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2. Bundesliga 2007/08

Spielbericht

24. Spieltag - Sonntag, 16.03.2008 - 14:00

1899 Hoffenheim - FC Erzgebirge Aue 1:0 (0:0)

1899 Hoffenheim: Ramazan Özcan, Andreas Ibertsberger, Per Nilsson, Marvin Compper, Zsolt Löw, Radek Spilacek, Sejad Salihovic, Luiz Gustavo, Carlos Eduardo, Francisco Copado, Demba Ba; Trainer: Ralf Rangnick

Eingewechselt: 46. Vedad Ibisevic für Radek Spilacek, 75. Steffen Haas für Sejad Salihovic, 87. Dragan Paljic für Francisco Copado

Kader: Thorsten Kirschbaum, Christoph Janker, Jochen Seitz, Kai Herdling

FC Erzgebirge Aue: Axel Keller - Thomas Paulus, Tomasz Kos, Adam Petrous, René Trehkopf - Nicolas Feldhahn, Florian Heller, Dusan Pavlovic, Marco Kurth, Skerdilaid Curri - Sanibal Orahovac; Trainer: Roland Seitz

Eingewechselt: 57. Adam Nemec für Dusan Pavlovic, 67. Jörg Emmerich für Adam Petrous, 79. Fiete Sykora für Sanibal Orahovac

Kader: Tomasz Bobel, Norman Loose

Tore: 1:0 Vedad Ibisevic (Rechtsschuß, 46. / Francisco Copado)

Schiedsrichter: Christian Fischer (Hemer)

Zuschauer: 5780 im Dietmar-Hopp-Stadion

Gelbe Karte: Steffen Haas, Luiz Gustavo / Adam Petrous (2.), Nicolas Feldhahn (6.)

 
 
     
   
     
     
     
     
     
     
     
 

