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2. Bundesliga 2007/08

Spielbericht

33. Spieltag - Sonntag, 11.05.2008 - 14:00

TuS Koblenz - FC Erzgebirge Aue 2:2 (0:0)

TuS Koblenz: Dennis Eilhoff, Martin Forkel, Matej Mavric, Andreas Richter, Marko Lomic, Rüdiger Ziehl, Manuel Hartmann, Du-Ri Cha, Gabriel Hector Fernandez, Ardijan Djokaj, Fatmir Vata; Trainer: Uwe Rapolder

Eingewechselt: 37. Anel Dzaka für Fatmir Vata, 46. Noureddine Daham für Gabriel Hector Fernandez, 60. Tayfun Pektürk für Martin Forkel

Kader: Michael Gurski, Frank Wiblishauser, Branimir Bajic, Alassane Ouedraogo

FC Erzgebirge Aue: Tomasz Bobel - Fabian Müller, Tomasz Kos, Thomas Paulus, Carsten Sträßer - Marco Kurth, Florian Heller, Tom Geißler, Skerdilaid Curri - Fiete Sykora, Adam Nemec; Trainer: Heiko Weber

Eingewechselt: 46. Jörg Emmerich für Adam Nemec, 69. Jiri Kaufman für Florian Heller, 85. Norman Loose für Skerdilaid Curri

Kader: Steffen Süßner, Pierre Le Beau, Dusan Pavlovic, Leandro Grech

Tore: 0:1 Fiete Sykora (Rechtsschuß, 57. / Tom Geißler); 0:2 Fiete Sykora (Kopfball, 74. / Marco Kurth); 1:2 Noureddine Daham (Rechtsschuß, 78. / Ardijan Djokaj); 2:2 Tayfun Pektürk (Rechtsschuß, 87. / Marko Lomic)

Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)

Zuschauer: 13613 im Stadion Oberwerth

Gelbe Karte: Martin Forkel, Fatmir Vata, Tayfun Pektürk / Thomas Paulus (4.)

 
 
     
   
     
     
     
     
     
     
     
 

