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Alemannia Aachen: Thorsten Stuckmann, Thomas Stehle, Nico Herzig, Seyi Olajengbesi, Pekka Lagerblom, Daniel Brinkmann, Matthias Lehmann, Reiner Plaßhenrich, Patrick Milchraum, Marius Ebbers, Szilard Nemeth; Trainer: Jürgen Seeberger
Eingewechselt: 60. Emmanuel Krontiris für Szilard Nemeth, 73. Jerome Polenz für Thomas Stehle, 73. Cristian Fiél für Matthias Lehmann
Kader: Stephan Straub, Alexander Klitzpera, Laurentiu Reghecampf, Lubos Pecka
FC Erzgebirge Aue: Tomasz Bobel - Thomas Paulus, Jörg Emmerich, Tomasz Kos - Fabian Müller, Dusan Pavlovic, Leandro Grech, Florian Heller, Skerdilaid Curri - Sanibal Orahovac, Adam Nemec; Trainer: Roland Seitz
Eingewechselt: 82. Fiete Sykora für Adam Nemec, 90. Markus Müller für Leandro Grech
Kader: Steffen Süßner, Carsten Sträßer, Norman Loose, Marco Kurth, Tom Geißler
Tore: 1:0 Reiner Plaßhenrich (Rechtsschuß, 88. / Daniel Brinkmann)
Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)
Zuschauer: 18366 im Tivoli
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Vorbericht - Hinrundenspiel - Fotos vom Spiel
Spielbericht: Viele Fragen bleiben nach der dreizehnten Auswärtsniederlage in dieser Saison offen und werden wohl durch den drohenden Abstieg aus der Kultliga auch nicht weniger. Der gemeine Auswärtsfan dürfte mittlerweile das x-te Déjà-vu-Erlebnis haben. Immer sind die anderen Vereine etwas besser, man wird benachteiligt oder stellt sich selbst ein Bein. Dieses Mal war echt mehr drin, da Aachen nicht wollte, Aue aber nicht konnte. Irgendwann hört man dann auch auf, sich einzureden, dass indes zum ach so vielten Male das Quäntchen Glück fehlte. Es sind die Jungs im lilanen Trikot, die vor allem auswärts enttäuschen, denen das Zweitliga Niveau abhanden gekommen ist. Alle machen sie Fehler, keiner ist herausragend. Es ist müßig über verlorene Punkte, warum, wieso, weshalb, zu diskutieren. Die Mannschaft hat jahrelang über Ihre Verhältnisse gespielt, irgendwann reicht das halt nicht mehr. Auch das Trainergespann darf einen Teil des Abstiegskuchen sein Eigen nennen.
Roland Seitz war in der Winterpause mit den Worten angetreten, in der Mannschaft stecke genügend Potenzial, um den Abstieg abzuwenden. Doch bis jetzt hat der Oberpfälzer wenig rauskitzeln können oder gab es einfach nichts zu kitzeln? 10 Punkte in 12 Spielen ist mehr als dünn und das der Punktabstand zum rettenden Ufer unter Seitz nach acht Spielen in Folge ohne Sieg von zwei auf acht Zähler angewachsen ist, zeigt den bitterbösen Trend des 'Hoffnungsträgers', der einen Vertrag bis 2009 aber (zum Glück) nur für Liga 2 besitzt. Nun muss der Vorstand die Frage klären: Ist dieser Mann der Richtige für den Neuanfang? Für dubiose Schiris, Latten- oder Pfostentreffer kann er genauso wenig wie für die unzählig vergebenen Torchancen seiner Mannen. Das Spiel entscheiden die Spieler auf dem Platz, das ist klar. Dort werden individuelle Fehltritte, manchmal ganz einfache, gemacht. Was aber auffällt, dass man das Glück auch mal erzwingen kann, wenn man(n) sich ordentlich reinkniet...
Was dem Coach besonders nach dem Spiel gegen die Alemannia anzukreiden ist, und das fand sich ebenfalls in einem großen Tenor gegen Seitz wieder, war seine Auswechseltaktik. Hier hat er grobe Fehler begangen und bewies erneut ein unheilvolles Händchen. Besonders in den letzten Partien gab es diesbezüglich viel Gesprächsstoff. Da wäre die Auswechslung von Stürmer Adam Nemec gegen Verteidiger Tomasz Kos im Osnabrückspiel, als nach Gelb-Rot für Carsten Sträßer (38.) die Offensivkräfte gestrichen wurden und dennoch das Sechs-Punkte-Spiel 0:1 verloren ging. Oder der nächste Fauxpas im Absteigerduell gegen Kaiserslautern, als man sich gegen 10 Pfälzer offensiver präsentieren musste, am Ende sich logischerweise mit nur einem mageren Punkt zufrieden gab. Last but not least Aachen. Auch hier, als es um Alles oder Nichts ging, scheute Seitz das Risiko, wechselte erst in Minute 82!!! und dann noch Stürmer für Stürmer (Fiete Sykora für Adam Nemec) ein.
