FC Erzgebirge Aue - Hamburger SV 'Nur wenige Sekunden fehlten zum ersten Saisonsieg'
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Sein Gegenüber, Marc Hensel, versuchte zunächst das Spiel ebenfalls sachlich zu analysieren: “Der HSV ist die stärkste Mannschaft der Liga und trotzdem haben wir das Spiel dominiert und hätten das 2:0 machen müssen. Die Tragik zum Ende des Spiels tut natürlich unglaublich weh, wird uns aber nur noch stärker machen.” Doch am SKY-Mikrofon brach es aus ihm raus, schimpfte über die Rote Karte und beendete das Interview mit: “Nein, ich will nicht weiterreden. Ich muss mich zügeln. Das bringt mir auch nichts, wenn ich hier Sachen sage, die mir am Ende leidtun. Ich glaube, jeder weiß, was gemeint ist.” Es war die 69. Spielminute. Soufiane Messeguem kam gegen Kittel einen Schritt zu spät, fuhr ihn von hinten in die Parade. Schiedsrichter Lasse Koslowski hatte zunächst die Hand an der Brusttasche und wollte Gelb zeigen, die geschlossen aufgesprungene HSV-Bank forderte aber Rot, was es dann nach Zuruf des vierten Offiziellen Roman Potemkin auch für den jungen Auer Mittelfeldspieler geworden ist. “Ich bin fassungslos. Das sind die kleinen Details im Spiel, die Spiele entscheiden”, so Marc Hensel, der sich kurz nach dem Platzverweis nochmals beim vierten Offiziellen beschwerte und anschließend selbst Gelb sah. Der Stimmungsdämpfer mit dem Last-Second-Ausgleich war dann das i-Tüpfelchen auf der ganzen Schei…
Dabei hatte die Partie vor 7.750 Zuschauer im Erzgebirgsstadion trotz spielerischer Überlegenheit der Hamburger bereits in der 23. Minute mit der Auer Führung die richtige Richtung eingenommen. John-Patrick Strauß setzte sich auf der rechten Außenbahn durch und flankte ins Zentrum. Der Klärungsversuch von Hamburgs David landete bei Antonio Jonjic, der wie Gaëtan Bussmann neu in die Startelf rotierte und sich als unfreiwilliger Torschütze entpuppen sollte. Denn vom Hinterkopf des Auer Offensivspieler flog der Ball zur Überraschung aller ins Tor des HSV. Ekstase, Ausrasten, Rudelbildung, alles was das Fußballerherz begehrt. Danach blieben die Rothosen, die nach wie vor die reifere Spielanlage zeigten, zwar komplett überlegen, doch die Veilchen kamen nun mit mehr Selbstvertrauen und vor allem öfter zu Kontern und Chancen. So hätte Babacar Gueye (45.+1) das 2:0 erzielen müssen, doch sein Kopfball strich um Zentimeter am langen Pfosten vorbei.
Auch nach dem Wechsel und etwas Rauch aus dem Auer Fanblock hatte der Senegalese den ersten guten Abschluss. Doch sein Schuss von der Strafraumgrenze war zu zentral und zudem nicht scharf genug (55.). Kurz darauf sollte der bereits angesprochene Platzverweis dem Spiel noch mal Brisanz verleihen. Die Gäste warfen nun alles nach vorne, Aue stand mit elf Mann hinten drin und ersehnte den längst überfälligen Schlusspfiff. Doch in der vierminütigen Nachspielzeit passierte das Unfassbare. Der HSV kombinierte sich auf halblinks durch, der eingewechselte Doyle chippte das Spielgerät an die Latte. Dirk Carlson wollte retten, köpfte die Kugel aber selbst ins leere, eigene Tor (90.+4). Ein unglaubliches und zugleich bitteres Ende für die Veilchen, die nach dem Regensburg-Desaster (Niederlage in der 90. Minute) nun den nächsten Schocker verkraften müssen.
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