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2. Bundesliga 2007/08

Spielbericht

30. Spieltag - Freitag, 25.04.2008 - 18:00

FC Erzgebirge Aue - 1. FC Köln 3:3 (2:2)

FC Erzgebirge Aue: Tomasz Bobel - Tom Geißler, Tomasz Kos, Thomas Paulus, René Trehkopf - Fabian Müller, Jörg Emmerich, Florian Heller, Skerdilaid Curri - Sanibal Orahovac, Adam Nemec; Trainer: Heiko Weber

Eingewechselt: 37. Carsten Sträßer für René Trehkopf, 65. Marco Kurth für Fabian Müller, 71. Fiete Sykora für Adam Nemec

Kader: Steffen Süßner, Norman Loose, Dusan Pavlovic, Markus Müller

1. FC Köln: Faryd Mondragon, Kevin Schöneberg, Kevin McKenna, Youssef Mohamad, Marvin Matip, Ümit Özat, Aleksandar Mitreski, Roda Antar, Nemanja Vucicevic, Matthias Scherz, Patrick Helmes; Trainer: Christoph Daum

Eingewechselt: 66. Maynor Suazo für Kevin Schöneberg, 70. Kevin Pezzoni für Aleksandar Mitreski, 86. Fabrice Ehret für Nemanja Vucicevic

Kader: Thomas Kessler, Carsten Cullmann, Salvatore Gambino, André

Tore: 1:0 Adam Nemec (Rechtsschuß, 1. / Skerdilaid Curri); 1:1 Patrick Helmes (Rechtsschuß, 29. / Nemanja Vucicevic); 1:2 Matthias Scherz (Kopfball, 38. / Ümit Özat); 2:2 Adam Nemec (Kopfball, 45. / Tom Geißler); 2:3 Kevin Pezzoni (Linksschuß, 78. / Nemanja Vucicevic); 3:3 Fiete Sykora (Rechtsschuß, 90+1. / Sanibal Orahovac)

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)

Zuschauer: 11400 im Erzgebirgsstadion

Gelbe Karte: Fiete Sykora (2.) / Aleksandar Mitreski, Thomas Kessler

Gelb/Rote Karte: - / Matthias Scherz (69., wiederholtes Foulspiel)

Besondere Vorkommnisse: Schiedsrichter Dr. Brych zeigt Ersatzspieler Kessler wegen Reklamierens die Gelbe Karte (69.).

 
 
     
   
     
     
     
     
     
     
     
 

