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2. Bundesliga 2010/11

Spielbericht

13. Spieltag - Sonntag, 21.11.2010 - 13:30

FC Erzgebirge Aue - Alemannia Aachen 2:1 (1:0)

FC Erzgebirge Aue: Martin Männel - Pierre Le Beau, Adli Lachheb, Thomas Paulus, René Klingbeil - Kevin Schlitte, Marc Hensel, Tobias Kempe, Oliver Schröder, Jan Hochscheidt - Sebastian Glasner; Trainer: Rico Schmitt

Eingewechselt: 70. Alban Ramaj für Oliver Schröder, 76. Thomas Birk für René Klingbeil, 89. Fabian Müller für Jan Hochscheidt

Kader: Stephan Flauder, Patrick Milchraum, Robert Strauß, Skerdilaid Curri

Alemannia Aachen: David Hohs, Mirko Casper, Nico Herzig, Thomas Stehle, Timo Achenbach, Tobias Feisthammel, Marco Höger, Tolgay Arslan, Manuel Junglas, Benjamin Auer, Zoltan Stieber; Trainer: Peter Hyballa

Eingewechselt: 46. Babacar Gueye für Thomas Stehle, 64. Aimen Demai für Mirko Casper, 77. Narciso Lubasa für Zoltan Stieber

Kader: Tim Krumpen, Robert Wilschrey, Kevin Kratz, Juvhel Tsoumou

Tore: 1:0 Adli Lachheb (Rechtsschuß, 24.); 2:0 Jan Hochscheidt (Rechtsschuß, 61. / Marc Hensel); 2:1 Marco Höger (Rechtsschuß, 67.)

Schiedsrichter: Günter Perl (Pullach)

Zuschauer: 10636

Gelbe Karte: - / Thomas Stehle

 
 
     
   
     
     
     
     
     
     
     
 

Vorbericht - Rückrundenspiel - Fotos vom Spiel

Spielbericht: Der "Beste Aufsteiger aller Zeiten" hat einen unglaublichen Lauf und konnte seine Serie von zehn ungeschlagenen Spielen auch gegen Alemannia Aachen fortsetzen. Es war der sechste Sieg im sechsten Spiel vor heimischem Publikum. Seit 22 Spielen ist das Team im Erzgebirgsstadion unbesiegt. Die Gäste, die dreimal in Folge nicht gewinnen konnten, liegen demnach weiterhin auf einem Mittelfeldplatz, aber weil Hertha BSC Berlin beim VfL Osnabrück am Freitag mit 0:2 patzte, steht der FC Erzgebirge Aue zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung ganz oben in der Tabelle. Die Mannschaft von Trainer Rico Schmitt zeichnet sich vor allem durch ihre wahnsinnige Effektivität aus. Mit nur 18 erzielten Toren konnten die Veilchen atemberaubende 30 Punkte für sich verbuchen.

