|
Kickers Emden: Daniel Masuch, Jan-André Sievers, Bernd Rauw, Jasmin Spahic, Rachid El Hammouchi, Rudolf Zedi, Nils Pfingsten-Reddig, Giovanni Cannata, Tom Moosmayer, Enrico Neitzel, Alban Ramaj; Trainer: Stefan Emmerling
Eingewechselt: 59. Thomas Klasen für Giovanni Cannata, 59. Lawrence Aidoo für Alban Ramaj
Kader: Jonas Toboll, Kevin Nennhuber, Manuel Menzel, Andy Nägelein
FC Erzgebirge Aue: Stephan Flauder - Jan Hochscheidt, Tomasz Kos, Thomas Paulus, René Klingbeil - Marc Hensel, Fabian Müller, Arne Feick, Skerdilaid Curri - Mohammed El Berkani, Maboula Ali Lukunku; Trainer: Heiko Weber
Eingewechselt: 38. Sebastian Glasner für Mohammed El Berkani, 70. Eric Agyemang für Skerdilaid Curri, 83. Pierre Le Beau für Jan Hochscheidt
Kader: Martin Männel, Christian Siemund, Steve Müller, Maik Georgi
Tore: 0:1 Maboula Ali Lukunku (Rechtsschuss, 45.); 1:1 Bernd Rauw (Rechtsschuss, 77.)
Schiedsrichter: Christian Leicher (Weihmichl)
Zuschauer: 3346
Gelbe Karte: Tom Moosmayer, Bernd Rauw, Rudolf Zedi, Jan-André Sievers / Jan Hochscheidt (3.)
Rote Karte: - / Maboula Ali Lukunku (67., Tätlichkeit)
|
|
Vorbericht - Rückrundenspiel - Fotos vom Spiel
Spielbericht: Zum Ende der englischen Woche erkämpften die Veilchen in Emden ein 1:1-Unentschieden und krönten somit die Serie von sechs ungeschlagenen Partien nacheinander, in denen die Elf von Heiko Weber 13 Tore schoss und 12 Punkte auf der Habenseite verbuchen konnte. Mit dem Verlauf der letzten Tage ist man im Erzgebirge hochzufrieden. Nicht ganz zufrieden war man nach Spielende mit der Leistung des Schiedsrichtergespanns. Vor allem die rote Karte gegen Ali Maboula Lukunku war diskussionswürdig und drückte die Stimmung, wie auch der Punktgewinn, was gegen den Tabellenführer durch aus beachtlich ist, etwas. "Es war eindeutig mehr drin. Dass die den Punkt feiern und wir uns ärgern, sagt doch eigentlich alles", meinte auch Thomas Paulus, der zum Abklatschen in den mit gut 150 Auswärtsfans gefüllten Gästeblock kam und in entgeisterte Gesichter starrte. Besonders die letzte Viertelstunde hatte den Schlachtenbummlern zugesetzt. Aber von vorn.
Auf dem tiefen, gewöhnungsbedürftigen Boden im Embdena-Stadion zeigte Aue von Anfang an eine couragierte Leistung. Kompakt in der Abwehr und mit schnellen Gegenstößen versuchten man zum Erfolg zu kommen. Bei Kickers Emden fehlten die Mittel und anscheinend auch die Kräfte, um die Abwehrkette um Tomasz Kos in Verlegenheit zu bringen. Zwar hatten die Hausherren deutlich mehr Ballbesitz, doch fragte man sich so langsam, wie die Emder auf Platz eins der Tabelle gekommen sind. Heiko Weber hatte seine Mannschaft exakt auf die Ostfriesen eingestellt. Seine Mannen machten die Räume eng, sodass die Platzherren in der ersten Halbzeit kaum zur Entfaltung kamen. Trotzdem sollte von einer bärenstarken Heimelf mehr kommen und während der BSV sich in der Hälfte der Auer festrannte, ging von schnellen Gästekontern im mer wieder Gefahr aus.
So erstmals in der 21. Minute, als Mohamed El Berkani, der für Sebastian Glasner von Beginn an spielte, auf Skerdilaid Curri steil flankte. Kicker-Schlussmann Masuch war allerdings einen Schritt schneller als der quirlige Stürmer. Keine drei Minuten später setzte sich die Konter-Maschinerie erneut in Gang. Wieder über Mohamed El Berkani, der diesmal für Fabian Müller auflegte. Aus vollem Lauf verfehlte dieser allerdings den Kasten weit. Obwohl sich die Nummer 10 bei diesen Aktionen auffällig gemacht hatte, erwartete den Stürmer in der 38. Minute die Höchststrafe. Teammanager Heiko Weber sprach nach der Partie deutliche Worte und zeigte sich mit der Einsatzbereitschaft seines Stürmers unzufrieden, was die frühe Auswechselung erklärte. Sebastian Glasner kam nun zu seiner Jokerrolle.