Vorbericht - Hinrundenspiel - Fotos vom Spiel

Spielbericht: Auf dem Papier sollte das für den Gastgeber eigentlich eine klare Angelegenheit werden: Die TSG 1899 Hoffenheim holte aus den sechs Partien der Rückrunde die Maximalpunktzahl von 18 Punkten und ist damit die erfolgreichste Profimannschaft des Jahres. TSG-Trainer Rangnick hat da - trotz des für diese Liga natürlich unnatürlich hohen Geldflusses vor der Saison - eine gute Truppe geformt, die auf dem Weg in die erste Liga derzeit kaum aufzuhalten scheint. Dennoch gaben sich die Auer im Dietmar-Hopp-Stadion von vornherein nicht geschlagen, denn auch gegen das Kellerkind aus Paderborn tat sich die 'Millionentruppe' letzte Woche recht schwer. Nach zuletzt zwei Niederlagen war man klarer Außenseiter und hatte zudem die denkbar schlechte Ausgangsposition, dass man mit fünf Punkten Rückstand auf das rettende Ufer eigentlich gewinnen muss. Die Rollen waren also vor dem Anpfiff klar verteilt und am Ende leider auch so geblieben.
Obwohl die Veilchen über weite Strecken dem Gegner Paroli bieten konnten und gegen biedere 'Aufstiegsanwärter' absolut gleichwertig waren, fehlte es an der Durchschlagskraft und im Abschluss dann auch das Glück. Die Gastgeber duseln sich durch und schielen nun ganz deutlich Richtung Bundesliga. Ein Dorfklub scheint auf seinem Durchmarsch in Richtung Oberhaus nicht Halt zu machen. Die TSG feierte so im siebten Spiel den siebten Sieg und Aue, ja Aue steckt ganz tief unten drin.
Roland Seitz hatte angesichts der negativen Lage und der desaströsen Auswärtsbilanz von elf Niederlagen personell auf Angriff gesetzt. Der Trainer veränderte seine Formation auf sechs Positionen und entschied sich dabei zumeist für die jeweils offensivere Lösung. Was durch den Krankenstand eh nicht anders ging. Schließlich fehlten ihm mit Tom Geißler (Oberschenkelverletzung), Jiri Kaufmann (Bandscheibenvorfall), Leandro Grech (Bänderriss im Sprunggelenk), Hendrik Liebers (Patellaspitzensyndrom), Fabian Müller (Sehnenreizung im Sprunggelenk) und Carsten Sträßer (Gelb-Rot-Sperre) insgesamt sechs Profis. So sahen sich Thomas Paulus und René Trehkopf in der Außenverteidigung wieder. Kapitän Jörg Emmerich - mit vier gelben Karten vorbelastet, ebenso wie Ibisevic und Ba bei der TSG - musste zunächst auf der Bank Platz nehmen und Nicolas Feldhahn den Vortritt lassen. Auch Dusan Pavlovic bekam eine Chance - im Sturm! Adam Nemec blieb vorerst nur die Reservistenrolle, die eigentlich auch für den nach seiner langwierigen Verletzung nur auf 'Sparflame' agierenden Florian Heller zugedacht war, aber schlussendlich die 90 Minuten bemerkenswert durchhielt.
Christian Fischer eröffnete das Spiel vor 5.780 Zuschauern. Der 37-jährige Referee aus Hemer pfiff bisher fünf Zweitliga-Partien, in denen er 19-mal die gelbe Karte zog. Platzverweise musste der Unparteiische noch nicht aussprechen. Am 11. November 2007 leitete Fischer das Spiel FC Carl Zeiss Jena - TSG 1899 Hoffenheim (0:1) und knapp einen Monat später am 7. Dezember die torlose Heimpartie von Aue gegen die TuS Koblenz. Nach einem recht flotten Beginn fiel beiden Mannschaften binnen kurzem nichts mehr ein. Hoffenheim hatte zwar deutlich mehr Ballanteile, aber Aue stocherte immer wieder erfolgreich dazwischen oder provozierte Fehlpässe. Gegen die deutlich verbesserte Abwehr des FCE und ihre zunächst destruktive Spielweise fanden die Hoffenheimer keine probate Lösung, taten sich - wie vor einer Woche gegen Paderborn - (überraschend) schwer und wirkten zunehmend demotiviert. Ein Freistoß von Salihovic (8.) blieb somit in Halbzeit eins die einzige gefährliche Aktion auf Seiten des Gastgebers. "Wir haben in der ersten Halbzeit gut gespielt, kaum etwas zugelassen", sagte Roland Seitz. Leider kamen deshalb die Offensivaktionen von Aue zu kurz. Mit langen Bällen wurde versucht das Mittelfeld zu überbrücken, gefährlich wurde es dadurch allerdings nie.
