Hannover 96 - FC Erzgebirge Aue 'Punkt fast schon zu wenig'
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Den besseren Start in die Partie erwischten allerdings die Hausherren, die mit genau der gleichen Startformation, die unter der Woche im DFB-Pokal gegen Fortuna Düsseldorf mit 3:0 gewonnen hat, ins Rennen gingen: Nach nur vier Spielminuten landete tief in der eigenen Hälfte Anthony Baryllas Klärungsversuch direkt bei Kerk. Der Hannoveraner schnappte sich den Ball und erzielte sein drittes Tor in dieser Woche - bereits im Pokal gegen Düsseldorf und am letzten Spieltag gegen Regensburg hatte der von den abgestiegenen Osnabrückern gekommenen Mittelfeldspieler getroffen.
Erzgebirge Aue ließ sich durch den frühen Rückstand aber nicht entmutigen und erarbeitete sich in der Folge mehr Spielanteile. Allerdings fielen im gefährlichen letzten Drittel den Lila-Weißen wenig ein, die zudem stark ersatzgeschwächt die Reise nach Niedersachsen antreten mussten. Neben dem gesperrten Clemens Fandrich musste auch Gaëtan Bussmann (Rückenprobleme) und Ben Zolinski (Kniebeschwerden) kurzfristig ersetzt werden. Dafür rückten Omar Sijaric, Dirk Carlson und Jan Hochscheidt in die Startformation. Für den zuletzt genannten Blondschopf war es nach zwei Kurzeinsätzen und langer Verletzungspause die Startelfpremiere in dieser Saison. Zudem saßen mit Tim Kips und Philipp Klewin gleich zwei Torhüter auf der dünn besetzten Reservebank. Dennoch erspielten sich die Veilchen ein optisches Übergewicht, hatten aber auch in der Defensive so ihre brenzligen Situationen zu überstehen. Erst scheiterte Ondoua aus kurzer Distanz an Martin Männel (12.), dann entschied sich Beier erst für einen Querpass statt frei vor dem Auer Torhüter selbst abzuschließen (17.) und vergab dann selbst in aussichtsreicher Position (27.).
Aue selbst zeigte sich weiter unbeeindruckt, doch Hochkaräter blieben selten, weil der direkte Weg zum Tor fehlte. So gab Nicolas-Gerrit Kühn einen ersten Warnschuss ab (18.), Dimitrij Nazarov zwang 96-Schlussmann Hansen zu einer ersten Parade (21.) und schoss kurz darauf knapp über das Tor (22.). Der Ausgleich sollte trotzdem noch fallen - und dass zu einem psychologisch wichtigen Zeitpunkt: direkt vor der Halbzeitpause. Es lief die erste Minute der Nachspielzeit. Nach einem Einwurf aus der eigenen Hälfte bekam Dimitrij Nazarov den Ball per Kopfballverlängerung von Omar Sijaric in den Lauf gespielt und markierte aus spitzem Winkel den Ausgleich. Es war sein 35. Zweitligatreffer im Trikot der Veilchen, überholte damit in der Ewigen Tabelle Pascal Testroet und hat nur noch drei Tore Abstand zu Rekordtorschütze Jan Hochscheidt (38).
Der Wirkungstreffer jedenfalls saß und die Veilchen erwischten dann auch den besseren Start mit einer Eckball-Serie in die zweite Halbzeit. Richtig für Gefahr sorgten diese Standards aber nicht. Aue hatte weiter Probleme, seine Spielanteile auch in gute Chancen umzumünzen. In den letzten 20 Minuten der Partie legte der FCE aber dann noch eine Schippe drauf, auch was das Auslassen an Möglichkeiten anging. So vergaben der eingewechselte Nikola Trujic (78., 82.) sowie Nicolas-Gerrit Kühn (80., 83.) fast schon fahrlässig den Führungstreffer, was aber von John-Patrick Strauß noch getoppt wurde. Aues Verteidiger kam nach einer Vorlage sieben Meter vor dem halbleeren Tor zum Abschluss und verballerte den Sieg (85.).
So blieb es beim Remis, in dem für Aue im vierten Anlauf der erste Liga-Erfolg bei den Niedersachsen drin gewesen wäre, nein, eigentlich musste. “Wenn man unsere Situation sieht - da helfen nur Siege. Auf der anderen Seite ist man stolz auf die Jungs. Wir sehen Woche für Woche den Fortschritt und darauf lässt sich aufbauen. Jetzt hoffen wir, dass wir gegen Heidenheim drei Punkte holen”, so Dimitrij Nazarov, der neben seinem ersten Saisontor noch ein weiteres Andenken mitnehmen ‘durfte’. Es lief die 72. Spielminute, als die Stollen des eben eingewechselten Trybull rustikal in die Kniekehle von Dimitrij Nazarov eintauchten. Für das Schiedsrichtergespann um Michael Bacher (Amerang) allerdings nur ein gelbwürdiges Foul, welches aber den verletzungsbedingten Wechsel von Dimitrij Nazarov nach sich zog. Den Fokus müssen die Auer jetzt auf die Offensivleistung legen und irgendwie die Abschlussschwäche in den Griff bekommen. Erst neun Zweitliga-Tore gelangen den Veilchen in dieser Spielzeit. Interims-Cheftrainer Carsten Müller, der letztmalig in dieser Funktion auf der Auer Bank saß, bevor ab Montag der neue Sportchef Pavel Dotchev diese Rolle übernimmt, unterstrich das: “Wir haben 19 Torabschlüsse, aber nur einen Treffer. Und deshalb müssen wir leider mit nur einem Punkt leben.”
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