Vielleicht hat der Trainer die prekäre Lage auch zu lange unterschätzt und kann dem nun nicht mehr gegensteuern. Fünf Spieltage vor Ultimo steht der FC Erzgebirge vor der Wahl, und darüber sollten alle Verantwortlichen sehr genau nachdenken. Trainer-Trennung nach Saisonende, so wie es sehr viele fordern, oder soll er die Chance in der 3. Liga bekommen? Wunder gibt es immer wieder oder doch nicht? Der Trainer hat die sportliche Verantwortung und muss die Mannschaft auch motivieren können. Ob man das mit "Wenn wir nicht drei Punkte holen, haben wir weitere x Spieltage Zeit, um den Abstieg erfolgreich abzuwenden." schafft, ist nach dem Auftritt am Tivoli vollends abgelutscht. Alles in allem sicher eine schwere Aufgabe für den Vorstand. Es geht dauerhaft um die Zukunft des Auer Fußballs und nie waren die Entscheidungen (Trainer, Spieler, Sponsoren) der nächsten Tage und Wochen wichtiger.
So, nun noch was zum Spielverlauf bzw. zum allerletzten Strohhalm. Seit vier Spielen hatte Aue nicht mehr verloren und vollbrachte letztlich vier Unentschieden in Folge, wobei das Nullnull zuhause gegen den FCK wohl eher als gefühlte Niederlage bezeichnet werden muss. Die miserable Auswärtsbilanz mit vier Punkten aus den gesamten Gastrollen auf fremden Rasen, bleibt sowieso ein Novum in der zweiten Bundesliga. Für den TSV hingegen, ist der Platz im Mittelfeld der Tabelle ein relativ ruhiges Fahrwasser. Nach oben Luft, nach unten ebenfalls. In den letzten fünf Spielen gab es nur eine Niederlage, dafür aber drei Siege. Und spätestens seit dem 2:1-Sieg bei der TSG Hoffenheim strotzt die Alemannia vor Selbstbewusstsein. TSV-Trainer Seeberger warnte zwar sein Team vor der 'Auswärtsübermacht' aus dem Erzgebirge: "Aue hat ab jetzt nur noch Endspiele. Sie werden bis zum Schluss kratzen und beißen und sich nicht aufgeben." Doch all die Aufzählungen suchte man an diesem Mittwochabend vergebens, nicht nur auf Auer Seite. Dabei half Schiedsrichter Florian Meyer aus Burgdorf kräftig mit, dass die Veilchen nach so langer Zeit mal ein Auswärtshappyend hätten begießen dürfen. Denn in der 53. Minute übersah der Unparteiische, als Dusan Pavlovic zum frühzeitigem Trikottausch mit Nemeth ansetzte, das Ziehen an jenem Tauschobjekt und ließ weiterspielen. Auch so erlebte Meyer einen ruhigen Tag - keine einzige gelbe Karte wurde verbucht. Bezeichnend das Auftreten aller 22 Akteure. In dem Geduldsspiel standen die Veilchen kompakt hinten drin und hofften auf Konter.
Die Aachener mussten das Spiel machen, worauf sie eindeutig keinen Bock hatten. So war zunächst der Gastgeber das optisch überlegene Team, aber zwingende Aktionen blieben halt Mangelware. Und um nicht gänzlich die 18.366 Zuschauer zu verärgern, gelang es doch ab und zu einen Höhepunkt zu setzen. In der 22. Minute war der Ball sogar mal hinter der Linie. Doch der Schiri hatte ein Stürmerfoul der Aachener gesehen. Nur sechs Minuten später wäre alles regulär gewesen. Brinkmann marschierte durch den Strafraum, ließ Kapitän Jörg Emmerich aussteigen und legte den Ball quer zu Plaßhenrich. Doch der Alemanne war schon einen Schritt zu weit und kam daher nicht mehr an den Ball. Und auch Aue hätte fast ein Tor gemacht: Florian Heller behauptet an der Grundlinie das Leder, brachte dieses dann aufs kurze Eck und Adam Nemec köpfte den Ball ans Lattenkreuz. TSV-Keeper Stuckmann blieb hierbei nur die Statistenrolle. So schnell wie ein Hauch von Spielfreude aufkam, so schnell war er auch wieder verflogen. Bis zur Pause gab es Standfußball vom Feinsten. Volle Hütte, bestes Fußballwetter und gute Stimmung bei den Fans. Nur auf dem Rasen, da passiert viel zu wenig. Aachen agierte ideenlos und Aue bzw. der Trainer schien mit einem Punkt zufrieden zu sein.
