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2. Bundesliga 2007/08

Spielbericht

26. Spieltag - Freitag, 28.03.2008 - 18:00

FC Erzgebirge Aue - 1. FSV Mainz 05 3:3 (2:1)

FC Erzgebirge Aue: Tomasz Bobel - Thomas Paulus, Jörg Emmerich, Tomasz Kos - Marco Kurth, Fabian Müller, Florian Heller, René Trehkopf - Skerdilaid Curri, Sanibal Orahovac, Adam Nemec; Trainer: Roland Seitz

Eingewechselt: 83. Tom Geißler für Sanibal Orahovac

Kader: Steffen Süßner, Adam Petrous, Norman Loose, Dusan Pavlovic, Leandro Grech, Markus Müller

1. FSV Mainz 05: Dimo Wache, Tim Hoogland, Neven Subotic, Nikolce Noveski, Marco Rose, Miroslav Karhan, Daniel Gunkel, Milorad Pekovic, Markus Feulner, Felix Borja, Srdjan Baljak; Trainer: Jürgen Klopp

Eingewechselt: 73. Isaac Boakye für Milorad Pekovic, 73. Elkin Soto für Srdjan Baljak, 89. Nejmeddin Daghfous für Markus Feulner

Kader: Pierre Kleinheider, Christian Demirtas, Stefan Markolf, Damir Vrancic

Tore: 0:1 Daniel Gunkel (Rechtsschuß, 5.); 1:1 Thomas Paulus (Kopfball, 9. / René Trehkopf); 2:1 Adam Nemec (Linksschuß, 17. / Skerdilaid Curri); 2:2 Miroslav Karhan (Handelfmeter, 52.); 3:2 Fabian Müller (Rechtsschuß, 69.); 3:3 Miroslav Karhan (Rechtsschuß, 75. / Felix Borja)

Schiedsrichter: André Stachowiak (Duisburg)

Zuschauer: 11500 im Erzgebirgsstadion

Gelbe Karte: Marco Kurth (4.), Florian Heller (3.), René Trehkopf (4.) / Neven Subotic, Marco Rose, Srdjan Baljak, Daniel Gunkel

 
 
     
   
     
     
     
     
     
     
     
 