Vorbericht - Hinrundenspiel - Fotos vom Spiel

Spielbericht: Heiko Weber forderte bei seiner Premiere als Trainer beim FC Erzgebirge Aue drei Punkte für den Klassenverbleib: "Eine Serie kann man nur mit einem Sieg starten, insofern ist das Spiel gegen den 1. FC Köln am Freitag entscheidend", erklärte der 42-Jährige, der am Montag die Nachfolge des glücklosen Roland Seitz angetreten hatte. "Wir haben eine gute Mannschaft, die sich in den bisherigen drei Trainingseinheiten sehr positiv präsentiert hat. Die Mannschaft ist aber jetzt auch am Zug! Aue hat den dritten Trainer innerhalb eines Dreivierteljahres und es liegt ja nicht immer nur am Trainer. Es ist Zeit, dass die Mannschaft eine Reaktion zeigt. Ich bin zwar der Verantwortliche, keine Frage, aber Ausreden gibt es für die Spieler nicht mehr. Wir müssen den Zuschauern etwas bieten.", so Heiko Weber weiter. Noch haben die Veilchen ihre Hoffnungen auf ein sechstes Jahr in der 2. Fußball-Bundesliga nicht aufgegeben, doch seit acht Spieltagen wartet man vergeblich auf einen Sieg. Durch den Punkteabzug der TuS Koblenz ist man unerwartet wieder zurück im Abstiegskampf geglitten und daher sollte diese letzte Chance nicht so leichtfertig vergeben werden, wie die anderen bereits vermasselten Sechs-Punkte-Spiele beweisen.
Die Zielsetzung war klar und dessen Umsetzung sollte mit wenig personellen Veränderungen vollzogen werden. Eine Rückkehr zur Vierer-Abwehrkette mit Jörg Emmerich davor als zentralen defensiven Mittelfeldmann war da für den neuen Coach unausweichlich, jedoch für den Kapitän eher der ungeliebte Part. Zudem sollte Florian Heller im Sturm agieren, was anfangs auf skeptisches Gedöns stieß. "Ich brauche für mein taktisches System schnelle Leute. Und ich muss als Trainer ein gutes Gefühl haben bei der Aufstellung", begründet Weber seine Entscheidung. Adam Nemec sollte wegen 'schlechter Trainingsleistung' zunächst auf der Bank Platz nehmen, was sich im nachhinein als 'Narrenposse' entpuppte und der Slowake neben Sanibal Orahovac auflief. Die einzigen Veränderungen dem Aachenspiel gegenüber, bezogen sich auf zwei Positionen. Anstelle von Leandro Grech und Dusan Pavlovic kamen Tom Geißler und René Trehkopf in die Mannschaft. Hinter den Angreifern sollte Skerdilaid Curri das Offensivspiel lenken. Die Gäste aus der Domstadt, welche in den letzten fünf Spielen nicht verloren hatten, mussten auf die verletzten Broich (Rippenbruch) und Novakovic (Fußverletzung) verzichten, für sie spielten Scherz und Vucicevic.
Schiedsrichter der Partie war der Münchner Dr. Felix Brych, der von den Seitenlinien aus von Walter Hofmann und Karl Valentin unterstützt wurde. In den bisherigen fünf Duellen beider Teams gab es vier Kölner Siege, am 08.11.2006 konnte Aue durch einen Treffer von Andrzej Juskowiak in der Domstadt siegen. Der Pole wird seit seinem Karriereende schmerzlichst vermisst. Adam Nemec sollte in dessen Fußstapfen treten und ist nach dem schnellsten Tor in der Zweitligageschichte der Auer auf einen guten Weg dorthin. Nur 35 Sekunden waren gespielt, da spitzelte Skerdilaid Curri die Kugel genau vor die Füße von Adam Nemec, der gegen die Laufrichtung Mondragons den Ball über die Linie bugsierte. Ein sauberer Blitzstart - 1:0. Die Kölner Abwehr machte hierbei einen sichtlich überrumpelten Eindruck und wurde nur fünf Minuten später wieder eiskalt ausgehebelt.
Florian Heller passte dabei genau in den Lauf von Sanibal Orahovac. Der Montenegriner wartete aber in der Eins-zu-eins-Situation zu lange und scheiterte schlussendlich am Schlussmann der Kölner, der mit dem Fuß abwehrte. Welch ein Run von Aue, die sofort nachsetzen. Die Systemumstellung, die Weber vorgenommen hatte, zahlte sich bisher mehr als aus. Die Vierer-Abwehrkette war gut positioniert, den Kölnern boten sich kaum Lücken. So konzentrierten sich die Veilchen voll und ganz auf die Offensive. Wobei Skerdilaid Curri mit gewohnten Tanzeinlagen seine Gegner schwindelig spielte. Doch in der 16. Minute versuchte es der Albaner mit einem Schlenzer aufs lange Eck, welcher direkt in die auffangbereiten Arme Mondragons landete. Ein Abspiel auf den besser positionierte Tom Geißler wäre in dieser Situation besser und wohl auch entscheidend gewesen. "Das war ein Traumstart, danach haben wir sehr passabel gespielt. Wir müssen einfach das 2:0 machen", betonte Weber.