Auch nach der Pause stieg das Niveau der Partie nicht merklich. Beide Teams neutralisierten sich weitestgehend. Aufgrund weniger Anspielstationen wuchs die Zahl der Fehlpässe enorm an und alles war irgendwie berechenbar. Aber auch bei Standards versagten den Veilchen die Nerven. Nach einer kurz ausgeführten Ecke, die einzige im Spiel, stand der Eckenschütze durch den Doppelpass gleich im Abseits und weg war die Chance (58.). Unfassbar. Noch zehn Minuten bis Ultimo und Adam Nemec sorgte eher ungewollt, mit einer von der Grundlinie aus geschlagenen Bananenflanke vor das Tor, die allerdings auf die Latte hüpfte und von dort ins Seitenaus kullerte, für eine Schrecksekunde bei den Hausherren. Im Anschluss verpasste Florian Heller mit einem Volleyschuss ebenfalls die große Chance zur Auer Führung, scheiterte aber schlussendlich an Torwart Stuckmanns Fingerspitzen.
Von Aachen kam fast nichts mehr und der Gegner versuchte daher mit neuem Personal dem Druck stand zu halten - Polenz und Fiel kamen für Stehle sowie Lehmann. Aue lief eigentlich die Zeit davon und man hätte ebenfalls mit frischen Kräften die offensive Ausrichtung verstärken können. Doch als der Coach in der 82. Minute wie oben schon geschrieben, Stürmer für Stürmer brachte, war das Geschrey bei den 200 angereisten Fans und den zig tausend Zuschauer vor der Glotze groß. Was nützt ein 0:0 im Abstiegskampf? Klar war der Slowake angeschlagen, doch sollte man gut 20 Minuten vorher zwei weitere Angreifer bringen und Adam Nemec ins defensive Sturmzentrum stellen (dort war er eh schon im ganzen Spiel unterwegs, da er sich die Bälle aus dem 5er Mittelfeld holen musste). "Irgendwann ging es dann wirklich nicht mehr und mir war ein frischer Spieler wichtiger. Sykora hatte die Woche gut trainiert", so die Begründung von Trainer Roland Seitz. Fast wäre nach dem Wechsel auch die ganze Geschichte vergessen gewesen, wenn, ja wenn der Ball im Tor gelandet wäre. Florian Heller wurde von Sanibal Orahovac im Strafraum fünf Meter vor dem Tor angespielt. Doch parierte Aachens Schlussmann den Schuss von 'Flo' gerade noch mit der Fußspitze.
Der Keeper rettete somit Aachen vor einem Rückstand, den kurz darauf die Auer verbuchten. Ein einziges Mal knackte die Alemannia die Dreierkette: Brinkmann schickte Plaßhenrich und der knallte den Ball mit Aussenrist ins Tor (88.). Aue wechselte noch mal: Markus Müller ersetzte Dusan Pavlovic. Was sollte das, außer dem Zeitverlust, noch bringen? Nichts, denn es blieb beim 1:0 für die Platzherren. "Wir waren spielerisch besser und sind gut aufgetreten. Aber wenn man vorne die Chancen nicht nutzt, bekommt man sie hinten eben rein. Die Niederlage heute bedeutet wohl das Ende", sagte ein kopfschüttelnder Roland Seitz. Aachen tat sich lange Zeit gegen die kompakte Abwehr von Aue schwer. Erst gegen Ende des Spiels wurden die Veilchen offensiver, hatten aber im gesamten Spiel zu wenig gewagt. Selbst die letztlich verpasste Punkteteilung hätte im Kampf ums Überleben nicht weitergeholfen. (arn)
| weitere Spielberichte |
Heimmannschaft |
Spieldaten |
Gastmannschaft |
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6 |
Ecken |
1 |
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15 |
Freistöße |
13 |
| |
55.9% |
Ballbesitz |
44.1% |
| |
17 |
Torschüsse |
9 |
| |
53 |
Zweikämpfe |
46 |
| |
46.46% |
- davon verloren |
53.45% |
| |
33 |
lange Bälle |
21 |
| |
39% |
- davon nicht angekommen |
61% |
|
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