noscript-img
VeilchenPower.de

3. Liga 2008/09

Spielbericht

10. Spieltag - Samstag, 18.10.2008 - 14:00

Jahn Regensburg - FC Erzgebirge Aue 1:4 (1:1)

Jahn Regensburg: Bastian Becker, Alexander Maul, Mersad Selimbegovic, Andreas Brysch, Stefan Binder, Tobias Zellner, Moise Bambara, Alexander Blessin, Manuel Hiemer, Petr Stoilov, Nico Beigang; Trainer: Thomas Kristl

Eingewechselt: 74. Tobias Schlauderer für Moise Bambara, 75. Emre Güral für Nico Beigang, 80. Dennis Grassow für Mersad Selimbegovic

Kader: Rouven Sattelmaier, Stefan Jarosch, Sebastian Kreis

FC Erzgebirge Aue: Martin Männel - Jan Hochscheidt, Tomasz Kos, Thomas Paulus, René Klingbeil - Marc Hensel, Fabian Müller, Arne Feick, Skerdilaid Curri - Mohammed El Berkani, Maboula Ali Lukunku; Trainer: Heiko Weber

Eingewechselt: 60. Sebastian Glasner für Maboula Ali Lukunku, 75. Eric Agyemang für Mohammed El Berkani, 82. Steve Müller für Skerdilaid Curri

Kader: Stephan Flauder, Christian Siemund, Maik Georgi, Daniyel Cimen

Tore: 0:1 Marc Hensel (Kopfball, 40. / Fabian Müller); 1:1 Nico Beigang (Linksschuss, 43. / Manuel Hiemer); 1:2 Sebastian Glasner (Kopfball, 64. / Arne Feick); 1:3 Skerdilaid Curri (Rechtsschuss, 77. / Eric Agyemang); 1:4 Eric Agyemang (Rechtsschuss, 85. / Sebastian Glasner)

Schiedsrichter: Stefan Schempershauwe (Hildesheim)

Zuschauer: 4200

Gelbe Karte: Andreas Brysch, Petr Stoilov / Maboula Ali Lukunku, René Klingbeil (2.)

 
 
     
   
     
     
     
     
     
     
     
 