Denn die Kölner hatten sich danach auf die schwierigen Platzverhältnisse eingestellt, versuchten nun ihr eigenes Spiel aufzuziehen, was in der 29. Minute auch noch mit einem Tor belohnt wurde. Der erste Angriff der Geißböcke schlug im Kasten von Tomasz Bobel ein. Helmes, der sich von seinem Bewacher Tom Geißler befreien konnte und von Vucicevic bedient wurde, jagte den Ball rechts unter die Latte und markierte somit den Ausgleich (29.). Zwar kontrollierten die Veilchen Ball und Gegner, mussten aber dennoch den Ausgleich und wenig später sogar den Rückstand hinnehmen. Zunächst schickte Scherz das Leder noch über den Querbalken, aber nach der Eckball-Hereingabe Ümit Özats hatte er Tomasz Kos übersprungen und köpfte die Kugel unter den Querbalken (38.). Bedauerlicherweise kam noch der Ausfall von René Trehkopf hinzu. Die Verletzung am Knie war zu schwerfällig. Für den Abwehrmann, der durch Carsten Sträßer ersetzt wurden, könnte die Saison zudem gelaufen sein. Unbeeindruckt des Rückstandes und den frühen Ausfallerscheinungen gelang es den Veilchen noch vor der Pause den 11.400 Zuschauern die Hoffnungen auf einen Sieg wiederzugeben. Fabian Müller zunächst noch mit einem Ballverlust, aber Sanibal Orahovic brachte die Kugel in die eigenen Reihen zurück. Tom Geißler wurde anschließend über die rechte Außenbahn geschickt und dessen Flanke nutzte Adam Nemec per Kopfball zu seinem neunten Saisontreffer. 2:2 nach 45 Minuten.
In Halbzeit zwei reduzierten beide Teams zunächst das eigene Risiko. Der hochklassigen Partie tat das einem kurzem Abbruch: zwar viel Tempo, sehenswerte Spielzüge auf beiden Seiten, aber weniger Torszenen und mehr Biss prägten das Bild. Vor allem Skerdilaid Curri wurde des Öfteren von den Beinen geholt. Die erste Verwarnung der Partie bekam daher Mitreski zu Gesicht, als er den Albaner unsanft bremste (53.). Im nächsten Duell mit Matip kam 'Skerdi' im Strafraum der Gäste zu Fall. Der Unparteiische hatte kein Vergehen feststellen können und ließ die Partie weiterlaufen. Doch als Scherz erneut den kleinsten Stürmer der Liga umsenste, zeigte Brych dem Kölner Kapitän nach gefährlichem Foulspiel ebenfalls Gelb. Im Anschluss wollten die Zuschauer beim Tackling Schönebergs im Strafraum gegen Florian Heller ein Foul gesehen haben, doch nach Ansicht Brychs hatte Schöneberg den Ball getroffen. Wieder korrekt entschieden. Für Köln kam es aber dann ganz Dicke.
Erst vergab Antar die Chance zur Führung, als er aus wenigen Metern die Kugel knapp neben den rechten Pfosten setzte (64.), dann folgte die einzige gravierende Fehlentscheidung von Dr. Felix Brych. Scherz legte sich nach Zuspiel Helmes den Ball zu weit vor, beim Versuch den zuvorkommenden Schlussmann zu überspringen, touchierte er das Knie von Tomasz Bobel unglücklich, sodass dieser schmerzverzerrt liegen blieb und behandelt werden musste. Der Referee entschied auf Foulspiel und Gelb-Rot für Scherz (69.). Die Unterstellung auf Schauspielen von Seitens der Kölner kann man dabei nicht nachvollziehen. Dies war weder getürkt, noch beabsichtigt, noch ein grobes Foul. Einzig das Schiedsrichtergespann lag hier falsch und man hätte den klärenden Worten von Tomasz Bobel, der dies auch sofort verbal korrigieren wollte, Folgeleisten sollen. Tat man aber nicht, so hatte es sich eben ausgescherzt. FC-Trainer Daum reagierte auf den Platzverweis: der ebenfalls gelbbelastete Mitreski machte Platz für den Youngster Pezzoni. Bei den Veilchen war der Arbeitstag des doppelten Torschütze Adam Nemec vorbei und Fiete Sykora, der mit absurden Pfiffen begrüßt wurde, kam zum Einsatz. Seine Trotzreaktion auf die wirklich 'aufbauende' Unterstützung von den Rängen gab es prompt. Bei einem Freistoß hielt der Ex-Jenaer den nötigen Abstand nicht ein und handelte sich deswegen eine Verwarnung ein.
Die Laune im weiten Rund wurde dadurch nicht besser. Und als nach einer Ecke der völlig freistehende Pezzoni aus der Drehung die Kugel hoch ins lange Eck schlenzte und so zur erneuten Kölner Führung traf (78.), war die Stimmung endgültig im Keller. Die Veilchen drängten zwar vehement auf den Ausgleich, doch fehlte es am Überraschungsmoment in den Angriffen. Und so sorgten die erfolglosen Bemühungen für weitere Pfiffe. Aber das man deswegen gleich mit einem Nasenspray auf Schlussmann Mondragon schießen muss, bleibt völlig unverständlich. Das folgende kurze Intermezzo aller Akteure zeigte aber Wirkung. Köln bekam Nervenflattern und Aue blies zum Angriff - mit Erfolg. Sanibal Orahovac bediente mit seinem Steilpass Fiete Sykora. Der viel gescholtene bewies in diesem Moment Nervenstärke und netzte zum 3:3-Endstand ein.
Eine spektakulär verlaufende Partie, die allen aktiv und passiv Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben wird, endet Remis. Beide Mannschaften haben nie aufgesteckt und so für einen unterhaltsamen Frühlingsabend gesorgt. Einen bitteren Nachgeschmack haben der unberechtigte Platzverweis gegen Scherz und der 'Nasenspraywurf' auf Mondragon hinterlassen. In der dritten Nachspielminute hatte Sanibal Orahovac sogar noch die Möglichkeit zum Siegtreffer, doch zog der Montenegriner nicht sofort aus sechs Metern ab und die Chance war vertan. So blieb es am Ende beim gerechten Unentschieden und der eine Punkt hilft Aue (wieder einmal) nicht wirklich weiter. (arn)
weitere Spielberichte Heimmannschaft Spieldaten Gastmannschaft
  4 Ecken 4
  14 Freistöße 14
  57.5% Ballbesitz 42.5%
  15 Torschüsse 9
  36 Zweikämpfe 37
  50.68% - davon verloren 49.32%
  34 lange Bälle 21
  38% - davon nicht angekommen 62%