VeilchenPower.de

3. Liga 2008/09

Spielbericht

6. Spieltag - Samstag, 13.09.2008 - 14:00

Stuttgarter Kickers - FC Erzgebirge Aue 1:2 (1:1)

Stuttgarter Kickers: Manuel Salz, Benedikt Deigendesch, Marcus Mann, Marcel Rapp, Josip Landeka, Alexander Rosen, Bashiru Gambo, Orlando Smeekes, Ralf Kettemann, Sascha Traut, Michael Schürg; Trainer: Stefan Minkwitz

Eingewechselt: 46. Sasa Janic für Sascha Traut, 72. Marco Tucci für Michael Schürg, 79. Gökhan Gümüssu für Bashiru Gambo

Kader: Benjamin Huber, Thorsten Reiß, Franco Petruso, Dirk Prediger

FC Erzgebirge Aue: Stephan Flauder - René Klingbeil, Tomasz Kos, Thomas Paulus, Fabian Müller - Steve Müller, Daniyel Cimen, Marc Hensel, Skerdilaid Curri, Arne Feick - Maboula Ali Lukunku; Trainer: Heiko Weber

Eingewechselt: 63. Mohammed El Berkani für Skerdilaid Curri, 83. Kenny Schmidt für Maboula Ali Lukunku, 89. Jan Hochscheidt für Steve Müller

Kader: Michael Arnold, Maik Georgi, Benjamin Baltes, Sebastian Glasner

Tore: 0:1 Marc Hensel (Rechtsschuss, 5.); 1:1 Orlando Smeekes (Rechtsschuss, 27.); 1:2 Kenny Schmidt (Kopfball, 89. / René Klingbeil)

Schiedsrichter: Marco Achmüller (Bad Füssing)

Zuschauer: 3280

Gelbe Karte: Marcus Mann / Steve Müller, Marc Hensel (2.), Kenny Schmidt

 
 
     
   
     
     
     
     
     
     
     
 

Vorbericht - Rückrundenspiel - Fotos vom Spiel

Spielbericht: Endlich, der erste Auswärtsdreier seit einem halben Jahrtausend oder sagen wir mal 377 Tagen steht bei den Veilchen unwiderruflich zu Buche. Beim Schlusslicht Stuttgarter Kickers gab es durch ein spätes 2:1 schließlich wieder Zählbares auf fremden Rasen, was seit dem 1:0 beim SC Paderborn am 2. September 2007 - man blieb stolze 17 Auswärtsspiele nacheinander sieglos - aufs schmerzlichste vermisst wurde.