Die beste Abwehr der Liga stellt der Aufsteiger ebenfalls: Torhüter Martin Männel musste erst neunmal hinter sich greifen, bleibt aber weiterhin - wie alle im Verein - auf dem Teppich: "Wir haben heute drei wichtige Punkte gegen den Abstieg gesammelt", behauptet der sattelfeste Schlussmann und fügte an: "Erst wenn wir an dem Ziel von 40 Punkten sind, können wir endlich über andere Dinge sprechen." Auch seine anderen Mitspieler sprechen in einer scheinbaren Endlosschleife immer wieder nur vom Saisonziel 40 Punkte. Nur "sollten wir zum Ende der Hinrunde über 30 Punkte haben, nimmt uns keiner mehr diese Zielstellung ab", erkannte Mittelfeldspieler Marc Hensel ein absehbares Ende dieser Tiefstapelei.
Dabei gibt die Rolle des unterschätzten Außenseiters anscheinend zusätzlich Motivation - besonders, wenn noch abwertende Äußerungen des gegnerischen Trainers hinzukommen. "Jetzt hat auch der Letzte begriffen, wer Aue ist", sagte Marc Hensel in Richtung Aachens Coach Peter Hyballa, der durch die Blume gesprochen, sich über den Ostverein hat lustig gemacht. "Die sollen mal schön den Mund halten, ich hätte auch Einiges zu erzählen. Aber damit fange ich jetzt nicht an", gab der Coach des ehemaligen Bundesligisten und Pokalfinalisten von 2004 den Vorwürfen sofort ein Dementi, wenn auch mit dem Stil eines schlechten Verlierers. Denn spielerisch zeigte im Lößnitztal nur eine Mannschaft eine starke Leistung. "Was wir heute abgeliefert haben, war allererste Klasse. Wir haben auch wie ein Spitzenreiter gespielt, und wenn wir hier sechs oder sieben Tore schießen, braucht sich keiner beschweren", sagte Marc Hensel, der zusammen mit Oliver Schröder auf der Abräumerposition spielt, und widerlegte zugleich die Vorwürfe der letzten Wochen, seine Farben würden zu unansehnlich spielen: "Das ist das, was mich ankotzt: mich jede Woche für unsere Spielweise zu rechtfertigen. Nun haben wir das beste Saisonspiel gemacht und haben Aachen phasenweise an die Wand gespielt."
Nun aber zum Spiel selbst: Rico Schmitt änderte die Startformation nach dem 1:1-Unentschieden in Karlsruhe auf zwei Positionen: Thomas Paulus stabilisierte nach seiner auskurierten Zehenverletzung die Innenverteidigung und Sebastian Glasner durfte aufgrund des grippalen Infektes von Enrico Kern im Sturm die Solorolle übernehmen. Übernommen haben die Veilchen kurz nach dem Anpfiff auch sofort die Initiative und spielten selbstbewusst nach vorne. Gute Torchancen waren umgehend die Folge: Kevin Schlitte wurde aus der eigenen Hälfte auf dem rechten Flügel maßgenau eingesetzt, flankte im Anschluss von der Grundlinie nach Innen an den Fünfer und da kam Sebastian Glasner (10.) fast an die Murmel, aber eben nur fast, die Alemannia konnte klären. Auch Marc Hensel (19.) verpasste den Führungstreffer recht knapp. Der 24-jährige Lehramts-Student wuchtete am langen Pfosten per Flugkopfball nach einer Hereingabe vom stetig mobilen Mittelfeldmotor Tobias Kempe die Kugel Millimeter am Tor vorbei.
Und wenn die Offensive schon nicht treffen wollte, dann musste eben ein Abwehrmann ran: Der bärenstarke Innenverteidiger und das personifizierte Bollwerk-Ungeheuer Adli Lachheb hämmerte den Ball kompromisslos im Fünfmeterraum unter die Querlatte (24.). Die Vorarbeit zum zweiten Saisontreffer des Tunesiers kam von Tobias Kempe per Eckball. Die Party im Lößnitztal konnte also beginnen. Aachen schloss sich der Stimmung an und ließ die Hausherren gewähren. So folgten weitere Chancen für den FCE: Nach Doppelpass zwischen René Klingbeil und Tobias Kempe wurde Jan Hochscheidt auf Höhe des Elfmeterpunktes angespielt. Sein Schuss war aber zu schwach und ungezielt, sodass Aachens Keeper Hohs zur Ecke klären konnte. Diese war im Anschluss jedoch nicht ungefährlicher. Sebastian Glasner vergab aber aus dem Gewühl heraus aus ganz kurzer Distanz gegen Hohs (30.).
