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FC Erzgebirge Aue - FSV Frankfurt 'Vorschau'

Es kann nur besser werden. Denn der Personalwechsel auf der Trainerbank zeigte noch keine Wirkung. Gegen keinesfalls übermächtige Cottbuser fand der nun auf einen Relegationsplatz angelangte FC Erzgebirge kaum ein Mittel, ist damit auch weiterhin seit sieben Spielen sieglos (drei Remis, vier Niederlagen) und hat nur eine der letzten zwölf Partien gewonnen (2:1 in Dresden, 15. Spieltag). Nur in der Anfangsphase der zweiten Halbzeit war ein kurzzeitiges Aufbäumen zu erkennen. Daher zeigte sich Karsten Baumann nach seiner Premiere als Auer Chefcoach ein wenig enttäuscht über das (Nicht)Gezeigte: "Leider hat die Mannschaft den ersten Eindruck, den ich von ihr in den ersten Trainingseinheiten gewonnen habe, im Spiel nicht umsetzen können. Auf dem Trainingsplatz waren die Jungs aggressiv, willig und haben auch sofort begriffen, was ich wollte. Leider hat die Umsetzung im Spiel nicht stattgefunden und das stimmt dann einen schon nachdenklich."
Etwas nachdenklicher wurden auch die Mienen der Fans: Nach dem 0:2 bei Energie Cottbus steht ihr Verein erstmals seit dem Wiederaufstieg auf dem Relegationsplatz und befindet sich damit in akuter Abstiegsgefahr. In der Rückrundentabelle hat der FC Erzgebirge mit einem Spiel weniger bereits die Rote Laterne inne. Nie zuvor gewann Aue in der 2. Bundesliga nach 22 Partien so selten (4S-8U-10N), selbst die 20 Zähler sind so wenige wie nie. Des Weiteren spielte die Mannschaft aus dem Lößnitztal seit zwölf Partien nicht mehr zu null - zuletzt am 10. Spieltag beim 1:0 gegen Hansa Rostock. Eine saubere Weste gegen den FSV ist für Baumann daher fast schon Pflicht. "Wir müssen als Mannschaft aktiver werden und kompakter stehen", erklärte der 42-Jährige und macht aber auch keine Hehl daraus, dass seine Lila-Weißen mit 18 mickrigen Treffern den schwächsten Angriff der Liga vorzuweisen hat: "Klar ist es wichtig, dass man Tore erzielen muss, aber vorrangiges Ziel ist es, dass wir hinten wieder zu Null spielen. Das gibt der Truppe Sicherheit. Das heißt aber nicht, dass wir uns gegen den FSV Frankfurt einigeln werden. Gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf wollen wir gewinnen und ein Zeichen setzen."
Apropos Zeichen, diese müssen jetzt in den verbleibenden zwölf Endspielen auch von den Führungsspielern kommen - eine Charakterfrage sozusagen. Mit Kapitän René Klingbeil, Thomas Paulus, Oliver Schröder, Ronny König, Kevin Schlitte oder auch Enrico Kern steckt jede Menge Erfahrung im Kader. Doch die richtigen Leader, die sich während des Spiels auch mal lautstark zu Wort melden, fehlen. Wer jetzt nicht mitzieht, hat hier nichts mehr verloren. Die Zeit der Ausreden ist vorbei oder mit den Worten von Guido Kocer: "Jeder muss für jeden Kämpfen und Beißen!" Mit mehr Mut und eigenem Selbstvertrauen muss die bisweilen fast schon ängstliche Körpersprache deutlich verbessert werden. "Das ist die Grundvoraussetzung und wenn wir es schaffen, eine positive, aggressive Stimmung in die Mannschaft reinzukriegen, vielleicht auch mit Hilfe der Fans, dann werden wir den Klassenerhalt auf jeden Fall schaffen", so Baumann, der auch am gestrigen Donnerstag bei der Schenkaktion von 1.700 Einrittskarten den Anhängern Rede und Antwort stand. Damit das Sparkassen-Erzgebirgsstadion möglichst voll wird, haben die Spieler tief in die Mannschaftskasse gegriffen und die Tickets spendiert. "Unser Anhang war zuletzt unzufrieden mit den gezeigten Leistungen. Doch im Abstiegskampf geht es nur gemeinsam, brauchen wir unsere Fans im Rücken“, sagte Kapitän René Klingbeil: ”Uns Spielern ist es darüber hinaus sehr wichtig, mit den Fans ins Gespräch zu kommen, sich gegenseitig auszutauschen. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff sind solche Gespräche meist zu sehr von den Emotionen geprägt." So gab es gestern nicht nur Autogrammkarten sondern auch einen Austausch verschiedenster Sichtweisen zwischen Fans und Spielern. Einige Fotos dazu findet ihr hier.