Aber ein anderer Akteur in den Reihen des FC wurde immer stärker: Ali Maboula Lukunku. Der Mann wie ein Baum entwickelte sich zum Dreh- und Angelpunkt im Auer Angriffsspiel. "Ich habe noch nie so ein Kopfball-Monster erlebt", lobte Emdens Moosmayer die Fähigkeiten des 1,90-Meter-Hünen. Mit seinem wuchtigen Körper schirmte er die Bälle ab und machte sich selbst als Vollstrecker gefährlich. Erstmals bekam er dazu seine Chance in der 24. Minute. Eine verunglückte Abwehr von Rauw sprang dem Kongolesen genau vor die Füße. Keeper Masuch verhinderte mit einem Reflex die Gäste-Führung. Auch bei den letzten beiden Aktionen vor der Pause war der Stürmer dran beteiligt. In der 42. Minute köpfte er freistehend aus fünf Metern knapp am Tor vorbei, zeigte sich nur zwei Minuten später jedoch zielsicherer. Nach einem verunglückten Emder Abwehrversuch von Sievers, der damit unfreiwillig einen Zuckerpass auf Ali Maboula Lukunku fabrizierte, nutzte dieser die Gelegenheit und ließ Masuch mit einem Flachschuss ins linke Eck keine Abwehrmöglichkeit.
Die Kickers standen plötzlich unter Druck, ohne Sicht auf Besserung. Denn torgefährlich wurden die Hausherren in Durchgang eins nur einmal. Nach einem Missverständnis von Skerdilaid Curri und Marc Hensel schnappte sich Ramaj den Ball und schickte Neitzel auf Reisen. Der interne Torschützenkönig von Emden überlief noch Thomas Paulus, war dann beim Abschluss zu ungestüm und schoss übers Gehäuse von Stephan Flauder (32.).
Erst nach dem Seitenwechsel und dem Rückstand war Emden sichtlich bemühter, der Offensive Leben einzuhauchen. Was den unschönen Nebeneffekt hatte, dass die Partie deutlich härter wurde. Schiedsrichter Leicher hatte es im ersten Durchgang, obwohl Jan Hochscheidt von Rauw ausgeknockt wurde, bei Ermahnungen gelassen. In der zweiten Halbzeit griff er dagegen gleich sechs Mal zum Karton. Einmal davon spielentscheidend. Emdens Rauw, der eigentlich schon duschen hätte sein müssen, grätschte zunächst Ali Maboula Lukunku an der Mittellinie hart nieder. Die gelbe Karte für den Übeltäter empfand der Kongolese als zu mild, wütete weiter, redete auf den Schiedsrichter ein und legte sich mit seinem Gegenspieler an.
Der im Anschluss ausgeführte Freistoß wurde jäh wieder unterbrochen. Plötzlich lag Rauw auf dem Rasen, krümmte sich. Es kam zum Déjà vu. Denn schnell bildete sich eine Spielertraube um den verletzten Spieler. Es wurde geschubst, die Kontrahenten lieferten sich lautstarke Wortgefechte. Schiedsrichter Leicher ging zu seinem Assistenten und zückte dann die Rote Karte für den Torschützen des 1:0 wegen eines Ellbogenstoßes. Aber nicht einmal die Fernsehbilder konnten eine Tätlichkeit beweisen. "Der ist doch theatralisch zu Boden gegangen. Das war oscarreif", befand Kapitän Tomasz Kos. Der vermeidlich Gefoulte zur Rot-Situation: "Er hat mir nach meinem Gelb-Foul schon so etwas angedroht. Dann muss er auch mit den Konsequenzen leben." H eiko Webers Hoffnungen, "dass er uns nicht lange fehlen wird", sind mit einer Sperre von zwei Meisterschaftsspielen in 'Erfüllung' gegangen.
Allerdings waren die Hoffnungen, den Dreier mit ins Erzgebirge zu nehmen, nach dem Platzverweis verschwindend gering geworden. Pausenlos rollten die Angriffe in Richtung Gästetor. Und Ironie des Spiels: Ausgerechnet dem 'übelst zugerichtetem' Rauw gelang im Emder Powerplay der glückliche Ausgleich. Ein Zedi-Einwurf klärte Marc Hensel genau vor die Füße des Innenverteidigers, der das Leder aus 15 Metern in die Maschen drosch (77.). "Ob es gegen elf Spieler aus Aue noch zu einem Punkt gelangt hätte, ist eine andere Frage", befand Emdens Trainer Emmerling und fügte hinzu: "Am Ende war es ein leistungsgerechtes Remis." Denn ein zweiter Treffer wäre auch keinesfalls verdient gewesen, da Emden ähnlich planlos wie schon im ersten Durchgang geblieben war. Einzig der eingewechselte Aidoo hatte in der 80. Minute noch die Möglichkeit zur Führung. Doch behielt Stephan Flauder bei dem Schuss aus spitzem Winkel die Oberhand.
Beide Mannschaften zeigten schlussendlich Moral, nichtsdestotrotz wäre an diesem Tag für die Veilchen mehr drin gewesen. Heiko Weber freute sich dennoch über den Punkt: "Wir können gut mit dem 1:1 leben. Im Rückspiel werden wir Emden mehr fordern." Doch erstmal kommt am Sonntag die Zweite von Bayern München ins 'Old Otto'. Das Ziel 'Zweiter Heimsieg' steht daher an vorderster Front. (arn) |
|