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Falko Götz: "Wir leben alle vom Prinzip Hoffnung"

im Gespräch mit bundesliga.de
In den vergangenen zwei Spielzeiten gelang dem FC Erzgebirge Aue die Rettung erst kurz vor Schluss. Das will Falko Götz ändern. Erst drei Spieltage vor Saisonende wurde der 51-Jährige neuer Cheftrainer in Aue, nun kann er erstmals mit seinem Team eine richtige Vorbereitung absolvieren. Im Interview mit bundesliga.de erklärt der frühere Hertha-Coach, was sich ändern muss, damit die “Schachter” diesmal früher in Sicherheit sind und wie Jan Hochscheidt ersetzt werden soll.

bundesliga.de: Herr Götz, vergangene Spielzeit haperte es bei Aue an vielem, unter anderem wie schon im Jahr zuvor an der Chancenverwertung. Mit zwölf Toren war Aue nach der Winterpause das ungefährlichste Team. Wie wollen Sie als ehemaliger Offensivspieler diese Baustelle angehen?
Götz: Es ist wichtig, in allen Mannschaftsteilen torgefährlicher zu werden. Daran arbeiten wir, und dazu gehört, dass wir unser Aufbauspiel bei eigenem Ballbesitz verbessern. Wir haben bei der Kaderzusammenstellung darauf geachtet, dass wir spielstarke, aber auch torgefährliche Leute dazuholen. Vergangene Saison lag die Torlast stark auf Jakub Sylvestr und Jan Hochscheidt. Diese Last wollen wir besser auf die ganze Mannschaft verteilen. Aber die Grundspielweise werden wir nicht verändern. Wir wollen aus einer kompakten Mannschaft Gegenangriffe starten - das bleibt weiter unsere Philosophie.

bundesliga.de: Mit Hochscheidt hat Aue aber auch noch den torgefährlichsten Spieler verloren. Wie wollen Sie ihn ersetzen?
Götz: Es gibt da einige Kandidaten. Mit Solomon Okoronkwo haben wir noch einen Stürmer verpflichtet, der in der Vorbereitung bereits gezeigt hat, dass er Tore machen kann. Mit Zlatko Janjic haben wir einen erfahrenen Spieler geholt, der an verschiedenen Stationen ebenfalls seine Torgefährlichkeit bewiesen hat. Aber ganz klar, auch Spieler, die schon länger bei Aue sind, wie Fabian Müller, Guido Kocer, Mike Könnecke oder Oliver Schröder müssen torgefährlicher werden.

bundesliga.de: Mit Sascha Kirschstein hat Aue einen erfahrenen Keeper verpflichtet. Wird es im Tor zu einem echten Zweikampf zwischen ihm und Martin Männel kommen?
Götz: Ich kann einen Sascha Kirschstein nicht holen und sagen: Du sitzt hier auf der Bank. Dann krieg’ ich den nämlich nicht. Ich möchte auf dieser Position mehr Konkurrenz haben, um im Endeffekt auch eine Entwicklung zu sehen. Mir war schon bei meinen früheren Stationen immer wichtig, dass ich zwei nahezu gleichwertige Torhüter habe. Männel und Kirschstein sind zwei unterschiedliche Typen, aber beiden ist ein ehrlicher Zweikampf um die Nummer eins versprochen worden. Erst kurz vor dem ersten Pflichtspiel werde ich mich zwischen beiden entscheiden.

bundesliga.de: Wie wichtig ist, dass Sylvestr, Ihr bester Stürmer 2012/13, fest verpflichtet werden konnte?
Götz: Er hat ja gezeigt, was er drauf hat. Aber auch da war die Situation so, dass er vergangene Saison fast ohne Konkurrenz war. Mit der Verpflichtung von Okoronkwo haben wir das jetzt gut hingekriegt, dass wir eine starke Konkurrenz um die Position als einzige Spitze haben. Daran wird sicherlich auch Sylvestr wachsen.

bundesliga.de: Sehen Sie auf anderen Positionen noch Handlungsbedarf?
Götz: Unsere Priorität liegt klar darauf, noch einen Innenverteidiger zu holen.

