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Dynamo Dresden: Axel Keller, Cataldo Cozza, Maik Wagefeld, Markus Palionis, Ronny Nikol, Sascha Pfeffer, Jens Truckenbrod, Lars Jungnickel, Thomas Bröker, Halil Savran, Pavel Dobry; Trainer: Ruud Kaiser
Eingewechselt: 82. Maik Kegel für Pavel Dobry, 85. Jens Grembowietz für Ronny Nikol
Kader: Benjamin Kirsten, Tony Schmidt, Gerrit Müller, Timo Röttger
FC Erzgebirge Aue: Martin Männel - Sven Müller, Pierre Le Beau, René Klingbeil, Christian Siemund - Marc Hensel, Daniyel Cimen, Arne Feick, Skerdilaid Curri - Sebastian Glasner, Eric Agyemang; Trainer: Heiko Weber
Eingewechselt: 46. Mohammed El Berkani für Eric Agyemang, 60. Maboula Ali Lukunku für Sebastian Glasner, 70. Benjamin Baltes für Christian Siemund
Kader: Stephan Flauder, Andreas Lobsch, Felix Dojahn
Tore: 1:0 Thomas Bröker (Rechtsschuss, 16.); 2:0 Pavel Dobry (Linksschuss, 40.); 3:0 Halil Savran (Rechtsschuss, 41.); 3:1 Arne Feick (Linksschuss, 76. / Mohammed El Berkani)
Schiedsrichter: Stefan Trautmann (Bodenwerder)
Zuschauer: 14400 (ausverkauft)
Gelbe Karte: Maik Wagefeld / Martin Männel, Eric Agyemang (2.), Arne Feick (5., gesperrt), Marc Hensel (5., gesperrt)
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Vorbericht - Rückrundenspiel - Fotos vom Spiel
Spielbericht: Was soll man nach so einem verkorksten Spiel noch schreiben. Der Start ins neue Jahr ging für die Veilchen mächtig nach hinten los. Der große Knall, den sich Teammanager Heiko Weber immer wünscht, war für die 1.400 mitgereisten Schlachtenbummler mehr als deutlich zu spüren, leider im negativen Sinne. Da nützt es dem gemeinen Fan auch nicht, beim Heimspiel gegen Bremen II freien Eintritt zu bekommen, denn die Schmach dieser Niederlage in der Landeshauptstadt sitzt tief und die Quereleien nehmen diesbezüglich kein Ende. "Wir haben 24 Punkte und eine Stimmung im Verein, als wären wir Letzter. Dresden liegt mit 18 Punkten knapp vor einem Abstiegsplatz und geht mit einer riesigen Euphorie in dieses Duell. Das kann einfach nicht sein", haderte Heiko Weber und kündigte in Anwesenheit von FCE-Präsident Uwe Leonhardt an: "Es gibt einige Ungereimtheiten im Verein, die werden wir radikal ausmerzen."
Der Schuldige scheint bei der lokalen Presse schon gefunden, das auefans.com-Forum soll seit Wochen negative Stimmung gegen Weber geschürt und so auch die Spieler indirekt beeinflusst haben - wohl blinder Aktionismus. Tatsache ist jedenfalls, dass die wichtigen Abwehrstützen Tomasz Kos und Thomas Paulus verletzungsbedingt sowie Jan Hochscheidt gelbgesperrt ausgefallen waren und die Youngster Christian Siemund und Pierre Le Beau im Haifischbecken Harbig-Stadion quasi ersoffen sind. Neuzugang Sven Müller aus Kaiserslautern zeigte auf der rechten Abwehrseite anfangs auch zu wenig, zudem hatte er wie die restlichen Mitspieler mit Standproblemen zu kämpfen. Und da ging die Misere schon los.
Die Veilchen verloren die Seitenwahl und erwischten zunächst die vereiste, weil von der Sonne abgeschirmte Spielhälfte. "Der Platz war mies und im Dezember definitiv besser bespielbar. Ich frage mich, wie man so etwas anpfeifen kann", meinte ein frus trierter Marc Hensel, der obendrein seine fünfte Gelbe kassierte. Ex-Veilchen und nun Keeper bei den Dresdnern, Axel Keller, wusste um die Beschaffenheit und die damit verbundenen Tücken des Bodens. "Wir haben nicht zufällig in der ersten Halbzeit drei Tore geschossen", sagte Keller und bekräftigte damit die Aussage von Dresdens Neukapitän Wagefeld, dass es auf dieser Seite "immens schwer zu verteidigen war. Der Boden war knüppelhart und eisig." Katastrophale Platzbedingungen hin oder her, die Auer Abwehr hatte gegen den schwächsten Angriff der Liga (vor der Partie nur 14 Tore) nicht den nötigen Schneid gehabt, beherzter zu Werke zu gehen. Fast wie im Winterschlaf erstarrten sie vor Ehrfurcht. "Wir haben gegen einen aggressiven Gegner viel zu zurückhaltend agiert", wußte auch Marc Hensel.
