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FC Erzgebirge Aue - Dynamo Dresden 'Vorschau'

Viel steht auf dem Spiel. Für Aue drei wichtige Punkte im Abstiegskampf, für Dresden die Revanche aus der Hinspielpleite. Besondere Rücksicht vom sächsischen Nachbarn wird trotzdem nicht erwartet. Zwar wäre eine kurze Anreise nach Aue für Dynamo von Vorteil, doch der Prestigefaktor ist zu gewichtig. Motivationsprobleme dürfte in dem brisanten Derby keiner haben, weder bei den Spielern und Verantwortlichen, noch bei den Fans. Allerdings können die Gäste befreiter in die Partie gehen. Zuletzt wurde die 40-Punkte-Marke geknackt und damit der Klassenerhalt perfekt gemacht. Für Ralf Loose, der sein einjähriges Traineramt bei Dynamo feierte, war die Saison dennoch ein Kraftakt. "Wir haben sehr viel investiert, um da hin zu kommen", erinnerte Loose daran, dass der Klassenerhalt trotz aller Freude am Ende vor allem ein hartes Stück Arbeit gewesen war.
Zu Saisonbeginn konnte man in der Elbstadt mit diesem Happy-End keineswegs rechnen. Nur vier Zähler aus den ersten sechs Partien schienen alle Befürchtungen zu bestätigen, dass es für den Aufsteiger, der es erst über die Relegation gegen den VfL Osnabrück in die 2. Bundesliga geschafft hatte, bis zum Schluss ums nackte Überleben gehen würde. Bis zum Ende der Hinrunde waren es dann 18 Punkte und ein Polster von sechs Zählern auf Rang 16. Erst der starke Rückrundenstart sollte die Grundlage für den Verbleib in Liga zwei bedeuten. Aus acht Spielen holten die Schwarz-Gelben bei nur einer Niederlage 15 Zähler (4S-3U) - die Veilchen hingegen nur sieben (1S-4U-3N). Danach blieben beide Vereine mit zwei Siegen, einem Remis und drei Niederlagen auf gleichem Niveau, allerdings warten die Lila-Weißen seit vier Spieltagen auf einen Sieg (1U-3N). Würde Aue die vierte Pleite in Folge kassieren, wäre dies ein neuer Vereinsnegativrekord in der 2. Bundesliga. Nach dem kurzen Hoch mit dem neuen Trainer Karsten Baumann, scheint die Mannschaft in alte Eigenbröteleien zurückzufallen. Mit 31 Punkten (7S-10U-14N) steht man derzeit auf Tabellenplatz 15 und hat nur vier Zähler Vorsprung auf den Abstiegsrelegation-Platz.
Der seit dem 24. Spieltag ununterbrochene Tabellenneunte aus Dresden feierte hingegen bereits elf Mal die Maximalausbeute von drei Zählern. Einen großen Anteil an diesem Erfolg hat die Offensivabteilung. Allen voran die beiden viertplatzierten Toptorschützen der 2. Bundesliga Dedic und Poté, die zu Saisonbeginn kamen, mit jeweils 12 Treffer voll einschlugen und auch zuletzt gegen Düsseldorf gemeinsam einnetzten. Letztgenannter Angreifer war in der Hinrunde Dynamos Shootingstar, traf achtmal. In der Rückrunde hat er sich mit dem Toreschießen schwergetan und erst vier Treffer erzielt. Dennoch fixiert sich Karsten Baumann für einen Auer Heimsieg explizit auf das Stürmerduo: "Wenn wir die ausschalten können, haben wir gute Chancen, die Partie positiv für uns zu gestalten." Getroffen haben bei den Landeshauptstädtern, die seit dem 11. Spieltag zwischen Rang elf und neun pendeln, noch Koch (7), Fort (5), Subasic (3), Trojan (2) und fünf weitere Dynamos. Nur sieben Teams erzielten mehr Treffer als die Schwarz-Gelben (47). Das krasse Gegenteil liefern derzeit die Lila-Weißen. 27 Tore nach 31 Spielen ist nicht nur die schlechteste Ausbeute gegenüber den anderen Mannschaften in der aktuellen Zweitliga-Saison, sondern, wie solls auch anders sein, ein neuer Vereinsnegativrekord. Ein Weiterer würde hinzukommen, wenn die Veilchen am Samstag nicht ins Tor treffen würden, denn vier Mal in Folge torlos gab es bei den Lila-Weißen ebenfalls noch nie. Nur fünf Mal erzielte Aue mehr als einen Treffer - allen anderen Teams gelang das häufiger.
