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2. Bundesliga 2007/08

Spielbericht

31. Spieltag - Freitag, 02.05.2008 - 18:00

FC St. Pauli - FC Erzgebirge Aue 4:2 (2:2)

FC St. Pauli: Benedikt Pliquett, Carsten Rothenbach, Fabio Morena, Marcel Eger, Andreas Biermann, Fabian Boll, Timo Schultz, Charles Takyi, Alexander Ludwig, Filip Trojan, Rene Schnitzler; Trainer: Andre Trulsen

Eingewechselt: 72. Florian Bruns für Charles Takyi, 73. Ahmet Kuru für Rene Schnitzler, 87. Marvin Braun für Alexander Ludwig

Kader: Patrick Borger, Björn Brunnemann, Morike Sako

FC Erzgebirge Aue: Tomasz Bobel - Tom Geißler, Tomasz Kos, Thomas Paulus, Carsten Sträßer - Norman Loose, Marco Kurth, Florian Heller, Skerdilaid Curri, Sanibal Orahovac - Fiete Sykora; Trainer: Heiko Weber

Eingewechselt: 46. Fabian Müller für Marco Kurth, 65. Jörg Emmerich für Norman Loose, 84. Jiri Kaufman für Skerdilaid Curri

Kader: Steffen Süßner, Pierre Le Beau, Dusan Pavlovic, Markus Müller

Tore: 0:1 Sanibal Orahovac (Kopfball, 9. / Florian Heller); 1:1 Timo Schultz (Rechtsschuß, 13. / Charles Takyi); 1:2 Skerdilaid Curri (Rechtsschuß, 35. / Marco Kurth); 2:2 Charles Takyi (Rechtsschuß, 45. / Timo Schultz); 3:2 Rene Schnitzler (Rechtsschuß, 55. / Fabian Boll); 4:2 Carsten Rothenbach (Rechtsschuß, 72. / Florian Bruns)

Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)

Zuschauer: 21421 im Stadion am Millerntor

Gelbe Karte: Marcel Eger / Tom Geißler (4.), Carsten Sträßer (3.), Marco Kurth (6.), Sanibal Orahovac (3.)

 
 
     
   
     
     
     
     
     
     
     
 

