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3. Liga 2009/10

Spielbericht

16. Spieltag - Samstag, 07.11.2009 - 14:00

Holstein Kiel - FC Erzgebirge Aue 2:1 (1:0)

Holstein Kiel: Simon Henzler, Kevin Schulz, Robert Müller, Peter Schyrba, Christian Jürgensen, Alexander Nouri, Tim Jerat, Christopher Lamprecht, Michael Holt, Florian Meyer, Tim Wulff; Trainer: Christian Wück

Eingewechselt: 56. Patrick Nagel für Florian Meyer, 79. Stephan Vujcic für Christopher Lamprecht, 86. Hauke Brückner für Alexander Nouri

Kader: Tobias Dittmann, Marco Stier, Dimitrijus Guscinas

FC Erzgebirge Aue: Martin Männel - Pierre Le Beau, Tomasz Kos, Thomas Paulus, René Klingbeil - Jan Hochscheidt, Marc Hensel, Sven Müller, Skerdilaid Curri, Manuel Hiemer - Alban Ramaj; Trainer: Rico Schmitt

Eingewechselt: 46. Najeh Braham für Pierre Le Beau, 63. Eric Agyemang für Sven Müller, 82. Sebastian Glasner für Jan Hochscheidt

Kader: Michael Arnold, Sven Schaffrath, Thomas Birk, Bashiru Gambo

Tore: 1:0 Michael Holt (Rechtsschuss, 28. / Christopher Lamprecht); 2:0 Tim Wulff (Rechtsschuss, 61. / Christian Jürgensen); 2:1 Sebastian Glasner (Rechtsschuss, 89. / Skerdilaid Curri)

Schiedsrichter: Jan Seidel (Hennigsdorf)

Zuschauer: 4011

Gelbe Karte: Tim Wulff, Peter Schyrba / Thomas Paulus (2.), Alban Ramaj (4.), Skerdilaid Curri

 
 
     
   
     
     
     
     
     
     
     
 

