaiste Tor nicht traf. Dies geschah bereits in der Schlussphase in der Aue versuchte, mit langen Bällen das VfL-Abwehrgefüge zu überbrücken. Wenn es aber keine Abnehmer für die hohen Bälle in die Spitze gab, dann hatte dieses System deutliche Schwächen. Zumal man mit Adam Nemec bereits den 'Größten' vom Platz genommen hatte. Ohne eine nennenswerte Chance für Aue in der zweiten Hälfte beendet Tobias Welz die Partie. Der knappe Sieg der Wollitz-Elf und der ordentliche Beginn der Gastgeber, lässt jedoch die Annahme zu, dass Aue der Sieg in Vollzähligkeit hätte gelingen können - das macht den Platzverweis gegen Carsten Sträßer besonders schmerzhaft. "Noch ist nichts passiert, auch wenn der Abstand größer geworden ist. Wir werden wieder aufstehen.", so die Reaktion von Roland Seitz auf die verlorenen Punkte im Abstiegskampf. Doch wer bisher glaubte, mit einer vermeintlichen überproportionalen Heimspielstärke würde der Grundstock für den Klassenerhalt gelegt, muss sich nun wohl eine neue Hoffnungsstrategie zurechtlegen. "Wir dürfen den Glauben an uns jetzt nicht verlieren. Das Tor ist noch offen, aber es ist schmaler geworden.", betonte Vereinsboss Uwe Leonhardt. (arn)
weitere Spielberichte Heimmannschaft Spieldaten Gastmannschaft
  7 Ecken 3
  16 Freistöße 18
  42.9% Ballbesitz 57.1%
  11 Torschüsse 16
  42 Zweikämpfe 55
  56.7% - davon verloren 43.3%
  10 lange Bälle 20
  67% - davon nicht angekommen 33%