Dass dieser Erfolg gerade im brisanten Kellerduell gelang, sorgte für zusätzliche Besänftigung bei den gut 400 angereisten Schlachtenbummlern und den unzählig Daheimgebliebenen, die sich per medialen Schnickschnack über diesen Wahnsinn erfreuten. Der erst fünf Minuten zuvor eingewechselt Kenny Schmidt sicherte in der 89. Minute den ersten Sieg in dieser Saison. Mit einem Jubelsturm in Richtung Auer Fankurve ließ der 21-Jährige seinen Gefühlen freien Lauf. Die gelbe Karte fürs Zaunbespringen nahm der viel gescholtene Kicker hemmungslos in Kauf. 14 Tage zuvor, nach der 0:2-Heimniederlage gegen Paderborn, war der nun frisch gebackene Matchwinner von den eigenen Fans noch beleidigt und bespuckt worden. "Kenny hat mir am Donnerstag versprochen, dass er in Stuttgart ein Tor macht", verriet Teammanager Heiko Weber, dem die 90 Minuten zuvor spürbar nahe gegangen waren.
Während die Kickers weiterhin mit nur einem Zähler die Rote Laterne des Tabellenletzten inne haben, gilt jetzt der Blick für das Auer Trainergespann nach oben Richtung Mittelfeld, obwohl in den 90 Minuten nicht alles so bewundernswert war, wie es der Sieg vortäuscht. Mit einer Gedenkminute begann das richtungweisende Duell zwischen dem Tabellenletzten und dem Vorletzten der dritten Liga, das aufgrund des dichten Nebels und zugleich fiesen Nieselregens auf der Waldau unter Flutlicht ausgetragen wurde. Doch nicht nur der Nebel behinderte die Sicht im gut gefüllten Gästeblock. Ein Netz vor der Gegengerade, was wegen dem Becherwurfs eines ehemaligen VfB-Stuttgart-Hooligans im DFB-Pokalspiel 2006 gegen Hertha BSC zum Schutz der Spieler und Schiedsrichter installiert werden musste und der DFB nun nach dem Gastspiel der Veilchen seine Einwilligung zur Entfernung der störenden Sichtbehinderung gegeben hat, sorgte, wie die Zaunabtrennung zu den Heimfans, nicht gerade für berauschende Aussichten zum Spielfeld. Hinzu kam noch die großen Schwenkfahnen der Ultras Aue, was mitunter nicht Jeden konvenierte. "Wir haben schon viele Stadien gesehen, aber die Sichtverhältnisse hier waren wirklich eine Zumutung", so Fanprojekt-Mitarbeiterin Karolin Hambeck. Trotz dieser Unannehmlichkeiten war die Laune im Block nicht die schlechteste.
Nachdem der Schiedsrichter die Partie freigegeben hatte und man sich die kongolesische Neuverpflichtung Ali Maboula Lukunku, der für Sebastian Glasner von Beginn an auflief, nun genauer anschauen wollte, stand es bereits 1:0 für die Veilchen. Mit dem ersten Angriff gelang die schnelle Führung, eingeleitet von Daniyel Cimen zu Arne Feick, der viel Platz auf der linken Seite hatte und so seelenruhig das Leder in den Strafraum kredenzte. Den folgenden Kopfball von Marc Hensel konnte Kickers-Torwart Salz zunächst noch parieren, doch der zweite Versuch per Gewaltschuss unter die Latte saß dann endlich. Was für ein Paukenschlag nach fünf Minuten.
Allerdings verpuffte dieser Anfangseuphorie sehr rasch und das Team von Heiko Weber nutzte die Verunsicherung der Blauen nicht konsequent genug, sodass diese sich vom frühen Gegentreffer erholen konnten. Nach zwanzig Minuten zeigten sich die Hausherren auch mal vor dem Tor von Stephan Flauder, der wegen des 'Magen-Darm-Infektes' seines Konkurrenten Martin Männel zum ersten Mal zu einem Punktspieleinsatz kam. Der niederländische Kickers-Neuzugang Smeekes ballerte dabei nur knapp am Dreiangel vorbei, was gleichzeitig als erste Torchance überhaupt für die Minkwitz-Elf gewertet werden kann.
Blöderweise ging die zweite Tormöglichkeit dann rein. Nach einer Ecke von Kettemann köpfte Steve Müller direkt vor die Füße des Neuzugangs, der mit aller Gewalt aus 16m abzog und mit Unterstützung der Lattenunterkanne das Geschoß auch noch den Weg ins Tor fand (27.). "Quasi mit dem ersten Schuss auf unser Tor fällt das 1:1 - das ist für einen Trainer und die Spieler nicht ganz so einfach zu verarbeiten", zeigte sich Heiko Weber fassungslos und erinnerte sich gerade in diesen Momenten an die Spiele in Jena und Bremen, als seinen Mannen ebenfalls führten, aber am Ende kläglich untergingen. So sah es nach dem Ausgleich der Degerlocher ebenfalls aus.