Erst nach einer halben Stunde spielte Aue selbst mal Fußball. Schöner Angriff über fünf, sechs Stationen. Florian Heller nahm Skerdilaid Curri mit, der steckte durch drei Hoffenheimer auf Dusan Pavlovic durch. Dessen Direktablage landet bei Sanibal Orahovac, der auf der linken Seite plötzlich völlig frei war. Der Auer geht bis zur Grundlinie, flankt ... aber: elegant ins Niemandsland. So endete fast jeder Angriffsversuch von Aue. Hoffenheim blieb weiterhin technisch gut, manchmal etwas zu verspielt und deshalb eher brotlose Kunst. Marco Kurth machte dem 'Gedaddel' ein Ende und jagte die Kugel übers Tribünendach Richtung Ortskern - bereits der dritte Ball für die Anwohner. Bis zur Pause fiel den Hausherren nichts mehr ein und mit dem torlosen Unentschieden ging es in die Pause. Dennoch war dies mehr als nur ein Teilerfolg für die Mannen von Roland Seitz.
Allerdings hielt dieses Gefühl "hier geht noch was" nicht mehr allzu lange. Zu Beginn der zweiten Halbzeit bewies TSG-Trainer Rangnick nämlich das richtige Gespür und wechselte Ibisevic für Spilacek ein. Der bosnische Nationalspieler nutzte nach Vorarbeit von Copado gleich seine erste Ballberührung, ein Flachschuss ins lange Eck, zur Führung. Adam Petrous und auch Schlussmann Axel Keller gaben hierbei keine gute Figur ab. Skerdilaid Curri hätte den Rückstand im Gegenzug fast wet machen können. Der erneut spielstarke Albaner setzte im 1899-Strafraum nach, zwang Nilsson zu einem Pressschlag. Der Ball flog danach knapp am Pfosten der Gastgeber vorbei ins Tor-Aus. Was folgte war wie in den vorausgegangen Auswärtsauftritten an der Tagesordnung - kämpferisch klasse, aber spielerisch reicht es einfach (noch) nicht.
Beflügelt durch den Treffer erhöhten die Platzherren den Druck und erspielten sich zahlreiche weitere Chancen. Die Veilchen waren zunächst auf Sicherheit bedacht, gaben nach dem Rückstand aber ihre defensive Haltung auf und kämpften noch leidenschaftlicher. Doch auch nachdem der eingewechselte Jörg Emmerich in die Abwehr gerückt war und so die Viererkette aufgelöst hatte, konnte das Übergewicht im Mittelfeld nicht in Chancen umgewandelt werden. Zwar setzte der für Dusan Pavlovic neu ins Spiel gekommene Adam Nemec einige Akzente in der Offensive, aber richtig gefährlich wurde es in der zweiten Hälfte nur ein einziges Mal. Zunächst versuchte Adam Nemec per Flugkopfball die Flanke von Florian Heller zu verwerten. Im Anschluss hämmerte René Trehkopf das Leder via Flanke und/oder Torschuss in den Fünfmeterraum. Der völlig freistehende Skerdilaid Curri war mit diesem 'Ding' so überrascht, dass er die Kugel zum Entsetzten aller nicht ins Tor sondern ans Außennetz zirkelte. "Das Tor ist sieben Meter breit, ich habe die Innenseite genommen, aber der Ball ging nicht rein - so ist das, wenn man unten steht", beklagte der Albaner.
Gut zehn Minuten vor Schluss war mit Fiete Sykora für Sanibal Orahovic das Auer Wechselkontingent ausgeschöpft. Tomasz Bobel und Norman Loose blieben somit ohne Einsatz. Der FCE versuchte nochmals alles, aber weder Marco Kurth noch Skerdilaid Curri kamen entscheidend durch. Immer wieder war ein Hoffenheimer Verteidiger schneller und erstickte so die Versuche quasi schon im Keim. Gegen Spielende häuften sich die Chancen für die Hausherren, da Aue immer mehr aufmachen musste. Zum Glück war der Torschütze des Tages zu eigensinnig und übersah desöfteren seine besser postierten Mitspieler.
Bis zum Ende spielte die lila-weiße Elf mit viel Herz, war letztlich aber in seinen Möglichkeiten zu begrenzt, um Druck auf die Karaichgauer auszuüben und zwingende Situationen zu erarbeiten. Am Schluss eine unglückliche Niederlage im Abstiegskampf. Die Veilchen bleiben mit 22 Zählern Sechzehnter der Tabelle und empfangen am kommenden Sonntag den SC Freiburg. "Wir sind heute natürlich sehr enttäuscht, weil in unserer Lage jede Niederlage weh tut und wir den Abstand zu den Nichtabstiegsplätzen nicht verkürzen können. Ich denke, wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt, in der wir zwar nach vorn nicht viel zustande gebracht haben, aber gut in der Defensive standen. In der zweiten Hälfte macht Hoffenheim gleich mit dem ersten Schuss die Führung. Das ist sicher auch eine Qualitätsfrage. Auch wir hatten durch Curri die große Ausgleichschance, nutzen die aber eben nicht", so das Fazit von Roland Seitz. (arn)
weitere Spielberichte Heimmannschaft Spieldaten Gastmannschaft
  5 Ecken 2
  22 Freistöße 25
  51.3% Ballbesitz 48.7%
  6 Torschüsse 9
  77 Zweikämpfe 68
  46.9% - davon verloren 53.1%
  24 lange Bälle 22
  48% - davon nicht angekommen 52%