Vorbericht - Hinrundenspiel - Fotos vom Spiel

Spielbericht: Ja, Fußball kann manchmal so grässlich sein. Wieder nur ein Punkt, obwohl die Veilchen mit einer ihrer besten Saisonleistung ein eindrucksvolles Zeichen im Abstiegskampf der 2. Fußball-Bundesliga gesetzt hatten. Es ist irgendwie paradox, in den letzten beiden Auswärtsspielen in Mönchengladbach und Hoffenheim sah man seit langen wieder einen willensstarken Haufen mit couragierten Einsatz, aber dennoch ohne Punktausbeute und in den zwei absolvierten Heimspielen hat die Mannschaft ebenfalls gezeigt, was sie kann und wo sie in dieser Liga stehen muss: im guten Mittelfeld. Doch unterm Strich stehen auch da nur zwei magere Pünktchen. Aue ist zwar auf einen guten Weg und bekäme fürs kämpferische volle Punktzahl, allerdings sollte der betriebene Aufwand schlussendlich etwas abwerfen.
Was dafür nötig sei, weiß jeder. "Wir wollen Mainz von der ersten Minute voll unter Druck setzten und nicht ins Spiel kommen lassen. Wenn wir das so angehen und mit einer vernünftigen Leistung des Unparteiischen können wir gewinnen", sagte Roland Seitz noch vor der Partie. Am Ende war das Schiedsrichtergespann erneut das Zünglein an der Waage und man sah sich durch diese Fehlentscheidung um den verdienten Lohn gebracht. Die tröstlichen Worte von 05-Trainer Klopp halfen da auch nicht viel: "Das mit dem Elfmeter tut mir leid. Aber jeder hatte in dieser Runde schon Schiedsrichterentscheidungen gegen sich." Wohl aber nicht zweimal hintereinander und dann noch so auffällig. Das der Anschluss an die Nichtabstiegsplätze wieder etwas mehr aus den Augen verloren wurde, lässt die Wut über diese Schikane nur noch mehr anschwellen.
Als 'böser' Schiedsrichter fungierte André Stachowiak. Der 37-jährige Duisburger pfiff seine vierte Saisonpartie. Bei seinen bisherigen drei Einsätzen zeigte der Referee 18-mal gelb und einmal gelb-rot. Die Herren Assmuth (Köln) und Metzen (Erftstadt-Liblar) assistierten ihm an der Linie. Letztgenannter bescherte den Gästen in der 52. Minute das umstrittene Geschenk und brachte so die Mainzer zurück ins Spiel. Was war passiert: Kapitän Jörg Emmerich bekam einen Meter vor der Strafraumgrenze den Ball an die Hand. Der Linienrichter stand zu weit in Richtung Tor, sodass sein Blickwinkel trotz freier Sicht verschoben war und für Handspiel im 16er plädierte. Stachowiak vertraute auf seinen Assistenten und zeigte auf den ominösen Punkt, von dem aus Karhan sicher verwandelte. "Das können wir uns nicht bieten lassen, es ist für mich völlig unverständlich, wie sich dieser Linienrichter benommen hat. Hier geht es um Existenzen", sagte FCE-Präsident Uwe Leonhardt. Roland Seitz sah es genauso: "Da fehlen einem die Worte. Es tut einfach weh, wenn man Woche für Woche verschaukelt wird. Vielleicht wollen das einige das so." Ob gewollt oder eher unglücklich bleibt jedem am Ende selbst überlassen. Dennoch war gegen den Aufstiegsanwärter mehr drin.
FSV-Coach Jürgen Klopp hatte die 05er in der gleichen Formation (4-4-2-System) der Vorwochen aufs Feld geschickt und musste nur auf den Dänen Svensson (Magen-Darm-Infekt) sowie auf Vrancic (Achillessehnenbeschwerden) verzichten. Keeper Dimo Wache stand nach seiner 'Blitzheilung' im Tor der Mainzer und verdarb somit dem 23-jährigen Nachwuchskeeper Rainer Adolf dessen Zweitliga-Premiere. Aue konnte ebenfalls auf seine wichtigsten Akteure zurückgreifen. Nur Jiri Kaufmann (Bandscheiben-OP) und Nicolas Feldhahn, zog sich im letzten Spiel gegen den SC Freiburg eine Meniskusverletzung zu, waren nicht einsatzfähig. Veränderungen in der Startformation gab es daher nur am System. Roland Seitz reaktivierte Kapitän Jörg Emmerich, schickte diesen als Libero zu den Manndeckern Thomas Paulus und Tomasz Kos ins Abwehrzentrum. Wie gegen Freiburg stand Tomasz Bobel im Tor. Als Ersatz hielt sich Steffen Süßner auf der Bank bereit, da sich Axel Keller kurzfristig krankgemeldet hatte. Im Mittelfeld sorgten zentral Florian Heller und Marco Kurth und auf den Außen Fabian Müller sowie René Trehkopf für ordentlich Vortrieb. Skerdilaid Curri agierte als hängende Spitze hinter Adam Nemec und Sanibal Orahovac. Die offensive Ausrichtung könnte die Bilanz der letzten Aufeinandertreffen beider Teams zu Gunsten der Veilchen aufgebessert werden. In vier Spielen gegen den 1.FSV Mainz 05 blieb man ohne Sieg. 2001 setzte es im DFB-Pokal zu Hause eine 1:2-Niederlage. 2003/04 endeten beide Zweitliga-Partien 1:1 unentschieden und das Hinspiel in dieser Saison ging mit 4:1 an die Rheinhessen. Florian Heller brachte zwar im Bruchwegstadion in der 23. Minute Aue in Führung, jedoch legte nach der Pause die Klopp-Truppe richtig los: Borja (59.) und Amri (60.) sorgten per Doppelschlag für die Wende, ehe erneut Borja (66.) und Gunkel (85.) den Endstand herstellten.