Vorbericht - Hinrundenspiel - Fotos vom Spiel

Spielbericht: Moin Moin am Millerntor oder letzte Ausfahrt Hamburg. "Für Aue ist es die letzte Chance, noch einmal auf den Klassenerhalt zu hoffen. Wir aber wollen mit einem Sieg zu Hause den Ligaerhalt sichern", sagte Paulis Teamchef Stanislawski zur Ausgangslage. Sollte dies gelingen, dann hätten die Spieler seine offizielle Erlaubnis "Freitagnacht zu feiern." Und das taten dann auch die Anhänger des FC St. Pauli bis tief in die Nacht. Die Hamburger hatten sich mit einem 4:2-Erfolg vorzeitig die Zugehörigkeit zur zweithöchsten deutschen Spielklasse auch in der nächsten Saison gesichert. Das Publikum applaudierte am Ende minutenlang nach dem Schlusspfiff, tanzte auf den Rängen und zog anschließend über den Kiez, um in den zahlreichen Kneipen ausgelassen zu feiern. Der Aufsteiger liegt nun drei Spieltage vor Saisonabschluss mit 42 Punkten auf Platz acht und hat damit einen uneinholbaren Vorsprung von zehn Zählern auf einen Abstiegsrang.
Für die Veilchen hingegen verlief der Abend nicht so berauschend. Der Abstand auf das rettende Ufer ist nach dieser erneuten Auswärtsschlappe auf sieben Punkte angewachsen. Selbst der Punktabzug der Koblenzer reicht da als 'Strohhalm' nicht mehr. Jetzt bleiben den Fußballprofis des FC Erzgebirge Aue noch 270 Minuten, um sich für einen Stammplatz, eine Vertragsverlängerung oder zumindest für andere Vereine anzubieten. Nach fünf Jahren Zweite Liga muss man sich mit dem Abstieg in die neue Dritte Liga vertraut machen. Heiko Weber sieht zwar noch eine kleine Chance, den Klassenerhalt zu schaffen, bleibt dabei aber durchaus realistisch: "Ich bin kein Fantast. Deshalb laufen parallel die Planungen für die 3. Liga. Ein Abstieg ist kein Untergang."
Im zehnten sieglosen Spiel in Folge für die Veilchen, musste zudem der Coach auch noch auf den besten Torschützen Adam Nemec verzichten. Der Doppeltorschütze des letzten Spieles gegen Köln plagte sich unter der Woche mit einer Muskelverhärtung im Oberschenkel herum und konnte dadurch nicht am Mannschaftstraining teilnehmen. Alternativen im Sturm gab es deshalb in Hamburg kaum und so musste Fiete Sykora als alleinige Spitze im 'Freudenhaus der Liga' auflaufen. Jiri Kaufman war zwar mit angereist, spielte, bedingt durch die langwierige Reha nach seiner Bandscheiben-OP, aber nur die letzten sechs Minuten. Da war der Drops jedoch schon längst gelutscht. Auffällig war auch die Position von Sanibal Orahovac im linken Mittelfeld, der neben Skerdilaid Curri und Florian Heller den 'Schlacks' aus Jena bedienen sollte. Mit Marco Kurth und Norman Loose vor der Viererabwehrkette sollte erst einmal die Null gehalten werden, um mit Konterfußball dem Gastgeber eventuell ein Bein zu stellen.
Nach neun Minuten war man auf einem guten Weg dorthin. Sanibal Orahovac passte auf den Flügel zu Florian Heller, der flankte zurück in die Mitte, wo der Montenegriner aus acht Metern unbedrängt ins lange Eck einköpfen konnte. Die Antwort der Braun-Weißen kam jedoch postwendend. Der sträflichst alleingelassene Takyi legte auf Schultz ab, der sofort abzog und mit Hilfe von Norman Loose schlug der abgefälschte Ball im Gehäuse vom vergeblich streckenden Tomasz Bobel ein (13.). Bei Aue fehlte trotz der schnellen Führung noch die Bindung zwischen einer an sich gut stehenden Defensive und der Offensive. Im Mittelfeld wurden einfach zu viele Bälle verloren, sodass Pauli wenig Mühe hatte, immer besser in die Partie zu kommen. Trotzdem gab es hüben wie drüben vorerst keine weiteren Tormöglichkeiten. Den einzigen Wachrüttler setzte Florian Heller in der 25. Minute, als sein Freistoß ans Aluminium klatschte. Auch hier war der Ball abgefälscht, doch zappelte dieser nicht im Netz. Nach einer guten halben Stunde standen für St. Pauli acht, für Aue nur drei Torschüsse zu Buche.
