FC Erzgebirge Aue - TSV 1860 München 'Drei Punkte unnerm Weihnachtsbaam'
Geschrieben von am Kategorien Spielbericht Noch keine Kommentare


Dies tat bereits vor dem Anpfiff des 25. Duells beider Kontrahenten die Aktive Fanszene mit einer herausragenden Choreo. Man war echt gespannt, was die Jungs der Erzbrigade nach Nussknacker, Bescherung, Engel und Bergmann sowie Anton Günther nun aus dem Boden stampfen würden. Und was soll man sagen, die traditionelle Weihnachtschoreo verwandelte das Wohnzimmer in einen Ort der Gemütlichkeit und des Wohlbefindens. Auch die zahlreichen Gästefans feierten auf ihre Weise die besinnliche Zeit, hatten hier und da im Einklang mit dem 1., 2. und 3. Advent ihre Kerzen angezündet, die nach der gezeigten DFB-Pokalsieger-Würdigung von 1964 noch übriggeblieben sind.

Der Rahmen war somit gegeben, die Akteure auf dem Grün sollten den Rest beitragen. So legten die Veilchen, unverändert zum siegreichen Auswärtsspiel beim SV Sandhausen, auch gleich los, markierten in der siebten Minute die frühe Führung. Ein weiter Ball von Keeper Martin Männel landete bei Omar Sijaric, der die Kugel nach ein paar Metern direkt in den Strafraum flankte, wo der eingelaufene Ex-Löwe Kilian Jakob zum 1:0 vollendete. Eine Minute später fast ein Abbild der Szenerie, nur verpasste Aues Linksaußen die Hereingabe diese Mal um Haaresbreite. Der FC Erzgebirge schien alles im Griff zu haben. Den ersten Torschuss von den Löwen sahen die 12.914 Zuschauer erst in Minute 19, allerdings fehlte Wolfram noch das Zielwasser.

Gefährlich wurde es demnach nicht, dennoch kippte das Spiel immer mehr Richtung Gäste. Aue verwaltete den knappen Vorsprung, machte sich damit hinten aber auch selbst das Leben schwer. So fehlten bei Guttaus Abschluß knapp neben den langen Pfosten vorbei zum Glück die berühmten Zentimeter, sonst wäre Steffen Nkansahs zu kurze Kopfballrückgabe folgenschwer gewesen (33.). Sieben Minuten später war das Glück jedoch aufgebraucht. Nach Borys Tashchys Ballverlust am eigenen Strafraum bekamen Schröters Hereingabe weder Niko Vukancic noch Steffen Nkansah ordnungsgemäß geklärt, Wolfram war Nutznießer und überwand aus elf Metern auch noch Martin Männel - 1:1. Fast wären die Veilchen sogar mit einem Rückstand in die Pause gegangen, doch der frischgebackene 1860-Torschütze zog überhastet ab, statt den besser postierten Bähr die Kugel zu überlassen (44.). Danach war Halbzeit, und so konnte es nicht weitergehen.

Ging es aber. Die Giesinger erarbeiteten sich eine Vielzahl von Chancen, die mit viel Dusel überstanden werden konnten. So rettete erst Pascal Fallmann auf der Linie eine direkte Ecke von Deniz (52.) und in der 68. Minute konnte Martin Männel dessen Freistoß unorthodox parieren. Allerdings genau vor die Füße vom eingewechselten Dulic, der ebenfalls etwas überrascht aus sieben Metern drüberhämmerte. Auch bei Guttaus Versuch blieb Aues Schlussmann Sieger (77.). Entlastung gab es nur selten. Die beste Möglichkeit dazu hatte Kilian Jakob, der eine Fallmann-Hereingabe von links am langen Pfosten stehend annahm und aus spitzen Winkel Löwen-Keeper Hiller zu einer Fußabwehr zwang (62.). Mehr hatte die zuletzt mit sechs Toren auf sich aufmerksam gemachte Auer Offensive nicht im Köcher.

Noch nicht, denn das Beste kam zum Schluss. In der 86. Minute drang Marcel Bär in den Strafraum ein, Kwadwo grätschte den ehemaligen Teamkollegen um und Schiedsrichter Marc Philip Eckermann ließ sich dieses Mal nicht wie in Halbzeit eins beim Foul an Borys Tashchy fehlleiten (41.), sondern zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt. Der Gefoulte lief selbst an, Hiller ahnte die Ecke, parierte den Schuss, doch Aues Toptorschütze zeigte seine ganze Routine und köpfte den Abpraller ins linke Eck zum 2:1 (88.). Diese wahnsinnige Szene stellte die 2. Halbzeit komplett auf den Kopf. “Die Löwen haben uns vor Riesenproblemen gestellt, hatten relativ viele Torchancen. Es war ein glücklicher Sieg, aber wir brauchen uns dafür heute nicht zu entschuldigen”, sagte Aues Sportgeschäftsführer sowie Interimstrainer Matthias Heidrich, der sich auch für die Stimmung im Stadion bedankte.

Die kochte im Anschluss so richtig über. Gegen die aufgerückte 1860-Abwehr reichte der Chipball von Mirnes Pepic aus, um Marcel Bär auf Reisen zu schicken. Der anschließende Lupfer aus 15 Metern über Hiller hinweg zum 3:1 (90.) war nicht nur die Entscheidung, sondern auch grenzenlose Begeisterung, was mit dem lautstarken und inbrünstig gesungenen Steigermarsch im weiten Rund dann noch für reichlich Gänsehaut sorgte. Gerne mehr davon im Jahr 2025. Bis dahin erholsame Weihnachtstage und einen guten Rutsch.
Spielbericht
Fotos vom Spiel
Noch keine Kommentare