Vorbericht - Rückrundenspiel - Fotos vom Spiel

Spielbericht: Eigentlich darf man so ein Spiel niemals verlieren. Allerdings, wer gegen einen keineswegs übermächtigen Gegner mit Angsthasenfussball agiert, packt das locker. Somit fiel die von Sebastian Glasner prognostizierte lustige Heimfahrt nach der 1:2-Pleite gegen Aufsteiger Holstein Kiel mächtig ins Wasser. Anstatt der drei Punkte aus dem Norden gab es Frust pur. Zum einen über den nicht gegebenen Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit von Alban Ramaj und zum anderen über eine offensichtlich unausgereifte Taktik. Nachdem Trainer Rico Schmitt zuletzt dreimal mit der gleichen Startelf begann, versuchte er nach zwei Spielen ohne Sieg dem Abwärtsttrend gegenzusteuern.
Najeh Braham und Sebastian Glasner nahmen vorerst auf der Bank Platz, Sven Müller beackerte die rechte Außenbahn und Manuel Hiemer die linke, auf der Doppelsechs postierten sich Jan Hochscheidt sowie Marc Hensel und im Sturm vertraute der Coach einzig auf Alban Ramaj, der sich aber bei den wenigen Offensivaktionen kaum in Szene setzen konnte. Also auf dem Papier her deutlich defensiver ausgerichtet als zuletzt. Das sahen die rund 300 angereisten, jedoch zumeist sehr supportfaulen Schlachtenbummler ebenso.
Rico Schmitt verteidigte jedoch sein System: "Wir haben drei hundertprozentige Chancen und gute Kontermöglichkeiten in der ersten Halbzeit. Da müssen wir einfach führen." Gemeint waren die gut herausgespielten Aktionen von Marc Hensel, der in der 8. Minute von Alban Ramaj über die linke Seite geschickt wurde, im Anschluss nur knapp das Gehäuse von Kiels-Keeper Henzler verpasste und in der 22. Minute, als er bereits den Schlussmann umspielte, aber mit seinem schwachen linken Fuß das verwaiste Tor nicht traf. "Wenn ich einen reinmache, verläuft das Spiel in eine andere Richtung", so der wohl engagierteste Auer im mit 4.011 gefüllten Holstein-Stadion. Aber auch ein verwehrter Strafstoß nach Foul von Kiels Schlussmann Henzler an Pierre Le Beau (26.) machte den in oranje spielenden Kickern einen Strich durch die Rechnung.
Alles in allem spiegelte sich aber eine zu passive Haltung den zielstrebigeren Platzherren gegenüber wieder. Der klare Vorteil der Wück-Elf im obligatorischen Storchen-Look (weißes Trikot, rote Stutzen) lag ohne Zweifel am konsequenten Vorchecking. Die Kieler störten schon früh das Aufbauspiel der Veilchen, wodurch im weiteren Spielgeschehen die Fehlpassquote bei den Auern mächtig anstieg. Zudem gab es in der Hintermannschaft erneut einige Aussetzer, die die Nordlichter (fast) zum Toreschießen einlud. In der 28. Minute war es dann passiert. Ein Klärungsversuch von Kapitän Tomasz Kos landete bei Lamprecht, der entschlossen aufs Tor ballerte und Holt mit der Hacke die letztendlich entscheidende Richtungsänderung gab, sodass Torwart Martin Männel das erste Mal geschlagen war. 1:0 für Holt-stein Kiel. Bis zur Pause versuchten dann die Gäste aus der Duckmäuser-Stellung herauszukommen, doch viel zu plan- bzw. kopflos wurden die Angriffe zu Ende gespielt: Ein Konter in Überzahlsituation wurde wegen Abseits jäh unterbunden (33.) und nach einem Hochscheidt-Freistoß konnte René Klingbeil dem Leder nicht die nötige Richtung geben (43.). So blieb es zur Pause beim 0:1-Rückstand der Veilchen.
Rico Schmitt reagierte und nahm den gegen Meyer überforderten Pierre le Beau runter, stellte Sven Müller in den Abwehrverbund und zog Alban Ramaj wieder auf seine Stammposition im rechten Mittelfeld. Neu in der Partie war nun Najeh Braham, der für mehr offensive Impulse sorgen sollte, doch es blieb vorerst alles beim alten. Die Kieler spielten solide, sehr geordnet und hatten neben einem Nouri-Hammer in der 48. Minute die besseren Gelegenheiten. Erst ab der 55. Minute besannen sich die Auer auf die viel zitierten Tugenden und zeigten ansatzweise den richtigen Weg. Doch mittenrein in die vielversprechende Druckphase traf Wulff nach einer Flanke von Jürgensen und auch noch durch die Beine von Martin Männel zum 2:0 für Holstein Kiel. Aues Trainer setzte jetzt noch mehr auf Offensive, brachte mit Eric Agyemang für Sven Müller die benötigte Antwort. Doch erst die Einwechslung von Sebastian Glasner in der 82. Minute sorgte für sichtbare Verbesserung und der Abwehrriegel der nun ausgepumpten Hausherren bekam Risse.
Nur sieben Minuten später zappelte der Ball nach längerem Auer Powerplay sogar im Netz der Störche. Tomasz Kos passte nach rechts auf den alleingelassenen Skerdilaid Curri, der ein Auge für Pappe hatte, welcher sich erneut mit einem Hackentor in die Herzen der Veilchenanhänger schoss. Und als Alban Ramaj Sekunden vor dem Schlusspfiff ebenfalls noch einnetzte, war der Gästeblock völlig am Ausrasten. Die Freude über den Ausgleich schlug jedoch sofort in Wut über. Der Linienrichter spielte den Miesepeter, riss seine Fahne nach oben und gab den Treffer wegen einer angeblichen Abseitsstellung nicht. Alles Protestieren der überglücklichen Veilchen half nichts, Schiedsrichter Jan Seidel aus Hennigsdorf erkannte das fünfte Saisontor von Alban Ramaj nicht an. Alles was der vermeintliche Torschütze zu Gesicht bekam, war eine gelbe Karte wegen Meckerns. Die Fernsehbilder bestätigten das Glück für die Störche, die schlussendlich das Futter in Form der drei Punkte geschenkt zugesprochen bekamen.
Für den FC Erzgebirge heißt es nun den Anschluss an die Aufstiegsplätze nicht zu verlieren und in 14 Tagen gegen Wacker Burghausen endlich wieder aufzutrumpfen. Zuvor gibt es aber noch das Achtelfinale im Sachsenpokal gegen den 1. FC Lok Leipzig. Hoffentlich kommt Aue da mit der Favoritenrolle zurecht... (arn)