Die Karten waren nun neu gemischt und der Unparteiische gab die Partie frei. Aue sollte ganz besonders zu Spielbeginn präsent sein. Denn kein Team kassierte in der Anfangsviertelstunde mehr Tore als die Veilchen mit acht Gegentreffern. Der Warnung zum Trotz lagen die Hausherren bereits nach fünf Minuten hinten. Gunkel verwandelte einen Freistoß aus rund 30 Metern zur Mainzer Führung. Tomasz Bobel sah dabei nicht allzu gut aus. Die Antwort folgte jedoch nur vier Minuten später. Florian Heller führte einen Freistoß von der linken Seite schnell, flach und kurz in den Lauf von René Trehkopf aus. Der aufgerückte Verteidiger flankte vor das Gästetor und fand dort Thomas Paulus. Dieser hat keine Mühe per Kopf zum 1:1 zu treffen, auch weil die gegnerische Abwehr im Tiefschlaf war. Aufgewacht sind sie danach anscheinend immer noch nicht. Skerdilaid Curri nahm Karhan an der Mittellinie den Ball ab, lief unter Mainzer Begleitschutz bis fast an die Strafraumgrenze und setzte dort zum Schuss an. Wache musste sich ganz lang machen, konnte mit einer Hand abwehren, aber da lauerte schon Adam Nemec. Der hatte keine Mühe, den Abpraller zur Auer Führung einzuschieben (18.) Nur eine Minute danach, lenkte Tomasz Kos den Ball in letzter Sekunde per Fallrückzieher an die Latte. Der Mainzer Feulner hatte die Kugel im Zweikampf mit Thomas Paulus über den herausstürzenden Keeper Tomasz Bobel gehoben, aber 'Kosi' war auf der Hut und klärte spektakulär.
Die Partie wurde hitziger. Nach einer Auerecke gab es Tumulte am Mittelkreis: Fabian Müller foulte Feulner, Rose ging wie von der Tarantel gestochen auf den Übeltäter zu, stieß ihn um und sah dafür gelb. Gunkel ebenfalls, der sich zu sehr aufregte und den Karton von Schiri Stachowiak gezeigt bekam. Während die Mainzer haderten, machte die Elf von Roland Seitz weiter Druck und spielte einen ansehnlichen Ball - die Gäste hatten fast nichts entgegenzusetzen und wirkten unkonzentriert. Mit großem Willen und Zweikampfstärke kaufte Aue den Mainzern den Schneid ab. Sanibal Orahovac (25.) vergab eine hundertprozentige Möglichkeit und Adam Nemec (28.) traf aus 20 Metern nur den Pfosten. Glück hatte Mainz zudem als Borja (29.) den Ball nach einem Freistoß ans eigene Lattenkreuz lenkte. Bis zur Pause beruhigte sich die Partie. Einzig die schlechtausgeführte Schwalbe von Florian Heller, für die es gelb gab, wäre erwähnenswert. Mainz schien sich nach der frühen Führung zu sicher zu sein und verpennte die gesamte erste Hälfte. Auch die Umstellung auf 4-3-3 brachte bei den Gästen wenig Erfolg. Haarsträubende Fehlpässe, Unkonzentriertheiten und unnötige Fouls brachten die Veilchen schnell zurück ins Spiel. Mit der Führung im Rücken ging es dann in die Kabine, aus der beide Teams ohne personelle Veränderungen zurückkamen.
Auch hier sei angemerkt, dass Mainz das Team des Wiederanpfiffs ist: zwischen der 46. und 60. Minute trafen die 05er bereits elfmal - nun sind es zwölf an der Zahl. Wie oben erwähnt, war dies der entscheidende Blackout des Linienrichters. Die Mainzer spielten nach dem geschenkten Ausgleich wesentlich engagierter, Aue stand tief und setzte nur auf Konter. Die Moral stimmte bei den Lila-Weißen, welche sich durch die Fehlentscheidung nicht beeindrucken ließen. So nutzte in der 69. Minute Fabian Müller eine Nachlässigkeit des Mainzer Verteidigers Rose. Der 21-jährige Youngster luchste dem 'Übermütigen' den Ball ab, ging unbedrängt auf Wache zu und schloss mit einem trockenen Knaller ins rechte Eck zur erneuten Führung ab. Leider ließ die Antwort der Rheinhessen nicht lange auf sich warten. Nach einem Doppelwechsel beim 1. FSV Mainz 05 (Pekovic/Baljak raus und Soto/Boakye rein) schlenzte Gunkel einen Freistoß hoch in den Strafraum. Marco Kurth und Tomasz Kos konnten den Ball nicht klären, der aufgerückte Karhan nahm den Abpraller aus etwa 12 Metern direkt und versenkte die Kugel zum Endstand ins Netz.
11.500 Zuschauer sahen ein abwechslungsreiches Zweitligaspiel, in dem die Veilchen dem Aufstiegsmitfavoriten in Nichts nachstanden. "Wer in Aue nicht dabei war, kann nicht einschätzen, wie wertvoll dieser Punkt war", meinte auch Klopp. Null Minuten Nachspielzeit, packende Strafraumszenen, sieben gelbe Karten, sechs Tore, aber: Das 3:3 hilft weder Aue noch Mainz. Die Veilchen schmoren weiter im Tabellenkeller und schweben mit 24 Punkten als Drittletzter weiter in akuter Abstiegsgefahr. Doch bei der gezeigten Leistung sollte am kommenden Spieltag beim Augsburger FC etwas zählbares rausspringen. Alles andere wäre wohl ein weiterer Schritt Richtung dritte Liga. "Wir sind alle riesig enttäuscht. Innerhalb einer Woche hat meine Mannschaft zwei sehr gute Spiele gemacht. Heute gegen Mainz haben wir drei Tore geschossen und am Ende trotzdem nur einen Punkt geholt. Es ist unter dem Strich zu wenig. Meine Elf hat sehr gut gekämpft, aber es fehlte wieder das Quäntchen Glück. Aber mit solchen Leistungen sind wir trotzdem auf dem richtigen Weg und werden bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt kämpfen.", gab sich Roland Seitz optimistisch. (arn)
weitere Spielberichte Heimmannschaft Spieldaten Gastmannschaft
  7 Ecken 3
  28 Freistöße 20
  53.2% Ballbesitz 46.8%
  15 Torschüsse 12
  71 Zweikämpfe 58
  44.96% - davon verloren 55.04%
  18 lange Bälle 24
  57% - davon nicht angekommen 43%