Eigentlich nichts Außergewöhnliches sollte man meinen, denn in den neun vergangenen Auftaktspielen nach der Winterpause blieben die Veilchen sieglos. Und erneut kam der Gegner besser aus den Startlöchern. Bereits nach vier Spielminuten scheiterte Truckenbrod per Kopf an Keeper Martin Männel. Zwölf Minuten später war der Schlussmann jedoch machtlos. Nach einem eklatanten Fehlpass von Christian Siemund nahm Bröker Fahrt auf, umkurvte seelenruhig die untätige Abwehr und verwandelte aus gut 18 Metern platziert ins untere Eck. Wohl aufgewacht versuchten die Veilchen dem Spiel etwas beizutragen. Doch bis auf einen Freistoß von Arne Feick (21.) auf den einschussbereiten Eric Agyemang, der dabei unglücklich in Schussmann Keller reinrutschte, sah man nicht viel von der Offensive. Dafür klappte es nun in der Defensive, die durch die Umstellung von Daniyel Cimen nach hinten auf die Position von Sven Müller besser harmoniert e.
Bei gefühlten 30 Grad Minus plätscherte die Partie weiter vor sich hin und die 14.400 Zuschauer erwarteten sehnsuchtsvoll die Halbzeit. Der Pausenpfiff kam für Aue und eben 'Harry' Siemund leider fünf Minuten zu spät. Der Rotschopf verstolperte das Leder, Pfeffer setzte nach und bediente in der Mitte den mitgelaufenen Dobry, der aus acht Metern nur noch seinen Fuß hinhalten musste (40.). Sekunden später passte der Torschütze des 2:0 zu Savran, der seinen Bewacher Pierre Le Beau scheinbar mühelos abschüttelte und im Anschluss mit dem Außenrist zur Vorentscheidung einschoss (41.). "Die Dinger haben wir uns selber reingehauen", ächzte Kapitän René Klingbeil, während Dynamo-Coach Kaiser betonte: "Natürlich hat der Gegner Fehler gemacht, aber wir haben ihn mit unserer aggressiven und kompakten Spielweise dazu gezwungen." Mit dem 3:0 ging es in die Kabinen und man hatte die Befürchtung, dass es heuer zu einer richtigen Klatsche kommen würde.
Aber da war ja noch die Sache mit dem gefrorenen Rasen und siehe da, Aue setzte fortan die besseren Offensivakzente. Was blieb den Kickern auch weiteres übrig, schlechter ging's ja bald nicht mehr. Woran es nun noch haperte, war die haarsträubende Chancenverwertung: Der zur Pause für Eric Agyemang eingewechselte Mohamed El Berkani jagte hierbei den Ball fünf Meter vor dem Tor kurzerhand über die Querlatte (58.). Nicht viel besser machte es Maboula Ali Lukunku, der den von Keller abgewehrten Müller-Schuss übers leere!!! Tor donnerte (63.). "Ein Stürmer seines Formats muss diesen Ball reinmachen", schimpfte Trainer Rico Schmitt und war sich sicher, dass dies der Knackpunkt des Spiels war. Der Ehrentreffer von Arne Feick nach schönem Zuspiel von Mohamed El Berkani (76.) war deshalb nur noch Ergebniskosmetik und riss niemanden mehr vom Sitz. Auch die versiebte Großchance von Skerdilaid Curri, der mit seinem Schuss an Torhüter Keller scheiterte, nahm man fast schon gelassen hin.
Der Endspurt kam einfach zu spät. Das Fazit von Rico Schmitt fällt demnach ernüchternd aus: "Die erste Halbzeit war eine Zumutung von unserer Mannschaft. Ich möchte mal von kollektivem Versagen sprechen. Auf schwerem Boden hatte sie nicht ins Spiel gefunden, sich vor den druckvollen Dresdnern regelrecht versteckt. Die drei Tore sind Eigentore von uns gewesen. Dresden hatte uns viel Kampfkraft und Einsatzbereitschaft entgegenzusetzen. Das ändert auch nichts daran, dass wir in der zweiten Hälfte besser ins Spiel kamen. Wir haben gute Gelegenheiten nicht nutzen können. Ich bin mir sicher, am nächsten Sonnabend gegen Jena werden unsere Fans eine ganz anders eingestellte Mannschaft sehen." Allerdings wird die personelle Situation nicht einfacher: Tomasz Kos und Thomas Paulus werden weiterhin fehlen und Arne Feick sowie Marc Hensel müssen ihre fünfte Gelbe Karte einlösen. (arn) |
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