Vorbericht - Hinrundenspiel - Fotos vom Spiel

Spielbericht: Das wars: "Nie mehr zweite Liga". Während anderorts der Aufstieg, der Klassenerhalt oder die brüderlichen Verhältnisse zur DFL gefeiert werden, heißt es für die Veilchen nun einer von zwanzig Gründungsmitgliedern der eingleisigen dritten Liga zu werden. Nach fünf Jahren ist das Kapitel 2. Fußball-Bundesliga für den FC Erzgebirge Aue am Pfingstsonntag zu Ende gegangen. Es wurde in den vergangen Tagen viel gerechnet, wer wieviele Punkte braucht, wenn der oder der Verein verliert. Und eigentlich sollte das Duell bei Koblenz aus Sicht der Veilchen ein Endspiel um den Klassenerhalt werden, bei dem man im Falle eines Sieges auch an Koblenz heranrücken würde. Aber nachdem nun seitens der DFL der Punktabzug für Koblenz auf sechs Punkte reduziert wurde, hätte Aue lediglich an Kaiserslautern und Osnabrück vorbeiziehen können. Voraussetzung dafür wären zwei Siege bei zwei gleichzeitigen Niederlagen der Kontrahenten gewesen. Schlechte Aussichten also schon vor der Partie, was sich am Ende leider auch bewahrheitete.
Der VfL Osnabrück sowie die Lauterer nutzten ihre eigenen Strohhalm-Spiele und verbannten so das kleine gallische Dorf zu den schon feststehenden Absteigern Jena und Paderborn. Für die TuS Koblenz hingegen, ist nun alles wieder Friede-Freude-Eierkuchen. Die Hausherren blieben auch im 12. Heimspiel in Serie ungeschlagen und weisen mit dem Torverhältnis von 44:47 im Vergleich zur Konkurrenz die beste Tordifferenz auf. Drei Tage nach dem festgeschrieben 6-Punkte-Abzug durch die Deutsche Fußball Liga verbesserte sich das Team von Trainer Uwe Rapolder auf Rang elf mit 38 Zählern und könnte nur noch mit einer 11:0-Niederlage auf dem Tivoli zu Fall gebracht werden - eher unwahrscheinlich. Der Abstieg ist nur noch theoretisch denkbar. "Zu 99 Prozent haben wird es geschafft. Wer weiß, wie es in den letzten Wochen hier hoch und runter ging, kann die riesige Erleichterung verstehen", meinte TuS-Geschäftsführer Wolfgang Loos. Sprachlos hingegen waren beide Trainer nach dem Spiel. Die Pressekonferenz konnte Rapolder stimmlich nicht mehr meistern, schickte Co-Trainer Basler vor und bei Heiko Weber saß die Enttäuschung über die vergebene 2:0-Führung so tief, dass er aus dem Stadion Oberwerth so schnell wie möglich weg wollte. Um 16:40 Uhr setzte sich der Mannschaftsbus zur traurigsten und vorerst letzten Heimfahrt nach einer Zweitligapartie des FC Erzgebirge Aue in Bewegung.
Der Trainerwechsel am 21. April diesen Jahres mit Weber als Nachfolger der in dieser Saison entlassenen Gerd Schädlich und Roland Seitz brachte letzten Endes nicht mehr den erhofften Umbruch. Wer nun als Spieler dem FC Erzgebirge erhalten bleibt, steht genauso in den Sternen, wie die kommenden Neuzugänge. "Wir haben bereits Gespräche geführt. Das werden wir jetzt, wo Klarheit besteht, forcieren", versicherte Vizepräsident Bertram Höfer. In einer Präsidiumssitzung, an der auch Trainer Weber teilnimmt, sollen die Weichen für den Neuanfang in der 3. Profiliga gestellt werden. Die Führungsetage wird dann beraten, wer von den Spielern neue Vertragsangebote erhält und welche weiteren Spieler verpflichtet werden sollen. "Wir werden junge, hungrige Leute holen. Und wir werden zu den Auer Tugenden zurückkehren. Das heißt laufen, laufen, laufen", versprach Trainer Weber den Fans. Der Verein muss seinen Etat in der neu entstehenden 3. Profiliga um etwa vier Millionen Euro deutlich reduzieren, sodass circa mit einem 3,5-Millionen-Budget gerechnet werden kann. Es wird Einschnitte im Verwaltungsbereich geben. "Wir haben acht Stadionarbeiter. Es ist klar, dass wir das nicht alles in diesem Umfang halten können", meinte Höfer, der den Abstieg nicht nur sportlich sondern auch wirtschaftlich als ernste Lage bezeichnet.
Zudem wäre dieses ganze Schlamassel vermeidbar gewesen und es bleibt zu hoffen, dass man aus den begangenen Fehlern gelernt hat. Zeit genug hatte man ja, doch weder die Neuzugänge, noch das Trainerkarussell brachten die ersehnte Besserung. Dabei ist die Torausbeute in der Saison nicht die schlechteste, allerdings wurde diese mit fast erbärmlichen Gegentreffern wieder zunichte gemacht. "Dass die Spieler fußballerisch mithalten können, hat man doch deutlich gesehen. Wir wollten Charakter zeigen. Das hat die Mannschaft getan. Und was fehlt, werden wir uns im Sommer antrainieren", meinte Heiko Weber. Hinzu kam halt noch die eklatante Auswärtsschwäche. Gerade einmal fünf mickrige Zähler brachten die Lila-Weißen aus der Fremde mit ins Erzgebirge, dass dies nicht alles über die Heimspiele kompensiert werden konnte, war ebenfalls klar. Warum solche Extreme jedoch nicht abgestellt werden konnten, bleibt wohl unergründlich.
Auch dieses Mal sahen die 13.631 Zuschauer bei sommerlichen Temperaturen muntere Anfangsminuten der Veilchen. Zunächst flankte Fiete Sykora von rechts auf den zweiten Pfosten, wo Florian Heller zur Stelle war, doch TuS-Keeper Eilhoff den Ball an den Pfosten lenkte (5.). Ein Minute später köpfte der Flankengeber von eben das Leder nur knapp am Tor vorbei. Die Hausherren fanden in der ersten Viertelstunde nicht ins Spiel und boten den Auern einige aussichtsreiche Kontergelegenheiten, die aber auf Grund mangelnder Übersicht ohne zählbaren Abschluss blieben. Auch die Mischung aus Schuss und Flanke von Florian Heller (23.) brachte zwar den Koblenzer Schlussmann in Bedrängnis, doch nicht den erhofften Torjubel. Diesen gab es dann auf der anderen Seite. Djokaj war nach einem Zuspiel Hartmanns frei durch, behielt die Nerven und vollendet cool zum 1:0 für die TuS. Allerdings entschied der Unparteiische Marcus Schmidt aus Stuttgart auf Abseits, was sich im Nachhinein als Fehlentscheidung entpuppte.