bundesliga.de: Diesmal können Sie die Vorbereitung gemeinsam mit der Mannschaft absolvieren, nachdem Sie das Team 2012/13 erst drei Spiele vor Schluss übernommen hatten - wie wichtig ist so etwas für die Arbeit eines Trainers?
Götz: Ich habe schon vergangene Saison gesagt, dass man in drei Spielen natürlich nicht viel machen kann. Trainingstechnisch war da wenig möglich. Jetzt können wir an unserem System arbeiten und versuchen, in Defensive und Offensive unsere Schwerpunkte reinzukriegen. Und wir machen die Mannschaft so fit wie möglich.

bundesliga.de: Am 17. Juni war Trainingsbeginn, das Trainingslager liegt hinter Ihnen. Wie zufrieden sind mit der bisherigen Vorbereitung?
Götz: Die Jungs ziehen alle gut mit. Wir haben sehr gute Bedingungen, sowohl im Trainingslager als auch zu Hause in Aue. Trotz der hohen Intensität haben wir mit Ausnahme von Tobias Nickenig keine längerfristigen Ausfälle zu verzeichnen. Wichtig ist für mich, dass der Großteil der Mannschaft die Vorbereitung komplett mitmacht, um für die lange Saison optimal vorbereitet zu sein. Und das haben wir bislang gut hingekriegt.

bundesliga.de: Welchen Eindruck haben die Neuverpflichtungen gemacht?
Götz: Die meisten wissen, was sie in der 2. Bundesliga erwartet und haben sich auch schon entsprechend vorbereitet. Arvydas Novikovas ist Litauer und aus Schottland zu uns gekommen. Er kennt den deutschen Fußball noch nicht so und muss sich an die Trainingsumfänge hier noch gewöhnen. Aber er ist ein Riesentalent und schon auf einem sehr guten Weg.

bundesliga.de: Als Spieler waren Sie bei großen Clubs, als Trainer unter anderem in Berlin und München. Was ist im vergleichsweise kleinen Aue anders?
Götz: Es ist hier viel ruhiger, es gibt weniger Medienarbeit zu machen. Wir können uns als Trainerteam viel stärker auf die wesentlichen Dinge, die mit Fußball zu tun haben, konzentrieren. Die Arbeit mit der Mannschaft macht mir hier sehr großen Spaß. Der Club ist ein bisschen entspannter. In vielen Großstädten läuft es anders ab.

bundesliga.de: Die letzten beiden Spielzeiten wäre Aue fast abgestiegen. Was macht Sie optimistisch, dass es diesmal besser läuft?
Götz: Wir leben alle vom Prinzip Hoffnung. Natürlich werden wir uns sehr gut vorbereiten. Wir wollen auch einige Aspekte in unserem Spiel ändern. Wir wollen einerseits weiterhin ein sehr aggressiver, leidenschaftlicher Gegner sein und uns andererseits auch in spielerischer Hinsicht verbessern. Ich hoffe natürlich, dass wir auf diese Weise mehr Punkte bekommen. Von daher sind wir hier alle sehr optimistisch. Aber wir wissen, dass die Konkurrenz ebenfalls gut vorbereitet sein wird - wir sind uns also der Schwere der Aufgabe durchaus bewusst.

bundesliga.de: Wie lautet das Saisonziel für die neue Spielzeit?
Götz: Wir wollen früher als vergangene Saison gesichert sein, also mindestens drei Gegner hinter uns lassen, und deutlich vor Saisonende Planungssicherheit haben.

bundesliga.de: Zum Auftakt geht es zu den hoch eingeschätzten Ingolstädtern - wird das gleich eine echte Standortbestimmung?
Götz: Mir ist es lieber, zum Anfang gegen starke Gegner zu spielen, als wenn sie sich erst eingespielt haben. Wir sind mit unserem Auftaktprogramm zufrieden.

bundesliga.de: Welche Teams sind für Sie die Top-Favoriten für den Aufstieg?
Götz: Die Absteiger Fürth und Düsseldorf werden eine gute Rolle spielen. Auch die Traditionsvereine Kaiserslautern und Köln werden ein gehöriges Wörtchen mitsprechen.


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