Somit ein klares Plus für die Veilchen in der Chancenverwertung. Was in der 35. Minute nochmals unterstrichen wurde. Marco Kurth schlug den Ball einfach hoch in den Rücken der komplett aufrückenden Hamburger Mannschaft, Skerdilaid Curri stand plötzlich völlig frei und schob den Ball am heraus eilenden Pauli-Keeper Pliquett zum neuerlichen Führungstreffer ins Tor. Beflügelt durch das 2:1 drückte Aue weiter und konterte noch gefährlicher: Sanibal Orahovac verpasste nach einer Hereingabe von Florian Heller nur knapp. Und als die 22.428 Zuschauer schon mit den Gedanken in der Pause waren, fasste sich der unbedrängte Takyi einfach mal ein Herz und knallte aus 25 Metern das Ding in die Maschen. Ob Tomasz Bobel da auch bereits in der Kabine war, schien möglich, denn gut sah der Schlussmann bei diesem Scharmützel nicht aus. "Wenn man zehn Spiele nicht gewonnen hat, macht sich einfach Unsicherheit breit", bekannte Tom Geißler wohl etwas lapidar...
Nach der obligatorischen Viertelstunde kamen die 22 Akteure samt den drei Entscheidungsträgern, mit Thorsten Kinhöfer als Regisseur, wieder aus den Katakomben des Millerntors zurück. Pauli änderte nichts an der Aufstellung, doch versuchte Heiko Weber das Mittelfeld aufzufrischen. Tom Geißler, der die rechte Abwehrseite gut im Griff hatte, spielte nun im zentralen Mittelfeld für den draußen gebliebenen und gelbbelasteten Marco Kurth. Der neue Mann, Fabian Müller, stand nun rechts hinter Florian Heller, daher Carsten Sträßer nun links. Diese Umstellung war allerdings ein Schuss ins Blaue mit fatalen Folgen. Fabian Müller fand auf dieser Position nicht ins Spiel, sodass Florian Heller weniger Bälle bekam und das rechte Flügelspiel quasi erlahmte. Der Gastgeber erhöhte die Schlagzahl und setzte gegen die schwächste Auswärtsmannschaft der 2. Liga eine Druckwelle nach der anderen. Das permanente Anrennen hatte sich für die Kiezkicker in der 55. Minute dann bezahlt gemacht. Ludwig zog einen Freistoß von links auf den langen Pfosten. Im Rücken der Auer Verteidigung pirschte sich Boll heran, der mit einer gefühlvollen Kopfball-Ablage Schnitzler bediente, sodass dieser nur noch das Leder über die Linie drücken musste. "Wenn man zweimal führt, muss es auch mal zum Sieg reichen", ärgerte sich Weber: "Es ist einfach zu leicht, gegen uns Tore zu schießen."
Auf Auer Seite fehlte es bei den wenigen aussichtsreichen Angriffen nach dem Seitenwechsel an einem konsequenten Ausspielen der Chance, eine Schwalbe von Sanibal Orahovac war daher unangebracht (61.), und dem nötigen Glück. In der 71. Minute prallte nach einer schnell ausgeführten Heller-Ecke der Kopfball von Fiete Sykora wieder nur an den Innenpfosten und sprang Torwart Pliquett in die Hände statt ins Netz. Im Gegenzug machte Rothenbach dann alles klar. Ludwigs Freistoß köpfte der eben eingewechselte Bruns am langen Eck stehend vor das Tor, wo Rothenbach zum 4:2 einnetzte. Zwei Auswärtstore, aber wieder null Punkte: Der FC Erzgebirge Aue hat seine über weite Strecken überzeugende Premiere geliefert, war aber in der zweiten Halbzeit nicht so frisch und kam daher nicht mehr so gut ins Spiel wie in den ersten 45 Minuten. Symptomatisch für das inkonsequente Auftreten war das schwache Zuspiel von Florian Heller (76.), der nach dem Zuckerpass des eingewechselten Jörg Emmerich selbst den Abschluss hätte suchen müssen, aber lieber auf den bedrängten Fiete Sykora passte. "Pauli hat zwar in der zweiten Hälfte druckvoll gespielt, aber nicht so gefährlich, als dass sie hätten noch zwei Tore gegen uns hätten schießen müssen. Mein Team hat bei zwei Standards geschlafen und es demnach auch nicht verdient zu gewinnen.", so ein angefressener Heiko Weber.
Grenzenloser Jubel auf der einen, konsterniertes Abklatschen auf der anderen Seite. Durch die Niederlage Kaiserslauterns in Mainz hat St. Pauli endgültig den Klassenerhalt geschafft. Für die Veilchen könnte das Wunder Zweite Liga schon bald zu Ende sein. Man kann maximal noch 36 Punkte erreichen, für den Klassenerhalt würde selbst das kaum reichen. Zwar verlief der Spieltag fast optimal für Aue, doch wenn man die Spiele selbst nicht gewinnt, braucht man auf andere Vereine vorerst nicht zu achten. Durchhalteparolen und Rechenschiebereien halten seit Wochen die Hoffnung auf den Klassenverbleib in der 2. Fußball-Bundesliga am Leben. Am Dienstagabend ist Schluss damit: Der Verlierer des Derbys zwischen dem FC Erzgebirge Aue und dem FC Carl Zeiss Jena hat die letzte Chance auf ein Wunder und damit auch die Zweitklassigkeit verspielt. (arn)
weitere Spielberichte Heimmannschaft Spieldaten Gastmannschaft
  5 Ecken 4
  25 Freistöße 13
  47.4% Ballbesitz 52.6%
  19 Torschüsse 11
  54 Zweikämpfe 38
  41.3% - davon verloren 58.7%
  15 lange Bälle 27
  64% - davon nicht angekommen 36%