Weiterhin stand es nur 1:0 für die Veilchen und es war nicht ganz abwegig, hier von einem Klassenunterschied zu sprechen, denn Aachen verzeichnetet bis dato keine einzige auch nur annähernd gefährliche Szene vor dem Tor von Martin Männel. Allerdings hätte Aue zwei oder drei Buden mehr schon machen können, wenn nicht müssen. Für ihre Verhältnisse bei der Chancenverwertung gab es nach Schulnoten demnach nur ein mangelhaft. Dafür ging die Auer Abwehr gewohnt resolut zur Sache. Benny Auer, immerhin schon 6-facher Torschütze beim TSV in dieser Saison, sah gar kein Land gegen die Innenverteidigung. Nur Stehles 22-Meter-Hammer (39.) und Stiebers Alleingang kurz vor dem Pausenpfiff machte der Elf von Trainer Rico Schmitt minimale Sorgen.
Der zweite Abschnitt setzte sich ähnlich druckvoll fort. Aues bester Knipser Marc Hensel stand nach einer Klingbeil-Flanke von der linken Außenbahn am Fünfer in der Luft und verfehlte mit seinem Kopfball knapp sein siebentes Saisontor (48.). Im direkten Gegenzug sorgte der für den gelb-rot gefährdeten Stehle eingewechselte Gueye mit einer Direktabnahme aufs kurze Eck erstmals für Maloche für Martin Männel. Es sollte der Hallo-Wach-Effekt bei den Gästen sein. Denn danach begann die Zeit für die Schwarz-Gelben, die mit schnellen Kombinationsspiel und einfachsten Doppelpässen die Auer Hintermannschaft arg auf die Probe stellte.
Die Lila-Weißen überstanden die Phase zum Glück schadenfrei und versetzten den Printenstädtern mit der Zielstrebigkeit einer Spitzenmannschaft den entscheidenden Nackenschlag. Aachens Herzig klärte einen Schröder-Pass genau auf Marc Hensel, der ebenfalls mit dem Kopf den durchgebrochenen Jan Hochscheidt bediente. Allein vor Hohs ließ sich Jan Hochscheidt die Chance nicht nehmen und schloss sein drittes Saisontor mit einem satten Flachschuss ins lange Eck ab (61.) - 2:0 für die Guten. Der frenetische Jubel der gut 11.000 Fans bekam kurze Zeit später jedoch einen leichten Dämpfer. Nach einer Ecke von der rechten Seite wurde der Ball zunächst geklärt, kam kurzerhand erneut in den 16er, mit anschließenden Elfmeterpfiff für Aachen. Kevin Schlitte legte Gueye, der mit Hilfe einer übertriebenen Sprungrolle die Aufmerksamkeit von Schiedsrichter Günter Perl auf sich zog. Im Elfmeter-Duell Martin Männel gegen Höger erahnte der Keeper zwar die Ecke, konnte aber gegen den platzierten Schuss nicht wirklich etwas ausrichten (67.).
Vom Anschlusstreffer ließen sich die Veilchen kaum beeindrucken. Auch Martin Männel war wenig später auf Höhe des Geschehens und hätte fast einen Scorer-Punkt gutgeschrieben bekommen. Sein weiter Abschlag landete begünstigt durch ein Missverständnisses zwischen Feisthammel und Herzig beim eingewechselten Alban Ramaj, der mit viel Gefühl aber ohne Präzision den Ball über den herausgeeilten Hohs lupfte (82.). Millimeter fehlten so zur Vorentscheidung. Daher musste das Team von Rico Schmitt unentwegt auf der Hut sein. Doch mit der Hereinnahme von Thomas Birk für den ausgepumpten René Klingbeil verpufften die Angriffe von Aachen dann zunehmend. Bis auf Gueyes 20-Meter-Schüsschen aus zentraler Position brande nichts mehr an.
Gekämpft wurde wahrlich bis zum Schluss und selbst in der dreiminütigen Zugabe gab es noch hochklassige Möglichkeiten für die Hausherren. Kevin Schlitte verpasste am langen Pfosten zunächst eine Hereingabe vom eingewechselten Fabian Müller um Haaresbreite und Marc Hensels Schussversuch blockte Höger geradeso noch ab. "Heute haben wir alles gegeben - und gut Fußball gespielt. Die Pausenführung war in spielerischer Hinsicht verdient. Mit Beginn der zweiten Halbzeit haben wir die Aachener Druckphase heillos überstanden und zum richtigen Zeitpunkt das 2:0 erzielt. Unterm Strich geht der Sieg in Ordnung", so Trainer Rico Schmitt.
Die Auer zeigten sich als die überlegenere Mannschaft, die trotz zahlreicher verschenkter Chancen den Sieg für sich verbuchen konnte. Der Triumphzug geht also weiter. Am kommenden Spieltag reist Aue dann zum Ostderby nach Cottbus. Ob man auch gegen Energie so souverän auftreten wird und die Tabellenspitze weiter für sich beansprucht, wird sich zeigen. (arn)
weitere Spielberichte Heimmannschaft Spieldaten Gastmannschaft
  4 Ecken 4
  15 Fouls 8
  3 Abseits 1
  42.7% Ballbesitz 57.3%
  14 Torschüsse 7
  67 Zweikämpfe 67
  49% - davon gewonnen 51%
  28 lange Bälle 30
  19 - davon nicht angekommen 25
  0 Gelbe Karten 1
  0 Gelb-Rote Karten 0
  0 Rote Karten 0