Vorbericht - Rückrundenspiel - Fotos vom Spiel

Spielbericht: Ei verbibscht nochemol, mir ham gewonne. Genau, zum zweiten Mal in dieser Saison gingen die Veilchen als Sieger vom Platz, und das Auswärts. Auf fremden Plätzen holte man bisher in dritten Liga mehr Punkte als in der kompletten vergangenen Saison. Wenn man nun noch zu Hause den Hebel umlegen könnte, dann wäre die Euphorie im Erzgebirge wieder am blühen. Mit dem klaren 4:1 bei Jahn Regensburg ist man vorerst aus dem Tabellenkeller geklettert, selbst wenn dafür nur das bessere Torverhältnis als Gradmesser genommen werden kann. Aber anscheinend musste Trainer Rico Schmitt seinen Schützlingen erstmal zeigen, wie man aus der Tiefe wieder ans Tageslicht empor kommt und unternahm unter der Woche gemeinsam einen Ausflug nach Untertage - mit sichtbaren Triumph, befand ebenfalls Rico Schmitt: "Wir haben von Beginn an konzentriert gespielt und die erste Halbzeit über 40 Minuten dominiert. In den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit hatten wir einige Schwierigkeiten, konnten dann aber läuferisch und kämpferisch überzeugen. Heute hat das klar bessere Team gewonnen. Besonders freue ich mich für Glasner, Curri und Agyemang, bei denen endlich der Knoten geplatzt ist."
Auch wenn die Partie nicht gerade auf meisterhaftem Niveau vollführt wurde, merkte man dennoch die Bereitschaft, sich den Allerwertesten aufzureißen und den von FCE-Präsident Uwe Leonhardt geforderten 'Meilenstein' zu erzwingen. Natürlich hat das Team die drei Punkte auch gern für die Trainerschaft geholt. "Es war ein Schritt mehr nicht.", sieht Rico Schmitt das eben Erreichte etwas differenzierter. Doch nach so einem Erfolgserlebnis steckt man voller Glücksgefühle, die mitunter einfach herausposaunt werden müssen.
Das taten dann auch die gut 1.500 angereisten Schlachtenbummler, die ihre Mannschaft nach dem Abpfiff ausgiebig hochleben ließen. "Wenn man sieht, was hier los ist von den Fans her - da musst du einfach alles geben. Wir spielen dritte Liga, und der Auswärtsblock ist voll. Das haben andere in der zweiten Liga nicht. Einfach megageil", freute sich Thomas Paulus überglücklich. Die fassungslosen Jahn-Zuschauer verharrten indes nur noch kurz im Stadion, welches wenige Augenblicke später, wie leer gefegt war. Einzig der Gästeblock wollte mit dem Feiern nicht mehr aufhören. Doch bis diese Jubelszenen endlich unter Dach und Fach waren, mussten noch so einige Tiefschläge verdaut werden. Aue spielte freilich von Beginn an geordneter, mit frühzeitigem Pressing auch drückender, doch letzten Endes fehlte es aber wie immer am Abschluss. So versäumte die auf drei Positionen umgestellte Veilchen-Elf (Martin Männel, Jan Hochscheidt und Ali Maboula Lukunku spielten für Stephan Flauder, Daniyel Cimen und Sebastian Glasner) ihre spielerische Überlegenheit gegen die völlig verunsicherten und passiv agierenden Gastgeber in Tore umzumünzen. Jahn-Coach Thomas Kristl sah nach dem 1:0-Erfolg in Burghausen vorerst keine Veranlassung, an seiner Elf etwas zu ändern und schickte dieselben Akteure auf den Rasen, die, wie er später befand "zu leidenschaftslos" agierten. Zwar traf Hiemer nach acht Minuten mit einem Eckstoß die Latte, doch blieb dies für längere Zeit die einzige vage Regensburger Torchance.
Anders dagegen das Begehren des Gewinnens der komplett in lila spielenden Gäste. Von einem Heimvorteil war wenig zu sehen und so musste SSV-Keeper Becker einige Male sein Können unter Beweis stellen. Gegen Ali Maboula Lukunku (15.), der kurz vor dem Tor noch mit der Fußspitze an den Ball gekommen war, blieb er Sieger, wie auch gegen den allein vor ihm auftauchenden Mohamed El Berkani (30.), der von Arne Feick herrlich freigespielt wurde. Da alle Bemühungen aus dem Spiel heraus scheiterten, war es nicht verwunderlich, dass eine Standartsituation für die verdiente Führung herhalten musste. Die getretene Ecke vom auffälligen Fabian Müller fand genau den Dickschädel von Marc Hensel, der kompromisslos sein viertes Saisontor in die Maschen köpfte (39.). Kurioserweise machte der nun interne Torschützenkönig all seine Buden nicht als eingesetzter Stürmer, sondern als Abwehrspieler bzw. heuer als defensiver Mittelfeldmann.
Das 1:0 währte, wie die Auswärtssieg-Rufe im Fanblock allerdings nur kurz, zu kurz. Denn nach einem Lapsus von Thomas Paulus erzielte Beigang mit der ersten Möglichkeit für den SSV den Ausgleich. "In der Kabine haben mich alle aufgemuntert, mir gesagt, ich soll's abhaken. Und das muss man auch.", meinte der eigentlich erfahrene Abwehrstratege. Tja, das ist der Auer Fußball live und in Farbe. Da rackert man sich eine Halbzeit ab, um nach etlichen Großchancen endlich verdient in Führung zu gehen, da kommt der Gegner einmal über die Mittellinie und macht direkt den Ausgleich: Hiemer knallte hierbei das Leder über das halbe Feld, Thomas Paulus haute als letzter Verteidiger über den Ball und Beigang machte im Anschluss mit Keeper Martin Männel kurzen Prozess (42.). "Geht das schon wieder los?", fragten sich die vom Regen in die Traufe versetzten Schachtscheißer.
Nach den Kabinenpredigten, die von den Hausherren in den ersten paar Minuten besser umgesetzt wurden und ein 20-Meter-Hammer von Zellner nur knapp am Gehäuse von Martin Männel vorbeirauschte, übernahmen die Mannen von Heiko Weber erneut das offensive Zepter. So richtig los mit dem Sturmlauf ging es aber erst mit der Hereinnahme von Sebastian Glasner im Tausch für den unglücklich agierenden und zudem mit gelb vorbelasteten Ali Maboula Lukunku. Vier Minuten waren seit dem Wechsel vergangen, da zappelte der Ball zur erneuten Führung im Tor von Regensburg. Allerdings waren wieder mehrere Anläufe von Nöten. Zunächst scheiterte Sebastian Glasner von rechts kommend selbst am SSV-Keeper Becker, den Abpraller bekam aber auch der im Strafraum stehende Mohamed El Berkani nicht im Kasten unter. So wurde auf den linken Flügel ausgewichen. Dort flankte Arne Feick die Kugel zurück in den Fünfmeterraum und diesmal nutzte Sebastian Glasner seine Chance per Kopf (63.). "Wir haben in den letzten beiden Wochen wirklich sehr hart gearbeitet, sind da hingegangen, wo es wehtut. Genau diese Tugenden waren hier gefragt. Heute ging es nicht um spielerische Qualität, sondern um Biss und um Aggressivität", hob der 23-jährige Angreifer hervor und war glücklich über seinen ersten Saisontreffer.
Unverdrossen nahm das Angriffsspiel weiter gehörig an Fahrt auf. Der eben ins Spiel gekommene Eric Agyemang legte kurzer Hand für den an der Strafraumgrenze lauernden Skerdilaid Curri auf. Das 'Kopfballungeheuer' schaute kurz, zog ab und nagelte das Teil aus der zweiten Reihe ins lange Eck (76.). Einfach Traumhaft. Nicht viel unspektakulärer war der Treffer vom Ghanesen selbst. Nach einem weiten Abschlag von Torhüter Martin Männel, den Sebastian Glasner in den Lauf von Eric Agyemang verlängerte, lupfte der einzig im langen Trikot spielende Auer den Ball über den verdutzt schauenden SSV-Torhüter Becker hinweg zum 4:1-Endstand (85.). Mit diesem nicht nur in der Höhe verdienten Auswärtssieg dürfte beim FC Erzgebirge nun auch endlich das nötige Selbstvertrauen für diese 3. Liga angekommen sein. "Wir haben eine gute Mannschaft, aber eben nur, wenn jeder Spieler seine Leistung konstant über 90 Minuten hinweg abruft. Das war heute der Fall. Gehen nur fünf, sechs Spieler an ihre Leistungsgrenze, dann ist man eben Tabellenvorletzter", befand Teammanager Heiko Weber. (arn)