Beflügelt von dem Treffer legten nämlich die Akteure des Tabellenletzten plötzlich einen Gang zu und waren bis zur Halbzeitpause klar spielbestimmend. In der Auer Hintermannschaft fehlte es schlagartig an der Zuordnung, das Chaos regierte, zum Glück ohne jegliche Folgen. Entlastungsangriffe waren nur noch selten zu sehen. Selbst der nach seiner Fußverletzung wiedergenesene Skerdilaid Curri konnte wenig Durchdachtes im Spielaufbau beisteuern, fast postwendend erfolgte der Sturmlauf der Blauen. "Da konnte einem himmelangst werden", befand Abwehrspieler Thomas Paulus die letzten Minuten vor der Pause. "Wir wussten, dass das Spiel heute nur über den Kampf geht, und sind nach fünf Minuten sehr gut gestartet, als wir in Führung gegangen sind. Nach dem Ausgleich durch eine Standardsituation hatten wir einige Minuten Sorgen, da haben die Kickers richtig Dampf gemacht. Danach haben wir uns wieder stabilisiert, das 1:1 zur Pause ging in Ordnung", resümierte Trainer Rico Schmitt zur Halbzeit.
Nach dem Seitenwechsel gingen es beide Teams deutlich ruhiger an und dementsprechend spiegelte der gezeigte Leistungsstand den Platz in der Tabelle prägnant wieder. Vieles spielte sich fortan zwischen den beiden Strafräumen ab und für echte Torgefahr konnte weder Neuzugang Lukunku auf Auer- noch Schmeekes auf Kickersseite sorgen. Die beste Auer Möglichkeit in Halbzeit zwei besaß Kapitän Tomasz Kos, als er einen Curri-Eckball nur knapp neben das Gehäuse von Keeper Salz köpfte (52.). Auch die Hereinnahme von Mohamed El Berkani, für den Skerdilaid Curri das Feld räumen musste, riss den gemeinen Fan nicht vom Hocker. "Das Spiel in der zweiten Halbzeit war sicher kein fußballerischer Leckerbissen, sondern kampfbetont", analysierte Rico Schmitt, der zu diesem Zeitpunkt neben einem gequälten und zugleich nachdenklichen Teammanager saß.
Zwar blieb der FC Erzgebirge der dominantere Part, doch die Angst sich hier zu blamieren war in jeden der 22 Akteure wie eingemeißelt. Das Schiedsrichtergespann verlebte dadurch einen sehr ruhigen Samstagnachmittag und vieles deutete bis zu diesem Zeitpunkt auf eine eigentlich gerechte Punkteteilung hin. Allerdings entpuppte sich der Fußballgott heuer als Lila-Weißer, der zuerst auf Heiko Weber Einfluss nahm, welcher Kenny Schmidt für den aufopferungsvollen Stürmerneuling Ali Maboula Lukunku, der mit einem Drehschuss in der 79. Minute nochmals für ein Aha-Effekt sorgte, ins Spiel schickte und zweitens, die Geschichte der 'Auswärtsdeppen' in ein doch glückliches Ende umwandelte. Denn die punktgenaue Hereingabe von René Klingbeil köpfte Kenny Schmidt mit einer unglaublichen Bogenlampe aus 15 Metern zum 2:1 ins Kickers-Tor. "Das war der Dusel, der uns in den ersten Spielen fehlte. Das hat die junge Mannschaft endlich mal gebraucht", meinte Thomas Paulus freudestrahlend.
Dass Arne Feick, nachdem er von Mohamed El Berkani nach einem Konter perfekt bedient wurde, noch die Chance zum 3:1 auf dem Fuß hatte und die Nerven gegen den herausgeeilten Schlussmann verlor ist zwar ärgerlich, aber durch den im Anschluss ertönenden Schlussakkord des Unparteiischen fast schon nebensächlich. Im Gegensatz zu den losgelösten lilanen bzw. orangenen Haufen, machte sich Stuttgarts-Trainer Minkwitz schon mal Gedanken über seine Zukunft bei den Kickers. Jedoch stärkte sein Präsident Eichelbaum auf der nun dritten einberufenen Sondersitzung dem Trainer den Rücken. Für die Veilchen ist Stuttgart ab jetzt immer eine Reise Wert und so könnte Mitte November beim zweiten Gastspiel im GAZi-Stadion der VfB Stuttgart II gegen den nun hoffentlich moralgestärkten Auern ebenfalls den Kürzeren ziehen. (arn)