Glück für Aue nach gut einer halben Stunde. Das Pech für Koblenz hielt jedoch weiter an. Vata musste mit Verdacht auf Achillessehnenriss ausgewechselt werden. Für ihn kam Dzaka ins Spiel, der zugleich die letzte Aktion für die TuS in Hälfte eins besaß. Der 'Neue' drang in den Auer Strafraum ein, wusste jedoch nicht so recht, ob er schießen oder flanken soll - heraus kam letztlich eine völlig verunglückte Mischung aus beidem. Der Ball trudelte ins Toraus. Die Mannschaften taten dies ebenfalls und trudelten torlos in die Kabinen.
Nach der erfrischenden Pause folgten auf beiden Seiten personelle Veränderungen. Bei Koblenz kam Daham für Fernandez in die Partie und bei Aue musste der heuer eher unauffällige Adam Nemec seinen Platz räumen. Jörg Emmerich sollte die umständlichen Wege im Angriffsspiel besser koordinieren. Beim bislang gefährlichsten Angriff war er aber nicht beteiligt. Über Fiete Sykora und Fabian Müller gelangte das Leder zum freistehenden Florian Heller. Dessen Volleyschuss landete hammerhart am Pfosten. Auf der Gegenseite krachte der Ball ebenfalls ans Aluminium: Cha war es hier per Kopf. Beide Mannschaften spielten nun offensiver, doch die bessern Möglichkeiten vollzogen die Veilchen. Hierbei zerlegten Skerdilaid Curri, Florian Heller und Fiete Sykora die Koblenzer Abwehr nach Strich und Faden. Vor allem der nun aufblühende Fiete Sykora frohlockte mit sehenswerten Aktionen. "Heiko Weber gibt mir das Vertrauen, was ich brauche, in dem er mich aufstellt und mit mir spricht. Und er hat wieder Spaß ins Training gebracht. Das hat zuletzt gefehlt", begründete Sykora seinen Aufschwung. Seinem dritten Saisontreffer kam der 25-Jährige immer näher. In der 50. Minute strich sein Schuss nur knapp am linken Pfosten vorbei. Nur sieben Minuten später traf er das Außennetz. Da bekanntlich aller guten Dinge drei sind, machte er es in der gleichen Spielminute besser. Nach feinem Zuspiel von Tom Geißler behielt der smarte Schützling von Weber die Nerven und vollendete aus gut 20 Metern unhaltbar ins Eck zur Auer Führung. Von großem Aufbäumen der Koblenzer war, auch nach dem der Stadionsprecher die Aufforderung "Ab jetzt eine halbe Stunde Vollgas" von sich gab, nix zu spüren. Ebenso blieb der Spielerwechsel - Pektürk ersetzte den defensiven Forkel - ohne Wirkung.
Lange Zeit kam auch nichts mehr von den Veilchen. Doch als sich Marco Kurth auf der rechten Außenbahn gegen Daham und Lomic durchsetzte, in die Mitte flankte und anschliessend Fiete Sykora per Kopf (74.) sogar die Führung ausbaute, freuten sich die 600 angereisten Schlachtenbummler auf den vermeintlich zweiten Auswärtssieg in dieser Saison. Allerdings hielt der Freudentaumel nicht allzu lange. Nach einem Einwurf von Cha, verlängerte Djokaj per Kopf auf Daham, der aus kurzer Distanz Tomasz Bobel tunnelte (77.). Die Auer Spieler protestierten wegen Handspiels, doch ein simples "Nein" des Torschützen auf die Nachfrage des Schiedsrichters reichte für das 2:1. Das Sportgericht des DFB hat daraufhin den 30-Jährigen wegen krass sportwidrigen Verhaltens mit einer Sperre von zwei Spielen belegt. Doch die Torentscheidung des Schiedsrichters als Tatsachenentscheidung sei hingegen seitens des Welt-Fußballverbandes FIFA geschützt, so dass die Spielwertung unangetastet bleibt. "Wir dominieren das Spiel. Dann kriegen wir ein unberechtigtes Hand-Tor und einen Sonntagsschuss und gucken uns dumm an", sagte Skerdilaid Curri, der beim 2:2-Ausgleich nicht mehr auf dem Platz stand. Noman Loose sollte die Defensive verstärken, was schlussendlich nicht gefruchtet hatte. Nach einer schnell ausgeführten Ecke zog Pektürk aus der zweiten Reihe ab und traf zwei Minuten vor Ultimo ins lange Eck.
Schluss, aus, vorbei. Die weiß gekleideten Veilchen-Kicker sanken im Koblenzer Stadion auf den Rasen. Das 2:2 bei der TuS zerstörte alle Hoffnungen auf den Klassenerhalt. Die Koblenzer standen allerdings noch immer auf dem Feld und wussten nicht so recht, ob sie nun Grund zum Jubeln hatten, da die Ergebnisse aus den anderen Stadien noch nicht bekannt gegeben wurden. Als diese hereinschneiten, herrschte dann Jubel, Trubel, Heiterkeit auf der einen und bittere Gewissheit der Niedertracht auf der anderen Seite. Während Aue daheim den TSV 1860 München empfängt und sich vor eigenem Publikum aus der 2. Bundesliga verabschiedet wird Koblenz dann in Aachen bereits zum zweiten Mal in dieser Saison den Klassenerhalt feiern. Mit Sicherheit ein Novum in der Geschichte der zweiten Liga. (arn)
weitere Spielberichte Heimmannschaft Spieldaten Gastmannschaft
  4 Ecken 5
  18 Freistöße 20
  46.4% Ballbesitz 53.6%
  11 Torschüsse 14
  48 Zweikämpfe 51
  51.52% - davon verloren 48.48%
  19 lange Bälle 26
  58% - davon nicht angekommen 42%