Hingegen ist die Gäste-Abwehr mit einem Gegentreffer weniger als Aue (51) durchaus auf Augenhöhe zu sehen. Zu einer Größe im Dresdner Defensivverbund ist der 1,93 Meter große Winter-Leihgabe Savic geworden. So kassierte die SGD im Februar und März drei Spiele in Folge kein Gegentor (2:0 gegen Duisburg, 2:0 in Bochum, 0:0 gegen Ingolstadt), bekam aber zuvor in Berlin (4:0) und danach bei der Eintracht in Frankfurt (3:0) ordentlich eingeschenkt. Dass es bei den Hessen nichts zu holen gab, mussten auch die Veilchen am vergangenen Spieltag feststellen. Mit einer 0:4-Klatsche im Gepäck machte sich der FCE auf die Reise zurück ins Erzgebirge. So etwas soll laut Ronny König am Samstag nicht wieder vorkommen: "Das Sachsenderby gegen Dresden wird ein völlig anderes Spiel bei uns. Da muss jeder um sein Leben rennen, wir müssen kämpferisch auftreten und wir werden als Sieger vom Platz gehen." Von 40 Heim-Duellen gegen Dynamo hat der FCE nur neun verloren. In der 2. Bundesliga gab es bislang fünf Duelle - vier Mal siegten die Unsrigen, zuletzt drei Mal in Folge, und ein Mal Dynamo. Dies soll auch nach der Partie so bleiben.
Allerdings wetzen die Spieler aus Dresden bereits ordentlich mit den Messern. Besonders Trojan sticht hier prollig hervor: "Wir wollen gewinnen und zeigen, dass sie zurecht hinter uns stehen. Die haben hier gefeiert, als ob sie die Champions League gewonnen hätten. Das habe ich nicht vergessen", erinnert sich Dresdens Linksaußen ans Hinspiel, indem die Hausherren für ein schlechtes Auftreten eben auch die Quittung bekommen haben. Im Hinspiel drehten die Auer nämlich einen Pausenrückstand noch in einen sensationellen 2:1-Sieg. Jan Hochscheidt schnürte damals seinen bislang einzigen Zweitliga-Doppelpack. Es war eins von fünf Spielen - vier Mal nach 1:0 bzw. ein Mal nach 2:1-Vorsprung - in denen Dresden nach einer eigenen Führung verlor, keiner häufiger.
Zum Personellen gibt es derzeit viele Fragezeichen in Aue. Bei den angeschlagenen Mittelfeldspielern Guido Kocer und Fabian Müller ist sich (nur) der Trainer sicher, dass sie bis zum Anpfiff wieder fit sind. Abwehrspieler Thomas Paulus (Muskelfaserriss) und Mittelfeldakteur Oliver Schröder (Bänderdehnung) sind zwar ins Training eingestiegen, allerdings wäre ein Einsatz am Samstag über 90 Minuten wohl verfrüht. "Thomas ist noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte, aber für einen Platz im Kader reicht es auf jeden Fall", sagte Baumann über den Innenverteidiger. Doch die Gefahr, dass die Abwehrzentrale mit Kapitän René Klingbeil und Thomas Paulus mit gelben Karten belegt werden und beide damit im nächsten Spiel beim MSV Duisburg gesperrt wären, ist hier nicht außer Acht zu lassen. Eins steht jedenfalls fest, egal wer spielt: Kämpfen, Kratzen, Beißen! Wer nicht alles für den Verein gibt, darf auch schon mal nach 20 Minuten ausgewechselt werden. Zu wichtig sind diese drei Punkte.
Passend zur sicherlich emotionalen Schlacht im Old Otto, für die es nur noch wenige Restkarten käuflich zu erwerben gibt, steht mit Günter Perl (Pullach), Georg Schalk (Augsburg) und Thomas Gorniak (Bremen) ein durchaus erfahrenes Schiedsrichtertrio auf dem Platz. Verantwortlich für Ordnung und sittliches Benehmen in den Coachingzonen ist Karl Valentin (Taufkirchen). Für den Chef der Bande Perl wird es die sechste Partie mit Auer Beteiligung werden. Die Bilanz neigt leicht zu Aue: Jeweils ein Auswärts- bzw. Heimspiel gingen verloren, dafür wurden zwei Heimspiele sowie ein Auftritt in fremden Gefilden gewonnen. Zuletzt gelang den Lila-Weißen unter der Leitung des 42-jährigen Groß- und Außenhandelskaufmann am 17. Spieltag der vergangenen Saison gegen den FSV Frankfurt ein 3:1 Heimerfolg.



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