Nun ein kurzer Blick auf den kommenden Gegner: Genau wie die Veilchen haben die Frankfurter in dieser Saison nur vier Partien gewinnen können, spielten neun Mal Unentschieden und gingen zehn Mal als Verlierer vom Platz. Die Tordifferenz beträgt bei 45 Gegentoren -21, was ebenfalls nicht berauschend ist. Neun Mal blieb der FSV torlos - nur Aachen und Rostock häufiger. Dennoch hat der Verein unter Neu-Coach Benno Möhlmann eine positive Bilanz: Zwei Siege, ein Remis und die ‘knappe’ 6:1-Niederlage im Stadtderby führte die Elf vom Bornheimer Hang auf einen Nichtabstiegsplatz - für die Hessen ist Rang 13 die beste Platzierung seit dem 14. Spieltag (In den ersten 19 Spielen mit dem kurz vor Weihnachten beurlaubten Hans-Jürgen Boysen hatte der FSV ebenfalls nur zwei Siege gefeiert). Neben dem erfahrenen Fußballlehrer kamen im Winter vier neue Spieler, von denen vor allem die beiden Leihgaben aus Kaiserslautern Micanski und Amri auf Anhieb eine Verstärkung darstellten und bereits fünf Frankfurter Tore im Jahr 2012 beisteuerten. Der treffsicherste Spieler in Reihen der Blau-Schwarzen ist nach wie vor Chrisantus mit sieben Einschlägen, gefolgt von eben jenen Micanski (4), Benyamina (3), Kapitän Cinaz (3), Yelen (3), Amri (1), Fillinger (1) und Gaus (1), der nach seiner Gelb-Sperre wieder am Sonntag auflaufen wird. Dafür wird Amri fehlen. Beim ersten Saison-Heimsieg des FSV gegen den KSC (nebenbei bemerkt gelang dem FSV gegen die Karlsruher der höchste Heim- und zugleich auch der höchste Auswärtssieg der Saison) erlitt der Mittelfeldspieler einen Wadenbeinbruch mit Ausrenkungsbruch am Sprunggelenk und wird diesbezüglich Möhlmann, der dennoch auf genügend Alternativen bauen kann, für die restliche Saison nicht mehr zur Verfügung stehen. Auch sein Gegenpart Baumann hat die Qual der Wahl. “Die Spieler geben ordentlich Gas und machen mir die Auswahl schwer”, meinte Aues neuer Trainer.
Die Liste der Aufeinandertreffen ist recht kurz und fällt zu Gunsten der Veilchen, die gegen den FSV Frankfurt noch ungeschlagen sind - zwei Siege und ein Remis, allesamt in 2011 absolviert. Letzte Saison trafen beide Teams erstmals aufeinander, beide Spiele wurden mit 3:1 (H) bzw. 2:0 (A) gewonnen. Das Hinspiel in dieser Saison endete 1:1. Enrico Kern brachte die Lila-Weißen in Führung, Fillinger glich aus und Aues Keeper Martin Männel rettete den Veilchen das Remis. Mit elf abgewehrten Torschüssen stellte er einen ligaweiten Saisonrekord auf. Hinzu kamen noch die vier Aluminiumtreffer, die Schlimmeres verhinderten.
Last but not least das Schiedsrichtergespann. Der Nürnberger Benjamin Cortus gibt sich die Ehre und pfeift die Sonntagspartie des 24. Spieltages. Bislang war der 30-jährige Informatikkaufmann nur in einem Spiel mit Auer Beteiligung gesetzt. Damals stand es im Heimspiel der Drittligapartie gegen die Zweitvertretung von Borussia Dortmund am Ende 2:2. Christian Dietz (Kronach) und Benjamin Brand (Gerolzhofen) behalten die Seitenlinien im Auge. Das komplette bajuwarische Gespann wird assistiert vom Berliner Robert Wessel als vierter Offizieller.


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